Platonische Liebe

Platons Eros und was wir heute darunter verstehen


Hausarbeit, 2009

10 Seiten, Note: 1,4


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung
Was verstehen wir heute unter den Begriffen „platonische Liebe“ und „Freundschaft“ und was verstand Platon darunter?

Phaidros oder vom Schönen
Die erste Rede Sokrates´/ Sokrates´ Rede gegen Eros
Die zweite Rede Sokrates´/ Sokrates´ Preisrede auf Eros

Symposion
Die sechs Reden über Eros
Phaidros´ Rede
Pausanias´ Rede
Eryximachos´ Rede
Aristophanes´ Rede
Agathons Rede
Sokrates´ Rede (Diotima)

Schlussfolgerung

Literaturverzeichnis
Primärliteratur
Sekundärliteratur

Einleitung

Was verstehen wir heute unter den Begriffen
„platonische Liebe“ und „Freundschaft“
und was verstand Platon darunter?

Die Definition platonischer Liebe, in unserer heutigen Zeit, lautet wie folgt: „Platonische Liebe ist die sinnlich-sexuelle Aspekte ausklammernde zwischenmenschliche Beziehung, die allein auf geistig-seelischer Basis beruht.“

Diese Definition kennen wir und nach dieser Definition nutzen wir auch den Begriff der „platonischen Liebe“. Platonische Liebe ist nach unserem Verständnis eine reine freundschaftliche Beziehung, da Aspekte wie Sexualität und Begehren komplett ausgeschlossen werden. Demnach wäre „platonische Liebe“ nur eine andere Bezeichnung für Freundschaft!? Oder besteht doch ein Unterschied und wenn ja, welcher?

Freundschaft definieren wir als ein Verhältnis zwischen Menschen, das auf der Basis gegenseitiger Verbundenheit, geistiger Verwandtschaft und gemeinsamer Interessen aufbaut. Freunde setzen ihr Vertrauen ineinander und helfen sich gegenseitig ohne einen eigenen Nutzen daraus zu ziehen. Für jeden Menschen scheint dies die einzig wahre Definition für Freundschaft zu sein.

So einfach und eindeutig diese Definitionen auch scheinen, sie sind es nicht, denn dahinter steckt sehr viel mehr. Nach diesen Definitionen, durch die wir feststellen, das unserer Auffassung nach Freundschaft und „platonische Liebe“ das Gleiche zu sein scheinen, müsste die Person die platonisch liebt, ihrem Freund ohne einen eigenen Nutzen daraus zu ziehen, dienen und sich hauptsächlich durch eine Art Seelenverwandtschaft und gleiche Interessen zu dieser Person hingezogen fühlen.

Um heraus zu finden, ob es nach platonischer Auffassung doch einen Unterschied zwischen Freundschaft und „platonischer Liebe“ gibt, müssen wir uns zunächst einmal mit den Lehren Platons und mit der Weltanschauung im platonischen Zeitalter befassen. Dazu beschäftigen wir uns mit zwei Werken von Platon, in denen er das Thema Liebe, Freundschaft und Eros ausführlich behandelt. Zum

Einen werden wir auf Platons „Phaidros“ eingehen, zum Anderen auf sein „Symposion“, um herauszufinden was der damalige Gedanke der „platonischen Liebe“ mit unserer heutigen Vorstellung und Definition davon noch gemein hat.

Phaidros oder vom Schönen

Platon versucht in seinem Werk „Phaidros“ den Begriff der Liebe zu bestimmen. Drei Reden in seinem Werk handeln von der Liebe, bzw. dem Eros, die eine stammt von Lysias, diese werden wir hier außen vor lassen, die anderen beiden stammen von Sokrates. Anhand dieser zwei Reden soll nun ermittelt werden was Platon unter dem Begriff „Liebe“ versteht. Zu Anfang werde ich mich mit der Rede Sokrates gegen Eros beschäftigen, danach gehe ich auf seinen Widerruf gegen diese Rede ein, indem ich mich der Lobrede auf Eros widme.

Die erste Rede Sokrates´
Sokrates´ Rede gegen Eros

In seiner ersten Rede stellt Sokrates fest, das die Liebe eine Begierde ist, aber auch das diejenigen das Schöne begehren, die nicht lieben. Er versucht den Nichtverliebten von dem Verliebten zu unterscheiden. Nach Platons Auffassung gibt es in uns zwei Kräfte die uns vorantreiben. Die eine ist die instinktive Begierde, nach Lust, Freude und Vergnügen, die uns sozusagen in die Wiege gelegt wurde bzw. ein angeborener Trieb ist, die andere ist unsere eigene Meinung und Vorstellung von dem was wir für das „Beste“ halten, anhand dessen was wir im Laufe unseres Lebens gelernt haben. Diese zwei Kräfte liegen mal im Einklang miteinander, mal kämpfen sie gegeneinander an.

(vgl. Platon: Phaidros oder vom Schönen, S. 30)

Dadurch ergibt sich, nach Platon, dass uns die Vernunft zum Besten führt und somit als Besonnenheit zu benennen ist. Die Begierde und die Lust aber vermögen die Zuchtlosigkeit über uns herrschen zu lassen. Jede Begierde wird mit einem schlechten Namen betitelt, so wird jemand der viel Alkohol trinkt, um seine Begierde, nach dem Rausch zu stillen, als Säufer betitelt. Nur bei einer Begierde verhält sich dass anders, die Lust und die Begierde nach der Schönheit der Seele und der Schönheit eines Körpers, die jede Vernunft vergessen lässt, diese Begierde trägt den Namen „Liebe“.

(vgl. Platon: Phaidros oder vom Schönen, S. 31, 32)

Platon sagt aus, dass Jene, die von der Begierde und Lust beherrscht werden, alles dafür tun sich diesen Zustand so angenehm wie möglich zu gestalten.

„Dem Kranken aber ist alles süß, was nicht widerstrebt, das Stärkere und Gleiche verhaßt“

(Platon: Phaidros oder vom Schönen, S.32)

Dem Liebenden widerstrebt es, dass der Geliebte mit ihm auf gleicher Stufe steht, oder sogar höher gestellt ist, so versucht er ihn immer „klein“ zu halten und ihn von sich abhängig zu machen, auch will er ihn nicht teilen und versucht ihn so von Allem und Jedem fern zu halten. Der Liebende will seine Zeit mit dem Geliebten verbringen, hier zählt einzig und allein was der Liebende will, die Interessen des Geliebten sind ihm unwichtig. (vgl. Platon: Phaidros oder vom Schönen, S. 32)

So überrascht es auch, dass Sokrates/Platon plötzlich von Freundschaft spricht, die unserem heutigen Ideal an Freundschaft zu ähneln scheint.

„Jugend, so sagt schon ein altes Sprichwort, ergötzt sich an Jugend, weil, wie ich glaube, die Gleichheit des Alters zu den gleichen Vergnügungen führt und so durch Ähnlichkeit Freundschaft bewirkt.“ (Platon: Phaidros oder vom Schönen, S. 34)

Hier ist also die Rede davon dass Ähnlichkeiten untereinander wichtig oder vielleicht sogar von essentieller Bedeutung für eine Freundschaft sind.

Nach Platon aber soll man sich nicht dem Verliebten hingeben, da dieser nicht klar bei Verstand ist, sondern dem Nichtverliebten, der den Verstand und die Besonnenheit besitzt, der den Anderen unterstützt und fordert, ihn an seinem Wissen teilhaben lässt und ihm das „Gute“ gönnt.

(vlg. Platon: Phaidros oder vom Schönen, S. 35, 36)

Nach dieser Rede bereut Sokrates nun das Gesagte und wiederruft seine Rede gegen Eros, indem er eine Lobesrede auf ihn hält.

Die zweite Rede Sokrates´
Sokrates´ Preisrede auf Eros

Sokrates ändert seine Meinung darüber, dass man den Nichtverliebten dem Verliebten vorziehen solle, da uns die „größten aller Güter“ durch den Rausch zuteil werden.

Der Glaube, dass der Rausch durch etwas Schönes entsteht, das von den Göttern so gefügt war, kann nur etwas Gutes sein. Sokrates berichtet von den vier Arten des göttlichen Wahns. Zum einen gibt es da die Mantik, sie gewährt den Menschen Einblick auf ihre Zukunft, da sie soviel bedeutet wie „Wahrsagen“. Als zweites ist der Mysterienwahn zu nennen, dieser gewährt den Menschen die Vergebung ihrer Sünden sowie die Bewahrung von Unheil und Seuchen, durch Rituale oder Zeremonien. Als drittes berichtet er von dem Musenwahn, dieser besteht darin das die Musen den Dichter inspirieren, damit stellt Sokrates klar dass der Wahn nicht immer etwas schlechtes sei, sondern auch etwas gutes sein kann und die Fähigkeit besitzt die Menschen zu „beflügeln“, so wie die Liebe, die zu dem vierten Wahn gehört, dem Erotischen Wahn.

(vgl. Platon: Phaidros oder vom Schönen, S. 40, 41)

Platons Seelenlehre besagt das jede Seele unsterblich ist, das es belebte (bewegte) Objekte und unbelebte (unbewegte) Objekte gibt. Die belebten haben eine Seele, die unbelebten nicht.

Die nicht belebten (unbewegten), werden von außen bewegt, die belebten (bewegten), bewegen sich von innen heraus. Nach Platon gibt es eine Weltseele, diese ist unsterblich, da sie der erste unbewegte Beweger ist.

(vgl. Platon: Phaidros oder vom Schönen, S. 42)

Platon war der Auffassung, dass die Seele aus drei Teilen besteht, aus der Vernunft, den Affekten und den Trieben. Sokrates erzählt von einem Gleichnis für die Menschen, indem er die Seele mit einem Gespann geflügelter Pferde und dessen Lenker vergleicht. Die Pferde des Gespanns stehen für die positiven und negativen Triebe der Seele, der Lenker symbolisiert die Vernunft.

(vgl. Platon: Phaidros oder vom Schönen, S. 43)

Der Lenker des Gespanns hat Mühe die Pferde in die richtige Richtung zu treiben, denn das eine ist göttlich und vollkommen und steht für das Gemüt, das andere aber ist irdisch und unvollkommen und steht für den Trieb. Beide Pferde versuchen den Lenker in verschiedene Richtungen zu treiben. So verhält sich die Wagenfahrt bei den Menschen, bei den Göttern jedoch, vor deren Wagen ebenfalls zwei Pferde gespannt sind, sind beide Pferde göttlich und vollkommen und stehen beide für die Vernunft. Diese Pferde führen ihren Lenker immer in die richtige Richtung, da ihre Seelen miteinander im Einklang sind.

[...]

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Details

Titel
Platonische Liebe
Untertitel
Platons Eros und was wir heute darunter verstehen
Veranstaltung
Philosophiegeschichte
Note
1,4
Autor
Jahr
2009
Seiten
10
Katalognummer
V137138
ISBN (eBook)
9783640455102
ISBN (Buch)
9783640454884
Dateigröße
456 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Platonische, Liebe, Platons, Eros
Arbeit zitieren
Hanna Jüngling (Autor), 2009, Platonische Liebe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/137138

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