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Flexionsendungen vs. Präpositionen

Die Markierung der Kasusrollen im Lateinischen und im Französischen

Title: Flexionsendungen vs. Präpositionen

Term Paper (Advanced seminar) , 2009 , 44 Pages , Grade: 1,5

Autor:in: Stefanie Wind (Author)

Didactics for the subject French - Pedagogy, Literature Studies
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Summary Excerpt Details

Obwohl die romanischen Sprachen alle aus dem Lateinischen hervorgegangen sind und daraus zahlreiche sprachliche Erscheinungen übernommen haben, weisen sie gegenüber der gemeinsamen Ursprungssprache einen deutlichen Unterschied in einem zentralen Teil der Syntax auf: Das lateinische Kasussystem baute sich im Laufe der Sprachentwicklung radikal ab und formte sich um in ein sprachliches System, in dem die Mehrzahl der syntaktischen Relationen durch Präpositionen markiert werden. Die Menge dieser kleinen, für die Herstellung syntaktischer Zusammenhänge aber enorm wichtigen Wörter fand bereits würdiges Interesse in der Sprachwissenschaft. Besonders in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts erfuhr die Forschung um die französischen Präpositionen neuen Aufwind unter verschiedenen Aspekten. Zumeist handelt es sich in den einschlägigen Arbeiten jedoch um synchronische Betrachtungen. Diachronische Untersuchungen liegen weiter zurück. Wie und warum sich im Französischen und in den romanischen Sprachen überhaupt die Präpositionen in solchem Maß, wie Textuntersuchungen es beweisen, durchgesetzt haben, ist bisher nicht zufriedenstellend beantwortet worden. Auch in den Monographien, die ausdrücklich den Übergang vom Lateinischen zum Romanischen oder auch konkret zum Französischen untersuchen, wird zwar stets auf den Verlust der lateinischen Kasus hingewiesen, aber die Frage, durch welche Mittel die im Lateinischen durch Kasusendungen ausgedrückten Satzfunktionen in den modernen romanischen Sprachen markiert werden, wurde noch nicht systematisch aufgearbeitet. Die vorliegende Arbeit soll zumindest einen Schritt in diese Richtung machen. Nach einer knappen Darstellung der Problematiken bei der Markierung von Satzgliedern durch Kasusendungen im Lateinischen soll die Häufigkeit von Präpositionen, die bereits in den frühesten lateinischen Sprachstufung eine Alternative oder Ergänzung zum kasuellen System bildeten, in verschiedenen Epochen und Sprachstufen des Lateinischen untersucht werden. Ein starker Fokus wird dabei auf das Vulgärlateinische als Scharnierstelle zwischen klassischem Latein und romanischen Entwicklungen geworfen. Aufgrund des begrenzten Umfangs der Arbeit wird die Situation im Altfranzösischen nur in knappen Grundzügen einbezogen. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Hinführung

2. Die Syntax des klassischen Latein – Regeln und Ausnahmen

2.1 Das Grundprinzip der Flexion und seine Schwachstellen

2.2 Der Gebrauch von Präpositionen

2.3 Das Inventar der lateinischen Präpositionen

2.4 Auswertung vorklassischer und klassisch-lateinischer Texte

2.4.1 Vorgehen bei der Auswertung

2.4.2 Zur Textauswahl

2.4.3 Statistische Auswertung der Texte im Vergleich

2.4.4 Besondere Feststellungen zur Auswertung des Präpositionsgebrauchs

3. Die Entwicklung der lateinischen Syntax auf dem Weg zu den modernen romanischen Sprachen

3.1 Entwicklungstendenzen im gesprochenen Latein und im Protoromanischen

3.2 Verdeutlichungsprozesse und Umstrukturierung des Systems

3.2.1 Abbau der Kasusflexion

3.2.2 Folge: Zunahme im Gebrauch von Präpositionen?

3.2.3 Die vulgärlateinischen Präpositionen

3.3 Auswertung vulgär- und spätlateinischer Texte

3.3.1 Zur Textauswahl

3.3.2 Statische Auswertung hinsichtlich des Präpositionsgebrauchs

3.3.3 Einzelauswertung von den Freigelassenengesprächen in Petrons Satyricon

3.3.3.1 Allgemeine Erkenntnisse

3.3.3.2 Präposition in Verbindung mit einem falschen Kasus

3.3.3.3 Unübliche Verwendung von Präpositionen

3.3.4 Einzelauswertung des Reiseberichts der Nonne Egeria

3.3.4.1 Allgemeine Erkenntnisse

3.3.4.2 Präpositionen in Verbindung mit einem falschen Kasus

3.3.4.3 Präpositionen in Verbindung mit einem indeklinablen Eigennamen

3.3.4.4 Unübliche Verwendung von Präpositionen

3.3.4.5 Präpositionalkonstruktion als Kasusersatz

3.3.4.6 Präposition + Präposition / Adverb

3.3.5 Fazit

4. Die romanischen Präpositionen

4.1 Allgemeine Entwicklungen

4.2 Beispiel: Altfranzösisch

5. Kasusmarkierung im modernen Französisch

5.1 Allgemeine Tendenzen

5.2 Inventar der französischen Präpositionen

5.3 Auswertung französischer Texte

5.4 Gegenüberstellung lateinischer Kasus und französischer Präpositionalphrasen

6. Abschließende Bemerkungen

7. Anhang: Textauswertungen

7.1 Auswertung der lateinischen Texte

7.2 Auswertung der französischen Texte

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den diachronischen Wandel der Markierung syntaktischer Satzfunktionen vom lateinischen synthetischen Kasussystem hin zum analytischen System der modernen romanischen Sprachen, das primär auf der Verwendung von Präpositionen basiert.

  • Systematik der Kasusmarkierung im klassischen Latein
  • Entwicklungstendenzen und Umstrukturierung im Vulgärlatein
  • Vergleichende statistische Analyse der Präpositionshäufigkeit in verschiedenen Sprachstufen
  • Wandel der Funktionen von Präpositionen beim Übergang zum modernen Französisch

Auszug aus dem Buch

1.1 Das Grundprinzip der Flexion und seine Schwachstellen

Im Lateinischen ist das Prinzip der Flexion tief verankert und tatsächlich lässt sich in dieser Sprache eine Vielzahl an synthetischen Wortformen im Nominal- und Verbalbereich feststellen, die ihr trotz der prinzipiellen Grundwortstellung SOV eine große Stellungsfreiheit hinsichtlich der einzelnen Elemente im Satzsyntagma erlauben. Semantisch gleichbedeutend und wegen der Endungen eindeutig verständlich sind die beiden folgenden Propositionen (1) und (2):

(1) Publius filio parvo librum pulchrum dat.

(2) Librum pulchrum dat Publius filio parvo.

Die einzelnen Satzbausteine können sogar noch weiter verschoben und voneinander getrennt positioniert werden:

(3) Librum Publius pulchrum filio dat parvo.

Zugegebener Maßen weicht das Beispiel (3) von der usuelle Wortstellung, die das Lateinische präferiert, erheblich ab, zerstört aber nicht den Sinn der Proposition. Grund dafür sind die sowohl im Verbal- als auch im Nominalbereich vorhandenen Endungen, die eine genaue Kasusmarkierung am Wort erlauben. Unabhängig von der Position, die das Wort im Satz einnimmt, drückt die Endung an Publius aus, dass es sich hier um ein Subjekt handelt, und zeigt die Endung librum an, dass dieses Wort die Funktion eines Akkusativobjekts erfüllt. Das Adjektiv pulchrum identifiziert sich durch seine Kongruenz zu librum als Attribut zu selbigem. Etwas schwieriger verhält es sich mit der Kasuserkennung bei filio, da diese Wortform zwei Kasus, den Dativ und den Ablativ ausdrücken kann und der Leser oder Hörer aufgrund des Kontextes die Endung richtig interpretieren muss.

Gerade diese Mehrdeutigkeit einzelner Endungen – SERBAT (1994) spricht von „bi-“ und „polyvalence de certaines désinences“ – ist es, die das flektierende System schwächt, sowohl im Bereich der Substantive als auch im Bereich der Verben. Ein besonders stichhaltiges Beispiel aus dem Nominalbereich bieten die Formen der u-Deklination, in der der Wortausgang -us sogar vier Funktionen einnehmen kann.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Hinführung: Die Einleitung skizziert den Übergang vom lateinischen Kasussystem zu einem präpositionsbasierten System in den romanischen Sprachen und stellt die Zielsetzung der Untersuchung vor.

2. Die Syntax des klassischen Latein – Regeln und Ausnahmen: Dieses Kapitel analysiert das klassische Kasussystem und zeigt anhand von Beispielen sowohl dessen Flexibilität als auch erste Anzeichen von Schwachstellen auf.

3. Die Entwicklung der lateinischen Syntax auf dem Weg zu den modernen romanischen Sprachen: Das Kapitel beleuchtet den historischen Wandel, den Abbau der Kasusflexion und die zunehmende Rolle von Präpositionen, unterstützt durch Analysen von Texten wie dem von Egeria.

4. Die romanischen Präpositionen: Hier werden die allgemeinen Entwicklungen des Präpositionalinventars bei der Entstehung romanischer Sprachen und die spezifischen Entwicklungen im Altfranzösischen betrachtet.

5. Kasusmarkierung im modernen Französisch: Dieses Kapitel widmet sich der heutigen Struktur des Französischen, in dem syntaktische Relationen primär durch feste Wortstellung und Präpositionen markiert werden.

6. Abschließende Bemerkungen: Ein kurzes Resümee, das die Ergebnisse der Studie zusammenfasst und die Komplexität der sprachlichen Wandlungsprozesse hervorhebt.

Schlüsselwörter

Latein, Französisch, Syntax, Präpositionen, Kasus, Flexion, Sprachwandel, Vulgärlatein, Morphosyntax, Sprachgeschichte, Diachronie, Analytischer Sprachtyp, Egeria, Petron, Satzmarkierung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert den Übergang von einem synthetischen, kasusbasierten Satzbau im Lateinischen hin zu einem analytischen System in den modernen romanischen Sprachen, das auf Präpositionen setzt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Untersuchung umfasst die Morphosyntax des klassischen Lateins, den Wandel hin zum Vulgärlatein sowie die Etablierung von Präpositionalsystemen im Französischen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das primäre Ziel ist es, den Verlust der lateinischen Kasusmarkierungen und die daraus resultierende Notwendigkeit zu identifizieren, durch welche anderen Mittel (insbesondere Präpositionen) Satzfunktionen in romanischen Sprachen markiert werden.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine korpusbasierte statistische Auswertung vorgenommen, bei der die prozentuale Häufigkeit von ausgewählten Präpositionen in verschiedenen lateinischen und französischen Texten (von der Vorklassik bis zum modernen Französisch) verglichen wird.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden sowohl klassisch-lateinische als auch vulgärlateinische Texte (z.B. Petron, Egeria) analysiert, um die Entwicklung des Präpositionsgebrauchs empirisch zu belegen und die Systemumstellung zu veranschaulichen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Sprachwandel, Syntax, Kasusflexion, Präpositionalsystem und die Unterscheidung zwischen synthetischen und analytischen Sprachtypen.

Warum ist das Werk von Egeria für diese Studie so wichtig?

Egerias Reisebericht gilt als ein Paradebeispiel für eine sprechsprachnahe Variante des Spätlateins, in der sich die Vorstufen der romanischen Präpositionsverwendung besonders deutlich und innovativ zeigen.

Welche Rolle spielt die "u-Deklination" in der Argumentation der Autorin?

Die Autorin nutzt die u-Deklination als Beispiel für die "Polyvalenz" und Mehrdeutigkeit lateinischer Endungen, die zur Schwächung des Systems beitrug, da akustisch verschiedene Funktionen nicht mehr unterscheidbar waren.

Wie erklärt die Autorin den Anstieg von Präpositionen in späteren Texten?

Sie führt den Anstieg primär auf die Notwendigkeit zurück, syntaktische Beziehungen nach dem phonetischen Wegfall von Auslautkonsonanten (wie -m und -s) für das Verständnis wieder eindeutig zu markieren.

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Details

Title
Flexionsendungen vs. Präpositionen
Subtitle
Die Markierung der Kasusrollen im Lateinischen und im Französischen
College
LMU Munich  (Institut für Romanische Philologie)
Course
Hauptseminar: Romanische Syntax
Grade
1,5
Author
Stefanie Wind (Author)
Publication Year
2009
Pages
44
Catalog Number
V137224
ISBN (eBook)
9783640457878
ISBN (Book)
9783640458011
Language
German
Tags
Flexionsendungen Präpositionen Markierung Kasusrollen Lateinischen Französischen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Stefanie Wind (Author), 2009, Flexionsendungen vs. Präpositionen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/137224
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