Die Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Lichtmotiv in den Werken von Barthold Heinrich Brockes, einem bedeutenden Dichter der Frühaufklärung. Anhand von drei ausgewählten Gedichten aus seinem Hauptwerk "Irdisches Vergnügen in Gott" wird gezeigt, wie Brockes das Licht als ein Symbol für die göttliche Präsenz in der Natur verwendet. Die Arbeit bietet eine fundierte literaturwissenschaftliche Analyse des Lichtmotives und seiner Bedeutung für Brockes' Dichtung und Weltanschauung.
In der Epoche der Aufklärung wurde das Licht als ein zentrales Symbol verwendet. Man spricht bei dieser Zeitepoche auch von: "le Siecle des Lumieres" (dt. Das Jahrhundert des Lichts). Barthold Heinrich Brockes lebte in der Epoche der Frühaufklärung (1680 – 1730) in den Jahren von 1680 bis 1747 und publizierte international einflussreiche Werke. Darunter befindet sich sein Hauptwerk mit dem Titel "Irdisches Vergnügen in Gott bestehend in verschiedenen aus der Natur und Sitten-Lehre hergenommenen Gedichten" (IVG) aus den Jahren 1721-1748, welches aus insgesamt neuen Bänden besteht. In IVG wird Brockes' "kritische Abkehr vom Ideal der Nachahmung der repräsentativen Hof-Kultur", sowie seine Adelskritik deutlich. Im Werk räumt er der Natur einen hohen Stellenwert ein, da er der Überzeugung ist, dass die Wahrnehmung dieser zu einem Kontakt mit dem Göttlichen führen kann. Er setzt daher die Rolle eines Dichters mit der eines Priesters oder eines Dolmetschers gleich.
In seinen Gedichten ist ein wiederkehrendes und zentrales Motiv zu erkennen: Das Licht. Dieses tritt in verschiedenster Form in seinen Werken auf und wird im aktuellen literaturwissenschaftlichen Diskurs als essenziell für die Untersuchung und Interpretation seiner Werke eingestuft.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung: Von einem Funken zum Licht
2 Das Lichtmotiv
2.1 Historischer Überblick über das Lichtsymbol
2.2 Brockes‘ Lichtmotiv
3 Das Lichtmotiv in ausgewählten Gedichten aus IVG
3.1 „Das Firmament“
3.2 „Schönheit der zur Abend-Zeit hinter einem Gebüsche hervorstrahlenden Sonne“
3.3 „Kirsch-Blühte bey der Nacht“
4 Schlussüberlegung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die zentrale Bedeutung und vielfältige Funktion des Lichtmotivs im Werk des Frühaufklärers Barthold Heinrich Brockes. Dabei wird analysiert, wie Brockes das Licht als Vermittlungsinstanz zwischen irdischer Naturwahrnehmung und göttlicher Transzendenz einsetzt und welche literaturwissenschaftlichen Deutungsmöglichkeiten sich daraus ergeben.
- Analyse der historischen Entwicklung des Lichtsymbols in der Literatur.
- Untersuchung der spezifischen Funktion des Lichts in ausgewählten Gedichten aus dem Hauptwerk "Irdisches Vergnügen in Gott" (IVG).
- Herausarbeitung der motivischen Verknüpfung von Naturlyrik, Theologie und Physik bei Brockes.
- Bewertung des Lichtmotivs als zentrales Element zur Strukturierung von Brockes' poetischem Kosmos.
- Reflexion über die Multidimensionalität der Interpretation eines literarischen Motivs.
Auszug aus dem Buch
3.1 „Das Firmament“
Brockes eröffnet des Werk IVG mit dem Gedicht „Das Firmament“. Unter einem Firmament wird ein Himmel oder ein Himmelsgewölbe verstanden (Dudenredaktion, o.D.). Zur Form und der Struktur des Gedichtes ist zu sagen, dass es aus 20 Versen besteht. Im Bereich des Reimschemas werden Paarreime verwendet. Zum Beispiel schreibt er in Vers 10 bis 11: „Es schlug des Abgrunds Raum / wie eine dicke Fluth / Das Boden-losen Meeres auf sinckend Eisen thut“ (Brockes 477). Diese Paare werden von umarmenden Reimen umschlossen. Z.B. heißt es in Vers 1 und 4: „Als jüngst mein Auge sich in die Sapphirne Tiefe / […] / Und mein verschlung'ner Blick bald hie- bald dahin liefe“ (ebd. 477).
Im Bereich der Inhaltselemente und der Semantik verfolgt Brockes das Motiv, Gott zu preisen. Er möchte dessen „Herrlichkeit“ (Brockes 476) und dessen Allgegenwärtigkeit hervorheben. Betrachtet man den Stoff und die Mythen, auf welche sich Brockes im ersten Band von IVG bezieht, ist eine starke Intertextualität zur Bibel erkennbar. So bildet Kapitel 43 im Buch Jesus Sirach die stoffliche Grundlage. In diesem wird in Form von Gesang die „Erde als Werk Gottes gerühmt“ (Mergenthaler 225). Obwohl dies der Fall ist, stellt Brockes über „Das Firmament“ ein Epigramm, welches nicht aus diesem Gesang, sondern aus einem von Luther übersetzten Sir 43,1 stammt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Von einem Funken zum Licht: Dieses Kapitel führt in die Epoche der Frühaufklärung und das Werk von Barthold Heinrich Brockes ein, wobei die zentrale Rolle des Lichts als Motiv sowie die Zielsetzung der Arbeit erläutert werden.
2 Das Lichtmotiv: Hier wird ein Überblick über die allgemeine Literaturgeschichte des Lichtsymbols gegeben und die spezifische Bedeutung dieses Motivs für Brockes’ literarisches Schaffen theoretisch fundiert.
3 Das Lichtmotiv in ausgewählten Gedichten aus IVG: In diesem Hauptteil wird anhand der Gedichte „Das Firmament“, „Schönheit der zur Abend-Zeit hinter einem Gebüsche hervorstrahlenden Sonne“ und „Kirsch-Blühte bey der Nacht“ die konkrete Anwendung und metaphysische Dimension des Lichtmotivs analysiert.
4 Schlussüberlegung: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Untersuchung zusammen und reflektiert über die Vielschichtigkeit der literaturwissenschaftlichen Interpretation von Brockes' Werken.
Schlüsselwörter
Barthold Heinrich Brockes, Lichtmotiv, Frühaufklärung, Naturlyrik, Irdisches Vergnügen in Gott, Theologie, Symbolik, Gott, Naturbeobachtung, Grenzerfahrung, Intertextualität, Lichtsymbolik, Erkenntnis.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit behandelt die Analyse des Lichtmotivs in den Werken des Schriftstellers Barthold Heinrich Brockes, insbesondere in seinem Hauptwerk „Irdisches Vergnügen in Gott“.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum?
Die zentralen Themen sind das Verhältnis von irdischer Natur und göttlicher Schöpfung, die Funktion von Licht als Erkenntnissymbol sowie die Verknüpfung von Physik, Theologie und Ästhetik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das Lichtmotiv als strukturgebendes Element dient, um zwischen sinnlicher Erfahrung und einem tieferen Glauben an Gott zu vermitteln.
Wie lautet die wissenschaftliche Methodik?
Es wird eine textnahe Analyse ausgewählter Gedichte durchgeführt, ergänzt durch einen historischen Überblick über das Lichtsymbol und den Einbezug fachwissenschaftlicher Literatur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Interpretation von drei spezifischen Gedichten, wobei formale Aspekte wie Reimschema sowie inhaltliche Analysen der Lichtmetaphorik im Vordergrund stehen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Zu den prägenden Begriffen zählen Brockes, Lichtmotiv, Frühaufklärung, Naturlyrik, Gotteserkenntnis und das Spannungsfeld zwischen irdischer Präsenz und himmlischer Transzendenz.
Wie interpretiert Brockes den Wald in „Schönheit der zur Abend-Zeit hinter einem Gebüsche hervorstrahlenden Sonne“?
Durch das göttliche Licht erfährt der zuvor dunkle Wald eine Transformation und wird als ästhetisch wertvoller Schatz bzw. als göttliche Spiegelung begriffen.
Warum spielt die Farbe Weiß im Gedicht „Kirsch-Blühte bey der Nacht“ eine tragende Rolle?
Weiß dient hierbei als Symbol für Unschuld, Erhabenheit und Tugend und wird durch die unterschiedliche Strahlkraft des Lichts auf Flora und Schnee besonders hervorgehoben.
- Arbeit zitieren
- Yule Blasel (Autor:in), 2022, Das Motiv des Lichts in B. H. Brockes‘ Werken. Das Licht als Vermittler, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1373445