Die Auswirkungen des demographischen Wandels auf die Bevölkerungsstruktur in Deutschland finden sich auch im Erscheinungsbild der Familie wieder. Neben dem Rückgang der Geburtenrate kommt es zur Erosion traditioneller Familienformen und so steigt die Anzahl unverheirateter Paare mit Kindern sowie der Anteil an Familien mit alleinerziehenden Müttern und Vätern.
Nach dem Grundgesetz sind Bund, Länder und Gemeinden dazu verpflichtet, Ehe und Familie unter besonderen Schutz zu stellen. Ferner sind Familien in ihren Funktionen für Kommunen auch bedeutende Leistungsträger. So erfüllen sie durch tägliche Konsumentscheidungen eine wichtige wirtschaftliche Funktion, tragen zum Erhalt des Humanvermögens bei, bieten eine unerlässliche Sozialisationsfunktion und vermitteln dadurch den kommenden Generationen die Fähigkeit eines solidarischen Lebens innerhalb der Gesellschaft. Die Familie ist demzufolge ein essenzieller Motor für die Kommune und benötigt gerade bei erodierenden Bevölkerungszahlen besondere Unterstützung. Anders als Bund und Länder erleben Kommunen Familien vor Ort und können dort gezielt auf Probleme reagieren.
Die vorliegende Forschungsarbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie sich der Handlungsspielraum für eine Kommune auf familienpolitischer Ebene gestaltet. Welche Pflichten und Möglichkeiten hat sie, um gezielte Un-terstützung für Familien zu leisten, und welche sind dabei besonders effektiv?
Als Beispielkommune dient dafür die kreisfreie Stadt Gelsenkirchen, die im landesweiten Vergleich innerhalb Nordrhein-Westfalens besonders stark von den Auswirkungen des demographischen Wandels betroffen ist und in diesem Zusammenhang seit 2005 verschiedene familienfördernde Projekte und Maßnahmen begonnen hat.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Bevölkerungsentwicklung in Gelsenkirchen
3. Familienstrukturen in Gelsenkirchen
3.1 Familien mit besonderem Unterstützungsbedarf
4. Kommunale Familienpolitik: Wirksame Umsetzung politischer Ziele vor Ort zum Schutz und Wohl der Familie
4.1 Handlungsfelder Kommunaler Familienpolitik
4.2 Familie als wichtiger Motor kommunaler Entwicklung
5. Gelsenkirchen: Praktische Beispiele der Familienpolitik
5.1 Konzept der Familienförderung / Familienbildung
5.1.1 Hausbesuche bei Erstgeborenen
5.1.2 Gelsenkirchener Elternschule
5.1.3 Offene Eltern-Baby/Kind-Treffs
5.1.4 Hilfe für Familien mit besonderem Unterstützungsbedarf
5.2. Das Gelsenkirchener Bündnis für Familie
5.3 Vereinbarkeit von Beruf und Familie
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Handlungsspielraum einer Kommune in der Familienpolitik vor dem Hintergrund des demographischen Wandels. Am Beispiel der Stadt Gelsenkirchen wird analysiert, welche Pflichten und Möglichkeiten Kommunen haben, um Familien effektiv zu unterstützen und als Leistungsträger zu stärken.
- Demographischer Wandel und Bevölkerungsentwicklung in Gelsenkirchen
- Strukturen von Familien mit besonderem Unterstützungsbedarf
- Kommunale Handlungsfelder der Familienpolitik
- Praktische familienfördernde Maßnahmen in Gelsenkirchen
- Vereinbarkeit von Beruf und Familie als kommunale Aufgabe
Auszug aus dem Buch
4.2 Familie als wichtiger Motor kommunaler Entwicklung
Familien sind für Kommunen kein reiner Kostenfaktor. Auf der einen Seite befinden sich fürsorgebedürftige Familien, zu deren Unterstützung die bereits zuvor benannten kommunalen Pflichtaufgaben zählen. Jedoch kann auf der anderen Seite kommunale Familienpolitik „[…] als Gegenentwurf zur Fürsorgeorientierung verstanden werden. Ausgangspunkt dieser dezidiert ökonomischen Position sind die Leistungen der Familie bei der Bildung von Human- und Sozialkapital, die als wohlfahrtssteigernd angenommen werden“ (Schöning 2002: 10). Die Familie ist somit nicht nur bedürftiger Hilfeempfänger, sondern auch ein wichtiger Leistungsträger innerhalb der Kommune, von denen alle Bereiche des sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Lebens profitieren (IES 1996: 22).
Familien können für Gemeinden, Städte und Kreise z.B. durch die Pflege von bedürftigen Personen im familiären Umfeld eine wichtige finanzielle Entlastung darstellen. Sie haben durch alltägliche Konsumentscheidungen eine wichtige wirtschaftliche Funktion und zahlen überdies einen nicht unbeträchtlichen Teil der Steuerabgaben. Darüber hinaus gewährleistet die Familie die Einhaltung des Generationenvertrags und bietet eine wichtige Sozialistationsleistung, wodurch „[…] den nachwachsenden Generationen in Familien die Fähigkeiten für ein solidarisches Leben in Gemeinschaft vermittelt werden“ (ZEFIR 2006: 12).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Auswirkungen des demographischen Wandels auf Familien und beschreibt die Forschungsfrage bezüglich des kommunalen Handlungsspielraums am Beispiel Gelsenkirchens.
2. Bevölkerungsentwicklung in Gelsenkirchen: Dieses Kapitel analysiert den signifikanten Bevölkerungsrückgang und die Veränderung der Altersstruktur in Gelsenkirchen über einen Zeitraum von 30 Jahren.
3. Familienstrukturen in Gelsenkirchen: Der Abschnitt bietet einen Überblick über die aktuelle Familienstruktur vor Ort, unterteilt in verschiedene Stadtteile und betrachtet dabei besonders benachteiligte Gruppen.
3.1 Familien mit besonderem Unterstützungsbedarf: Hier wird die prekäre Lebenssituation von Alleinerziehenden und Familien mit Migrationshintergrund hinsichtlich Armutsrisiko und Erwerbsbeteiligung detailliert dargestellt.
4. Kommunale Familienpolitik: Wirksame Umsetzung politischer Ziele vor Ort zum Schutz und Wohl der Familie: Es wird die gesetzliche Rolle der Kommune beleuchtet, die im Gegensatz zur übergeordneten Rahmensetzung von Bund und Ländern unmittelbarer und wirksamer agieren kann.
4.1 Handlungsfelder Kommunaler Familienpolitik: Dieses Kapitel differenziert zwischen Pflichtaufgaben und freiwilligen Leistungen und zeigt auf, dass Familienpolitik eine Querschnittsaufgabe durch diverse Fachämter darstellt.
4.2 Familie als wichtiger Motor kommunaler Entwicklung: Es wird argumentiert, dass Familien nicht nur Kostenfaktoren sind, sondern als Leistungsträger des Humankapitals maßgeblich zur Standortattraktivität und wirtschaftlichen Stabilität beitragen.
5. Gelsenkirchen: Praktische Beispiele der Familienpolitik: Dieser Teil dokumentiert konkrete präventive Maßnahmen und Projekte der Stadt, um den demographischen Herausforderungen aktiv zu begegnen.
5.1 Konzept der Familienförderung / Familienbildung: Der Abschnitt erläutert Programme zur frühzeitigen Unterstützung von Eltern und der Früherkennung familiärer Problemlagen.
5.1.1 Hausbesuche bei Erstgeborenen: Hier wird das Instrument der Begrüßungsbesuche als niederschwelliger Zugang zur frühen Unterstützung junger Familien beschrieben.
5.1.2 Gelsenkirchener Elternschule: Das Kapitel stellt das Konzept der Kursreihen zur Vermittlung von Basiswissen für junge Eltern in verschiedenen Kinderaltersgruppen vor.
5.1.3 Offene Eltern-Baby/Kind-Treffs: Es werden die ungezwungenen Treffpunkte erläutert, die neben der Beratung auch die Vernetzung unter Eltern fördern.
5.1.4 Hilfe für Familien mit besonderem Unterstützungsbedarf: Hier werden spezifische Unterstützungsangebote für Alleinerziehende und Familien mit Migrationshintergrund wie Seminare und Informationsnachmittage behandelt.
5.2. Das Gelsenkirchener Bündnis für Familie: Dieser Abschnitt thematisiert das lokale Netzwerk aus diversen Akteuren, die gemeinsam die Familienfreundlichkeit der Stadt steigern wollen.
5.3 Vereinbarkeit von Beruf und Familie: Hier wird die Bedeutung erweiterter Betreuungszeiten und neuer Organisationsmodelle wie "GeKita" zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Erwerbstätigkeit hervorgehoben.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, betont die Rolle der Kommune als Moderatorin und präventive Gestalterin und reflektiert den Erfolg der vorgestellten Maßnahmen.
Schlüsselwörter
Kommunale Familienpolitik, Gelsenkirchen, Demographischer Wandel, Familienförderung, Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Alleinerziehende, Migrationshintergrund, Prävention, Humankapital, Lokales Bündnis für Familie, Erziehungskompetenz, Sozialkapital, Netzwerk, Lebensqualität, Kindertagesbetreuung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Forschungsarbeit?
Die Arbeit untersucht, welche Spielräume und Möglichkeiten eine Kommune besitzt, um im Rahmen der kommunalen Familienpolitik aktiv und wirksam auf die Herausforderungen des demographischen Wandels zu reagieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den Schwerpunkten zählen die Bevölkerungsentwicklung, die Analyse unterschiedlicher Familienstrukturen, die theoretische Einordnung kommunaler Verantwortung sowie die Vorstellung konkreter praktischer Beispiele aus der städtischen Praxis.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, den Handlungsspielraum einer Kommune auf familienpolitischer Ebene aufzuzeigen und zu verdeutlichen, wie durch gezielte, vernetzte Maßnahmen der Schutz und das Wohl von Familien vor Ort verbessert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Arbeit basiert auf einer Analyse von Sekundärdaten, insbesondere des Familienberichts Gelsenkirchen 2006, sowie der Auswertung bestehender Fachliteratur und Dokumentationen zu kommunalen Projekten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der kommunalen Familienpolitik als Querschnittsaufgabe und einen praktischen Teil, der spezifische Förderangebote wie Elternschulen, Hausbesuche und Netzwerke wie das Bündnis für Familie detailliert analysiert.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich vor allem mit den Begriffen kommunale Familienpolitik, demographischer Wandel, präventive Familienförderung und Standortattraktivität beschreiben.
Wie bewertet der Autor die Rolle des "Gelsenkirchener Bündnisses für Familie"?
Das Bündnis wird als zentrales Netzwerkwerkzeug hervorgehoben, das durch die Zusammenarbeit verschiedenster lokaler Akteure themenübergreifende Projekte ermöglicht und somit die Familienfreundlichkeit nachhaltig steigert.
Warum ist die Vereinbarkeit von Beruf und Familie laut Autor ein Schlüsselthema?
Angesichts des hohen Anteils alleinerziehender Eltern und der Notwendigkeit zur Sicherung des Humankapitals stellt die Vereinbarkeit laut Autor ein unausweichliches Handlungsfeld dar, das nicht nur Familien entlastet, sondern auch die wirtschaftliche Standortattraktivität erhöht.
- Quote paper
- Oliver Müller (Author), 2008, Handlungsmöglichkeiten kommunaler Familienpolitik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/137338