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Nicht-inferentielle Rechtfertigung in R. Brandoms Inferentialismus

Title: Nicht-inferentielle Rechtfertigung in R. Brandoms Inferentialismus

Term Paper , 2009 , 23 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Lars-Henning Groß (Author)

Philosophy - Philosophy of the 20th century
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In der Erkenntnistheorie vertreten W. Sellars und vor allem R. Brandom einen Inferentialismus. Dieser kann als eine mögliche Antwort auf die Schwächen des klassischen Fundamentalismus in der Erkenntnistheorie angesehen werden. Dem Inferentialismus zufolge sind Überzeugungsinhalte propositional gehaltvoll und weisen eine inferentielle Gliederung auf. Überzeugungen lassen sich prinzipiell durch das Eingehen und Zuweisen von Gründen, also sozial, rechtfertigen. Der Inferentialismus – als Kritik am klassischen Fundamentalismus – weist eine hierarchische Struktur der Rechtfertigung zurück. Propositional Gehaltvolles (also auch Überzeugungen) lässt sich durch andere Propositionen inferentiell stützen. Die Struktur der Rechtfertigung scheint also eher symmetrisch denn hierarchisch. Der Fundamentalismus vertritt im Grunde die These, dass es so etwas wie erste, fundamentale Überzeugungen bzw. Überzeugungsinhalte geben muss, auf die sich andere Überzeugungen zurückführen lassen. Inferentialisten bestreiten diese „Stromabwärts Begründungsstruktur“. Damit handeln sich Inferentialisten, wie Wilfrid Sellars und Robert Brandom, ein Regress- bzw. Zirkelproblem ein. Es bleibt scheinbar offen, wann eine Begründungskette anfängt, bzw. wann eine Begründungskette abzubrechen ist, die in einen Regress zu rutschen droht. Ebenso offen bleibt die Frage, welche Rolle die Wahrnehmung bei der Rechtfertigung bestimmter Überzeugungen innehaben soll. Stellt die Wahrnehmung basale, nicht-inferentiell gewonnene Überzeugungen bereit? Falls sie dies tut, muss geklärt werden, wie sich solch basale Überzeugungen in Brandoms Theorie einbauen lassen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Komplexe hybride deontische Einstellungen – Brandoms sprachpragmatischer Wissensbegriff

3. Berechtigtsein und Rechtfertigen

3.1 Rechtfertigungsprobleme und Fundamentalismus

3.2 Einsichten aus den Rechtfertigungsproblemen und dem Fundamentalismus

4. Rechtfertigende Autorität von nicht-inferentiellen Überzeugungen durch Verlässlichkeit?

4. 1. Nicht-inferentielle Rechtfertigung im Inferentialismus als hybride Einstellung

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht, wie Robert Brandoms inferentialistische Erkenntnistheorie das Problem der nicht-inferentiellen Rechtfertigung, insbesondere durch Wahrnehmung, adressiert. Dabei wird analysiert, wie Brandom durch das Konzept der Verlässlichkeit eine Brücke zwischen internalistischen und externalistischen Positionen schlägt, um Regress- und Zirkelprobleme zu vermeiden und Wissen als hybride deontische Einstellung zu definieren.

  • Grundlagen von Brandoms sprachpragmatischem Wissensbegriff
  • Analyse der Rechtfertigungsprobleme und Kritik am klassischen Fundamentalismus
  • Untersuchung der Verlässlichkeitstheorie zur Rechtfertigung nicht-inferentieller Überzeugungen
  • Die Rolle der 1.-Person- und 3.-Person-Perspektive bei Wissenszuschreibungen
  • Das Problem der Referenzklassen bei der Bestimmung von Verlässlichkeit

Auszug aus dem Buch

3.1. Rechtfertigungsprobleme und Fundamentalismus

Das Rechtfertigungsproblem besteht aus drei einzelnen Problemen: Das Regressproblem besteht im Grunde im Folgenden: Thomas möchte eine Überzeugung A rechtfertigen. Die Rechtfertigung ist, wie oben dargelegt, eine hinreichende Bedingung für Wissen. Thomas überlegt, auf welche Weise er seine Überzeugung A rechtfertigen kann und stellt fest, dass A aus B folgt. B ist also die Prämisse, A die Konklusion in Thomas Argument. Die Rechtfertigung von A geschieht demnach auf inferentiellem Weg. Jemand, der sich Thomas inferentielle Rechtfertigung anschaut, kann aber die Frage stellen, durch was denn B überhaupt gerechtfertigt ist. Denn B muss offenbar selbst in irgendeiner Form rational gerechtfertigt sein, um als Prämisse in einer inferentiellen Rechtfertigung für A dienen zu können.

Thomas überlegt nun weiter und stellt fest, dass man B durch C rechtfertigen kann. B wird also durch C inferentiell gerechtfertigt, ebenso wie B vorher A rechtfertigte. Man kann an dieser Stelle erneut fragen, wie C gerechtfertigt ist. Dieses Vorgehen, also das inferentielle Rechtfertigen einer Überzeugung durch Angabe einer weiteren Überzeugung, die zur Begründung dienen soll, lässt sich unendlich fortführen. Diese erste Variante wird als unendlicher Regress bezeichnet.

Thomas kann aber auch anders vorgehen. Er möchte seine Überzeugung A erneut durch B rechtfertigen. Stellt man nun wieder die Frage, auf welche Weise B gerechtfertigt ist, so zieht Thomas keine neue Überzeugung zur Begründung heran, sondern behauptet, dass B durch A gerechtfertigt sei. Die Prämisse wird an dieser Stelle also durch die Konklusion gerechtfertigt. Das Argument ist somit zirkulär.

Thomas befindet sich in keiner einfachen Situation. Wendet er die erste der beschriebenen Methoden an, gerät er in einen infiniten Regress. Wenn er die zweite Methode anwendet, bringt er ein zirkuläres Argument vor. Diese beiden Möglichkeiten scheinen für die Rechtfertigung einer Überzeugung nicht plausibel. Thomas bleibt noch eine dritte Möglichkeit. Er führt zur Begründung von B keine weiteren Gründe an und bricht den Verlauf der inferentiellen Begründungen ab. Weder ein unendlicher Regress, noch ein zirkuläres Argument, noch ein Abbruch der Begründungskette scheinen aber geeignet dafür zu sein, um rechtfertigende Autorität zu schaffen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit führt in Brandoms Inferentialismus als Antwort auf den klassischen Fundamentalismus ein und stellt die Forschungsfrage nach der nicht-inferentiellen Rechtfertigung.

2. Komplexe hybride deontische Einstellungen – Brandoms sprachpragmatischer Wissensbegriff: Dieses Kapitel expliziert Brandoms sprachpragmatische Wissensanalyse und die Bedingungen für Wissen aus 1.-Person- und 3.-Person-Perspektive.

3. Berechtigtsein und Rechtfertigen: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Rechtfertigung und die fundamentalistischen Herausforderungen (Regress- und Zirkelprobleme) erörtert.

4. Rechtfertigende Autorität von nicht-inferentiellen Überzeugungen durch Verlässlichkeit?: Das Kapitel untersucht die Verlässlichkeitstheorie und das Referenzklassenproblem im Kontext der Wahrnehmungsüberzeugungen.

5. Fazit: Die Arbeit fasst zusammen, dass Brandoms Ansatz eine erfolgreiche Vermittlung zwischen internalistischen und externalistischen Positionen darstellt, indem Wissen als hybride deontische Einstellung begriffen wird.

Schlüsselwörter

Inferentialismus, Robert Brandom, Erkenntnistheorie, Rechtfertigung, Wissensbegriff, Fundamentalismus, Wahrnehmung, Verlässlichkeitstheorie, Reliabilismus, deontische Einstellung, soziale Praxis, Regressproblem, nicht-inferentielle Rechtfertigung, inferentielle Gliederung, Wissenszuschreibung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert Robert Brandoms inferentialistische Erkenntnistheorie und deren Umgang mit dem Problem, wie nicht-inferentielle Überzeugungen – wie etwa durch Wahrnehmung gewonnene – gerechtfertigt werden können.

Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Die zentralen Themen umfassen den sprachpragmatischen Wissensbegriff, das Regressproblem der Rechtfertigung, die Verlässlichkeitstheorie (Reliabilismus) sowie die soziale Praxis des Gebens und Verlangens von Gründen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel der Arbeit ist es, den Argumentationsweg Brandoms nachzuvollziehen, wie er nicht-inferentielle Rechtfertigung in das Bild des Inferentialismus einfügt, ohne in die Fallen des klassischen Fundamentalismus zu tappen.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Es handelt sich um eine deskriptive, philosophische Arbeit, die Brandoms Argumente anhand von Gedankenexperimenten und Vergleichen mit anderen Positionen wie dem Sellars-Internalismus analysiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden die klassische Wissensanalyse, das Münchhausen-Trilemma, Descartes' Fundamentalismus und Brandoms hybrides Konzept der Wissenszuschreibung detailliert auseinandergesetzt.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen gehören Inferentialismus, deontische Einstellung, Verlässlichkeitstheorie, Rechtfertigungsprobleme und die soziale Erkenntnistheorie.

Wie löst Brandom laut der Arbeit das Regressproblem?

Brandom versucht, das Problem durch die Einbindung der Verlässlichkeitstheorie in die soziale Praxis zu lösen, indem nicht-inferentielle Wahrnehmungsüberzeugungen als Fundament dienen, sofern sie als verlässlich angesehen werden.

Welche Rolle spielt das Scheunenfassadenmodell in der Arbeit?

Das von Goldman stammende Modell dient als Beispiel, um die Schwächen einer rein kausaltheoretischen Erklärung von Wissen aufzuzeigen und das Referenzklassenproblem bei der Bestimmung von Verlässlichkeit zu illustrieren.

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Details

Title
Nicht-inferentielle Rechtfertigung in R. Brandoms Inferentialismus
College
Bielefeld University  (Fakultät für Geschichtswissenschaften, Philosophie und Theologie)
Course
Robert Brandom: „Begründen und Begreifen. Eine Einführung in den Inferentialismus
Grade
1,7
Author
Lars-Henning Groß (Author)
Publication Year
2009
Pages
23
Catalog Number
V137180
ISBN (eBook)
9783640457090
ISBN (Book)
9783640456925
Language
German
Tags
Nicht-inferentielle Rechtfertigung Brandoms Inferentialismus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Lars-Henning Groß (Author), 2009, Nicht-inferentielle Rechtfertigung in R. Brandoms Inferentialismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/137180
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