Framing in der Nachrichtenberichterstattung

Amerikanisierung der politischen Kommunikation in Deutschland


Hausarbeit, 2008

17 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Der Framing-Ansatz
2.1. Die Grundidee der Framing-Forschung
2.2. Funktionen von Frames und Framing-Effekte
2.3. Unterscheidung in verschiedene Arten von Frames und Framing

3. Politische Kommunikation

4. Amerikanisierungs-These

5. Personalisierung und Horse-Race als Frames?

6. Wirkungen des Personalisierungs- und des Konkurrenz-Frames auf die Rezipienten

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Deutschland vor den Bundestagswahlen: Gespräch von zwei Freunden.

„Du hast doch nicht etwa vor, die CDU zu wählen? Deren Programm widerspricht doch völlig deinen Idealen.“

„Na ja, in einer Fernsehdiskussion habe ich gesehen, dass deren Spitzenkandidat dem Vertreter der SPD absolut überlegen war. Außerdem stand gestern in der Zeitung, dass er zwei Hunde hat. Das finde ich sympathisch!“

Ist dieser fiktive Gesprächsausschnitt eine Ausnahme oder spiegelt er das alltägliche Wahlverhalten der Deutschen wieder? Der Beantwortung dieser Frage wird sich die folgende Abhandlung widmen. Zuerst soll jedoch geklärt werden, ob die deutsche Politik-Berichterstattung überhaupt eine solche Einschätzung seitens der Rezipienten erlaubt. Diese wird auf eine mögliche Amerikanisierung untersucht – das heißt, es soll erörtert werden, ob sich die deutschen Medien den Methoden der USA anpassen. Dabei wird die Amerikanisierungsthese in Bezug zur kommunikationswissenschaftlichen Wirkungsforschung des Framing gesetzt, welches sich mit der Rahmung der Themen in den Medien beschäftigt. Daher wird zu Beginn der Framing-Ansatz hinsichtlich dessen Grundidee und verschiedenen Definitionsansätzen skizziert. Nachdem anschließend untersucht wird, was gewisse Darstellungsweisen in Form von Frames bewirken können, gibt der folgende Abschnitt einen Überblick über die verschiedenen Arten von Frames und Framing.

Im Anschluss an die Präsentation der Grundlagen der Framing-Forschung wird in dem Kapitel „Politische Kommunikation“ begründet, wie die Systeme Politik und Medien zusammenhängen und welche Bedeutung sie füreinander haben.

Der vierte Abschnitt widmet sich den Annahmen der Amerikanisierungsforschung und geht dabei genauer auf zwei Elemente der Entwicklung ein, nämlich auf die Personalisierung der politischen Berichterstattung und auf die Konzentration der Medien auf den Wettkampf zwischen den Kandidaten. Daraufhin werden die Kennzeichen der Amerikanisierung mit den Merkmalen von Frames verglichen und auf Wirkungen seitens der Rezipienten untersucht.

2. Der Framing-Ansatz

Die folgenden Abschnitte dienen als Einführung in den Framing-Ansatz. Um im Verlaufe dieser Arbeit die Wirkungen von Framing auf eine mögliche Amerikanisierung der deutschen Politikberichterstattung untersuchen zu können, ist es unabdingbar, einen Einblick in die Grundlagen dieses Forschungsansatzes zu geben.

Mit Hilfe von Definitionen, Erläuterungen zu der Grundidee des Ansatzes und einer Abwägung dessen Stärken und Schwächen wird das folgende Kapitel das Konzept des Framing in die Medienwirkungsforschung einordnen.

Anschließend werden die Funktionen von Frames, die daraus resultierenden Framing-Effekte und die verschiedenen Arten von Frames untersucht, um die Möglichkeiten des Framing-Ansatzes näher zu beleuchten.

2.1. Die Grundidee der Framing-Forschung

Ein Überblick über die Medienwirkungsforschung der vergangenen 100 Jahre zeigt, dass im Laufe der Jahre eine starke Veränderung des Wirkungszugeständnisses stattgefunden hat. Angeregt durch die kritische Theorie, gingen die Wissenschaftler bis Mitte der 40er Jahre des 20. Jahrhunderts von einer sehr starken Medienwirkung aus. Diese Annahme wendete sich durch die Cultural Studies in den folgenden 20 Jahren ins Gegenteil – man ging davon aus, dass die Medien so gut wie keine Auswirkungen auf die kritisch abwägenden Rezipienten hätten.

Ab den 70er Jahren begann jedoch eine neue Phase der Medienwirkungstheorien, welche den Medien wieder mehr Einfluss und Wirkungspotential zugesteht. In diesem Forschungsstrang ist auch der hier untersuchte Framing-Ansatz einzuordnen.

Die Framing-Analyse entstand im Zusammenhang mit der Entwicklung der amerikanischen Politik, bei der sich Politiker vermehrt strategischen (Stil-) Mitteln bedienen, um beruflichen Erfolg zu haben (Pan & Kosicki, 1993, S.70). Daher sind die meisten Studien im Bereich der politischen Kommunikation angesiedelt, auf die in den späteren Abschnitten genauer eingegangen wird.

„Die Grundidee von Framing ist, dass über die Selektion und Betonung bestimmter gedankenleitender Realitätsaspekte Themen unterschiedlich präsentiert und definiert werden können“ (Rhomberg, 2008, S.131).

Im Gegensatz zur Agenda-Setting-Forschung der Medienwirkung, welche die Themenauswahl betrachtet, untersucht der Framing-Ansatz nicht welche Themen in den Medien behandelt werden, sondern wie diese Themen dargestellt werden.

Die Tatsache, dass Framing von den unterschiedlichsten wissenschaftlichen Forschungsbereichen untersucht und erläutert worden ist, hat zu einem heterogenen Definitionsfeld des Begriffes „Frame“ geführt. Um diese Komplexität zu verringern, sollen an dieser Stelle zwei ausgewählte Definitionen angeführt werden.

Der Mediensoziologe William A. Gamson geht davon aus, dass ein Frame eine organisierende Idee ist, welche Bedeutungen vermittelt („central organizing idea or story line that provides meaning“ Pan & Kosicki, 1993, S.56).

Bertram Scheufeles Aussage „frames are seen as patterns of interpretation and classification“ (Scheufele, 2006a, S.65) stellt Frames als Muster dar, die der Einordnung und Interpretation von bestimmten Themen dienen.

Diese recht abstrakten Begriffserläuterungen werden durch die genauere Analyse in den folgenden beiden Abschnitten verständlicher.

Zu Anfang ist es für das allgemeine Verständnis sinnvoll, die Bedeutung von Frames herunter zu brechen, in dem man sie als Rahmen bezeichnet, in dem ein Thema eingebettet ist.

Die Vor- und Nachteile des Framing-Ansatzes liegen dicht beieinander. Da Framing an allen Stellen des Kommunikationsprozess stattfindet (Dahinden, 2006, S.13) – also sowohl beim Kommunikatoren, als auch beim Rezipienten und beim Medienprodukt selbst – bieten sich für die Wissenschaft zahlreiche Forschungsmöglichkeiten. Dies lässt sich jedoch nicht nur als positive Charakteristik vermerken, da die Komplexität des Ansatzes die notwendige Integration der verschiedenen wissenschaftlichen Richtungen erschwert. Begründet durch die multidisziplinäre Ausrichtung der Framing-Forschung, wirkt sich dies zum Beispiel auf die zu Beginn bereits erwähnte „mangelnde terminologische Präzision des Framing-Begriffs“ (Dahinden, 2006, S.21) aus.

Scheufele betont jedoch noch einmal die Stärke des Framing-Ansatzes, der „sowohl Nachrichtenproduktion als auch Medienwirkung erklären kann“ (Scheufele, 2003, S.218). Dieser Aspekt wird im Kapitel 2.3. noch einmal genauer untersucht.

Zuerst wird jedoch im folgenden Abschnitt die Funktions- und Wirkungsweise von Framing vorgestellt, deren Kenntnis als Grundlage für die weitere Arbeit dient.

2.2. Funktionen von Frames und Framing-Effekte

Frames entstehen und wirken mit Hilfe bestimmter inhaltlicher oder formaler Mittel, die Politiker, Kommunikatoren oder Journalisten bewusst oder unbewusst anwenden.

Framing kann sich beispielsweise in der Verwendung bestimmter Schlüsselbegriffe, Standardformulierungen, typischer Bildern oder bekannter Quellen äußern (Entman, 1993, S.52).

Weitere Elemente zur Konstitution von Frames liegen im Aufbau der Berichterstattung (Überschriften, Aufmacher und Schlussteil) und in der Nutzung bestimmter stilistischer Mittel, wie zum Beispiel Metaphern, Beispiele und Beschreibungen (Pan & Kosicki, 1993, S.59 ff.). Der Wissenschaftler Günther Lengauer hat folgende „Schlüsselbegriffe zur Definition und Herausbildung“ von Frames zusammengefasst: „ presentation, repetition [...], selection, emphasis [...], exclusion und elaboration “ (Lengauer, 2007, S.94). Demnach können Frames Informationen eines Themas selektieren, bestimmte Aspekte betonen und hervorheben und auch in einen speziellen Kontext einordnen.

Diese Funktionen können im Kommunikationsprozess entscheidende Effekte hervorrufen: „ The character, causes, and consequences of any phenomenon become radically different as changes are made in what is prominently displayed, what is repressed and especially in how observations are classified “ (Entman, 1993, S.55). Die Tatsache, dass sich ein Sachverhalt in seiner Eigenheit durch die gegebene Dar]stellungsweise ändert, hat nicht nur Auswirkungen auf die Medienberichterstattung, sondern unter Umständen auch auf die Rezeption der Medieninhalte.

Zusammenfassend lassen sich vier mögliche Framing-Effekte auf Rezeptionsseite unterscheiden. • Zum einen der so genannte „Aktivierungseffekt“, welcher bereits bekannte Bedeutungsschemata zu einem Thema bei dem Rezipienten aktiviert. • Weiterreichende Wirkung erzielt der „Transformationseffekt“, der die Veränderung dieser Schemata in Richtung des „neuen“ Frames beschreibt. • In dem Fall, dass es noch keine Vorstellungsmuster zu einem Phänomen seitens des Rezipienten gibt, kann der „Etablierungseffekt“ eintreten – neue Bedeutungsschemata werden herausgebildet. Während die ersten drei Effekte auf der kognitiven Wirkungsebene stattfinden, geht der vierte Effekt darüber hinaus und wirkt auf der evaluativen Ebene. • Der „Einstellungseffekt“ tritt dann auf, wenn das Framing die Meinungen und Einstellungen der Rezipienten verändert (Scheufele, 2006b, S.75).

In seinem Buch „Framing-Effekte“ betont Jörg Matthes, dass „Frames immer mit Bewertungen verbunden sind“ und dass man es „bei der Analyse von Framing-Effekten mit Effekten auf Urteile und Einstellungen zu tun“ hat (Matthes, 2007, S.180). Somit stützt er den evaluativen Wirkungseffekt.

Dies ließe darauf schließen, dass Framing-Effekte eine starke Wirkung auf die Wahrnehmung und Meinungsbildung der Rezipienten haben. Doch selbst wenn die Darstellungsperspektive eines Themas die Bewertung des Rezipienten in eine bestimmte Richtung beeinflussen kann, darf man – und dies ist im Verlaufe der Wirkungsforschung offensichtlich geworden – den Rezeptionskontext, die Eigenaktivität und das kritische Potential der Rezipienten nicht außer Acht lassen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Framing in der Nachrichtenberichterstattung
Untertitel
Amerikanisierung der politischen Kommunikation in Deutschland
Hochschule
Universität Mannheim
Veranstaltung
Proseminar: Theorien der Medienwirkung: Agenda Setting, Priming und Framing
Note
2,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
17
Katalognummer
V137130
ISBN (eBook)
9783640454600
ISBN (Buch)
9783640454051
Dateigröße
428 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Framing, Amerikanisierung, Personalisierung, Horse-Race, Politische Kommunikation
Arbeit zitieren
Sandra Schmidt (Autor), 2008, Framing in der Nachrichtenberichterstattung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/137130

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