Friedrich Wilhelm I. von Preußen (1713-1740) ging in die Geschichte ein als „der Soldatenkönig“. Mit seiner exzessiven Liebe zum Heerwesen lag sein Hauptaugenmerk auf den Ausbau der preußischen Armee und er formte Preußen so zu einer beeindruckenden Militärmacht. Etwas weniger bekannt ist sein zweiter Titel, nämlich „größter innerer König Preußens“. Diese Auszeichnung kennzeichnet Friedrich Wilhelms I. Lebenswerk hingegen viel positiver und umfassender, denn seine administrativen Reformen dürfen keineswegs außer Acht gelassen werden, wenn man die Ursachen für Preußens Aufstieg zur Großmacht vollständig ergründen will.
Aus dem „stehenden Heer“, einem Kennzeichen des „Absolutismus“ ergaben sich weitere Konsequenzen. Die unter Friedrich Wilhelm I. enorm vergrößerte Armee musste finanziert, die Soldaten untergebracht und mit Nahrung, Uniformen und Waffen versorgt werden. Zur Finanzierung und Deckung des materiellen Bedarfs führte man neue Steuern ein und förderte Gewerbe und Handel im Sinne des Merkantilismus. Ganz vereinfacht gesehen stehen sich nun also die Einnahmen und die Ausgaben gegenüber. In der logischen Folge fehlt in diesem Gefüge nur noch eine vermittelnde und koordinierende Institution: die funktionierende Verwaltung.
Natürlich bezieht die Administration ihre Daseinsberechtigung nicht nur aus der bloßen Verwahrung und Verteilung der Gelder. Sicher eine der Hauptaufgaben, aber dennoch erwuchsen im späten 17. Jahrhundert neue Aufgaben die nur in einer öffentlichen Zentrale bewältigt werden konnten. So z. B. die Förderung des Handels, Verwaltung der Forsten und Landwirtschaften, Fragen der Justiz, Aufbau eines Polizeiwesens oder die Besiedelung des Ostens von Brandenburg-Preußen. Die Errichtung einer zweckmäßigen Verwaltung war nun Ausdruck und Motor des „Absolutismus“ zugleich. Einerseits sorgte sie doch für die Wohlfahrt des Staates, andererseits festigte und stützte sie die Macht des absolutistischen Herrschers wenn sie die Einflüsse der Landstände zurückdrängte und eine obrigkeitshörige Beamtenschaft ausbildete.
Die administrativen Reformen unter Friedrich Wilhelm I., genauer gesagt, die Errichtung des General-, Ober-, Finanz-, Kriegs-, und Domänendirektoriums im Jahre 1723 sind Thema der vorliegenden Arbeit. Dazu soll im ersten Abschnitt dargestellt werden wie die Verwaltung vor 1723 in Preußen gestaltet war und welche Defizite sie aufwies. Der zweite Teil widmet sich dann dem Generaldirektorium.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Hauptteil
1. Die preußische Verwaltung in den Jahren 1640 – 1723
1.1 Der Geheime Rat
1.2 Das Verwaltungssystem in den Provinzen
1.3 Die Entwicklung der beiden wichtigsten Sonderbehörden
1.3.1 Das Generalfinanzdirektorium
1.3.2 Das Generalkriegskommissariat
2. Die Errichtung des General-, Ober-, Finanz-, Kriegs- und Domänendirektoriums (= Generaldirektorium)
2.1 Gründe für die Errichtung
2.2 Die Instruktion zur Errichtung des Generaldirektoriums
2.3 Auswirkungen des Generaldirektoriums
III. Schluss
IV. Anhang
V. Quellen- und Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den administrativen Reformprozess unter König Friedrich Wilhelm I. von Preußen, der in der Gründung des General-Ober-Finanz-Kriegs- und Domänendirektoriums im Jahr 1723 gipfelte. Die Forschungsfrage fokussiert dabei darauf, wie durch die Zentralisierung der Verwaltung die Macht des absolutistischen Herrschers gestärkt und die Effizienz der preußischen Staatsverwaltung in einer Zeit militärischer und wirtschaftlicher Herausforderungen optimiert wurde.
- Die Entwicklung des preußischen Verwaltungssystems von 1640 bis 1723.
- Die Funktionsweise und Bedeutung der beiden Vorgängerbehörden Geheimer Rat und Generalkriegskommissariat.
- Die Hintergründe und die Ausgestaltung der Instruktion zur Errichtung des Generaldirektoriums.
- Die Auswirkungen der neuen Zentralbehörde auf den preußischen Absolutismus und das entstehende Berufsbeamtentum.
Auszug aus dem Buch
2. Die Errichtung des General-, Ober-, Finanz-, Kriegs-, und Domänendirektoriums (=Generaldirektorium)
Einer Biographie Friedrich Wilhelms I., dieser interessanten Herrschergestalt, kann diese Arbeit leider keinen Platz bieten, eine kurze Schilderung seines Charakters finden wir aber in einer Beschreibung Oestreichs: „Ein Despot, ein Ekel, ein Psychopath, polternd und ungebildet, ohne Geschmack, Esprit und feinere Lebensart, ein Mann mit riesiger Arbeitskraft, einem ungeheuren Herrscherwillen und Tatendrang, verantwortungsbewusst und gottesfürchtig, brutal und überheblich, sparsam und streng“.
Diese Strenge, Arbeitswut und unbedingte Zielsetzung der Einnahmesteigerung sorgten schließlich für einen betriebsblinden „einseitigen Ressorteifer“ in den beiden Behörden. Um ihre Tüchtigkeit unter Beweis zu stellen, versuchten beide Organisationen ihre Einnahmen zu steigern, was bei den noch engen Verflechtungen in den Verwaltungssachen, oft auf die Kosten der jeweils anderen Behörden ging. Aufschlussreich ist hier vor allem eine Kabinettsordre an Staatsminister Ilgen vom 15. Jan. 1723, in welcher der König mit dem ihm eigenen Ton Tadel und scharfe Kritik an der Arbeitsweise der Behörden übte.
So zogen beispielsweise. die Kommissariate, die dahingehend völlig frei walten konnten, die Kontributionen vorher von den Domänenpächtern ein, so dass für die Amtskammern, welche „ihre Pachtgelder in genau festgelegten vierteljährlichen Raten einnahmen“, keine Gelder mehr vorhanden waren. Oder aber die Amtskammern gewährten den Domänenpächtern „weitgehende Akzisefreiheiten für die nächsten Städte“, und provozierten so die Kriegskommissariate.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Person Friedrich Wilhelms I. ein und beschreibt den Kontext des absolutistischen Preußens, der die Notwendigkeit einer zentralisierten Verwaltung begründete.
II. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert die Verwaltungsgeschichte von 1640 bis 1723, die Etablierung des Generaldirektoriums als zentrale Institution und die weitreichenden politischen sowie sozialen Folgen dieser Reform.
III. Schluss: Der Schluss ordnet die Gründung des Generaldirektoriums in den größeren historischen Rahmen des europäischen Absolutismus ein und resümiert die Bedeutung für den preußischen Gesamtstaat.
IV. Anhang: Der Anhang bietet eine tabellarische Übersicht über die territoriale, sachliche und personelle Gliederung der fünf Departements des Generaldirektoriums.
V. Quellen- und Literaturverzeichnis: Dieses Verzeichnis listet sämtliche verwendeten Primärquellen sowie die einschlägige Fachliteratur zur preußischen Verwaltungsgeschichte auf.
Schlüsselwörter
Friedrich Wilhelm I., Absolutismus, Preußen, Generaldirektorium, Verwaltungsreform, Zentralisierung, Soldatenkönig, Preußische Geschichte, Fiskalpolitik, Berufsbeamtentum, 1723, Staatsverwaltung, Behördenorganisation, Kontribution, Akzise.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert die Entstehung und Etablierung des preußischen Generaldirektoriums unter König Friedrich Wilhelm I. und dessen Bedeutung für die moderne Verwaltungsstruktur Preußens.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Untersuchung deckt die historische Entwicklung des preußischen Verwaltungssystems, die Rolle von Sonderbehörden wie dem Geheimen Rat und die Transformation hin zu einer zentralisierten, absolutistischen Staatsorganisation ab.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch administrative Reformen und die Schaffung des Generaldirektoriums die Effizienz des preußischen Staates gesteigert und die Macht des Herrschers im absolutistischen Kontext konsolidiert wurde.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Es handelt sich um eine historisch-analytische Arbeit, die auf der Auswertung zeitgenössischer Quellen, Instruktionen und fachspezifischer Literatur zur preußischen Verwaltungsgeschichte basiert.
Was umfasst der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse der Zustände vor 1723, eine detaillierte Untersuchung der Gründung des Generaldirektoriums, seiner inneren Struktur (Instruktion) sowie der politischen und sozialen Auswirkungen auf den Staat.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Absolutismus, Generaldirektorium, Zentralisierung, Fiskalverwaltung und das entstehende preußische Beamtentum.
Warum war das Verhältnis zwischen Amtskammern und Kriegskommissariaten so problematisch?
Die Behörden konkurrierten um dieselben Einnahmequellen (Kontributionen vs. Domänenpachten), was zu Kompetenzstreitigkeiten führte und die Notwendigkeit einer übergeordneten Zentralinstanz wie dem Generaldirektorium unterstrich.
Welche Rolle spielten die "Departements" in der neuen Organisation?
Die fünf Departements teilten die Verwaltung territorial und fachlich auf, wobei sie innerhalb einer zentralen Behörde agierten, um durch kollegiale Entscheidungsfindung und gegenseitige Kontrolle Willkür zu minimieren.
- Quote paper
- Elke Gramm (Author), 2008, Die Errichtung des "General-, Ober-, Finanz-, Kriegs-, und Domänendirektoriums" durch König Friedrich Wilhelm I. von Preußen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/137439