Jeder kennt sie – die roten Herzen, die auf Autos, Plakatwänden und Laternenmasten kleben. Der Schriftzug über dem Symbol macht deutlich worum es geht: Ein Herz für Kinder. Die Hilfsorganisation Bild hilft e.V. zeichnet sich durch einen hohen Bekanntheitsgrad aus. Doch deren jahrzehntelanger Erfolg lässt sich nicht allein auf die herzigen Aufkleber zurückführen.
Axel Schildt schreibt treffend: „Die enorme Bedeutung der Massenmedien im 20. Jahrhundert zu leugnen würde angesichts heutiger Lebenswelten nur noch weltfremd anmuten“ (Schildt, 2001, S.177). Doch in welchem Zusammenhang stehen humanitäre Organisationen und die Medien?
Innerhalb dieser Fragestellung legt diese Arbeit einen Fokus auf die Erfolgskriterien, welche seitens der Medien eingesetzt werden, um Hilfsorganisationen zu verwirklichen. Der Verein Bild hilft e.V. – Ein Herz für Kinder bietet einen ideale Untersuchungsbasis, da er als einer der wenigen auf eine langjährige und dauerhafte Kooperation zwischen einem Printmedium und einer Rundfunkanstalt zurückblicken kann. Aus diesem Grund ist es Ziel dieser Abhandlung, herauszukristallisieren, welche Rolle die multimediale Zusammenarbeit, welche sich erst im Verlaufe des Bestehens von Ein Herz für Kinder ergeben hat, für die Hilfsorganisation spielt. Als Grundlage für diese Untersuchung bietet es sich an, zunächst die Entwicklung und Charakteristika der Hilfsorganisation und im Anschluss daran die der Bild-Zeitung und des Zweiten Deutschen Fernsehens vorzustellen. Im Folgenden werden verschiedenste Erfolgskriterien erläutert, durch welche die Medien die Bilanz einer humanitären Organisation positiv beeinflussen können. Aufbauend auf diese Kriterien schließt das Kapitel mit der Besonderheit der Kooperation zwischen verschiedenen Medientypen ab. An dieser Stelle spielt nicht nur die geschichtliche Entwicklung von Bild hilft e.V. – Ein Herz für Kinder eine wesentliche Rolle, sondern diese wird mit der allgemeinen Mediengeschichte in Bezug gesetzt. Um die theoretische Grundlage bestimmter Medienwirkungen und –strategien mit der von Axel Springer gegründeten Hilfsorganisation in Bezug zu setzten, dient – neben der Sichtung von Sekundärliteratur und Pressetexten – vor allem die eigens für diese Arbeit angefertigte Inhaltsanalyse Bild.de und deren Berichterstattung über Ein Herz für Kinder.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ein Herz für Kinder
3. Die Bild-Zeitung als Printmedium
3.1. Allgemeines
3.2. Bild hilft e.V.
4. Einsatz des Fernsehens
4.1. Vom ARD zum ZDF
4.2. Das ZDF als öffentlich-rechtlicher Sender
5. Erfolgskriterien
5.1. Die Reichweite der Medien
5.2. Erfolg durch Agenda-Setting
5.3. Die Darstellungsweise
5.4. Gratifikation
5.5. Die Hilfsempfänger
5.6. Die Kooperation als Erfolgskonzept
6. Fazit – Die Rolle der Medien
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, welche zentrale Rolle die multimediale Kooperation zwischen einem Printmedium (BILD-Zeitung) und einem öffentlich-rechtlichen Sender (ZDF) für den Erfolg der Hilfsorganisation "Ein Herz für Kinder" spielt. Ziel der Untersuchung ist es, spezifische Erfolgskriterien zu identifizieren, die durch den Einsatz und die wechselseitige Verzahnung dieser unterschiedlichen Medientypen bei der Spendengenerierung und der öffentlichen Wahrnehmung wirksam werden.
- Analyse der Mediengeschichte und der Struktur der Hilfsorganisation "Ein Herz für Kinder".
- Untersuchung der Erfolgskriterien wie Reichweite, Agenda-Setting und zielgruppenspezifische Ansprache.
- Einfluss der Darstellungsweise und der Gratifikation auf die Spendenbereitschaft.
- Bedeutung der multimedialen Zusammenarbeit zwischen Print und Fernsehen als Erfolgskonzept.
- Inhaltsanalyse der Online-Berichterstattung auf Bild.de zur Verifizierung der Medieneffekte.
Auszug aus dem Buch
5.6 Die Kooperation als Erfolgskonzept
Seit 1978 wird die Hilfsorganisation Ein Herz für Kinder durch die Bild-Zeitung der Axel Springer AG getragen. In den ersten 12 Jahren deren Bestehens war das Printmedium das primäre und ausschlaggebende Medium zur Unterstützung des humanitären Engagements. Durch den Einsatz des Fernsehens im Jahre 1990 hat die Rolle und Aufgabe der Zeitung zwar nicht an Bedeutung verloren, aber die Medienanwendung wurde wesentlich erweitert. Diese Entwicklung innerhalb der Hilfsorganisation lässt sich mit der allgemeinen geschichtlichen Entwicklung der Massenmedien in Beziehung setzten. Wie Axel Schildt in seiner Arbeit Das Jahrhundert der Massenmedien darstellt, haben sich im 20. Jahrhundert im Zeitverlauf verschiedene Leitmedien etabliert. Als erstes Medium erwähnt er die Massenpresse, welche sich ab dem 19. Jahrhundert immer weiter verbreitete (Schildt, 2001, S.191). Nach dem Hörfunk setzte sich ab den 60er Jahren die steigende Bedeutung des Fernsehens zunehmend durch (ebd., S.203). Auch wenn der Einsatz der Medien Zeitung und Fernsehen für Bild hilft e.V. zeitversetzt abgelaufen ist, lassen sich Parallelen entdecken. Ähnlich wie in der allgemeinen Entwicklung der Medien ersetzen die Rundfunkanstalten das Printmedium nicht – sie ergänzen es.
Seit nun 19 Jahren stellt die Zusammenarbeit zwischen der Axel Springer AG mit Bild hilft e.V. – Ein Herz für Kinder und dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen ein herausragendes Beispiel für eine dauerhafte Kooperation zweier Medientypen für wohltätige Zwecke dar. Die hohen Spendenerfolge der Hilfsorganisation zeigen, dass Ein Herz für Kinder erfolgreich arbeitet. Welchen Vorteil die Zusammenarbeit von Zeitung und Fernsehen für diesen Erfolg bietet, soll im Folgenden erläutert werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Untersuchungsfeld und begründet die Wahl von "Ein Herz für Kinder" als Fallbeispiel für eine dauerhafte mediale Kooperation zur Unterstützung humanitärer Arbeit.
2. Ein Herz für Kinder: Dieses Kapitel skizziert die Entstehungsgeschichte der Hilfsorganisation unter Axel Springer und ihre Entwicklung hin zu einer multimedial unterstützten Institution.
3. Die Bild-Zeitung als Printmedium: Hier werden das Profil der Bild-Zeitung als Boulevardmedium und ihre Funktion als Trägerverein und Instrument der Öffentlichkeitsarbeit für die Hilfsorganisation analysiert.
4. Einsatz des Fernsehens: Dieses Kapitel behandelt die Erweiterung des Medieneinsatzes durch das Fernsehen, insbesondere die Rolle des ZDF als Ausstrahlungsort der Spendengalas.
5. Erfolgskriterien: Der Hauptteil untersucht Faktoren wie Reichweite, Agenda-Setting, Darstellungsweise, Gratifikationsmechanismen und Hilfsempfänger, die den Spendenerfolg maßgeblich beeinflussen.
6. Fazit – Die Rolle der Medien: Das Fazit fasst zusammen, dass die synergetische Kooperation zwischen Bild-Zeitung und ZDF eine zentrale Rolle für den Erfolg der Hilfsorganisation spielt.
Schlüsselwörter
Ein Herz für Kinder, Bild-Zeitung, ZDF, humanitäre Hilfe, Spendengenerierung, Agenda-Setting, Multimediale Kooperation, Boulevardpresse, Öffentlich-rechtlicher Rundfunk, Benefizgala, Medieneffekte, Hilfsorganisation, Medienwirkung, Axel Springer AG, Spendenerfolg.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Bedeutung der medienübergreifenden Kooperation für den finanziellen und medialen Erfolg der Hilfsorganisation "Ein Herz für Kinder".
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Rolle von Massenmedien bei wohltätigen Zwecken, die Synergien zwischen Print- und TV-Medien sowie die psychologischen und strategischen Faktoren der Spendenwerbung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, herauszukristallisieren, welche Rolle die Zusammenarbeit zwischen der Bild-Zeitung und dem ZDF bei der Optimierung der humanitären Spendenergebnisse spielt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Neben der Auswertung von Sekundärliteratur zur Medienwirkung führt die Autorin eine eigene Inhaltsanalyse von Artikeln der Internetseite Bild.de durch.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden konkrete Erfolgskriterien wie Reichweite, Agenda-Setting, Darstellungsweisen (z.B. Personalisierung), Gratifikationen für Helfer und die Zielgruppenorientierung analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie "multimediale Kooperation", "Spendengenerierung", "Agenda-Setting" und "Medienwirkung" charakterisiert.
Warum ist das Zusammenspiel von Bild-Zeitung und ZDF so erfolgreich?
Die Kooperation ermöglicht es, durch unterschiedliche Medientypen verschiedene Zielgruppen zu erreichen und durch wechselseitige Verweise (z.B. Zeitung kündigt Gala an) die Aufmerksamkeit und Spendenbereitschaft nachhaltig zu steigern.
Welchen Stellenwert hat die Personalisierung in der Berichterstattung?
Die Personalisierung, also die Konzentration auf Einzelschicksale, dient als Erfolgsinstrument, um beim Publikum Mitgefühl zu erzeugen und die Spendenbereitschaft zu erhöhen.
Wie hat sich die Darstellung der Hilfsorganisation im Zeitverlauf verändert?
Es zeigt sich ein Trend, weg von reinen "Elendsbildern" hin zur Betonung von Erfolgsgeschichten und der Rolle der Spender als aktive Akteure.
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- Sandra Schmidt (Author), 2009, Welche Rolle spielt multimediale Kooperation für den Erfolg humanitärer Hilfe?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/137132