Die Zielgruppe von rechtsextremistischer Musik ist sehr breit gefächert. Über den „Kader“ hinaus, wird vor allem gezielt die Anwerbung von Jugendlichen über dieses Medium betrieben. Es werden mit rassistischen, antisemitischen und gewaltverherrlichenden Texten neonazistische Ideologien und Argumentationsweisen propagiert. Daneben ist Musik im Allgemeinen für Jugendliche ein identitätsbildendes Element, sowohl persönlich, als auch politisch.
Dabei sind die Musikgenres sehr vielfältig. Von volkstümlichen Liedermachern, über stereotype Skinheadmusik, bis hin zur Rock-, Gothic- und Metal-Szene ist die Spannbreite gestreckt. Insgesamt gibt es momentan ungefähr 150 aktive Rechtsrock Bands in Deutschland. Rechtsextremismus wird dabei als Geisteshaltung mit Rassen diskrimierenden, antisemitischen, NS- oder kriegsverherrlichenden Inhalten (BPjM: 2006, S.8) in den Musiktexten eingearbeitet. Besonders die Entwicklung von Rechtsrock ist weiterhin ein präsentes Thema, vorallem wegen dem Boom und der Dynamik, die sich während der letzten Jahre entwickelt haben. Die Musik ist aus vielen Bereichen der extremen Rechten derjenige, der sich am schnellsten und differenziertesten entwickelt hat und dies auch weiterhin tut.
Zunächst werde ich auf die Musik als solches eingehen, das heißt im Konkreten auf die Definition, die Entwicklung des Musikstils (und die Streuung in andere Subkulturen), Themen und Inhalte der Musik und inwiefern sie als Lockmittel für Jugendliche genutzt wird. In einem weiteren Punkt erörtere ich, warum gerade Jugendliche so eine interessante Zielgruppe für die Rechten darstellen. Auch Anknüpfungspunkte zur Mitte der Gesellschaft werde ich erläutern. Abschließend werde ich meine Betrachtungen im Kontext der Sozialen Arbeit beenden.
Ich beziehe mich in meinen Ausführungen über einige andere Subkulturen, als die der Skinheads, besonders auf Sparten der Schwarzen Szene, da ich selbst in diese einen großen Einblick erfahren habe. [...]
„Eine Kultur, die in ihren Werten und ihrem Ausdruck ein extrem rechtes Weltbild spiegelt und in der Jugendliche sowie junge Erwachsene ihre politischen Ideen unter ästhetischen Vorzeichen ausleben können. Und das, ohne sich den neonazistischen Skinheads, einer extrem rechten Partei oder einer 'Kameradschaft' anschließen zu müssen.“ (Dornbusch, Raabe: 2002, S.295)
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Musik - „RechtsRock“
2.1. Definition
2.2. Verurteilungen rechtsextremistischer Bands
2.3. Themen der Liedtexte
2.4. Veranstaltungen
2.5. Vertrieb
2.6. Staatliche Maßnahmen
3. Entwicklung des Musikstils - Subkulturelle Wandlung
3.1. Black Metal
3.2. „Schwarz-Braun“ - Dark Wave und Neofolk
3.3. Zunehmende Vermischung
4. Musik als Lockmittel / Strategie
4.1. Jugendliche als Zielgruppe rechtextremismistischer Ideologien
4.2. Die Mitte der Gesellschaft
5. Auseinandersetzung im sozialpädagogischen Kontext
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle von Musik als Instrument rechtsextremistischer Strategien zur Rekrutierung Jugendlicher und zur Verbreitung ideologischer Inhalte. Dabei wird analysiert, wie diese Musikformen über verschiedene Subkulturen hinweg Identitätsangebote schaffen und welche Herausforderungen sich daraus für die pädagogische Praxis ergeben.
- Strukturen und Entwicklung rechtsextremistischer Musikszene
- Methoden der Einflussnahme auf Jugendliche
- Anknüpfungspunkte an die gesellschaftliche Mitte
- Herausforderungen und Konzepte der Sozialen Arbeit
- Die Rolle des Internets und moderner Medien
Auszug aus dem Buch
3.1. Black Metal
Ab Ende der 1990er Jahre kam es zu einer Entwicklung von rechtsextremistischen Tendenzen in der Black Metal Szene. Diese Sparte trägt den Namen NSBM – Nationalsocialist Black Metal. Vor allem ist diese Szene in Norwegen vertreten, fand aber auch Gehör bei deutschen Black Metal Bands. Diese Szene unterscheidet sich stark von der Skinheadkultur, was sowohl durch das optische Erscheinungsbild, als auch durch die Musik und die Denkweisen. Das theatralische Äußere, geprägt von Schminke (dem Corpse Paint), schwarzer Kleidung, langen Haaren, Nieten und Patronengurten ergänzt sich mit der dramatischen und eigensinnigen Musik. Akustische Gewaltakte (Vgl. Dornbusch, Raabe: 2002, S.141), die symbolisch und auch in der Tat den Hass und die Ablehnung der Modernen Gesellschaft verdeutlichen, bestehen aus verzerrten, schnellen, lauten Gitarren, knüppelndem Schlagzeug und kreischender Gesangsstimme. Der Hass richtet sich gegen die Moderne Gesellschaft, die von christlichen Werten geprägt sei. Die eigene verherrlichte, nordische Kultur, sei durch das „Judeo-Christentum“ zerstört worden. Dabei sei das Christentum nur Instrument der „jüdischen Weltverschwörung“ (Dornbusch, Raabe: 2002, S. 9, S. 300). Maßgeblich enthält diese Einstellung Elemente vom Heidentum und Paganismus, sowie auch der nordischen Mythologie, dem Satanismus und Okkultismus, als auch dem Sozialdarwinismus.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Relevanz von rechtsextremistischer Musik als identitätsbildendes Element und Rekrutierungsinstrument für Jugendliche ein.
2. Die Musik - „RechtsRock“: Dieses Kapitel definiert den Rechtsrock, analysiert Liedinhalte, Vertriebswege sowie staatliche Maßnahmen und geht auf die Entwicklung und Verurteilung zentraler Bands ein.
3. Entwicklung des Musikstils - Subkulturelle Wandlung: Es wird untersucht, wie sich rechtsextremistische Tendenzen über die Skinhead-Kultur hinaus in Genres wie Black Metal, Dark Wave und Neofolk ausbreiteten.
4. Musik als Lockmittel / Strategie: Hier werden die strategischen Ansätze der Rechten beleuchtet, Jugendliche gezielt anzusprechen und gesellschaftliche Themen zu besetzen.
5. Auseinandersetzung im sozialpädagogischen Kontext: Das Fazit und die pädagogische Reflexion diskutieren Möglichkeiten und Grenzen einer akzeptierenden Sozialarbeit im Umgang mit rechtsextremen Jugendlichen.
Schlüsselwörter
Rechtsrock, Rechtsextremismus, Jugendliche, Musikszene, Nationalsozialismus, Indoktrination, Subkultur, Black Metal, Neofolk, Soziale Arbeit, Propaganda, Szeneangehörige, Radikalisierung, Gesellschaftsmitte, Politische Strategie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Bedeutung von Musik als Mittel zur Verbreitung rechtsextremistischer Ideologien und zur Anwerbung neuer Anhänger unter Jugendlichen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der subkulturellen Ausbreitung rechter Musik, der Strategie der Ideologievermittlung und der Rolle der Sozialen Arbeit.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den „Türöffner“-Effekt von Musik für den Rechtsextremismus aufzuzeigen und Strategien für einen professionellen pädagogischen Umgang damit zu reflektieren.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und der Auswertung von Fachpublikationen zur rechtsextremistischen Szene und sozialpädagogischen Konzepten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition von Rechtsrock, der musikstilistischen Wandlung, der Nutzung moderner Medien und der strategischen Anknüpfung an die Mitte der Gesellschaft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Rechtsrock, Radikalisierung, Jugendkultur, Ideologievermittlung und Soziale Arbeit.
Wie unterscheidet sich die NSBM-Szene von der Skinhead-Kultur?
Die NSBM-Szene (Nationalsocialist Black Metal) grenzt sich durch ein theatralisches Erscheinungsbild, eine als elitär empfundene Attitüde und stärkere Bezüge zu Okkultismus und nordischer Mythologie von der Skinhead-Kultur ab.
Warum spielt die „Mitte der Gesellschaft“ eine so zentrale Rolle in der aktuellen Strategie?
Rechtsextreme Organisationen versuchen durch die Besetzung populistischer Themen (wie Hartz IV oder Globalisierungskritik) Anschluss an gesellschaftliche Unmutsäußerungen zu finden und ihr Gedankengut somit massentauglicher zu machen.
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- Dana Süß (Author), 2009, RechtsRock. Rechtsextremistische Tendenzen in der (subkulturellen) Musik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/137441