Die in Wissenschaft und Politik vertretenen Ansichten zum Thema
Entwicklung haben sich während der letzten vierzig Jahre ständig
verändert. Man glaubte, dass Kultur, Klima, Kapitalknappheit und
natürliche Ressourcen die Hauptbestimmungsgrößen der ökonomischen
Entwicklung darstellen. In den letzten zwanzig Jahren hat man jedoch
erkannt, dass Marktoffenheit, Wettbewerb und technischer Fortschritt die
entscheidenden Determinanten darstellen, die die
Wachstumsunterschiede zwischen den Ländern erklären.
Auf der einen Seite wird Wachstum und Entwicklung in den Ländern der
Dritten Welt als erstrebenswertes Mittel zur Wohlstandssteigerung
angesehen. In den Industrieländern, wie z.B. Deutschland, Frankreich und
Japan wird es als Mittel zur Verringerung von Arbeitslosigkeit betrachtet.
Der heutige „Wohlstand der Nationen“ und vorallem die erheblichen
Unterschiede im Lebensstandard resultieren aus spezifischen
Wachstumsprozessen der Vergangenheit. Das Forschungsinteresse liegt
auf der Entwicklung und Durchsetzung neuer Techniken um Wachstum
anzukurbeln und sinnvoll einzusetzen.
In der vorliegenden Arbeit wird diskutiert, welche Bedeutung der
Entwicklung in der jeweils betrachteten Theorie zukommt und welche
Bedingungen erfüllt sein müssen, damit diese voranschreitet. Ebenfalls
werden die einzelnen Annahmen der Modelle/ Theorien näher beleuchtet .
Zum Einen wird das neoklassische Wachstumsmodell untersucht und
anschließend mit den Annahmen Friedrich Lists verglichen, wobei ein
Schwerpunkt auf den formalen Herleitungen und Erklärungen liegt.
Aufgrund der andauernden Aktutalität dieses Themas, ließen sich Quellen
von Beginn der 70er Jahre bis hin zur Gegenwart finden, untersuchen
und auswerten.
Inhaltsverzeichnis
1) Einführung
2) Das neoklassische Wachstumsmodell
2.1) Grundlegende Annahmen
2.2) Herleitung des langfristigen Gleichgewichts
2.3) Anpassungs- und Gleichgewichtswachstum
2.4) Klassifikation des technischen Fortschritts
2.5) Kritik am neoklassischen Wachstumsmodell
3.) Die Entwicklungstheorie nach Friedrich List
3.1) Grundlegende Annahmen
3.2) Merkmale und Voraussetzungen des List´schen Entwicklungsprogramms
3.3) Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung durch (Schutz-) Zölle?
4) Schlussbemerkungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht und vergleicht zwei grundlegende theoretische Ansätze der wirtschaftlichen Entwicklung: das neoklassische Wachstumsmodell nach Robert Solow und die entwicklungstheoretischen Ansätze von Friedrich List. Das Ziel besteht darin, die jeweiligen Annahmen und Mechanismen zur Wohlstandssteigerung sowie den Umgang mit nachholender Entwicklung und technischem Fortschritt kritisch zu beleuchten und deren Bedeutung für die ökonomische Theoriebildung herauszuarbeiten.
- Neoklassische Wachstumstheorie und das Solow-Modell
- Mechanismen des technischen Fortschritts und seine Klassifikation
- Friedrich Lists Theorie der nachholenden Entwicklung
- Die Rolle von staatlichen Schutzmaßnahmen und Zöllen
- Vergleich der strukturellen Voraussetzungen für ökonomischen Wohlstand
Auszug aus dem Buch
2.1) Grundlegende Annahmen
Das neoklassische Standardmodell zur Erläuterung von Entwicklungsphänomenen ist das Wachstumsmodell von Robert Solow aus dem Jahr 1956. Dies setzt sich aus drei zentralen Bausteinen zusammen. Zum Ersten aus einer aggregierten Sparfunktion, zum Zweiten aus einem aggregierten Finanzierungssektor und zum Dritten aus einer substitutionalen Produktionsfunktion. Der Autor Ulrich Teichmann stellt gegenüber, dass die Kernaussage der neoklassischen Wachstumstheorie im Wesentlichen von folgenden drei Annahmen ausgeht. Erstens von der ungehinderten Wirksamkeit des Preismechanismus auf allen Märkten. Zweitens von der Entlohnung der Produktionsfaktoren nach ihrem Grenzprodukt und Drittens von der Anwendbarkeit einer substitutionalen Produktionsfunktion, genauer gesagt, von einer linear-homogenen Produktionsfunktion.
Das Ausgangsmodell greift zurück auf die „Ein-Gut-Welt“, das heißt, das Produktionsgut kann sowohl zu Konsum- als auch zu Investitionszwecken verwendet werden. Dies ist auch bekannt als die so genannte „Korn-Parabel“. Des Weiteren wird dieses Gut ausschließlich von den Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital hergestellt. Das Wachstum des Beschäftigungspotentials und damit der Bevölkerung ist exogen vorgegeben und zudem noch im zeitlichen Ablauf und in der Struktur konstant.
Gemäß den Untersuchungen von Roy F. Harrod und Evsey D. Domar zum Wachstumsmodell ist zunächst die Sparquote bei der aggregierten Sparfunktion konstant und die Ersparnisse sowie die Investitionen des aggregierten Finanzierungssektors identisch. Zu diesen beiden Ergebnissen kam auch Solow. Ein Unterschied in den Untersuchungen von Harrod, Domar und Solow besteht bei näherer Betrachtung in der Produktion. Im Vergleich zu Harrod und Domar wird die Substitution von Arbeit und Kapital in der Produktion zugelassen. Folglich führt dies zu einem variablen Kapitalkoeffizienten, dessen Größe von den relativen Faktorpreisen abhängt.
Zusammenfassung der Kapitel
1) Einführung: Überblick über die historische Entwicklung ökonomischer Ansätze zum Thema Wachstum und Zielsetzung der Arbeit.
2) Das neoklassische Wachstumsmodell: Detaillierte mathematische und theoretische Herleitung des Solow-Modells unter Berücksichtigung von Produktionsfunktionen und Gleichgewichtsbedingungen.
2.1) Grundlegende Annahmen: Erläuterung der zentralen Bausteine wie Sparfunktion und Produktionsfaktoren im neoklassischen Standardmodell.
2.2) Herleitung des langfristigen Gleichgewichts: Mathematische Fundierung der Kapitalintensität und deren zeitliche Veränderung.
2.3) Anpassungs- und Gleichgewichtswachstum: Analyse des Wachstumsverlaufs bei Einbeziehung von technischem Fortschritt als exogener Variable.
2.4) Klassifikation des technischen Fortschritts: Darstellung der Neutralitätskonzepte nach Hicks, Harrod und Solow.
2.5) Kritik am neoklassischen Wachstumsmodell: Diskussion der Grenzen des Modells, insbesondere hinsichtlich der Divergenzen in realen Wachstumsraten.
3.) Die Entwicklungstheorie nach Friedrich List: Einführung in die Thematik der nachholenden Entwicklung und die Abgrenzung zur neoklassischen Theorie.
3.1) Grundlegende Annahmen: Fokus auf das Kompetenzgefälle zwischen Ökonomien und das Problem der Verdrängung im Welthandel.
3.2) Merkmale und Voraussetzungen des List´schen Entwicklungsprogramms: Notwendigkeit von Infrastruktur, Bildung und gesellschaftlichen Reformen.
3.3) Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung durch (Schutz-) Zölle?: Analyse der Erziehungszolltheorie und der Bedingungen für den Einsatz protektionistischer Maßnahmen.
4) Schlussbemerkungen: Zusammenfassende Bewertung der Aktualität von Lists Ansätzen im Kontext der modernen Globalisierungsdebatte.
Schlüsselwörter
Neoklassische Wachstumstheorie, Solow-Modell, Friedrich List, nachholende Entwicklung, Produktionsfunktion, Kapitalintensität, technischer Fortschritt, Erziehungszölle, Welthandel, Humankapital, Wirtschaftswachstum, Protektionismus, Faktorpreise, ökonomische Entwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die theoretischen Unterschiede zwischen dem neoklassischen Wachstumsmodell und der Entwicklungstheorie von Friedrich List im Hinblick auf wirtschaftliche Entwicklungsprozesse.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Mittelpunkt stehen die Determinanten von Wachstum, die Rolle des technischen Fortschritts sowie die Notwendigkeit von staatlichen Eingriffen bei ökonomischer Unterentwicklung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist der Vergleich der formalen neoklassischen Sichtweise mit dem historischen und entwicklungspolitischen Ansatz von List, um zu klären, welche Bedingungen für eine erfolgreiche ökonomische Entwicklung notwendig sind.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine theoretisch-analytische Methode, wobei ein Schwerpunkt auf formalen Herleitungen (mathematischen Modellen) und dem Literaturvergleich liegt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert besprochen?
Der Hauptteil behandelt die mathematischen Grundlagen des Solow-Modells, die verschiedenen Konzepte der Neutralität des technischen Fortschritts sowie das entwicklungspolitische Konzept der „Entfeudalisierung“ und „Erziehungszölle“ nach List.
Welche Begriffe beschreiben die Arbeit am besten?
Wachstumstheorie, Solow-Modell, Friedrich List, Erziehungszölle, technischer Fortschritt, nachholende Entwicklung.
Was unterscheidet das neoklassische Modell von dem Ansatz nach Friedrich List?
Das neoklassische Modell fokussiert auf Angebotsfaktoren und langfristige Gleichgewichte unter Marktbedingungen, während List primär die strukturellen Voraussetzungen und die gezielte staatliche Unterstützung zur Aufholjagd gegenüber etablierten Nationen betont.
Warum hält List Schutzzölle in bestimmten Phasen für notwendig?
List argumentiert, dass junge Industrien durch Schutzzölle – sogenannte Erziehungszölle – gegen die Konkurrenz hochentwickelter Industrien geschützt werden müssen, damit sie den heimischen Binnenmarkt erschließen und ihre produktiven Kräfte entwickeln können.
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- Carolin Schmidt (Author), 2009, Neoklassische Wachstumsmodelle/ Theorie wirtschaftlicher Entwicklung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/137431