Die vorliegende Arbeit soll sich an der Neoliberalen Theorie Internationaler Beziehungen orientieren und auf Grundlage der dadurch aufgestellten Prämissen die politischen Hintergründe des Irakkrieges untersuchen.
Es stellt sich für diese Arbeit in der so angelegten Perspektive demnach die interessante Frage, wie es vor dem Hintergrund einer rationalen, Kosten und Nutzen kalkulierenden und somit kriegsaversen Öffentlichkeit innerhalb einer Demokratie zum Krieg gegen den Irak kommen konnte, und ob die damit zusammenhängenden Geschehnisse unter liberalen Gesichtspunkten und durch eine monadische, an strukturellen Aspekten ausgerichteten Analyse, zu erklären sind?
Ferner ist zu analysieren, welche innerstaatlichen Präferenzen und Präferenzbildungsprozesse den Irakkrieg überhaupt ermöglichten. Wie konnte das in der Bevölkerung angelegte Bedürfnis nach Frieden umgangen werden? Wie konnten sich stattdessen die - augenscheinlich bei der Administration angelegten - Interessen durchsetzen?
So wird es besonders darum gehen, ob eventuell eine Verzerrung des Präferenzbildungsprozesses in den USA mit Blick auf die monadischen theoretischen Dispositive stattgefunden hat, und inwieweit diese ggf. Hintergründe im politischen System der USA haben könnte.
Dabei soll die im Folgenden dargelegte These verifiziert werden, die die Grundlage dieser Arbeit bildet und sich aus der Liberalen Theorie internationaler Politik ableitet:
Dass es trotz einer rationalen Öffentlichkeit zur Durchsetzung der administrativen Interessen kam, ist die Folge einer schlecht informierten und durch verschiedene Akteure manipulierten Öffentlichkeit mit einem erhöhten Bedrohungsgefühl, die deshalb ihre grundlegenden Präferenzen nicht in vollem Maße durchsetzte. Hinzu kam ein Fehlen ausreichender Kontrolle der US-amerikanischen Administration durch den Kongress, welcher nicht zuletzt auf Grund des mangelnden öffentlichen Drucks seine Rolle als Kontrollorgan vernachlässigte.
Mit der Zunahme an Informationsmöglichkeiten und sinkendem Bedrohungsgefühl sollten sich folglich die ursprünglichen Präferenzen der „rational public“ mehr und mehr durchgesetzt haben bzw. durchsetzen, was sich im Verhalten des Kongresses und dem Handlungsspielraum der Administration ausdrücken sollte.
Inhaltsverzeichnis
1. More than an Anomaly?
Der Irakkrieg der USA und die Zukunft der Liberalen Theorie internationaler Politik
2. Societal Preferences and Foreign Policy:
Die Liberale Theorie als Analysewerkzeug
2.1: Von Kants Theorem zum neuen Liberalismus
2.2: Außenpolitik als gesellschaftlicher Präferenzbildungsprozess
3. The road to war:
Die Deutungsdominanz der Exekutive (11. September 2001 - 19. März 2003)
3.1 Die Bush-Administration:
Der Krieg gegen den Internationalen Terrorismus, die Bush-Doktrin und die Zuspitzung auf den Irak
3.2 Die Öffentlichkeit:
Verwundbarkeitsgefühl, neuer Internationalismus und Irakkrieg
3.3 Der Kongress:
Schulterschluss und Autorisierung des Irakkrieges
4. Mission completed?
Der Pyrrhussieg der Bush-Administration (20. März 2003 - 1. Juni 2003)
4.1 Die Bush-Administration:
Der schöne Schein des Sieges im Irak
4.2 Der Kongress:
Unterordnung unter den Kriegspräsidenten
4.3 Die Öffentlichkeit:
‘Rallying around the flag’ und neuer Internationalismus
5. Fiasco Unfolding:
Die Bush-Administration in der Defensive (Juni 2003 - Dezember 2005)
5.1 Die Öffentlichkeit:
Rationalität, Kostensensitivität und abnehmende Unterstützung
5.2 Der Kongress:
Parteipolitische Polarisierung und Rückkehr zum Mitspracheanspruch
5.3 Die Administration:
Festhalten an der Bush-Doktrin trotz innergesellschaftlicher Kritik
6. The need for more research:
Der Irak-Krieg im Lichte der Liberalen Theorie und der außenpolitischen Präferenzbildungsprozesse in den USA
7. Chronik der Golfkriege
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Zustandekommen des Irakkrieges (2001-2005) unter Anwendung der Liberalen Theorie internationaler Beziehungen, um zu ergründen, warum eine Demokratie trotz einer kriegsaversen Öffentlichkeit in einen Krieg ziehen konnte und ob dies als Anomalie oder Bestätigung der liberalen Thesen zu werten ist.
- Analyse der Rolle von Bush-Administration, Kongress und Öffentlichkeit.
- Untersuchung der Verzerrung von Präferenzbildungsprozessen in den USA.
- Hinterfragung der Autonomie gesellschaftlicher Akteure unter Einfluss von Manipulation und Informationskontrolle.
- Operationalisierung der Liberalen Theorie durch eine systemische Erweiterung (Rückkopplungsmechanismen).
- Bewertung des Machtverhältnisses zwischen Exekutive und Legislative im Kontext von Sicherheitspolitik.
Auszug aus dem Buch
3.1. Die Bush-Administration: Der Krieg gegen den Internationalen Terrorismus, die Bush-Doktrin und die Zuspitzung auf den Irak
Die Terroranschläge des 11. September auf gleich mehrere nationale Symbole trafen die USA völlig unvorbereitet und wirkten wie ein Schock für die gesamte Nation. Die USA fühlten sich als eine ‚Weltmacht vor neuer Bedrohung’.
Nichtsdestotrotz reagierte die Administration schnell, in erstaunlicher Klarheit und setzte binnen Kürze (9 Tage) die zukünftige Marschroute der letzten verbliebenen Supermacht fest, eine Marschroute, der die USA im Prinzip bis heute folgen. Dabei gelang es der Bushregierung eine Neuausrichtung der amerikanischen Außenpolitik in ihrem Sinne durchzusetzen. Angestrebt war aus ihrer Sicht eine globale Führungsrolle unter Verwendung neuer Taktiken. Dieses Ziel und die diesbezüglichen Strategien sind zwar - wie sich zeigen wird - nicht ganz neu aber dennoch in ihrer Durchsetzungsintensität bemerkenswert. So konnte bereits früh der Irak auf die ‚To-Do-Liste’ gesetzt werden.
Grundtendenzen einer hegemonial ausgerichteten, teils liberalen, teils imperialen Weltpolitik der USA zeigten sich bereits ab 1941 und werden von einer Art Doppelziel dominiert. Sich dessen bewusst zu sein, hilft die Außenpolitik unter George W. Bush besser zu verstehen. Zum einen ist „…der Wille, weltweit Macht und Einfluss auszuüben…“ angelegt, zum anderen wird ein Versprechen von Freiheit und Globalität offeriert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. More than an Anomaly?: Einleitung in die Problematik des Irakkrieges und Einbettung in die theoretische Diskussion der Internationalen Beziehungen.
2. Societal Preferences and Foreign Policy: Theoretische Fundierung durch den Liberalismus und Vorstellung des analytischen Modells.
3. The road to war: Analyse der Entscheidungsfindung in der Administration, der Öffentlichkeit und dem Kongress zwischen 2001 und 2003.
4. Mission completed?: Betrachtung des Kriegsverlaufs und der kurzzeitigen Stärkung der Administration sowie der Unterordnung des Kongresses.
5. Fiasco Unfolding: Untersuchung der defensiven Phase der Bush-Administration zwischen 2003 und 2005 sowie des wachsenden Widerstands.
6. The need for more research: Zusammenfassende Einordnung der Ergebnisse im Lichte der Liberalen Theorie und Ausblick auf Forschungsbedarf.
7. Chronik der Golfkriege: Tabellarische Übersicht historischer Eckpunkte der US-Irak-Beziehungen.
Schlüsselwörter
Irakkrieg, Liberale Theorie, Bush-Administration, Außenpolitik, Präferenzbildung, Demokratie, Sicherheitsdilemma, Neokonservatismus, Kongress, Öffentlichkeit, Manipulation, Bedrohungswahrnehmung, Souveränität, Intervention, Machtbalance.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Ursachen des Irakkrieges aus der Perspektive der Liberalen Theorie und untersucht, wie die US-Administration in einer Demokratie trotz einer rationalen, kriegsaversen Öffentlichkeit den Krieg durchsetzen konnte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen die US-Außenpolitik unter George W. Bush, die Rolle von Entscheidungsprozessen in Demokratien, die Beeinflussbarkeit der Öffentlichkeit durch Information und die Machtverschiebung zwischen Regierung und Parlament.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu verifizieren, ob der Irakkrieg eine Widerlegung des Neoliberalismus darstellt oder ob dessen Zustandekommen durch die theoretisch erklärbare Verzerrung von Präferenzbildungsprozessen innerhalb eines defekten demokratischen Systems als Anomalie verstanden werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit verwendet die Liberale Theorie internationaler Beziehungen, erweitert durch systemtheoretische Ansätze und Manipulationsargumente, um eine akteursbezogene, "bottom-up"-orientierte Analyse durchzuführen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert chronologisch das Vorgehen der Bush-Administration, die Reaktion des Kongresses und der Öffentlichkeit vor, während und nach dem Krieg sowie die Machtdynamiken zwischen diesen Akteuren.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind unter anderem "Rally around the flag", "Bush-Doktrin", "Neokonservatismus", "Präferenzbildung", "Informationskontrolle" und "imperiale Präsidentschaft".
Inwieweit spielt die Medienberichterstattung eine Rolle?
Die Arbeit betont die Bedeutung der "Framing-Power" und des "medialen Agenda Settings" durch die Administration, die durch patriotische Berichterstattung eine kritische Information der Bevölkerung unterdrückten.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle des Kongresses?
Der Kongress wird anfangs als untergeordnet gegenüber dem "Kriegspräsidenten" dargestellt, gewinnt jedoch im Zeitverlauf – besonders ab 2004/2005 – durch parteipolitische Polarisierung und Skandale an Eigenständigkeit und Kontrollmacht zurück.
Welches Fazit zieht der Autor?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass der Irakkrieg das Ergebnis manipulierter Präferenzbildungsprozesse war und dass die Rückkehr zu einer informierten Öffentlichkeit zwangsläufig zu einem außenpolitischen Kurswechsel führen musste.
- Quote paper
- Michael Weis (Author), 2007, Democracy and War - Die USA, der Irakkrieg und die Liberale Theorie internationaler Politik (2001-2005), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/137263