Die Grundlagen der Themenzentrierten Interaktion nach Ruth Cohn in Bezug auf das Menschenbild der Humanistischen Psychologie


Studienarbeit, 2009
23 Seiten, Note: 2,6

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 Einführung

2 Humanistische Psychologie
2.1 Was ist Humanistische Psychologie
2.2 Entwicklung
2.3 Grundlagen und Menschenbild

3 Themenzentrierte Interaktion (TZI) nach Ruth Cohn
3.1 Was ist TZI?
3.2 Entwicklung durch Ruth Cohn
3.3 Grundlagen der TZI
3.3.1 Die Axiome
3.3.2 Arbeitsprinzip der dynamischen Balance
3.3.3 Postulate
3.3.4 Leitungsverständnis in Gruppen

4 Verbindungen des Menschenbilds der Humanistischen Psychologie mit der TZI

5 Literaturverzeichnis

1 Einführung

Diese Arbeit behandelt die Grundlagen der Themenzentrierten Interaktion nach Ruth Cohn (TZI) in Bezug auf das Menschenbild der Humanistischen Psychologie. Dabei sollen beide Ansätze vorgestellt, ihre Entwicklung dargelegt und ihre Grundlagen, ihre Prinzipien und das Menschenbild, das hinter diesen steht, dargelegt werden. In diesen Ausführungen werden die vielen Gemeinsamkeiten und Verbindungen der TZI und der Humanistischen Psychologie herausgearbeitet. Diese werden in der Schlussbetrachtung noch einmal zusammengefasst betrachtet und näher erläutert.

Beide Ansätze sind sehr wichtig für die soziale Arbeit, die Themenzentrierte Interaktion im Bereich der Arbeit mit Gruppen und die Humanistische Psychologie, wie ihr Name schon aussagt, im Bereich der menschlichen Psyche und ihrer Heilung. Ihre Entwicklungen haben in der sozialen Arbeit viel Fortschritt und neue Erkenntnisse erbracht. Des Weiteren sind beide Ansätze weniger als methodisch zu sehen, sondern sie verlangen eine entsprechende Grundhaltung, die ein gewisses Menschenbild voraussetzt, um richtig arbeiten zu können.

Beide Arbeitsformen sind eher jung und wurden erst im Laufe des letzten Jahrhunderts entwickelt. Beide reformierten ihr Arbeitsfeld in gewisser Weise und brachten ihnen eine völlig neue Sichtweise auf ihre Klienten und ihren Arbeitsauftrag sowie deren Ausführung.

Dies sind nur einige formale Verknüpfungen und Gemeinsamkeiten der TZI und der Humanistischen Psychologie, im Laufe dieser Ausarbeitung werden noch einige weitere dieser Verbindungen deutlich werden.

Dies ist vor allem darum der Fall, weil die Entwicklerin der TZI, Ruth Cohn, sehr stark durch die Humanistische Psychologie geprägt wurde, da sie selbst als Psychoanalytikerin praktizierte und bei der Entwicklung der Humanistischen Psychologie zugegen und teilweise sogar beteiligt war. Diese neuen Erkenntnisse und Annahmen über die menschliche Psyche übertrug Ruth Cohn auf die Arbeit mit Gruppen und schuf somit eine völlig neue Arbeitsweise im Bereich der Gruppenarbeit. Doch um diesen Arbeitsansatz zu erklären, sollten zunächst die Grundlagen der Humanistischen Psychologie erläutert werden.

2 Humanistische Psychologie

2.1 Was ist Humanistische Psychologie

Um den Begriff der humanistischen Psychologie zu klären sollte zunächst der Ausdruck „humanistisch“ näher erläutert werden. Der Begriff Humanismus wird von dem lateinischen humanus abgeleitet, was menschlich bedeutet. (vgl. WEEDE/ www.wikipedia.de)

Die Humanistische Psychologie wurde in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts entwickelt und sieht sich selbst als die „dritte Kraft“ neben Psychoanalyse und behavioristischer Psychologie. Sie bildete sich aus dem Protest gegen und der Unzufriedenheit mit diesen anderen zwei Arten der Psychologie. Dabei richtet sie sich hauptsächlich gegen die biologische Vorherbestimmung der Psychoanalyse und gegen das auf das sichtbare Verhalten reduzierte Menschenbild des Behaviorismus. (vgl. FRAßA, 2007 Seite 476f)

In der humanistischen Psychologie wird die Bedeutung des Individuums sehr stark hervorgehoben und fokussiert. In der Politik steht die humanistische Psychologie den Reformen unserer modernen Industriegesellschaft eher kritisch gegenüber. Krankmachende Lebensbedingungen, wie z.B. der Arbeitsplatz können nach der Lehre der humanistischen Psychologie nur dann beseitigt werden, wenn genug eigen- und sozial verantwortliche Personen existent sind um diese gesellschaftlichen Probleme übernehmen zu können. (vgl. FRAßA, 2007 Seite 477)

Die Therapieformen, die von der humanistischen Psychologie beeinflusst werden, wie z.B. Gestalttherapie und Logotherapie, sehen auch neurotische Menschen als Personen an, die nach Selbstverwirklichung und Zielen streben. (vgl. FRAßA, 2007 Seite 477)

Im Gegensatz zur Psychoanalyse, die unbewusste seelische Vorgänge erforscht, will die humanistische Psychologie das Bewusstsein für innere Erfahrungen schärfen. Die Therapie wird als Lernprozess verstanden, der nicht von außerhalb gesteuert wird, sondern durch die inneren Selbstheilungskräfte des Individuums unterstützt wird. (vgl. FRAßA, 2007 Seite 477)

Zu den wichtigsten Persönlichkeiten der humanistischen Psychologie zählen der Psychologe Abraham Maslow, der Therapeut Carl R. Rogers, die Psychologin Charlotte Bühler und die Gründerin der Themenzentrierten Interaktion Ruth Cohn.

Wobei Abraham Maslow und Carl Rogers die prominentesten Vertreter der humanistischen Psychologie darstellen. (vgl. STEDEN, 2008 Seite 55)

Diese Psychologen wollten ihren Klienten dabei helfen ihre Möglichkeiten positiv aufzufassen und sie bei ihrer Selbstverwirklichung unterstützen. (vgl. STEDEN, 2008 Seite 55) Im Mittepunkt ihrer psychologischen Betrachtungen stand „das bewusste und ganzheitliche Erleben des Individuums“ (STEDEN, 2008 Seite 55)

Rogers nahm an, dass die Menschen von Natur aus gut und gesund sind, diese Hypothese beruhte auf der Annahme, dass eine allumfassende Lebenskraft existiert, die man auch als Motivation bezeichnen könnte. Nach Rogers Auffassung treibt diese Kraft die Menschen dazu immer das Beste aus ihrem Leben zu machen. (vgl. STEDEN, 2008 Seite 55)

Für Maslow war die Selbstverwirklichung der zentrale Begriff, sie rangiert auch bei seiner Bedürfnispyramide (siehe Abbildung 1) an oberster Stelle. Ähnlich wie bei Rogers ist Selbstverwirklichung für Maslow der Wunsch des Menschen sein Potential voll auszuschöpfen und ein möglichst vollkommenes Leben zu führen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 (FRANZKE/ www.horstfranzke.de)

2.2 Entwicklung

Die humanistische Psychologie entwickelte sich in den fünfziger und sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts vornehmlich in Amerika und wurde dann in den folgenden Jahren und Jahrzehnten nach Deutschland „importiert“. Die politische und gesellschaftliche Situation zur damaligen Zeit in den USA war geprägt von Gegenkultur und Protest aber auch von Aufschwung und Aufbruchsstimmung. Dies hatte große gesellschaftliche und politische Spannungen zur Folge. Diese äußerten sich z.B. in Bürgerrechtskämpfen, der Frauenbewegung, der Hippie-Bewegung und der Black Power. (vgl. Die Perspektive der Humanistischen Psychologie, 1999 http://www.gfk-institut.ch/ Seite 3)

Zur damaligen Zeit war die Psychologie stark von den Bereichen der Psychoanalyse und des Behaviorismus geprägt. Der Behaviorismus entfernte alle subjektiven Begriffe aus der Psychologie und beschäftigte sich nur mit dem sichtbaren Verhalten der Menschen. Für die Vertreter des Behaviorismus zählte nur die logische „Reiz-Reaktions-Kette“. (Die Perspektive der Humanistischen Psychologie, 1999 http://www.gfk-institut.ch/ Seite 4) Durch diese Anlehnung an die Naturwissenschaften konnte die Psychologie quantifiziert und kontrolliert werden. Die „subjektive Seite des Bewusstseins und die Komplexität der Entwicklung“ (Die Perspektive der Humanistischen Psychologie, 1999 http://www.gfk-institut.ch/ Seite 4) wurde jedoch als zu privat empfunden und störte somit die Objektivität des Therapeuten. (vgl. Die Perspektive der Humanistischen Psychologie, 1999 http://www.gfk-institut.ch/ Seite 4)

Der andere Bereich der Psychologie, die Psychoanalyse, beruhte auf der „Dynamik des inneren Milieus in Form von Trieben“. (Die Perspektive der Humanistischen Psychologie, 1999 http://www.gfk-institut.ch/ Seite 4) Es wurde die Meinung vertreten, dass ein unbewusster Bereich der Menschen, also die Triebe, das bewusste Handeln bestimmen. Das normale Bewusstsein wurde als oberflächlich angesehen. (vgl. Die Perspektive der Humanistischen Psychologie, 1999 http://www.gfk-institut.ch/ Seite 4)

Beide Bereiche, der Behaviorismus und die Psychoanalyse hatten zwar andere Zugänge zur menschlichen Psyche offengelegt, doch hielten auch beide eine Version der Vorherbestimmung aufrecht. Darum waren beide aus der Sicht der Anhänger der Humanistischen Psychologie pessimistisch einzustufen. Des Weiteren schränkten, ihrer Meinung nach, der Behaviorismus und die Psychoanalyse die Freiheit, die Verantwortung, die Kreativität und die Spontaneität zu stark ein. (vgl. Die Perspektive der Humanistischen Psychologie, 1999 http://www.gfk-institut.ch/ Seite 4)

Obwohl die meisten Vertreter der Humanistischen Psychologie in diese Richtungen geschult waren wendeten sie sich gegen diese Verfahren, da sie ihnen zu mechanisch schienen, die Psychologie auf naturwissenschaftliche Techniken reduzierten und eine „kausal-deterministische Auffassung vom Menschen“ (Die Perspektive der Humanistischen Psychologie, 1999 http://www.gfk-institut.ch/ Seite 4) vertraten. Ihr Ziel war es eine Gegenbewegung zu den bestehenden Bereichen der Psychologie zu schaffen und zu etablieren und als „dritte Kraft“ ihre Anliegen zu vertreten. (vgl. Die Perspektive der Humanistischen Psychologie, 1999 http://www.gfk-institut.ch/ Seite 4)

Diese Anliegen bestanden unter anderem aus dem Wunsch zur Entwicklung einer menschengerechten und menschenwürdigen Welt beizutragen und solche Lebensverhältnisse zu schaffen, die eine persönliche Entfaltung von Individuen und Verantwortung gegenüber der Gesellschaft ermöglichen. (vgl. Die Perspektive der Humanistischen Psychologie, 1999 http://www.gfk-institut.ch/ Seite 4) Die Humanistische Psychologie wurde damals eher als Bewegung, denn als Wissenschaft angesehen, die den Menschen helfen sollte ihre Probleme zu lösen. Sie soll es ermöglichen, ein sinnvolles Leben zu leben und Beziehungen zwischen Menschen zu bilden, die von beiden Seiten als befriedigend empfunden werden. Des Weiteren war das Ziel ein neues Selbstverständnis und eine neue Einstellung zum menschlichen Leben zu entwickeln und die Einstellung der Menschen zueinander grundlegend zu verbessern. Somit war die humanistische Psychologie zu Anfang ein „heterogenes Sammelbecken“ (Die Perspektive der Humanistischen Psychologie, 1999 http://www.gfk-institut.ch/ Seite 5) für voneinander unabhängige Denkansätze. Erst 1961 wurde eine Gesellschaft gegründet, diese wuchs sehr schnell und hatte in den 70ern schon über 5000 Mitglieder. (vgl. Die Perspektive der Humanistischen Psychologie, 1999 http://www.gfk-institut.ch/ Seite 5)

Im zurückliegenden Jahrzehnt hat die Humanistische Psychologie zwar an Bedeutung verloren, doch ihre Grundlagen und das Menschenbild sind immer noch essentielle Teile der Psychotherapieformen. (vgl. FRAßA, 2007 Seite 477)

2.3 Grundlagen und Menschenbild

Die Humanistische Psychologie hat fünf Grundpostulate, die erstmals in der Präambel von 1964 aufgeführt wurden. Das erste Postulat beschäftigt sich mit der Ganzheit des Organismus und hat seinen Ursprung in der Gestalttherapie. Es sagt aus, dass ein Mensch mehr ist als nur die Summe seiner Teile. Das bedeutet, dass die Einzigartigkeit der Menschen als Ganzheit vorrangig ist. Die Ganzheitlichkeit ist eine These der Philosophie. Der Dualismus von Leib und Seele bildet eine Einheit, respektive können weder Geist und Materie noch Gefühl und Vernunft getrennt werden. Konkomitierend können auch die einzelnen Teile nicht zusammengesetzt werden, da das Ganze immer mehr ist als die Summe der Einzelteile. Für die Humanistische Psychotherapie bedeutet das, dass eine Person immer als Ganzheit innerhalb ihrer Lebensbezüge behandelt wird. Keine Funktion des menschlichen Organismus wird ausgeschlossen. (vgl. Die Perspektive der Humanistischen Psychologie, 1999 http://www.gfk-institut.ch/ Seite 5)

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Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Die Grundlagen der Themenzentrierten Interaktion nach Ruth Cohn in Bezug auf das Menschenbild der Humanistischen Psychologie
Hochschule
Duale Hochschule Baden-Württemberg, Villingen-Schwenningen, früher: Berufsakademie Villingen-Schwenningen  (Sozialwirtschaft)
Note
2,6
Autor
Jahr
2009
Seiten
23
Katalognummer
V137208
ISBN (eBook)
9783640457564
ISBN (Buch)
9783640457342
Dateigröße
482 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Grundlagen, Themenzentrierten, Interaktion, Ruth, Cohn, Bezug, Menschenbild, Humanistischen, Psychologie
Arbeit zitieren
Ira Laggai (Autor), 2009, Die Grundlagen der Themenzentrierten Interaktion nach Ruth Cohn in Bezug auf das Menschenbild der Humanistischen Psychologie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/137208

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