In der pädagogischen Arbeit ist man häufig mit Sozialen Problemen, u.a. Armut konfrontiert.Das sorgt dafür, dass Menschen von Angeboten ausgeschlossen werden. Als ich damit begann, über Armut nachzudenken, bemerkte ich, dass es nicht ganz einfach ist, einzugrenzen was Armut überhaupt bedeutet. Armut könnte einerseits bedeuten, dass in einer Bevölkerungsgruppe nicht ausreichend Wohnraum und Lebensmittel vorhanden sind, so müssten die Betroffenen Hunger leiden und haben keine Möglichkeit sich vor Kälte und Nässe zu schützen.
Obwohl bei uns zumindest die meisten Menschen mit den lebenserhaltenden Gütern versorgt sind, wird auch bei uns häufig von Armut gesprochen. Was ist damit gemeint? (...)
Wann gilt man eigentlich als arm: Wenn man keine Arbeitsstelle hat? Das scheint aber kein Kriterium zu sein, denn gerade seit einiger Zeit hört man immer häufiger von Menschen die zwar eine Arbeitsstelle haben, aber trotzdem nicht genug Geld haben um sich selbst zu versorgen. Dieser Arbeit liegt die Frage zugrunde welche Hilfsmaßnahmen bevorzugt in armen Familien eingesetzt werden, welche Ziele durch die Maßnahmen erreicht werden sollen und ob das gelingt. Als Hilfskonzept wird die Sozialpädagogische Familienhilfe vorgestellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsdefinition
2.1 Ressourcen- und Versorgungsdefinitionen
2.2 Relative und absolute Armut
2.3 Bekämpfte und latente Armut
3. Kinder und Jugendliche in Armut
3.1 Auswirkungen
4. Sozialpädagogische Familienhilfe
4.1 Ziele
4.2 Empowerment
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Auswirkungen von Armut auf Kinder und Jugendliche sowie die Eignung der Sozialpädagogischen Familienhilfe (SPFH) als Interventionsmaßnahme. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert darauf, welche Hilfsmaßnahmen bevorzugt in armen Familien eingesetzt werden, welche Ziele dabei verfolgt werden und inwieweit diese Maßnahmen zur Verbesserung der Lebenssituation beitragen.
- Differenzierte Begriffsbestimmung von Armut (absolut/relativ, Ressourcen/Versorgung).
- Analyse der psychosozialen, bildungsspezifischen und strukturellen Auswirkungen von Armut auf Heranwachsende.
- Untersuchung der Sozialpädagogischen Familienhilfe als intensives Hilfskonzept.
- Erörterung des Empowerment-Ansatzes in der pädagogischen Arbeit mit belasteten Familien.
Auszug aus dem Buch
3.1 Auswirkungen
Kinder und Jugendliche sind heute oft von Armut betroffen oder bedroht. Das liegt an daran, dass im Gegensatz zu der überholten Meinung dass vor allem alte Frauen mit wenig Rente von Armut betroffen seien, in Wirklichkeit viele Familien oder Elternteile mit Kindern in Armut leben. Besonders betroffen sind kinderreiche Familien, Familien in denen Eltern von Arbeitslosigkeit betroffen sind und Alleinerziehende, von welchen ein Drittel aller an der Armutsgrenze oder in Armut lebt. Doch auch Familien welche erwerbstätig sind schaffen es mit ihrem Einkommen häufig nicht über die Armutsgrenze. Armut wird in langandauernde und kurze Deprivation unterschieden: Es wird davon ausgegangen, dass wenn Armut nur kurzzeitig erlebt wird, nicht unbedingt schlimme Folgen eintreten müssen und die betroffenen Familien die kurze Zeit relativ unbeschadet überstehen können. Je länger die Familie oder der Einzelne von starken Entbehrungen betroffen ist umso problematischer wird es. Am gravierendsten wirkt sich vererbte Armut aus: Wenn Eltern schon betroffen waren passiert es häufig, dass deren Armut an die folgende Generation weiter gegeben wird.
Generell ist festzuhalten, dass Armut immer die Sozialisation von Heranwachsenden nachhaltig beeinflusst. Sie wird als psychosoziale Belastung verstanden, da sie Ausschluss aus sozialen und kulturellen Lebensbereichen verursacht und dazu führt dass Kinder von armen Eltern über schlechtere Startchancen in ein erfolgreiches Leben verfügen. Allerdings ist deutlich hervorzuheben, dass, trotz des erhöhten Risikos, nicht alle Kinder und Jugendlichen die in Armut leben die klassischen Klischees von Drogenmissbrauch und Gewaltbereitschaft erfüllen. Ganz im Gegenteil: der Großteil armer Kinder wächst im Verborgenen auf und verhält sich regelkonform, weil das häufig die einzige Möglichkeit ist überhaupt an der Gesellschaft teilzuhaben. Außerdem fühlen sich auch nicht alle Heranwachsenden beeinträchtigt. Wenn zum Beispiel ein gutes soziales Umfeld besteht und sich das Kind integriert fühlt ist es häufig nicht von großer Bedeutung ob die Familie arm ist, oder nicht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung motiviert die Themenwahl im Kontext des Seminars für soziale Probleme und umreißt die Komplexität der Armutsdefinition sowie die Relevanz der Sozialpädagogischen Familienhilfe.
2. Begriffsdefinition: Dieses Kapitel erläutert verschiedene Messkonzepte von Armut, wie Ressourcen- und Versorgungsdefinitionen, sowie die Unterscheidung zwischen absoluter und relativer Armut.
3. Kinder und Jugendliche in Armut: Hier werden die spezifischen Benachteiligungen von Kindern in Armut analysiert, wobei strukturelle, bildungsspezifische und entwicklungspsychologische Belastungen differenziert werden.
4. Sozialpädagogische Familienhilfe: Das Kapitel führt die SPFH als Interventionsform ein, erläutert deren Ziele und stellt das Basiskonzept des Empowerment vor.
5. Schlussbetrachtung: Die Autorin resümiert die Notwendigkeit einer ganzheitlichen Betrachtung von Armut und betont die Bedeutung von Freiwilligkeit und respektvoller Haltung für den Erfolg pädagogischer Hilfsmaßnahmen.
Schlüsselwörter
Armut, Sozialpädagogische Familienhilfe, SPFH, relative Armut, absolute Armut, soziale Exklusion, Empowerment, Kinderarmut, Sozialisation, Benachteiligung, Hilfe zur Selbsthilfe, Familienpolitik, psychosoziale Belastung, Armutsgrenze, Ressourcen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Problemfeld der Armut, insbesondere in Bezug auf deren Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche, sowie den Möglichkeiten der staatlichen und sozialpädagogischen Unterstützung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind die theoretische Definition von Armut, die Analyse der Lebenslagen von Kindern in Armut und die Vorstellung der Sozialpädagogischen Familienhilfe als Hilfskonzept.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, wie die Sozialpädagogische Familienhilfe arme Familien bei der Bewältigung ihres Alltags unterstützen kann und ob dies zur Verbesserung der Lebenssituation der betroffenen Kinder beiträgt.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Die Autorin nutzt eine theoretische Aufarbeitung und Analyse der vorhandenen Fachliteratur, um die verschiedenen Armutsbegriffe und Interventionsansätze in der sozialen Arbeit darzustellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Begriffsanalyse, eine Untersuchung der Folgen von Armut für Kinder und Jugendliche sowie eine eingehende Betrachtung der Sozialpädagogischen Familienhilfe und ihrer Ziele.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Armut, Sozialpädagogische Familienhilfe, Empowerment, Kinderarmut und soziale Exklusion beschreiben.
Warum unterscheidet die Autorin zwischen bekämpfter und latenter Armut?
Die Unterscheidung ist notwendig, da eine hohe Dunkelziffer existiert; viele Menschen, die Anspruch auf Hilfe hätten, nehmen diese aufgrund von Scham oder Angst nicht in Anspruch.
Welche Rolle spielt das Konzept des Empowerment?
Empowerment dient als Basiskonzept der SPFH, um weg von einer reinen Defizitfixierung hin zur Stärkung der vorhandenen Kompetenzen der Familien zu gelangen.
Was ist die zentrale Erkenntnis bezüglich der SPFH?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass der Erfolg einer solchen Hilfe maßgeblich von der Freiwilligkeit der Adressaten und einer respektvollen, würdigen Zusammenarbeit abhängt.
- Quote paper
- Manuela Schulz (Author), 2008, Soziale Exklusion - Armut, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/137334