Soziale Exklusion - Armut


Hausarbeit, 2008

21 Seiten, Note: 2,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsdefinition
2.1 Ressourcen- und Versorgungsdefinitionen
2.2 Relative und absolute Armut
2.3 Bekämpfte und latente Armut

3. Kinder und Jugendliche in Armut
3.1 Auswirkungen

4. Sozialpädagogische Familienhilfe
4.1 Ziele
4.2 Empowerment

5. Schlussbetrachtung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Rahmen meines Studiums der Erziehungswissenschaft besuchte ich Sommersemester 2008 das Seminar soziale Probleme, soziale Exklusion bei Herrn Eichner. Das Seminar weckte mein Interesse, da man in der pädagogischen Arbeit häufig damit konfrontiert ist dass Menschen von sozialen Problemen betroffen sind, welche sie von Angeboten ausschließen und verhindern dass Chancen wahrgenommen werden können.

Als Thema für diese Arbeit habe ich das Problemfeld der Armut gewählt, da es in den Medien im Moment sehr präsent ist und in den Seminaren immer wieder kontrovers diskutiert wird.

Doch schon meine Vorüberlegungen verunsicherten mich stark. Als ich damit begann, über Armut nachzudenken, bemerkte ich, dass es nicht ganz einfach ist, einzugrenzen was Armut überhaupt bedeutet. Armut könnte einerseits bedeuten, dass in einer Bevölkerungsgruppe nicht ausreichend Wohnraum und Lebensmittel vorhanden sind, so müssten die Betroffenen Hunger leiden und haben keine Möglichkeit sich vor Kälte und Nässe zu schützen.

Obwohl bei uns zumindest die meisten Menschen mit den lebenserhaltenden Gütern versorgt sind, wird auch bei uns häufig von Armut gesprochen. Ich frage mich, was damit gemeint ist. Ist man arm, wenn man sich nicht die Güter leisten kann die man eigentlich haben möchte? Ist Armut über unser Anspruchsdenken definiert, sind wir dann arm wenn wir uns unsere Wünsche nicht erfüllen können? Was ist eigentlich Reichtum? Würde man eine Umfrage starten würde man sicherlich die unterschiedlichsten Definitionen von Reichtum bekommen. Wann gilt man eigentlich als arm: Wenn man keine Arbeitsstelle hat? Das scheint aber kein Kriterium zu sein, denn gerade seit einiger Zeit hört man immer häufiger von Menschen die zwar eine Arbeitsstelle haben, aber trotzdem nicht genug Geld haben um sich selbst zu versorgen.

Dieser Arbeit liegt die Frage zugrunde welche Hilfsmaßnahmen bevorzugt in armen Familien eingesetzt werden, welche Ziele durch die Maßnahmen erreicht werden sollen und ob das gelingt. Als Hilfskonzept wird die Sozialpädagogische Familienhilfe vorgestellt. Um mich dieser Frage zu widmen muss im ersten Teil der Begriff Armut näher beschrieben werden. Bei meinen Recherchen entstand der Eindruck, dass die unterschiedlichen Begrifflichkeiten zum Thema Armut sehr verwirrend sind und ich tat mir schwer die Abgrenzungen zu verstehen. Da das Verständnis dieser Begriffe die Grundlage für jede weitere Ausführung ist, soll versucht werden die Verwirrung zu lösen und die Begriffe genauer beschrieben werden. Begonnen wird mit unterschiedlichen Ausgangspositionen die Begriffsdefinition betreffend. Der Unterschied von Ressourcen- und Versorgungsdefinitionen wird näher beleuchtet.

Danach werden die Begriffe relative und absolute Armut erklärt. Außerdem wird auf die unterschiedlichen Herangehensweisen an die beiden Konzepte eingegangen. Absolute Armut kann auf unterschiedliche Weise bestimmt werden: Es kann entweder die Warenkorb Variante gewählt werden, es kann das Ausgabeverhalten analysiert werden oder es können die subjektiven Ansätze genutzt werden. So ist es auch möglich, zur Festlegung der relativen Armutsgrenze unterschiedlichen Konzepten zu folgen: Erstens der Ansatz des Durchschnitts-Äquivalenzeinkommens, zweitens der Lebenslagen-Ansatz und drittens die Bestimmung der Armutsgrenze durch den Bezug von Arbeitslosengeld II. Danach werden die bekämpfte und die latente Armut kurz dargestellt. Im folgenden Teil wird darauf eingegangen, welche Folgen es für Kinder und Jugendliche hat in Armut zu leben. Es werden drei Gruppen von Benachteiligungen unterschieden, welche in Armut lebende Kinder und Jugendliche erfahren. Im letzten wissenschaftlichen Teil dieser Arbeit widme ich mich den Hilfeformen für von Armut betroffenen Kinder und Jugendlichen. Ich habe mich dazu entschieden, nur eine Hilfeform näher zu beleuchten. Es wird davon ausgegangen, dass es notwendig ist die Eltern zu unterstützen, wenn man deren Kindern helfen möchte. Die Familie gilt als die für Kinder und Jugendliche wichtigste Institution in der Sozialisation, deswegen scheint die Sozialpädagogische Familienhilfe als Hilfsmaßnahme sehr geeignet. Im letzten Teil sollen die Ergebnisse dieser Arbeit nochmals aus dem Blickwinkel „Kann die Sozialpädagogische Familienhilfe wirklich helfen?“ betrachtet werden.

2. Begriffsdefinition

Allem voran wird der Versuch unternommen Armut zu definieren, beziehungsweise ein Verständnis zu schaffen was der Begriff Armut beschreibt. Da bei der Feststellung von Armut unterschiedliche Konzepte der Messung zugrunde gelegt werden, ist es zum Verständnis unumgänglich alle Wege darzustellen. Allerdings ist die Definition von Armut ist kein leichtes Thema. Dies zeigt sich schon an der Schwierigkeit festzulegen was mit Wohlstand gemeint[1] Ist. Außerdem ist es auf den ersten Blick nicht einfach einen Überblick über das Thema Armut zu bekommen, da es eine Vielzahl von Differenzierungen gibt. Armut kann unter ganz unterschiedlichen Gesichtspunkten betrachtet werden, so kommt es auch zu verschiedenen Definitionsansätzen.

Bevor diese nun näher beleuchtet werden sollen einige Gedanken voraus geschickt werden. Jeder Definition gehen normative Entscheidungen voraus: Entscheidungen darüber, was zum Leben nötig ist und was nicht. So kann zum Beispiel das Existenzminimum nur das physische Überleben meinen, kann aber auch miteinbeziehen was nötig ist um in eine Gesellschaft integriert zu sein, um Teilhabe zu gewährleisten.

Relative Armut steht immer im Kontext der Gesellschaft in der sie vorkommt. Arm ist, wer im Vergleich zur Gesamtgesellschaft einen bestimmten Punkt unterschreitet. Armut umfasst den unteren Bereich der Einkommensverteilung in Relation zum Rest der Gesellschaft oder mit dem Wohlstand einer bestimmten gesellschaftlichen Bezugsgruppe verglichen.[2] Die Einkommensgrenzen, auf welche sich die Armutsbestimmung stützt sind veränderbar. Die relative Armutsgrenze verschiebt sich mit dem Veränderung der Einkommensverteilung, wenn zum Beispiel die obere Einkommensschicht anwächst. Ein Mensch kann von heute auf morgen als arm gelten, auch wenn er nicht plötzlich weniger zu Verfügung hat, sondern das Gesamteinkommen der Gesellschaft sich ändert. Es ist auch zu bedenken, dass Armut nicht ohne weiteres international vergleichbar ist.

2.1 Ressourcen- und Versorgungsdefinitionen

Um zu ermitteln wer arm ist und wer nicht braucht man eine „Messlatte“, man braucht Kriterien welche erfüllt sein müssen, wenn Armut diagnostiziert wird. Es gibt unterschiedliche Kriterien die geprüft werden können um Armut zu bestimmten: Man kann entweder überprüfen ob jemand über Güter verfügt, man kann aber auch prüfen ob jemand über die Ressourcen verfügt sich diese Güter zu beschaffen. Diese Ideen sind grundlegend verschieden. Diese beiden Gedankengänge werden in der Literatur Ressourcen- beziehungsweise Versorgungsdefinitionen genannt. Die Versorgungsdefinitionen beschäftigen sich mit Versorgungsstandards, also mit Gütern die biologisch-medizinisch als lebensnotwendig angesehen werden. Diese und auch jene, die von der Gesellschaft als notwendig angesehen werden müssen vorhanden sein um nicht als arm zu gelten. Diese Güter können zum Beispiel eine Wohnung, ausreichend Nahrung oder fließendes Wasser umfassen. Es ist möglich zwischen materiellen und nicht materiellen Standards zu unterscheiden. Nicht materielle wäre zum Beispiel soziales Ansehen, welches bei nicht armen Menschen vorhanden sein muss. Wichtig zu beachten ist erstens, dass diese Standards im Vorfeld festgeschrieben werden müssen, zweitens dass es sich hier immer um spezielle Standards handelt die international unterschiedlich sein können und drittens, dass die Bereiche in denen es zu Unterversorgung kommen kann differenziert beschrieben werden und das „Maß der armutsabgrenzenden Versorgung in den einzelnen Versorgungsbereichen“[3] festgelegt werden muss. Weiterhin muss dann geklärt werden wie damit umgegangen wird, wenn in einem Bereich Mindestversorgung gegeben ist und in einem anderen nicht.[4]

Anders als bei den Versorgungsdefintionen geht es bei den Ressourcendefinitionen um die Ressourcen, die eine Versorgung mit den zuvor beschriebenen Gütern potentiell ermöglichen, das heißt aber nicht dass die Güter tatsächlich gegeben sind. Es geht nur darum, dass Einkommen oder Vermögen vorhanden sind um die Versorgung sicherzustellen. Das Vorhandensein von Ressourcen kann nicht mit sichergestellter Versorgung gleichgesetzt werden. Das kann unterschiedliche Gründe haben: Erstens kann es sein, dass der Einzelne sich gegen eine ausreichende Versorgung mit Lebensmitteln entscheidet um im Gegenzug mehr in andere Güter, z.B. modische Kleidung zu investieren. Zweitens kann es passieren dass zwar die Ressourcen gegeben sind, aber nicht die Möglichkeit diese einzusetzen. So kann es gerade für sozial Schwächere schwierig sein in manchen Wohngegenden eine Wohnung zu finden. Drittens ist die Verschwendung genannt und viertens wird beschrieben, dass vorhandene Ressourcen bewusst nicht eingesetzt werden. Als fünfter Grund für eine Diskrepanz zwischen vorhandener Ressource und nicht gewährleisteter Versorgung kann in manchen Ländern die instabile Rechtsordnung sein.[5]

2.2 Relative und absolute Armut

Wenn heute von Armut die Rede ist, dann in den meisten Fällen von Einkommensarmut. Das steht entgegen dem Verständnis von Armut in der Feudalgesellschaft, wo mit Armut Vermögensschwäche gemeint war.[6]

Um Einkommensarmut näher zu bestimmen sind zwei Dinge notwendig: Es muss eine Armutsgrenze festgelegt werden, also ein „armutsabgrenzendes Einkommensniveau“.[7] Als zweites muss eine Art und Weise der Messung festgelegt werden. Weiter könnte man unterschiedliche Messlatten anlegen: Man könnte festlegen, dass jeder der unter eine bestimmte Grenze fällt als arm gilt, man könnte dies aber auch noch weiter ausdifferenzieren, z.B. könnte man beachten wie weit der Einzelne unter dem festgelegten Niveau liegt. Somit scheint es unterschiedliche Grenzen zu geben die unterschiedliche Aussagen machen.

Diese Grenzen werden in relative und absolute Armutsgrenzen unterschieden. Im Gegensatz zur relativen Armutsgrenze, welche immer im Kontext der gesamtgesellschaftlichen Einkommensverteilung steht, steht die absolute Armutsgrenze für sich und geht davon aus, dass die Betroffenen das Existenzminimum unterschreiten, das heißt sie verfügen nicht über die lebenserhaltenden Ressourcen wie Nahrung, Kleidung oder Obdach.[8]

Bei der Definition der absoluten Armutsgrenze gibt es unterschiedliche Herangehensweisen, welche nun dargelegt werden sollen. Eine Möglichkeit ist es die als überlebensnotwendig erachteten Güter zusammen zu stellen und danach aufzurechnen was es kosten würde diesen Warenkorb zu kaufen. Ein weiterer Weg die absolute Armutsgrenze zu ermitteln ist die Analyse des Ausgabeverhaltens. Wohlstand wird daran gemessen, wie viel der Einzelene für die Befriedigung lebensnotwendiger Bedürfnisse aufwendet. Ein bestimmter Anteil an z.B. Wohnkosten kann als Grenze festgelegt werden. Wer also, gemessen an seinem Einkommen, einen hohen prozentualen Anteil für Wohnung und Nahrungsmittel ausgibt gilt als arm. Der dritte und letzte Weg, welcher zur Definition von absoluter Armut herangezogen wird, sind die subjektiven Ansätze. Diese sind in gesellschaftliche und selbstdefinierte Ansätze unterschieden. Im ersten Fall werden Bürger befragt welche Einkommensgrenze unterschritten werden muss, damit Armut gegeben ist. Natürlich werden unterschiedliche Familientypen differenziert abgefragt. Aus diesen Angaben wird dann ein Durchschnittswert ermittelt, welcher als Armutsgrenze angesehen wird. Im zweiten Fall werden diese Bürger danach gefragt, welche Grenze sie für ihren eigenen Haushalt festlegen würden. Jeder dieser Ansätze hat sein Für und Wider. In dieser Arbeit sollte allerdings nur dargestellt werden, was möglich ist, es wird darauf verzichtet, die einzelnen Ansätze hier zu kritisieren.

[...]


[1] Vgl. Klein 1987, S.110

[2] Vgl. edb, S.116

[3] Zit.n. Klein 1987, S.111

[4] Vgl. edb, S.112

[5] Vgl. edb, S.111ff

[6] Vgl. edb, S.113

[7] Zit. n. Klein 1987, S.114

[8] Vgl. Stimmer 2000, S.49

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Soziale Exklusion - Armut
Hochschule
Universität Hamburg  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Soziale Probleme, soziale Exklusion
Note
2,5
Autor
Jahr
2008
Seiten
21
Katalognummer
V137334
ISBN (eBook)
9783640459674
ISBN (Buch)
9783640459476
Dateigröße
414 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziale, Exklusion, Armut
Arbeit zitieren
Manuela Schulz (Autor), 2008, Soziale Exklusion - Armut, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/137334

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