Deutschland vor den Bundestagswahlen: Gespräch von zwei Freunden.
„Du hast doch nicht etwa vor, die CDU zu wählen? Deren Programm widerspricht doch völlig deinen Ideale.“
„Na ja, in einer Fernsehdiskussion habe ich gesehen, dass deren Spitzenkandidat dem Vertreter der SPD absolut überlegen war. Außerdem stand gestern in der Zeitung, dass er zwei Hunde hat. Das finde ich sympathisch!“
Ist dieser fiktive Gesprächsausschnitt eine Ausnahme oder spiegelt er das alltägliche Wahlverhalten der Deutschen wieder? Der Beantwortung dieser Frage wird sich die folgende Abhandlung widmen. Zuerst soll jedoch geklärt werden, ob die deutsche Politik-Berichterstattung überhaupt eine solche Einschätzung seitens der Rezipienten erlaubt. Diese wird auf eine mögliche Amerikanisierung untersucht – das heißt, es soll erörtert werden, ob sich die deutschen Medien den Methoden der USA anpassen. Dabei wird die Amerikanisierungsthese in Bezug zur kommunikationswissenschaftlichen Wirkungsforschung des Framing gesetzt, welches sich mit der Rahmung der Themen in den Medien beschäftigt.
Daher wird zu Beginn der Framing-Ansatz hinsichtlich dessen Grundidee und verschiedenen Definitionsansätzen skizziert. Nachdem anschließend untersucht wird, was gewisse Darstellungsweisen in Form von Frames bewirken können, gibt der folgende Abschnitt einen Überblick über die verschiedenen Arten von Frames und Framing.
Im Anschluss an die Präsentation der Grundlagen der Framing-Forschung wird in dem Kapitel „Politische Kommunikation“ begründet, wie die Systeme Politik und Medien zusammenhängen und welche Bedeutung sie füreinander haben.
Der vierte Abschnitt widmet sich den Annahmen der Amerikanisierungsforschung und geht dabei genauer auf zwei Elemente der Entwicklung ein, nämlich auf die Personalisierung der politischen Berichterstattung und auf die Konzentration der Medien auf den Wettkampf zwischen den Kandidaten. Daraufhin werden die Kennzeichen der Amerikanisierung mit den Merkmalen von Frames verglichen und auf Wirkungen seitens der Rezipienten untersucht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Framing-Ansatz
2.1. Die Grundidee der Framing-Forschung
2.2. Funktionen von Frames und Framing-Effekte
2.3. Unterscheidung in verschiedene Arten von Frames und Framing
3. Politische Kommunikation
4. Amerikanisierungs-These
5. Personalisierung und Horse-Race als Frames?
6. Wirkungen des Personalisierungs- und des Konkurrenz-Frames auf die Rezipienten
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, ob die in der deutschen Politikberichterstattung zunehmenden Tendenzen der Personalisierung und der Fokus auf den politischen Wettkampf (Horse-Race) als Framing-Prozesse interpretiert werden können, die eine "Amerikanisierung" der politischen Kommunikation in Deutschland widerspiegeln und die Meinungsbildung der Rezipienten beeinflussen.
- Grundlagen der Framing-Forschung und Definition von Frames
- Wechselwirkung zwischen den Systemen Politik und Medien
- Merkmale der Amerikanisierungsthese in der Wahlkampfberichterstattung
- Vergleich von Personalisierungs- und Konkurrenz-Frames mit amerikanischen Medienmethoden
- Analyse der Wirkungsweise dieser Frames auf das Wahlverhalten der Rezipienten
Auszug aus dem Buch
2.1. Die Grundidee der Framing-Forschung
Ein Überblick über die Medienwirkungsforschung der vergangenen 100 Jahre zeigt, dass im Laufe der Jahre eine starke Veränderung des Wirkungszugeständnisses stattgefunden hat. Angeregt durch die kritische Theorie, gingen die Wissenschaftler bis Mitte der 40er Jahre des 20. Jahrhunderts von einer sehr starken Medienwirkung aus. Diese Annahme wendete sich durch die Cultural Studies in den folgenden 20 Jahren ins Gegenteil – man ging davon aus, dass die Medien so gut wie keine Auswirkungen auf die kritisch abwägenden Rezipienten hätten.
Ab den 70er Jahren begann jedoch eine neue Phase der Medienwirkungstheorien, welche den Medien wieder mehr Einfluss und Wirkungspotential zugesteht. In diesem Forschungsstrang ist auch der hier untersuchte Framing-Ansatz einzuordnen.
Die Framing-Analyse entstand im Zusammenhang mit der Entwicklung der amerikanischen Politik, bei der sich Politiker vermehrt strategischen (Stil-) Mitteln bedienen, um beruflichen Erfolg zu haben (Pan & Kosicki, 1993, S.70). Daher sind die meisten Studien im Bereich der politischen Kommunikation angesiedelt, auf die in den späteren Abschnitten genauer eingegangen wird.
„Die Grundidee von Framing ist, dass über die Selektion und Betonung bestimmter gedankenleitender Realitätsaspekte Themen unterschiedlich präsentiert und definiert werden können“ (Rhomberg, 2008, S.131).
Im Gegensatz zur Agenda-Setting-Forschung der Medienwirkung, welche die Themenauswahl betrachtet, untersucht der Framing-Ansatz nicht welche Themen in den Medien behandelt werden, sondern wie diese Themen dargestellt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problemstellung der Amerikanisierung der deutschen Politikberichterstattung ein und skizziert den Aufbau der Untersuchung sowie den methodischen Bezug zum Framing-Ansatz.
2. Der Framing-Ansatz: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen des Framing, definiert den Begriff und beleuchtet die Funktionen sowie Wirkungen von Frames auf die Rezipienten.
3. Politische Kommunikation: Hier wird die wechselseitige Abhängigkeit zwischen den Systemen Politik und Medien analysiert, wobei die Rolle der Medien als Machtmittel im politischen Geschehen hervorgehoben wird.
4. Amerikanisierungs-These: Dieses Kapitel definiert die Merkmale der Amerikanisierung in der Berichterstattung, wie Professionalisierung und Marketing-Ansätze, und setzt diese in den Kontext der deutschen Medienlandschaft.
5. Personalisierung und Horse-Race als Frames?: Die Verfasserin vergleicht die Amerikanisierungsmerkmale der Personalisierung und Wettkampfkonzentration mit dem theoretischen Konzept des Framing und identifiziert entsprechende "Konkurrenz-Frames".
6. Wirkungen des Personalisierungs- und des Konkurrenz-Frames auf die Rezipienten: Dieses Kapitel untersucht, wie sich die identifizierten Frames auf die Wahrnehmung, Meinungsbildung und Wahlentscheidung der Bürger auswirken.
7. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass sich die politische Kommunikation in Deutschland zwar an US-amerikanischen Methoden orientiert, Framing jedoch nicht als alleinige Ursache für diese Entwicklung betrachtet werden kann.
Schlüsselwörter
Framing, Amerikanisierung, Politische Kommunikation, Medienwirkung, Personalisierung, Horse-Race, Wahlkampfberichterstattung, Medienwahlkampf, Rezipienten, Agenda-Setting, Politische Publizität, Nachrichtenlogik, Eliten-Zentrierung, Meinungsbildung, Massenmedien
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht, ob die Art und Weise, wie Medien über Politik berichten, in Richtung einer "Amerikanisierung" geht, insbesondere durch die Nutzung von Frames, die politische Inhalte personalisieren oder als Wettkampf darstellen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder sind die Framing-Theorie, das Verhältnis von Politik und Medien, die Kennzeichen der Amerikanisierung im Wahlkampf sowie die psychologische Wirkung dieser medialen Darstellung auf den Wähler.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist herauszufinden, ob aktuelle Trends in der deutschen Politikberichterstattung – wie etwa das "Horse-Racing" oder die Personalisierung von Kandidaten – als Framing-Effekte verstanden werden können, die die politische Kommunikation nachhaltig verändern.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturgestützte theoretische Analyse, in der verschiedene kommunikationswissenschaftliche Forschungsansätze zusammengeführt und auf die Fragestellung der Amerikanisierung angewendet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Einführung des Framing, die Analyse der Beziehung zwischen Medien und Politik, die Diskussion der Amerikanisierungs-These und die praktische Einordnung von Personalisierungs- und Konkurrenz-Frames.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Framing, Personalisierung, Amerikanisierung, Horse-Race und politische Kommunikation charakterisiert.
Was versteht man in dieser Arbeit unter dem "Horse-Race"-Frame?
Der Begriff beschreibt eine journalistische Darstellungsweise, bei der nicht die Sachthemen oder Parteiprogramme im Mittelpunkt stehen, sondern der bloße Wettkampf zwischen den Spitzenkandidaten.
Wie beeinflussen diese Frames die Wähler laut der Autorin?
Die Autorin stellt fest, dass durch diese Rahmung eine Entpolitisierung stattfinden kann, da Wähler ihre Entscheidungen eher aufgrund inszenierter Persönlichkeitsbilder als aufgrund inhaltlicher Kompetenzen der Akteure treffen.
Warum ist die Mediennutzung laut der Arbeit für Framing-Effekte entscheidend?
Weil die Wähler ihre Informationen fast ausschließlich über die Medien beziehen, haben diese die Macht, durch den gewählten Rahmen (Frame) maßgeblich zu beeinflussen, wie politische Themen wahrgenommen und bewertet werden.
Welches Fazit zieht die Arbeit zur Amerikanisierung?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die politische Kommunikation in Deutschland sich zwar in Richtung amerikanischer Methoden entwickelt, Framing jedoch nicht als alleinige Ursache für diese Entwicklung angesehen werden darf.
- Quote paper
- Sandra Schmidt (Author), 2008, Framing in der Nachrichtenberichterstattung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/137130