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Folterandrohung am Beispiel des Daschner Prozess. Eine ethische Bewertung

Title: Folterandrohung am Beispiel des Daschner Prozess. Eine ethische Bewertung

Term Paper , 2023 , 18 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Johanna Molter (Author)

Philosophy - Practical (Ethics, Aesthetics, Culture, Nature, Right, ...)
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Wie ist es aus ethischer Perspektive zu beurteilen, wenn in einer konkreten Situation die Folter den Zweck verfolgt, ein Menschenleben zu retten? Mit dieser Frage setzt sich die vorliegende Arbeit auseinander. Dafür wird mit der Entführung des Bankierssohnes Jakob von Metzler im Jahr 2002 ein konkretes Beispiel herangezogen. Ziel der Arbeit ist es, zu einer abschließenden ethischen Bewertung des Falls zu gelangen. Dafür wird dieser, insbesondere die hier im Mittelpunkt stehende Folterandrohung des damaligen stellvertretenden Polizeikommissars Wolfgang Daschner (Fall Daschner), zunächst dargestellt.

Darf man, um ein Menschenleben zu retten, Folter androhen oder diese sogar anwenden? Diese Frage wurde vor über 20 Jahren durch die Entführung und Ermordung des damals elfjährigen Bankierssohnes Jakob von Metzler ausgelöst und spaltete das Land. Bis heute hat sie nichts an ihrer Aktualität verloren.

Für ein besseres Verständnis der Arbeit wird anschließend auf den Begriff der Folter eingegangen. Der Fokus der Arbeit liegt sodann auf der konkreten Bewertung des Falls aus utilitaristischer und deontologischer Sicht. Die verschiedenen Handlungsmuster werden dargestellt und daraus alternative Handlungsoptionen, die für Daschner bestanden hätten abgeleitet. Schlussendlich soll die Frage beantwortet werden, aus welcher Perspektive Daschner die Folter als Methode hätte anwenden dürfen und aus welcher er sich moralisch falsch verhalten hat. Das in dieser Arbeit angewendete Handlungsmuster des Utilitarismus beruht auf dem Denken Jeremy Benthams, während sich das deontologische Handlungsmuster am kategorischen Imperativ Immanuel Kants orientiert. Im Schlussteil wird die Diskussion des Falls Daschner in den öffentlichen Medien angeschnitten und untersucht, ob sich die deutsche Bevölkerung eher an einer deontologischen oder utilitaristischen Bewertung orientierte. Abschließend wird das Gerichtsurteil im Fall Daschner betrachtet und ebenfalls unter utilitaristischen und deontologischen Aspekten untersucht.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1) Ziel und Methode der Arbeit

2) Der Fall Wolfgang Daschner

Hauptteil

3) Der Begriff der Folter

4) Ethische Bewertung des Falls

4.1.) Deontologische Perspektive

4.2.) Utilitaristische Perspektive

Schluss

5. Das Urteil

6. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit zielt auf eine ethische Bewertung der Folterandrohung durch den Polizeikommissar Wolfgang Daschner im Entführungsfall Jakob von Metzler ab. Dabei wird das unmittelbare Spannungsfeld zwischen dem absoluten staatlichen Folterverbot und der moralischen Abwägung zum Schutz eines Menschenlebens grundlegend untersucht.

  • Die Ethische Diskrepanz zwischen staatlichem Amtsethos und individueller Gewissensentscheidung.
  • Gegenüberstellung deontologischer Argumentationsmuster (Kant) gegenüber utilitaristischen Ansätzen (Bentham).
  • Die strafrechtliche und moralische Relevanz der bloßen Folterandrohung im Vergleich zur faktischen Anwendung.
  • Analyse der gerichtlichen Urteilsbegründung unter Einbeziehung des Spannungsfeldes zwischen Recht und Moral.
  • Untersuchung der öffentlichen Wahrnehmung und des sogenannten Dammbrucharguments im Kontext der Folterdebatte.

Auszug aus dem Buch

4.1.) Deontologische Perspektive

Laut Nietzsche ist die Gerechtigkeit aus regelethischer Perspektive binär kodiert. Es gibt in jedem Konflikt ein richtig und ein falsch, ein gerecht und ein ungerecht. Uffer führt diese Definition weiter aus und fügt hinzu, dass eine Handlung nicht unter bestimmten Umständen ihren moralischen Charakter ändern kann. Eben diese moralische Bewertung einer Handlung macht sich die Deontologie zu eigen. Der Begriff Deontologie ist nach Brandt die „Lehre des moralischen oder sittlichen Sollens, der Verbindlichkeit oder Pflicht“. Demnach zielt die Deontologie nicht auf die Konsequenzen einer Handlung ab, sondern stellt den Versuch an, die Handlung eines Menschen in seinem Gutsein durch Pflichterfüllung zu bewerten. Weiter beschreibt Gebauer die Deontologie als nicht interessiert an Motivationen der handelnden Person, sondern vielmehr an den Absichten der Handlung selbst. Somit bildet die Deontologie das Pendant zur später behandelten teleologischen Ethik.

Hauptvertreter der deontologischen Ethik ist Immanuel Kant. Er geht in seiner Ethik von der Autonomie vernünftiger Wesen aus. Dabei spricht er dem Menschen als vernunftbegabtes Wesen zu, aus eigenem Antrieb moralisch handeln zu können. Der Wille des Menschen fungiert für Kant als Gütekriterium, um Handlungen als moralisch gut oder schlecht zu bezeichnen. Allein anhand dieser Definition Kants könnte man schlussfolgern, die Intention Daschners, das Kind zu retten, war gut; und da er selbst als vernunftbegabtes Wesen die Autonomie hat, moralisch handeln zu können, so wäre an seinem Verhalten nichts auszusetzen. Der gute Wille fungiert bei Kant aber nicht als subjektive Wahrnehmung, sondern bildet „das Vermögen, nach Regeln der praktischen Vernunft zu handeln". Für Daschner bedeutet das, dass er seine Entscheidung nicht nur auf Grundlage seiner eigenen Wertevorstellungen gutheißen kann. Vielmehr muss er sein Handeln an allgemeingültigen Regeln orientieren, um seiner Pflicht als sinnlich affiziertes Vernunftwesen nachzukommen.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Einführung in die Thematik der Folterandrohung anhand des Falls von Metzler und Definition der Forschungsfragen.

1) Ziel und Methode der Arbeit: Erläuterung der ethischen Bewertungsansätze (Deontologie und Utilitarismus) sowie des methodischen Vorgehens der Untersuchung.

2) Der Fall Wolfgang Daschner: Detaillierte Darstellung des Kriminalfalls und der Entscheidung von Daschner zur Folterandrohung sowie deren Hintergründen.

Hauptteil: Theoretische Einordnung der Problematik und Anwendung der ethischen Bewertungssysteme.

3) Der Begriff der Folter: Definition des Folterbegriffs basierend auf internationalen Abkommen und Differenzierung zu Nothilfe-Kontexten.

4) Ethische Bewertung des Falls: Analyse der moralischen Konflikte zwischen Gesetzestreue und Gewissen.

4.1.) Deontologische Perspektive: Beurteilung des Falls anhand des kategorischen Imperativs und der Menschenwürde nach Immanuel Kant.

4.2.) Utilitaristische Perspektive: Bewertung der Handlung unter Berücksichtigung des größten Glücks der größten Zahl nach Jeremy Bentham.

Schluss: Zusammenfassende Betrachtung der gerichtlichen Aufarbeitung und der ethischen Implikationen.

5. Das Urteil: Analyse der richterlichen Entscheidung und der Argumentationslinie im Fall Daschner.

6. Fazit: Zusammenfassende Erkenntnisse über die moralische Komplexität des Falls und die Bedeutung der rechtsstaatlichen Regeln.

Schlüsselwörter

Folter, Menschenwürde, Deontologie, Utilitarismus, Fall Daschner, Kategorischer Imperativ, Rechtsstaat, Ethik, Rettungsfolter, Aussagenerpressung, Notstand, Jakob von Metzler, Moral, Gesetzgebung, Gemeinwohl.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der ethischen und juristischen Bewertung des Falls Wolfgang Daschner, in dem ein Polizeibeamter einem Tatverdächtigen Folter androhte, um das Leben eines entführten Kindes zu retten.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Untersuchung konzentriert sich auf das Spannungsfeld zwischen staatlichem Recht und individueller Moral, die Frage der Menschenwürde sowie die Anwendung klassischer ethischer Theorien in extremen Ausnahmesituationen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist eine kritische ethische Bewertung des Handelns von Wolfgang Daschner, basierend auf einer Gegenüberstellung von deontologischen und utilitaristischen Argumentationsmustern.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine ethische Analyse durchgeführt, die Handlungsmuster von Daschner mit dem kategorischen Imperativ von Immanuel Kant und dem quantitativen Utilitarismus von Jeremy Bentham abgleicht.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden der Begriff der Folter definiert, der Fall historisch geschildert und die ethischen Perspektiven systematisch auf das Handeln Daschners angewendet.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Schlagworte sind Folter, Menschenwürde, Deontologie, Utilitarismus, Rechtsstaat und der Fall Wolfgang Daschner.

Wie unterscheidet sich die deontologische von der utilitaristischen Bewertung in diesem Fall?

Während die Deontologie die Handlung aufgrund von Pflichterfüllung und der absoluten Menschenwürde strikt ablehnt, kann der Utilitarismus das Handeln als legitim ansehen, sofern es dem Nutzen der Lebensrettung für die Mehrheit dient.

Wie hat das Gericht den Fall Daschner bewertet?

Das Gericht verurteilte Daschner zu einer Geldstrafe, da es sein Handeln nicht als Notstand im Sinne des Gesetzes anerkannte und eine Abwägung der Menschenwürde gegen das Leben des Opfers rechtlich ausschloss.

Welche Rolle spielt das Argument der "rettenden Folter" im Text?

Das Argument wird als Dammbruchargument kritisch hinterfragt; der Text arbeitet heraus, dass das Aufweichen absoluter ethischer und rechtlicher Grenzen prinzipielle Gefahren für den Rechtsstaat birgt.

Was bedeutet die "Selbstzweckformel" in Bezug auf diesen Fall?

Die Selbstzweckformel besagt, dass kein Mensch als bloßes Mittel zum Zweck benutzt werden darf; im Text wird argumentiert, dass Daschner Gäfgen lediglich als Werkzeug für sein Ziel der Lebensrettung instrumentalisierte.

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Details

Title
Folterandrohung am Beispiel des Daschner Prozess. Eine ethische Bewertung
College
University of Trier
Grade
1,0
Author
Johanna Molter (Author)
Publication Year
2023
Pages
18
Catalog Number
V1372080
ISBN (PDF)
9783346906984
ISBN (Book)
9783346906991
Language
German
Tags
Ethik Jura Folter daschner
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Johanna Molter (Author), 2023, Folterandrohung am Beispiel des Daschner Prozess. Eine ethische Bewertung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1372080
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