„Amerika, du hast es besser als unser Kontinent, der alte, hast keine verfallenen Schlösser und keine Basalte. Dich zerstört nicht im Innern, zu lebendiger Zeit, kein unnützes Erinnern, und vergeblicher Streit.“
Ein Zitat, welches wohl direkt aus der Nachkriegszeit stammen könnte. Das zerrütete und zerstörte Deutschland wird aufgefangen von Amerika. Ein Land, welches nach dem Krieg zur Weltmacht aufgestiegen war soll den Wunsch nach einer friedlichen Zukunft für Deutschland erfüllen. Mit der Besetzung Deutschlands nimmt der Einfluss der Neugestaltung Westdeutschlands enorm zu. Amerika wird zum Leitbild der deutschen Gesellschaft und dient als Orientierung in fast allen Lebensbereichen.
In der folgenden Arbeit geht es um die Amerikanisierung Deutschlands nach 1945. Dabei wird sich der Autor speziell auf den Aspekt der Wirtschaft konzentrieren. An einem ausgewählten Beispiel wird gezielt und speziell vorgestellt, inwieweit amerikanische Leitbilder ein deutsches Unternehmen beeinflusst haben. Dabei werden zwei Teilbereiche untersucht, die Produktentwicklung und das Marketing, welches deshalb interessant ist, da Marketing ein reines „Produkt“ der amerikanischen Wirtschaft ist.
Zuvor soll der Begriff Amerikanisierung näher definiert und die Zeit des Durchbruchs festgemacht werden. Hier soll vorallem im Vordergrund stehen, wie diese Amerikanisierung erfolgte.
Der letzte Teil beschäftigt sich mit der heutigen Forschung. Es werden mehrere wissenschaftliche Forschungsstandpunkte zum Thema Amerikanisierung kurz vorgestellt. Hierbei geht es letztendlich nicht darum, eine konkrete und richtige Meinung darzustellen, sondern einen kurzen Überblick der heutigen Forschungsansätze zu verschaffen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriff Amerikanisierung
3. Durchbruch der Amerikanisierung in Deutschland
4. Ein Beispiel: Das deutsche Unternehmen Henkel
4.1 Produktpolitik
4.2 Marketing
5. Kritische Betrachtung der Amerikanisierung
6. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht den Einfluss der Amerikanisierung auf die deutsche Wirtschaft nach 1945. Dabei wird anhand des Fallbeispiels Henkel analysiert, wie amerikanische Managementmethoden, Produktinnovationen und Marketingstrategien das Verhalten und den Erfolg eines deutschen Traditionsunternehmens maßgeblich beeinflusst und geformt haben.
- Historische Einordnung der Amerikanisierung als Prozess der wirtschaftlichen Modernisierung.
- Analyse der Produktpolitik von Henkel im Kontext des amerikanischen Vorbilds.
- Untersuchung der Implementierung moderner Marketing- und Werbestrategien nach US-Modellen.
- Kritische wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Begriff der Amerikanisierung vs. Westernisierung.
- Bewertung des Einflusses der Besatzungsmacht und des Marshall-Plans auf deutsche Industrierichtlinien.
Auszug aus dem Buch
4.2 Marketing
Nicht nur in Fragen der Produktentwicklung und der Herstellung orientierte sich Henkel beim amerikanischen Konkurrenten. Amerika wurde ebenso ausschlaggebend in Fragen der Unternehmensführung, Marktforschung und Produktvermarktung. Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung wandelten sich die Märkte und deutsche Unternehmen mussten sich umstellen, vom Verteilen auf das Verkaufen. Dies erforderte eine grundsätzliche Neuorientierung. Das moderne Marketing, welches in den USA schon seit Beginn der 20. Jahrhunderts erfolgreich war, wurde übernommen.
Im Verhältnis zur Produktentwicklung öffnete sich Henkel erst relativ spät für eine neue Unternehmensführung und ersten Marketingmethoden nach amerikanischem Vorbild. Zwar hatte Henkel, als Hersteller von Markenprodukten, schon vor dem Zweiten Weltkrieg umfangreiche Werbung betrieben, jedoch erschienen die Werbemethoden der amerikanischen Unternehmen neu. Zu Beginn der 1960er Jahre änderte Henkel dann auch hier die Taktik. Man hatte entdeckt, dass ausschließlich Produkte, die massiv und mit Unterstützung anderer Grossfirmen propagiert wurden, zu einem Einbruch am Markt geführt hatten. Auch aufgrund des Wettbewerbsdrucks veranlasste Henkel künftig doppelt so viel Geld für die Werbung auszugeben. Weiteres Know-how bekam Henkel von amerikanischen Werbeagenturen und Beratungsstellen, welche das deutsche Unternehmen mit den aktuellen Trends aus Amerika vertraut machten. Nicht nur Agenturen vermittelten das nötige Know-how, auch unternehmerische Persönlichkeiten, die Erfahrungen in den USA gesammelt hatten, führten moderne Marketing-Strategien, nach den Elementen der USA, Philosophie, Organisation, Marktforschung und Werbung, ein.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die historische Ausgangslage der Nachkriegszeit ein und definiert das Ziel, die Amerikanisierung der deutschen Wirtschaft am Beispiel der Firma Henkel zu beleuchten.
2. Begriff Amerikanisierung: Dieses Kapitel erläutert den Begriff der Amerikanisierung als ein Phänomen der Moderne und beleuchtet dessen Bedeutung für die deutsche Kultur und Wirtschaft des 20. Jahrhunderts.
3. Durchbruch der Amerikanisierung in Deutschland: Es wird analysiert, wie die Nachkriegszeit und die US-Besatzung den massiven Einfluss amerikanischer Strukturen und Methoden zur industriellen Neuordnung Deutschlands ermöglichten.
4. Ein Beispiel: Das deutsche Unternehmen Henkel: Anhand dieses Kapitels wird der direkte Einfluss amerikanischer Vorbilder auf die internen Prozesse eines deutschen Großunternehmens aufgezeigt.
4.1 Produktpolitik: Dieses Kapitel zeigt auf, wie Henkel durch den Austausch mit US-Firmen wichtige Produktinnovationen und technische Verfahren wie das P3-Verfahren adaptierte.
4.2 Marketing: Hier wird die Umstellung von einer reinen Produktverteilung auf aktives, nach US-Vorbild strukturiertes Marketing und Absatzwerbung bei Henkel beschrieben.
5. Kritische Betrachtung der Amerikanisierung: Es werden verschiedene wissenschaftliche Perspektiven diskutiert, die das Konzept der Amerikanisierung kritisch hinterfragen und Alternativen wie die "Westernisierung" vorschlagen.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die Amerikanisierung als wirtschaftlicher Impulsgeber für die Rückkehr der deutschen Industrie auf den Weltmarkt unverzichtbar war.
Schlüsselwörter
Amerikanisierung, Henkel, Nachkriegszeit, Produktentwicklung, Marketing, Marktforschung, Waschmittel, Wirtschaftswunder, Managementmethoden, Unternehmensführung, Werbestrategien, Westernisierung, Industrie, Wettbewerb, Konsumgüter.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt den Einfluss amerikanischer Wirtschafts- und Managementkonzepte auf die deutsche Industrie nach 1945.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Produktentwicklung, das moderne Marketing, Werbestrategien und die allgemeine Unternehmenskultur.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, anhand des Beispiels Henkel aufzuzeigen, wie US-amerikanische Leitbilder deutsche Unternehmen geformt haben.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine Fallstudie, die durch eine Literaturanalyse historischer Forschungsansätze ergänzt wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einordnung, die spezifische Analyse der Firma Henkel sowie eine kritische theoretische Diskussion des Begriffs der Amerikanisierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Begriffe wie Amerikanisierung, Produktpolitik, Marketing, Wirtschaftswunder und Unternehmensführung beschreiben den Kern der Untersuchung.
Wie hat sich die Beziehung zwischen Henkel und Procter & Gamble entwickelt?
Die anfänglich freundschaftliche Kooperation und Wissensakquise wandelte sich im Zuge des zunehmenden Marktdrucks in ein konkurrierendes Verhältnis.
Welche Bedeutung hatte der Begriff "Westernisierung" für die neuere Forschung?
Er dient als alternative theoretische Perspektive, um den Transfer zwischen USA und Europa differenzierter als "interkulturellen Austausch" statt als einseitige Amerikanisierung zu betrachten.
- Quote paper
- Julia Arndt (Author), 2007, Amerikanisierung deutscher Unternehmen in den 50er Jahren, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/137177