Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Konzept der Hybridität im Werk "Wigamur". Es wird untersucht, inwiefern die Figur der Lespîa durch ihre Hybridität mittelalterliche feste gesellschaftliche Strukturen unterläuft und als machtvolle Bedrohung dieser infolgedessen dämonisiert wird. Dabei wird im Hauptteil anhand beispielhafter dichotomischer Konzepte im Mittelalter aufgezeigt, inwiefern Lespîa als Hybridwesen die starren mittelalterlichen Konstruktionen von Körper, anthropo-zoomorphen Vorstellungen und Räumen unterlaufen kann und dies durch die Ängste spezifischer Gruppen zu einer Dämonisierung führt, die letztendlich in ihrem Suizid endet.
Die Arbeit wird sich dazu in mehrere Teile gliedern. Zuerst wird auf den Begriff der Hybridität und daraus ableitend hybride Mischwesen und ihre prototypische Darstellung als das Fremde eingegangen. Daraufhin wird untersucht, ob und inwiefern die Figur der Lespîa in die Fabelwesen einzuordnen ist, da diese Abgrenzung für den Ausgangspunkt der Dämonisierung relevant ist. Weiterhin wird anhand beispielhafter dichotomischer Konzepte im Mittelalter aufgezeigt, inwiefern Lespîa als Hybridwesen diese starren Konstruktionen von Körper, anthropo-zoomorphen Vorstellungen und Räumen unterlaufen kann und dies durch die Ängste spezifischer Gruppen zu einer stärkeren Dämonisierung führt. Daraufhin werden textuelle Strategien beleuchtet, welche für die Dämonisierung Lespîas ausschlaggebend sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Relevanz und Erläuterung der Fragestellung
2. Hybride Wesen
2.1. Begriff Hybridität
2.2. Hybride Wesen als ‚das Fremde‘
2.2.1. Arten der Meerwesen
2.2.2. Einordnung der Lespîa in die Fabelwesen
2.2.3. Lespîa als ‚wildez wîp‘
3. Vermischung mittelalterlicher Konzepte durch Hybridität
3.1. Konzeptionen von gender
3.2. Konzeptionen von Mensch und Tier
3.3. Konzeptionen von Räumen
3.3.1. Die weibliche Höhle und Wand als Symbol
4. Dämonisierung im Text
4.1. Sprachliche Strategie: ‚vâlentinne‘ als Bezeichnung
4.2. Motiv der Rache
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwiefern die Figur der Lespîa im Wigamur durch ihre Hybridität gesellschaftliche Strukturen unterläuft und infolgedessen dämonisiert wird. Die Forschungsfrage fokussiert dabei darauf, ob ihre Hybridität per se als Bedrohung wahrgenommen wird oder ob ihr Überschreiten von Grenzen die Triebfeder für ihre Dämonisierung und ihren letztlichen Suizid darstellt.
- Hybridität als kulturwissenschaftliches Konzept
- Mittelalterliche Konzepte von Gender, Mensch und Tier
- Die symbolische Funktion von Räumen und Grenzen
- Sprachliche Strategien der Dämonisierung im Text
- Verhältnis von sozialer Mobilität und Ausgrenzung
Auszug aus dem Buch
1.1. Relevanz und Erläuterung der Fragestellung
Die nachfolgende Arbeit wird sich mit der Frage auseinandersetzen, inwiefern die Figur der Lespîa durch ihre Hybridität mittelalterliche feste gesellschaftliche Strukturen unterläuft und als machtvolle Bedrohung dieser infolgedessen dämonisiert wird. Daraus ergibt sich folgende Fragestellung: Inwiefern trägt die Hybridität der Figur Lespîa zur Dämonisierung derselben bei? Dazu wird hier die These vertreten, dass Lespîa keine Bedrohung auf Grund ihrer Hybridität darstellt, diese jedoch auf Grund der (Aus-)Nutzung ihrer hybriden Fähigkeiten und des Überschreitens von Grenzen als gefährlich für die klar geteilte Gesellschaftsordnung wahrgenommen wird. Diese durchgängige Bedrohung führt zu ihrer Dämonisierung, womit ihr Tod/ Suizid unausweichlich ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Hybridität im Kontext des mittelalterlichen Wigamur sowie Darlegung der zentralen Forschungsfrage und These.
2. Hybride Wesen: Begriffsbestimmung von Hybridität sowie Einordnung der Figur Lespîa als hybrides Wesen und "wilde Frau" im Vergleich zu herkömmlichen Meerwesen.
3. Vermischung mittelalterlicher Konzepte durch Hybridität: Analyse der Unterwanderung mittelalterlicher Geschlechterrollen sowie der Grenzziehung zwischen Mensch, Tier und Raum.
4. Dämonisierung im Text: Untersuchung der sprachlichen Diffamierung Lespîas durch spezifische Bezeichnungen und des Motivs der Rache als Faktor für ihre Marginalisierung.
5. Fazit: Zusammenfassende Bestätigung der These, dass nicht die Hybridität per se, sondern das Überschreiten normativer Grenzen zur Dämonisierung der Figur führt.
Schlüsselwörter
Hybridität, Lespîa, Wigamur, Dämonisierung, Mittelalter, Gender, Wilde Frau, Grenzüberschreitung, soziale Strukturen, Identität, Körperlichkeit, Literarische Analyse, Marginalisierung, Mensch und Tier, Höhle
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Figur der Lespîa im mittelalterlichen Wigamur und untersucht, warum sie als dämonisches, fremdes Wesen wahrgenommen und schließlich zu ihrem Untergang gebracht wird.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind Hybridität, mittelalterliche gesellschaftliche Ordnungsstrukturen (Genderrollen), Mensch-Tier-Abgrenzungen, Raumkonzepte und literarische Dämonisierungsstrategien.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit geht der Frage nach, inwiefern die Hybridität der Figur Lespîa maßgeblich zu ihrer Dämonisierung beiträgt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die begriffliche Analysemethoden (z.B. Hybridität) auf den Primärtext Wigamur anwendet und durch Sekundärliteratur stützt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Hybridität, die Unterminierung von Gender- und Körperkonzepten, die räumliche Analyse (Wald vs. Höhle) sowie textuelle Strategien der Dämonisierung.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich vor allem durch Begriffe wie Hybridität, Dämonisierung, soziale Ordungsstrukturen, Gender und Identitätsbildung im Mittelalter beschreiben.
Warum spielt die Höhle eine zentrale Rolle in der Analyse?
Die Höhle fungiert als ambivalent belegter Raum, der als Behausung für das "Fremde" dient, aber gleichzeitig das Scheitern von Lespîas Versuch symbolisiert, ihre ihr zugewiesene Sphäre zu verlassen.
Warum wird Lespîa als "vâlentinne" (Teufelin) bezeichnet?
Die Bezeichnung dient als subtile sprachliche Strategie, um sie direkt mit dem Teufel zu assoziieren, was ihre Stigmatisierung als dämonisches Wesen gegenüber der höfischen Welt rechtfertigt.
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- Franka Feistel (Author), 2023, Dämonisierung des wilden wîps im Wigamur. Inwiefern trägt die Hybridität der Figur Lespîa zur Dämonisierung derselben bei?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1371861