Firmen sind nicht nur in einem begrenzten Raum eingebunden, sondern über vielfältige Beziehung in die globalen Wirtschaftsströme. Diese globalen Wertschöpfungsketten werden oftmals von Unternehmen aus den entwickelten Ländern gesteuert, die damit auch die Zukunft anderer Unternehmen direkt oder indirekt mitbestimmen. Upgrading von Unternehmen aus den Entwicklungsländern ist abhängig von der Governance der globalen Unternehmen. Dies gilt umso mehr, je weniger innovativ diese abhängigen Unternehmen sind, bzw. in wieweit die Unternehmen in der Lage sind, von den globalen Leadern zu lernen. Im Rahmen der Globalisierung werden die lokalen Wettbewerbsvorteile verstärkt. Cluster sind demnach prädestiniert sich im globalen Wettbewerb zu behaupten, da sie als Motor für Innovation gesehen werden. Die vertikale und horizontale Verknüpfung von Unternehmen innerhalb eines Clusters führt zu einer kollektiven Effizienz, die die Wettbewerbsfähigkeit und vor allem die Innovationsfähigkeit erhöht.
Da das Upgrading von Clustern und das Upgrading innerhalb von globalen Wertschöpfungsketten kein getrennter Prozess ist, gibt es vielfältige Wechselwirkungen zwischen diesen Ebenen. Die interne Governance von Clustern und Wertschöpfungskette bestimmt den Umfang des Upgrading. Die Wechselwirkungen dieser Ebenen wurden bisher jedoch nur unzureichend dargelegt. So stellt sich die Frage, welche Unternehmen von der globalen Anbindung profitieren. Können auch Unternehmen, die bisher keine globale Anbindung oder nur schwach ausgeprägte Verbindungen haben, von den global agierenden Unternehmen im Cluster profitieren, oder führt die globale Einbindung zu einer Marginalisierung der Kontakte im Cluster? Wer übernimmt welche Rolle innerhalb eines Clusters? Zeigen sich Unterschiede in der Nutzung der Vorteile eines Clusters?
Um diese Fragen zu beantworten, soll diese Arbeit an einem Beispielprodukt durchgeführt werden, dass räumlich konzentriert von verschiedenen Produzenten hergestellt wird, um so eine Vergleichbarkeit zwischen den Unternehmen auf horizontaler Ebene zu erreichen. Für diese Arbeit wurde das Beispiel der Weinindustrie ausgewählt. Als lokales Beispiel für diese Arbeit dient die Region Paarl / Südafrika.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
1.1. Globale Rahmenbedingungen
1.2. Wissenschaftlicher Ansatz
1.3. Vorgehen
2. Wettbewerb
3. Cluster
3.1. Allgemein
3.1.1. Verschiedene Schulen
3.1.2. Grundlegende Vorteile
3.2. Governance
3.2.1. Allgemein
3.2.2. Governance in Clustern
3.3. Lernen und Innovation
3.4. Externe Verbindungen
4. Global Value Chains
4.1. Grundkonzept
4.1.1. Theorieentwicklung
4.1.2. Aktuelle Forschung
4.1.3. Grundlagen
4.2. Eintrittsbarrieren und Renten
4.3. Governance in GVC
4.3.1. Buyer- und producer-driven
4.3.2. Formen von Governance
4.3.3. Folgen der Governance
4.3.4. Gründe für Governance
4.4. Qualität und Standardisierung in GVC
5. Upgrading
5.1. Nationale Innovationskompetenz
5.2. Unternehmen
5.2.1. Voraussetzungen
5.2.2. Lernprozesse und Arten von Wissen
5.2.3. Formen
5.3. Upgrading in Clustern
5.3.1. Wissensdiffusion und informelle Kontakte
5.3.2. Auswirkung der Governance
5.3.3. Upgrading im Rahmen von „local innovation systems“
5.4. Upgrading in GVC
5.4.1. Auswirkungen der Governance
5.4.2. Formen von Upgrading in GVC
5.4.3. Quasi-Hierarchie
5.4.4. Markt
5.4.5. Netzwerke
5.5. Upgrading zwischen Clustern und GVC
6. Weltmarkt Wein
6.1. Differenzierung der Marktsegmente
6.2. Geschichte
6.3. Produktion
6.3.1. Konzentration in der Weinindustrie
6.3.2. Zukunft
6.4. Handel
6.5. Distribution und Handel
6.5.1. Der globale Markt
6.5.2. Distribution in Deutschland
6.5.3. Vermarktungsstrategien - Distribution
6.6. Struktur der Global Value Chain
6.6.1. Akteure
6.6.2. Verschiedene Weinketten
6.7. Zusammenarbeit
6.8. Upgrading
7. Weinland Südafrika
7.1. Gesamtwirtschaftliche Situation
7.2. Weinwirtschaft
7.2.1. Historische Entwicklung
7.2.2. Aktuelle Situation
7.3. Wettbewerb
7.4. Akteure
7.4.1. Firmenorganisation
7.4.2. Strategien
7.4.3. Struktur
7.5. Zusammenarbeit
7.5.1. Interessenvertretungen
7.5.2. Politik und Strategien
8. Untersuchungsregion Paarl
8.1. Methodik
8.1.1. Untersuchungsregion
8.1.2. Befragung
8.1.3. Operationalisierung
8.2. Allgemeine Daten
8.3. Innovation – Technischer Wandel und Wissensbasis
8.4. Institutionen
8.5. Netzwerke
8.5.1. Business Netzwerk
8.5.2. Governance
8.5.3. Ausländische Firmen
8.5.4. Andere Gruppen
8.6. Interpretation
9. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die komplexen Wechselwirkungen zwischen globalen Wertschöpfungsketten (Global Value Chains) und lokalen Clustern am Beispiel der südafrikanischen Weinindustrie. Ziel ist es zu analysieren, wie die Form der Governance innerhalb einer Wertschöpfungskette das Upgrading-Potenzial von Akteuren innerhalb eines regionalen Clusters beeinflusst und welche Rolle lokale Wissensnetzwerke in diesem Zusammenhang spielen.
- Analyse der Governance-Strukturen in globalen Wein-Wertschöpfungsketten
- Untersuchung der Upgrading-Strategien von Weinproduzenten in Südafrika
- Evaluation des Einflusses von Clustern auf die Innovationsfähigkeit
- Empirische Fallstudie zur Region Paarl
Auszug aus dem Buch
1. Einführung
Der Prozess der Globalisierung hat in der gesamten Weltwirtschaft und Gesellschaft Veränderungen bewirkt. Die entwickelten Länder des Nordens verlagern hierbei Produktionsschritte, insbesondere arbeitsintensive Schritte, in die „billigeren“ Länder des Südens. Für diese Länder bedeutet die Teilnahme an der Weltwirtschaft eine Chance zur Entwicklung ihrer gesamten ökonomischen Situation. Diese Chance konnten bisher jedoch nicht alle Länder nutzen. Vor allem die Länder des südlichen Afrikas konnten bisher von den Prozessen der Globalisierung nicht profitieren, während die Länder in Ost- und Südostasien in großen Schritten eine aufholende Entwicklung erlebten. Diese Verallgemeinerung auf die nationale Ebene führt jedoch zu der Gefahr, den Erfolg der Partizipation auf makroökonomische Faktoren zu beschränken.
Makroökonomische Faktoren, wie z.B. Wechselkurse, spielen für die internationale Wettbewerbsfähigkeit sicherlich eine Rolle, doch letztendlich sind es die Unternehmen, die sich durchsetzen müssen. Um auf den internationalen Märkten mit hohem Wettbewerb bestehen zu können, muss Qualität zu entsprechenden Preisen angeboten werden. Dies bedeutet für die Unternehmen, dass sie die Qualität ihrer Produkte und ihre Produktivität stetig verbessern müssen. Ein solches Upgrading muss zusammen mit den Beziehungen zu anderen Unternehmen betrachtet werden.
Firmen sind nicht nur in einem begrenzten Raum eingebunden, sondern über vielfältige Beziehung in die globalen Wirtschaftsströme. Diese globalen Wertschöpfungsketten werden oftmals von Unternehmen aus den entwickelten Ländern gesteuert, die damit auch die Zukunft anderer Unternehmen direkt oder indirekt mitbestimmen (GEREFFI 1994). Upgrading von Unternehmen aus den Entwicklungsländern ist abhängig von der Governance der globalen Unternehmen. Dies gilt umso mehr, je weniger innovativ diese abhängigen Unternehmen sind, bzw. inwieweit die Unternehmen in der Lage sind, von den globalen Leadern zu lernen (GEREFFI 1999b, GEREFFI UND KAPLINSKY 2001).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Dieses Kapitel legt die theoretischen und globalen Rahmenbedingungen dar und leitet die Forschungsfrage bezüglich der Wechselwirkungen zwischen Global Value Chains und Clustern her.
2. Wettbewerb: Es wird die Wettbewerbstheorie, insbesondere der Ansatz des Wettbewerbsdiamanten nach Porter, als theoretisches Fundament erläutert.
3. Cluster: Das Kapitel definiert den Clusterbegriff, diskutiert theoretische Schulen sowie die Rolle von Governance und lokalem Lernen für die Wettbewerbsfähigkeit.
4. Global Value Chains: Hier wird das Konzept der globalen Wertschöpfungsketten eingeführt, einschließlich der Mechanismen von Eintrittsbarrieren, Governance-Typen und der Bedeutung von Qualität und Standardisierung.
5. Upgrading: Dieses Kapitel widmet sich den Upgrading-Prozessen von Unternehmen in Entwicklungsländern, differenziert nach verschiedenen Governance-Modellen und dem Zusammenspiel mit Clustern.
6. Weltmarkt Wein: Das Kapitel analysiert die spezifischen Marktstrukturen, Produktionsverhältnisse und Handelsdynamiken der globalen Weinindustrie.
7. Weinland Südafrika: Es wird die wirtschaftliche und weinwirtschaftliche Situation in Südafrika historisch und aktuell beleuchtet, unter Berücksichtigung der speziellen regionalen Bedingungen.
8. Untersuchungsregion Paarl: Der empirische Hauptteil präsentiert die Methodik und Ergebnisse der Untersuchung in der Region Paarl hinsichtlich Netzwerken, Governance und Innovation.
9. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse und der Beantwortung der zentralen Forschungsfragen zur Governance-Abhängigkeit lokaler Akteure.
Schlüsselwörter
Global Value Chains, Cluster, Weinindustrie, Südafrika, Upgrading, Governance, Wissensnetzwerke, Wettbewerbsfähigkeit, lokale Innovation, Marktsegmente, Produktion, Wissensdiffusion, Wertschöpfungskette, Paarl, Institutionen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie lokale Unternehmen in Clustern durch ihre Einbindung in globale Wertschöpfungsketten (GVC) in ihrer Wettbewerbsfähigkeit und ihrem Innovationspotenzial beeinflusst werden.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Fokus stehen die Governance-Strukturen globaler Wertschöpfungsketten, das Upgrading von Unternehmen in Entwicklungsländern sowie die Bedeutung regionaler Cluster und Wissensnetzwerke für die industrielle Entwicklung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den bisher unzureichend erforschten Einfluss der internen Governance von Clustern und globalen Wertschöpfungsketten auf das Upgrading-Verhalten einzelner Unternehmen zu verstehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Die Arbeit kombiniert einen theoretisch-analytischen Teil mit einer deduktiven, quantitativen empirischen Studie, basierend auf einer Befragung von Weinproduzenten in der Region Paarl (Südafrika).
Welche Schwerpunkte hat der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil behandelt theoretische Konzepte (Cluster, GVC), die Spezifika des globalen Weinmarktes sowie die detaillierte empirische Auswertung der südafrikanischen Weinindustrie.
Welche Rolle spielt die Region Paarl für die Studie?
Paarl dient als konkretes Fallbeispiel, um die theoretischen Hypothesen über lokale Wissensnetzwerke und governance-spezifische Upgrading-Möglichkeiten in der Praxis zu prüfen.
Warum ist das Thema für Südafrika relevant?
Südafrika bietet nach dem Ende der Apartheid ein ideales Umfeld, um den Übergang lokaler Industrien in globale Märkte unter neuen wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen zu beobachten.
Was unterscheidet "Buyer-driven" von "Producer-driven" Wertschöpfungsketten?
Diese unterscheiden sich primär durch die Akteure, die die Governance dominieren – bei "buyer-driven" sind es große Einzelhändler oder Markenartikler, bei "producer-driven" sind es große industrielle Produzenten.
Wie beeinflusst die Governance das Upgrading der Weinproduzenten?
Die Untersuchung zeigt, dass Produzenten in modularer Governance-Einbindung besser von lokalen Wissensnetzwerken profitieren können als Produzenten in Captive- (Quasi-Hierarchie) oder relationalen Strukturen.
- Quote paper
- Alexander Wijgers (Author), 2009, Upgrading und Wechselwirkungen zwischen Global Value Chains und Clustern. Das Beispiel der Weinindustrie in Paarl / Südafrika, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/137120