Die Goldhagenschen Thesen, die Debatten auslösten, sollen in der vorliegenden Arbeit einer näheren Betrachtung unterzogen werden. Dabei steht hauptsächlich der Aspekt des speziell "deutschen eliminatorischen Antisemitismus" im Vordergrund. Für dieses Vorhaben soll zunächst eine kurze Beschreibung der Thesen Goldhagens mit dem Fokus auf eben dem "eliminatorischen Antisemitismus" erfolgen und hernach die verschiedenstimmige Rezeption in der Bewertung des "eliminatorischen Antisemitismus" vorgestellt werden. Anschließend werden Widersprüchlichkeiten der Thesen in Hitlers willige Vollstrecker in Bezug zu Goldhagens Demokratiepreis-Rede betrachtet und schließlich die Frage erörtert, ob jener die gesetzten Ziele in seiner Arbeit erreicht hat oder nicht.
Goldhagen war in seinem Bestreben für den Holocaust eine verständliche Erklärung zu finden natürlich nicht der Erste, dennoch unterschied er sich in gewissen Aspekten unverkennbar von seinen Vorgängern und schreibt in seinem Vorwort wörtlich: "Um zu erklären, warum der Holocaust geschehen konnte, muß[sic] man vieles, was bisher geschrieben wurde, einer radikalen Revision unterziehen. Das möchte ich mit dem vorliegenden Buch erreichen." Dabei hätte er nichts anders als die Absicht "sich von den traditionellen Interpretationen [zu distanzieren] und kündigte wegweisende neue Deutungen an, die die Medien mit großer Spannung aufnahmen." Diese Sätze beinhalten in vielerlei Hinsichten einen gewagten Subtext, der als solcher im Grunde relativ unmissverständlich aussagt, dass die bisherige Forschung, was die hauptsächlichen Ursachen des Holocaust betrifft, falsch lag. Goldhagens hoch angesetzter Anspruch beinhaltet im Grunde genommen die bemerkenswert gewagte Äußerung, dass er "den Holocaust, Hitler, die ganze Tragödie auf eine Weise erklärt [hätte], wie dies vor ihm noch niemand getan hatte." Dabei stünde nach Rosenbaum hinter seinen Behauptungen. Folglich lösten diese brisanten Behauptungen ungeahnte Debatten sowohl in den USA, als auch in Deutschland aus.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. THESEN GOLDHAGENS
2.1. REZEPTION GOLDHAGENS (GENERELL)
2.2. BEWERTUNG DER BEDEUTUNG DES „ELIMINATORISCHEN ANTISEMITISMUS“
2.3. WIDERSPRÜCHLICHKEITEN: DEMOKRATIEPREISREDE VS. HWV
3. SCHLUSSGEDANKEN
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die zentralen Thesen von Daniel J. Goldhagens Werk „Hitlers willige Vollstrecker“ im Kontext der historischen Forschung und analysiert kritisch die Debatten sowie Widersprüchlichkeiten hinsichtlich Goldhagens Definition des „eliminatorischen Antisemitismus“ und der Rolle der Täter im Nationalsozialismus.
- Analyse des Goldhagen-Konzepts des „eliminatorischen Antisemitismus“.
- Untersuchung der kritischen Rezeption in Deutschland und den USA.
- Gegenüberstellung von Goldhagens Thesen mit anderen geschichtswissenschaftlichen Erklärungsansätzen.
- Diskussion der Diskrepanz zwischen Goldhagens Thesen im Buch und seiner späteren Demokratiepreisrede.
- Bewertung des Einflusses des Werks auf die Holocaust-Forschung.
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Heinrich von Traitschke spricht über die Geschichtswissenschaft in seinen Vorlesungen eingangs von den folgenden Problemen, die ihr immanent seien: „Für den Historiker sind die Resultate zugleich die Elemente seiner Wissenschaft; daß[sic] macht das historische Denken so schwierig. Es scheint zwar, als ob der erzählende Historiker auch nur vom Früheren auf das Spätere schlösse, in Wahrheit folgert er umgekehrt von dem Späteren auf das Frühere. Er will und kann von dem Geschehenen immer nur einen Ausschnitt geben; er muß[sic] sich also, wenn er an die Beschreibung einer Epoche herantritt, darüber klar sein, welche Ereignisse für die Folgezeit bedeutsam, für die Nachwelt wichtig geworden sind. Wäre die Geschichte eine exacte[sic] Wissenschaft, so müßten[sic] wir im Stande sein die Zukunft der Staaten zu enthüllen. Das können wir aber nicht, denn überall stößt die Geschichtswissenschaft auf das Räthsel[sic] der Persönlichkeit.“
Knapp ein Jahrhundert später, griff Daniel J. Goldhagen im Kontext des Holocaust das Problem wieder auf und versuchte genau das Rätsel zu lösen, von dem von Traitschke sprach: die Persönlichkeit der – in seinem Fall - Täter, die sich an einem der größten Verbrechen der Neuzeit schuldig gemacht hatten. Er versuchte den Holocaust zu erklären, wie es dazu kommen konnte, was die Motivation hinter den verbrecherischen Taten war.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung steckt den theoretischen Rahmen ab, indem sie Goldhagens Ansatz zur Tätermotivation mit historischen wissenschaftstheoretischen Problemen in Beziehung setzt und das Ziel der Arbeit sowie Goldhagens eigenen Anspruch auf eine radikale Revision der Holocaust-Forschung erläutert.
2. THESEN GOLDHAGENS: Dieses Kapitel stellt Goldhagens zentrale Forderung nach einer Fokusverschiebung auf die deutschen Täter sowie sein Konzept des „eliminatorischen Antisemitismus“ als maßgebliche Triebkraft des Holocaust dar.
2.1. REZEPTION GOLDHAGENS (GENERELL): Hier wird beleuchtet, wie das Buch in den USA überwiegend positiv aufgenommen wurde, während es in Deutschland eine kontroverse Debatte auslöste, die von fachwissenschaftlicher Ablehnung und Kritik an Goldhagens Gestus geprägt war.
2.2. BEWERTUNG DER BEDEUTUNG DES „ELIMINATORISCHEN ANTISEMITISMUS“: Dieses Kapitel fasst die kritische Auseinandersetzung bedeutender Historiker mit Goldhagens Thesen zusammen, wobei insbesondere der Vorwurf des zirkulären Argumentationsschemas und der Vernachlässigung struktureller Faktoren diskutiert wird.
2.3. WIDERSPRÜCHLICHKEITEN: DEMOKRATIEPREISREDE VS. HWV: Diese Sektion untersucht die Diskrepanz zwischen der extremen These im Buch, wonach der eliminatorische Antisemitismus tief in der deutschen Bevölkerung verwurzelt war, und Goldhagens lobenden Worten zum Zustand der deutschen Demokratie in seiner späteren Preisrede.
3. SCHLUSSGEDANKEN: Im Fazit wird reflektiert, dass Goldhagens Thesen zwar methodisch umstritten blieben, ihm aber das Verdienst zukommt, die akademische Aufmerksamkeit für die Täterschaft und deren Motivation maßgeblich geschärft zu haben.
Schlüsselwörter
Holocaust, Daniel J. Goldhagen, eliminatorischer Antisemitismus, Täterschaft, Nationalsozialismus, Goldhagen-Debatte, Geschichtswissenschaft, Motivation, Rezeption, Holocaust-Forschung, Antisemitismus, Erinnerungskultur, Transformation, Kollaborateure, Täterpersönlichkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Auseinandersetzung um das Werk von Daniel J. Goldhagen, „Hitlers willige Vollstrecker“, und beleuchtet die kontroverse Debatte über seine zentralen Thesen zum deutschen Antisemitismus.
Welche Themenfelder spielen eine zentrale Rolle?
Zentrale Themenfelder sind die Täterschaft im Nationalsozialismus, die historische Kontinuität des deutschen Antisemitismus, die mediale und wissenschaftliche Rezeption sowie die methodischen Herausforderungen bei der Analyse historischer Transformationen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Goldhagens Schlussfolgerungen einer kritischen Prüfung zu unterziehen, Widersprüche in seiner Argumentation aufzudecken und zu erörtern, welchen Beitrag er zur Holocaust-Forschung trotz der heftigen Kritik geleistet hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Der Autor nutzt eine methodisch-kritische Literaturanalyse, bei der er Goldhagens Thesen mit den Einschätzungen renommierter Historiker vergleicht und die interne Logik sowie die externe Beweisführung von Goldhagens Werk analysiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Thesen Goldhagens, die Analyse von Reaktionen und die Untersuchung von logischen Widersprüchen, insbesondere zwischen seinen Thesen im Buch und späteren öffentlichen Aussagen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Holocaust-Debatte, Täter-Motivation, eliminatorischer Antisemitismus, Geschichtsschreibung und kritische Rezeptionsanalyse charakterisiert.
Inwiefern spielt der „kulturelle Code“ eine Rolle in der Argumentation?
Der „kulturelle Code“ wird als Ansatz diskutiert, um zu erklären, wie sich gesellschaftliche Einstellungen, wie etwa zum Antisemitismus, durch staatliche Ächtung und politische Instanzen über Generationen hinweg verändern können, wobei Goldhagens Annahmen dazu kritisch hinterfragt werden.
Welche spezifische Kritik äußern Forscher wie Kershaw oder König an Goldhagen?
Sie kritisieren insbesondere ein zirkuläres Argumentationsschema, bei dem Goldhagen vom Holocaust auf die antisemitische, eliminatorische Gesinnung schließt, ohne jedoch andere motivationale oder situative Faktoren, die das Handeln von Tätern beeinflusst haben könnten, ausreichend zu würdigen.
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- Osman Taskiran (Autor:in), 2018, Hitlers willige Vollstrecker. Die Intentionen von Daniel J. Goldhagens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1373489