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Bonner Regierungsbauten

Geschichte - Denkmalwerte - Zukunftsperspektiven

Title: Bonner Regierungsbauten

Master's Thesis , 2005 , 244 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: M.A. Dipl.Ing. Anna Magdalena Greifenberger (Author)

Art - Architecture / History of Construction
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„Bonner Regierungsbauten? – sind das nicht die hässlichen Betonbauwerke aus den50er und 60er Jahren? – die gehören doch abgerissen, wer braucht denn noch eine solche grauenhafte, willkürliche Architektur vor allem nach der Verlegung der Hauptstadt nach Berlin – die haben ausgedient“…. Kennen Sie solche Aussagen? Vertreten Sie womöglich selbst diese Ansicht?
Mit diesen und ähnlichen Aussagen oftmals konfrontiert, untersucht Anna Greifenberger in dieser wissenschaftlichen Arbeit die Architektur der Bonner Regierungsbauten und ihre Denkmalwürdigkeit unter Heranziehung der geschichtlichen und politischen Hintergründe und ihrer Konsequenzen.
Anna Greifenberger weist auf, dass die Denkmalwürdigkeit von Gebäuden nicht notwendigerweise von einer als schön empfundenen Architektur abgeleitet werden kann, sondern auf eine ganzheitliche Analyse ihrer historischen Bedeutung zurückgeführt werden sollte. In diesem Sinne sind die Regierungsbauten des ehemaligen Regierungsviertels der Stadt Bonn gerade mit oder trotz ihrer provisorischen und oft kritisierten architektonischen Gestaltung eben historische Zeugnisse ihrer Zeit und der Regierungsfunktion, die in dieser vermeintlichen „Hässlichkeit“ des Provisoriums der Architektur zum Ausdruck kommt. Sie begründet, dass eben diese Architektur der ehem. Regierungsbauten ihren Sinn und Zweck erfüllte und auf die historische Situation und Besonderheit der neuen Demokratie nach dem zweiten Weltkrieg bezogen werden muss.
Durch eine ganzheitliche Sicht- und Denkweise zeichnet sie die Zusammenhänge der Entstehung dieser Architektur auf, und führt zu dem Verständnis der Denkmalwürdigkeit und der Notwendigkeit zur Erhaltung des gesamten Regierungsviertels als denkmalwürdiges Geschichtszeugnis.
In diesem Zusammenhang verweist sie auch auf die Position der Denkmalpflege, deren Aufgabe darin besteht, den erinnerungswerten Nutzen der Bauten mit einem Denkmalschutz zu erhalten und mit einem subtilen Umgang dieser Architektur neue Funktionen zuzuordnen.
Nur auf diese Weise können die typischen Charakteristika einer jeden Stadt, die geschichtlich geprägt sind bewahrt werden, die jede Stadt individuell und einzigartig machen und der Nachwelt ein Kulturerbe hinterlassen…
Für die Stadt Bonn sollte demnach die historisch bedeutsame Entscheidung für die Hauptstadt Bonn somit auch in Zukunft ein erinnerungswertes Stück deutscher Zeitgeschichte bleiben, das sich in den erhaltenswerten Bauten des ehemaligen Regierungsviertes widerspiegelt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1) Die Stadt Bonn von 1945 bis zum Jahre 1989

1.1 Entwicklungsgeschichte der Bundeshauptstadt Bonn

1.1.1 Politische Situation nach dem zweiten Weltkrieg

1.1.2 Die Wahl der Stadt Bonn als Bundeshauptstadt und Regierungssitz

1.1.3 Die Hauptstadt Bonn als anfängliches Provisorium

1.1.4 Städtebauliche Topografie von Bonn

1.2 Entwicklung der Stadt Bonn als Regierungssitz

1.2.1 Keimzellen der Hauptstadt Bonn

1.2.2 Die anfängliche Architektur

1.2.3 Neubauten und ihre Repräsentationsfunktion

1.2.4 Das Ende des Provisoriums

1.2.5 Bauten und Umbauten in der Folgezeit

1.3 Verständnis und Präsentation des neuen politischen Systems

1.3.1 Hauptstadt und Architektur

1.3.2 Demokratie und Architektur

1.3.3 Die ersten bauten der “demokratischen Architektur” der Bundesbauten Bonns

1.3.4 Die Repräsentationsfunktion der späteren Architektur Bonn

2) Nutzung und Wandel der Regierungsbauten 1989 - 2005

2.1 Wiedervereinigung Deutschlands

2.1.1 Der Umzug des Regierungssitzes

2.1.2 Berlin als alte und neue Bundeshauptstadt

2.1.3 Konsequenzen für die Stadt Bonn

2.2 Nutzung der Regierungsobjekte

2.2.1 Kontinuierliche und temporäre Nutzung

2.2.2 Auslastung der Bonner Parlamentsgebäude durch Neunutzer

2.2.3 Regierungsbauten als historische Orte

2.3 Denkmalschutz und Denkmalpflege der Bonner Regierungsbauten

2.3.1 Das Denkmalrecht

2.3.2 Bereits ausgewiesene Einzeldenkmäler

2.3.2.1 Der “Lange Eugen”

2.3.2.2 Haus Carstanjen

2.3.3 Die unscheinbaren Denkmäler der Regierung

2.3.4 Umsetzungsprobleme der Denkmalpflege

2.3.4.1 Plenarbereich von Günter Behnisch

2.3.5 Regierungsviertel als komplexer Denkmalbereich

3) Zukunftsperspektiven

3.1 Der Wandel der Stadt Bonn

3.1.1 Regierungswechsel - kulturelle und städtische Veränderungen

3.1.2 Neuorientierung - Bonn auf dem Weg zur UN Stadt

3.1.3 Rückbesinnung auf eigene Identität

3.2 Umnutzung des Bundesviertels

3.2.1 Investoren und Neuplanungen - Auweitung des IKBB

3.2.2 Zukunftspläne und Denkmalpflege

3.2.3 Kompromisse und Abrisse der Denkmäler

3.3 Konzepte zur Neugestaltung

3.3.1 Konzepte der Neunutzung

3.3.2 Städtebauliche Zukunftsentwicklung

3.3.3 Resumee

Zielsetzung und Themen

Diese Arbeit untersucht die Entwicklung und architektonische Gestaltung der Regierungsbauten in Bonn, insbesondere vor dem Hintergrund des provisorischen Hauptstadtstatus nach 1949, des späteren Umzugs nach Berlin und der daraus resultierenden Herausforderungen für den Denkmalschutz und die zukünftige städtebauliche Neunutzung.

  • Historische Genese Bonns als Bundeshauptstadt
  • Architektonische Repräsentation demokratischer Prinzipien
  • Struktureller Wandel und Nachnutzung der Regierungsbauten
  • Denkmalpflegerische Bewertung und Erhaltungsstrategien
  • Zukunftsperspektiven als Wissenschafts- und UN-Standort

Auszug aus dem Buch

1.2.3 Neubauten und ihre Repräsentationsfunktion

Auch wenn sich in der wahllos erfolgenden architektonischen Gestaltung die auf den provisorischen Charakter Bonns ausgerichtete Planung zeigte, so gab es doch bereits in den 1960er Jahren prägnante Neubauten, die den provisorischen Charakter Bonns zunächst als einzelne und isolierte Bauten durchbrachen.

Ein solcher auf die dauerhafte Angemessenheit einer Repräsentationsfunktion angelegte Bau ist der 1963/64 auf Veranlassung von Bundeskanzler Erhard im Park des Palais Schaumburg errichtete Kanzlerbungalow, der als Wohnhaus des Bundeskanzlers inmitten eines unter Naturschutz stehenden Baumbestandes von dem Architekten Sepp Ruf aus München in Zusammenarbeit mit der Bundesbaudirektion errichtet wurde. Die Anlage gliedert sich entsprechend der Funktionen Wohnen und Begegnen in zwei quadratische, einander versetzt-zugeordnete eingeschossige Atriumsbauten, die sich harmonisch in die Parksituation einfügen. Die Großzügigkeit der Konzeption wird mitbestimmt durch die Beschränkung in der Verwendung der Werkstoffe. Im Innern, auf den Terrassen und im Atriumshof liegen durchgehende Travertinplatten. Die im Innern und im Äußeren durchgehenden unbehandelten Holzdecken in brasilianischer Kiefer bilden einen Kontrast zu den Klinkerwänden Im kleineren Baukörper befinden sich vorwiegend die Privaträume des Bundeskanzlers. Sie sind nach innen orientiert. Im Gegensatz dazu öffnet sich der größere und höhere Bauteil, der ausschließlich der Begegnung und den Empfängen vorbehalten ist, mit seinem Geschoss und hohen Glaswänden zu den Außenräumen des Parks.

Die dauerhaftere Darstellung der Repräsentationsfunktion dieses Gebäudes spiegelt sich wider in der durch die Architektur ausgedrückten Repräsentation und angemessenen Würde, die deutlich wird in der architektonischen Diszipliniertheit und der unaufdringlichen Gestaltung, deren Maßstäbe und Proportionen bis ins Detail hin ausgewogen und konsequent gebildet wurden. Durch seine Schwerelosigkeit, Weiträumigkeit, sachliche Eleganz und Offenheit wirkt der Kanzlerbungalow heiter trotz seiner strengen Ordnung. Er verzichtet auf Effekte und ist ausgewogen in einer Harmonie, die sich auch in der Raumausstattung widerspiegelt. Die Konturen der Räume sind fließend und je nach Bedürfnissen veränderbar, denn durch Versenkwände im Empfangs- und Speiseraum können größere Raumeinheiten hergestellt werden. Die horizontal geführten Fensterwände öffnen sich zum Park hin wie auch zum Innenhof. Nur wenige Stahlstützen halten das weit ausragende, schwebende Dach.

Zusammenfassung der Kapitel

1) Die Stadt Bonn von 1945 bis zum Jahre 1989: Analyse der politischen und architektonischen Entwicklung Bonns vom provisorischen Sitz der Bundesorgane zur etablierten Bundeshauptstadt.

2) Nutzung und Wandel der Regierungsbauten 1989 - 2005: Untersuchung der Folgen der Wiedervereinigung für die städtebauliche Landschaft Bonns und der damit verbundenen Herausforderungen für den Denkmalschutz.

3) Zukunftsperspektiven: Diskussion der städtebaulichen Neunutzung, der Rolle als UN-Stadt und Strategien für eine nachhaltige Entwicklung bei gleichzeitigem Erhalt des historischen Erbes.

Schlüsselwörter

Bonn, Bundeshauptstadt, Regierungsviertel, Regierungsbauten, Architektur, Denkmalschutz, Denkmalpflege, Demokratie, Wiedervereinigung, UN-Stadt, Städteplanung, Provisorium, Repräsentation, Umnutzung, Bonner Republik

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der wechselvollen Geschichte der Bonner Regierungsbauten von 1945 bis zum Jahr 2005 und deren architektonischer sowie denkmalschützerischer Bedeutung.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die Themen umfassen die politische Geschichte Bonns, die Architektur demokratischer Institutionen, die städtebaulichen Veränderungen nach dem Regierungsumzug nach Berlin und die Herausforderungen bei der Erhaltung dieser Bauwerke als historische Zeugnisse.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist die Erörterung, wie der Denkmalwert der historischen Regierungsbauten Bonns beurteilt werden kann und ob dieser aus ästhetischen Elementen oder den historischen Bedingtheiten abgeleitet werden muss.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?

Die Arbeit nutzt eine historische Analyse der architektonischen Entwicklung sowie eine fachliche Betrachtung der denkmalrechtlichen Situation in Nordrhein-Westfalen.

Welche Inhalte dominieren den Hauptteil?

Der Hauptteil gliedert sich in die politische Entstehungsgeschichte, den architektonischen Wandel nach der Wiedervereinigung und die fachlichen Auseinandersetzungen um den Schutz des Regierungsviertels.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Bonner Republik, Provisorium, architektonische Repräsentation, Demokratie, Denkmalschutz und Strukturwandel.

Wie beeinflusste das „Provisorium“ die Bonner Architektur?

Der provisorische Charakter führte zu einer oft als schlicht oder unauffällig wahrgenommenen Architektur, da Investitionen in langfristige, prunkvolle Großbauten bewusst vermieden oder politisch untersagt wurden.

Warum ist der „Lange Eugen“ so bedeutend für das Regierungsviertel?

Das einunddreißiggeschossige Abgeordnetenhochhaus markiert nicht nur das Ende des provisorischen Charakters durch seine moderne architektonische Präsenz, sondern ist auch ein international anerkanntes Symbol für Bonn als Regierungssitz.

Excerpt out of 244 pages  - scroll top

Details

Title
Bonner Regierungsbauten
Subtitle
Geschichte - Denkmalwerte - Zukunftsperspektiven
College
University of Bamberg
Grade
1,3
Author
M.A. Dipl.Ing. Anna Magdalena Greifenberger (Author)
Publication Year
2005
Pages
244
Catalog Number
V137149
ISBN (eBook)
9783640432738
ISBN (Book)
9783640432837
Language
German
Tags
Bonner Regierungsbauten Geschichte Denkmalwerte Zukunftsperspektiven
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
M.A. Dipl.Ing. Anna Magdalena Greifenberger (Author), 2005, Bonner Regierungsbauten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/137149
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