Fälle von Cyberbullying unter Schülern sind keine Einzelfälle. Das Drohen, Belästigen, Beleidigen und Bloßstellen von Kindern und Jugendlichen über digitale Medien ist ein jüngeres Phänomen schulischer Gewalt, dem in der vorliegenden Staatsarbeit Aufmerksamkeit geschenkt werden soll. Dabei ist anzumerken, dass Cyberbullying in der Schule auch unter Kollegen und zwischen Lehrern und Schülern erfolgen kann. Der Schwerpunkt dieser Arbeit soll jedoch auf der gestörten medienbasierenden Interaktion zwischen Schülern liegen.
Hierbei stellt sich die Frage, wie die Institution Schule Strukturen schaffen kann, um Cybermobbing präventiv, aber auch interventiv zu verringern. Dazu erscheint die Aufklärung, Beratung und Mediation durch Schüler höheren Semesters als geeignete Methode, die den zentralen Kern des in dieser Arbeit vorgestellten Konzepts bildet. Da Cyberbullying auf inhaltlich oder strukturell verschiedenen Qualitätsebenen erfolgen kann, soll dieses Mediationskonzept des Cyberbullying-Büros um den Ansatz des No-Blame-Approaches erweitert werden, bei dem ein Lehrer die Mediatoren in eingefahrenen Konfliktsituationen unterstützt.
Im Folgenden soll die Notwendigkeit und Dringlichkeit der Integration des Problemthemas Cyberbullying an Schulen legitimiert werden, um daraufhin im Theorieteil eine Arbeitsdefinition zu geben, verschiedene Typen des Cyberbullyings und die dazu genutzten Kommunikationstechnologien zu klassifizieren und Parallelen zum traditionellen Bullying aufzuzeigen. Dieser theoretische Teil erscheint wichtig, da der Begriff des Cyberbullyings oftmals uneinheitlich verwendet wird und die Vielfalt seiner Erscheinungsformen bewusst gemacht werden soll.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. ANLASS, HERKUNFT UND LEGITIMATION
3. THEORIE
HISTORISCHE EINORDNUNG
DEFINITION CYBERBULLYING
KLASSIFIKATION
ATTRAKTIVITÄT DIGITALER KOMMUNIKATIONSTECHNOLOGIEN FÜR CYBERBULLYING
GRUNDLEGENDE INTERVENTIONS- UND PRÄVENTIONSKONZEPTE
4. DAS KONZEPT DES CYBERBULLYING-BÜROS
DAS SOZIALPÄDAGOGISCHE KONZEPT DER HAUPTSCHULE
DIE CYBERBULLYING-UMFRAGE
ORGANISATION UND STRUKTUR
AUSBILDUNG DES CYBERBULLYING-TEAMS
DER „FAHRPLAN“ FÜR DIE INSTALLATION DES CYBERBULLYING-BÜROS
5. LEHRERFUNKTIONEN
6. FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die Notwendigkeit einer strukturierten Präventions- und Interventionsstrategie gegen Cyberbullying an einer Hauptschule aufzuzeigen und ein entsprechendes Konzept für ein schülergeleitetes „Cyberbullying-Büro“ zu entwickeln und zu implementieren.
- Analyse der Definitionen, Typologien und psychologischen Aspekte von Cyberbullying.
- Untersuchung der Rolle digitaler Kommunikationstechnologien bei Mobbing-Prozessen.
- Evaluation des Ist-Zustandes an der Schule mittels einer Schülerumfrage.
- Konzeptionierung eines mehrstufigen Interventionsmodells unter Einbeziehung von Peer-Mediation und No-Blame-Ansätzen.
- Detaillierte Ausarbeitung des organisatorischen Aufbaus und der Ausbildungsinhalte für ein schülergeführtes Beratungsbüro.
Auszug aus dem Buch
DEFINITION CYBERBULLYING
Um den Begriff Cyberbullying zu klären, ist es notwendig, sich im Voraus mit der Definition des traditionellen Bullying zu befassen.
Tagtäglich kommen wir im Berufsleben und in den Medien mit diesem unter dem Synonym „Mobbing“ geläufigen Wort „Bullying“ in Berührung. Beide Begriffe stammen aus dem englischen Sprachraum, wobei „Mobbing“ bereits als eingedeutscht anzusehen ist, da es in den gängigen Wörterbüchern neben Synonymen wie „schikanieren“ und „tyrannisieren“ als deutsche Übersetzung des englischen „bullying“ zu finden ist. Doch gerade die mittlerweile inflationäre Nutzung des Mobbing-Begriffs in den Medien führt zu uneinheitlichen Konnotationen, die einen sehr weit gefassten Mobbing-Terminus zur Folge haben. Um dieses zu umgehen, haben sich einige Fachexperten, wie Grimm oder Riebel, für die Fachbezeichnung „Bullying“ entschieden, für die eindeutige Kriterien festgesetzt werden. Dem schließe ich mich im Rahmen dieser Staatsarbeit an.
Allerdings ist anzumerken, dass Definitionen zum Mobbing existieren, die in gleicher Form für Bullying übernommen werden können: „EIN MENSCH WIRD GEMOBBT, WENN ER WIEDERHOLT UND ÜBER EINEN LÄNGEREN ZEITRAUM HINWEG OBJEKT NEGATIVER AKTIONEN DURCH EINE ODER MEHRERE ANDERE PERSONEN IST UND DIESEM UNGLEICHGEWICHT MEHR ODER WENIGER HILFLOS AUSGESETZT IST“. Diese Definition lehnt sich, wie die meisten, an den Bullying-Begriff von Olweus an: „A STUDENT IS BEING BULLIED […] WHEN HE OR SHE IS EXPOSED REPEATEDLY AND OVER TIME, TO NEGATIVE ACTIONS ON THE PART OF ONE OR MORE STUDENTS.”
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Darstellung der Problematik anhand von Fallbeispielen sowie Begründung der Relevanz für den Schulalltag.
2. ANLASS, HERKUNFT UND LEGITIMATION: Erläuterung der persönlichen Motivation der Autorin sowie der rechtlichen und pädagogischen Notwendigkeit für ein schulisches Interventionskonzept.
3. THEORIE: Fundierte theoretische Einordnung von Cyberbullying, seiner Klassifikation und der Rolle neuer Medien sowie relevanter Präventionsansätze.
4. DAS KONZEPT DES CYBERBULLYING-BÜROS: Vorstellung der konkreten Konzeption, der Umfrageergebnisse, der Organisationsstruktur und des Ausbildungsplans für die schülergeleitete Instanz.
5. LEHRERFUNKTIONEN: Analyse der Rolle des Lehrers in Bezug auf Erziehung, Unterrichtung, Beratung sowie Evaluation des Gesamtkonzepts.
6. FAZIT: Kritische Reflexion der Möglichkeiten und Grenzen des entwickelten Modells zur nachhaltigen Prävention von Cyberbullying an Schulen.
Schlüsselwörter
Cyberbullying, Mobbing, Schule, Prävention, Intervention, Peer-Mediation, No-Blame-Approach, Sozialpädagogik, Medienkompetenz, Schülerberatung, Web 2.0, Cybermobbing, Schulalltag, Jugendliche, Interaktionsanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Planung und Implementierung eines speziellen Beratungsangebotes an einer Hauptschule, um Schülern bei Problemen mit Cyberbullying durch Peer-Beratung zu unterstützen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die theoretische Definition von Cyberbullying, die Analyse digitaler Medien als Tatwerkzeuge sowie die praktische Entwicklung eines schulinternen Interventionskonzepts.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Hauptziel ist die Einrichtung eines von Schülern geleiteten „Cyberbullying-Büros“, das als präventive und interventive Instanz innerhalb der Schule agiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse zu existierenden Mobbing-Konzepten sowie auf einer schulinternen Umfrage zur Erhebung des aktuellen Bedarfs und Status quo an der Hauptschule.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung, eine detaillierte Konzeptvorstellung inklusive Ausbildungsplänen für Schüler und die Darstellung der spezifischen Lehreraufgaben.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe umfassen Cyberbullying, Peer-Mediation, No-Blame-Ansatz, Medienkompetenz und schulische Prävention.
Warum ist das Cyberbullying-Büro schülergeleitet?
Schüler nehmen Ratschläge von Gleichaltrigen oft besser an als von Erwachsenen, weshalb die Peer-Mediation in diesem Bereich als besonders wirksamer und niederschwelliger Ansatz gilt.
Wie werden die Schüler für das Cyberbullying-Team qualifiziert?
Die Schüler durchlaufen eine einjährige Ausbildung, die theoretische Grundlagen, Gesprächsführung, Fallbearbeitung sowie Kompetenzen in Visualisierungs- und Präsentationstechnik vermittelt.
Welche Rolle spielen Lehrer in diesem Modell?
Lehrer fungieren als Initiatoren, Ausbilder und Berater für die Schüler-Teams und greifen bei besonders komplexen oder anonymen Fällen via No-Blame-Intervention ein.
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- Rebecca Schramm (Author), 2009, Prävention und Intervention von Cyberbullying. Planung und Entwicklung eines Cyberbullying-Büros an einer Hauptschule in Dortmund, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/137316