Seit Jahren wird darüber diskutiert, ob und inwiefern neue Medien ihre Berechtigung in der Grundschule finden. VON HENTIG etwa kritisiert, dass der Einsatz von Computern in der Schule dafür sorgt, dass das Kind an seinem Stuhl festgehalten wird, seine anderen Kontakte ausgeschaltet werden und sein Geist auf das Frage-und-Antwort-Schema des Programms gebannt wird. Fest steht aber, dass Schule auf die veränderten Lebensbedingungen der Schüler und Schülerinnen reagieren muss, wenn sie ihrem Auftrag gerecht werden will, Schüler zu mündigen Mitgliedern der Gesellschaft zu erziehen, da der Umgang mit Medien immer stärker zu den Voraussetzungen des Alltagslebens gehört. Ich schließe mich daher der Meinung von KOHLHOF an: „Wenn es zum Bildungsauftrag der Grundschule gehört, Kindern ihre Lebenswelt zu erschließen und ihre Erfahrungen aufzuarbeiten, dann dürfen Erfahrungen mit der Informationstechnik nicht ausgeschlossen werden.“
Die vorliegende Arbeit knüpft an diese Überlegungen an und setzt sich mit der Beratung von Viertklässlern bei der Erstellung, Bearbeitung und Veröffentlichung von digitalen Bild- und Textdokumenten am Computer auseinander.
Die Schüler haben im Rahmen einer freiwilligen Homepage-AG eine Homepage auf www.primolo.de erstellt. Dabei stand im Vordergrund, dass die Schüler zunehmend selbständig agieren und die Lehrperson zunehmend zum Berater wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Didaktische Legitimation für die Erstellung einer Schülerhomepage
3. Darstellung der Situation an der Barbaraschule Herten
3.1. Technische Ausstattung
3.2. Medienpädagogisches Konzept der Barbaraschule
3.3. Bisherige Internetpräsenz der Barbaraschule
3.4. Organisatorische Aspekte zur Realisierung einer Computer-AG
3.5. Angaben zur Lerngruppe
4. Beschreibung des Homepagegenerators Primolo
5. Darstellung des zugrundeliegenden Beratungskonzepts
5.1. Prinzipien und Konzepte der Medienerziehung
5.2. Definition von Beratung im pädagogischen Kontext
5.3. Folgerungen für die Begleitung von Schülern bei der Arbeit mit digitalen Dokumenten
5.3.1. Das Prinzip des autonomen Lernens
5.3.2. Das Prinzip des Expertentums
5.3.3. Das Prinzip der minimalen Hilfe
5.3.4. Das Prinzip des offenen Arbeitens
5.3.5. Das Prinzip der Arbeitsteilung
6. Beratung der Schüler bei der Arbeit mit digitalen Bild- und Textdokumenten
6.1. Erstellung von Dokumenten
6.1.1. Erstellen von Bildern
6.1.2. Schreiben von Texten
6.2. Überarbeitung von Dokumenten
6.2.1. Überarbeitung von Bildern
6.2.2. Überarbeitung von Texten
6.3. Veröffentlichung von Dokumenten bei Primolo
6.3.1. Veröffentlichen von Bildern
6.3.2. Veröffentlichen von Texten
7. Innovieren durch Weitergabe von Expertenwissen und Erfahrungen der Schüler
8. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit entwickelt ein Beratungskonzept zur Prozessbegleitung für Viertklässler, die im Rahmen einer Computer-AG eine eigene Schülerhomepage erstellen, bearbeiten und veröffentlichen. Ziel ist es, die Medienkompetenz der Kinder zu fördern, ihre Lebenswirklichkeit aufzugreifen und sie dazu zu befähigen, digitale Bild- und Textdokumente eigenständig und kooperativ im Internet zu präsentieren.
- Entwicklung und Anwendung eines medienpädagogischen Beratungskonzepts
- Prozessbegleitung bei der Erstellung digitaler Dokumente (Text und Bild)
- Förderung von Medienkompetenz durch handlungsorientiertes Lernen
- Implementierung von kooperativem Lernen und Expertenwissen (Peer-to-Peer)
- Nutzung des Homepage-Generators Primolo als Werkzeug für Grundschüler
Auszug aus dem Buch
6.1.1. Erstellen von Bildern
Wie bereits in Kapitel 3 erläutert wurde, ist die Arbeit mit Fotoapparaten an der Grundschule durch den Lehrplan Kunst legitimiert. Die Fotografie ist „trefflich geeignet, die Sachkompetenz (Gestaltung, Technik), die Sozialkompetenz und die Selbstkompetenz der Schülerinnen und Schüler zu fördern und zu stärken.“ Sie „bezieht auch die Möglichkeiten der digitalen Technik ein.“ Außerdem liefert die digitale Fotografie „Bildmaterial, an dem gestalterische Grundlagen der Fotografie sehr wohl geübt und gelernt werden können.“
Zunächst sollte für das Fotografieren eine digitale Kamera zur Verfügung stehen, da sie den Vorteil bietet, dass Ergebnisse sofort zu prüfen, zu bewerten und ggf. wieder zu löschen sind. Außerdem ist diese Variante kostengünstiger als das teure Entwickeln von Filmen. Das entscheidende Argument für eine Digitalkamera ist jedoch, dass sie direkt an den Computer angeschlossen werden kann, so dass die Bilder unmittelbar angesehen und weiterverarbeitet werden können. Dabei sollte mindestens eine schuleigene Kamera für alle Schüler gleichermaßen bereit stehen, damit die Schüler sich an die Handhabung eines bestimmten Gerätes gewöhnen können. Optimalerweise stehen mehrere baugleiche Kameras zur Verfügung, so dass die einzelnen Kleingruppen jederzeit Zugang zu einer Kamera haben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung begründet die Relevanz von Medienkompetenz in der Grundschule und stellt die Entstehungsgeschichte der Computer-AG an der Barbaraschule Herten dar.
2. Didaktische Legitimation für die Erstellung einer Schülerhomepage: Dieses Kapitel verankert das Projekt in medienpädagogischen Aufgabenfeldern und den offiziellen Lehrplänen für Nordrhein-Westfalen.
3. Darstellung der Situation an der Barbaraschule Herten: Hier werden die technischen Voraussetzungen, das schulische Medienkonzept und die organisatorischen Rahmenbedingungen der Arbeitsgemeinschaft beschrieben.
4. Beschreibung des Homepagegenerators Primolo: Es wird der webbasierte Homepage-Baukasten Primolo als ein auf Grundschüler zugeschnittenes Werkzeug vorgestellt und analysiert.
5. Darstellung des zugrundeliegenden Beratungskonzepts: Das Kapitel leitet das Beratungskonzept aus zentralen medienpädagogischen Prinzipien wie dem autonomen Lernen und der minimalen Hilfe ab.
6. Beratung der Schüler bei der Arbeit mit digitalen Bild- und Textdokumenten: Dies ist der Hauptteil der Arbeit, der die praktische Anwendung des Beratungskonzepts auf die Erstellung, Bearbeitung und Veröffentlichung von Inhalten detailliert beschreibt.
7. Innovieren durch Weitergabe von Expertenwissen und Erfahrungen der Schüler: Hier wird der Ansatz verfolgt, erworbenes Expertenwissen jahrgangsübergreifend zu nutzen, um die Nachhaltigkeit des Projekts zu sichern.
8. Fazit und Ausblick: Das Fazit reflektiert den Erfolg des Konzepts hinsichtlich der gestärkten Medienkompetenz und Selbstständigkeit der Schüler und gibt einen Ausblick auf die zukünftige Erprobung.
Schlüsselwörter
Medienkompetenz, Grundschule, Schülerhomepage, Primolo, Beratungskonzept, Informatik, Medienpädagogik, Digitalkamera, Textverarbeitung, Bildbearbeitung, IrfanView, autonomes Lernen, Expertenwissen, Computer-AG, Digitale Dokumente
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit einem Beratungskonzept für Grundschüler, die im Rahmen einer Computer-Arbeitsgemeinschaft eine eigene Homepage erstellen, um ihr Schulleben zu dokumentieren.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Im Fokus stehen die didaktische Legitimation, technische Voraussetzungen, ein pädagogisches Beratungskonzept für digitale Arbeitsprozesse und die praktische Anwendung von Software wie Word und Primolo.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die Medienkompetenz der Viertklässler zu stärken und sie zu einem selbstständigen sowie verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien zu erziehen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf der Entwicklung und praktischen Erprobung eines handlungsorientierten Beratungskonzepts, gestützt durch Fachliteratur und unter Einbeziehung von Evaluationsdaten der Schüler.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die praktische Begleitung der Schüler beim Erstellen, Bearbeiten und Veröffentlichen von Bildern und Texten unter Anwendung des entwickelten Beratungskonzepts.
Welche Schlüsselbegriffe definieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Medienkompetenz, autonomes Lernen, Schülerhomepage, Primolo und Prozessbegleitung geprägt.
Warum wird das Prinzip der "minimalen Hilfe" im Projekt angewandt?
Dieses Prinzip stellt sicher, dass die Schüler eigene Problemlösestrategien entwickeln und nur dann Unterstützung von der Lehrkraft erhalten, wenn sie mit einer Aufgabe überfordert sind.
Wie spielt das Expertenwissen eine Rolle für die Nachhaltigkeit?
Durch den Einsatz von Expertenlisten können Schüler ihr erworbenes Wissen an nachfolgende Jahrgänge weitergeben, was die Lehrkraft entlastet und ein kooperatives Lernen fördert.
- Quote paper
- Johanna Sandvoß (Author), 2008, Schüler einer Grundschule dokumentieren ihr Schulleben auf einer Schülerhomepage bei Primolo, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/137155