1894 wurde der „Deutsche Ostmarken-Verein“ gegründet, um gegen die als ungenügend empfundene Vertretung der Interessen der deutschen Bevölkerung in den gemischtsprachigen Ostprovinzen durch die Regierungsbehörden vorzugehen. Die polnische „Straż“ enstand 1905 mit dem ausdrücklichen Bezug auf die Tätigkeit des Ostmarken-Vereins. Auf allen Gründungsversammlungen von Straż-Vereinen wurde auf die Bestrebungen des Ostmarken-Vereins hingewiesen und zur Bildung einer starken Gegenorganisation aufgerufen.
Die vorliegende Arbeit vertritt nun die These, dass die aggressive nichtstaatliche Germanisierungs- und Polenpolitik, wie sie sich in der Tätigkeit des Ostmarken-Vereins manifestiert, ihr langfristiges Ziel trotz einiger Teilerfolge verfehlt hat. Das lag einerseits am massiven polnischen Widerstand seitens Organisationen wie der Straż. Andererseits war der Einfluss des Ostmarken-Vereins auf die Positionen der preußischen Regierung zu gering. Dazu wird zunächst die Entstehung der beiden Vereine näher beleuchtet. Nach einer Darstellung des maßgeblichen deutschen und polnischen Nationalismus wird untersucht, worin die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Vereine liegen. Anschließend werden der kurzfristige Erfolg und das langfristige Scheitern des Ostmarken-Vereins analysiert.
Die Arbeit beschränkt sich auf den Zeitraum 1894-1914, da in dieser Zeit der Konflikt zwischen deutschem und polnischem Nationalismus in den preußischen Ostprovinzen am deutlichsten wird. Der Ostmarken-Verein bestand zwar noch bis 1934, die Straż löste sich jedoch kurz nach Beginn des Ersten Weltkrieges auf.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Der deutsche Ostmarken-Verein und die polnische Straż
1. Die Entstehung der beiden Vereine
2. Deutscher und polnischer Nationalismus
3. Gemeinsamkeiten und Unterschiede
4. Kurzfristiger Erfolg, langfristiges Scheitern
III. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit analysiert das deutsch-polnische Verhältnis in den preußischen Ostprovinzen zwischen 1894 und 1914. Im Zentrum steht die Untersuchung, inwiefern die aggressive Germanisierungspolitik des "Deutschen Ostmarken-Vereins" ihr Ziel verfehlte, und welche Rolle die polnische Gegenorganisation "Straż" dabei spielte.
- Die Genese und ideologische Ausrichtung des Deutschen Ostmarken-Vereins und der polnischen Straż.
- Die soziologische Zusammensetzung der Mitglieder beider Vereine.
- Der Einfluss nationaler Organisationen auf die preußische Regierungspolitik.
- Die Wirksamkeit von wirtschaftlichem Boykott und kulturellen Abgrenzungsstrategien.
- Die langfristigen Auswirkungen dieser Polarisierung auf die deutsch-polnischen Beziehungen im 20. Jahrhundert.
Auszug aus dem Buch
Die Entstehung der beiden Vereine
Am 3. November 1894 wurde in der Provinzhauptstadt Posen (Poznań) der „Verein zur Förderung des Deutschthums in den Ostmarken“ ins Leben gerufen, der sich vier Jahre später den gängigeren Namen „Deutscher Ostmarken-Verein“ gab. Als seinen Zweck bezeichnete der Verein „die Kräftigung und Sammlung des Deutschthums in den mit polnischer Bevölkerung durchsetzten Ostmarken des Reiches durch Hebung und Befestigung deutschnationalen Empfindens sowie durch Vermehrung und wirthschaftliche Stärkung der deutschen Bevölkerung“.
In einem der ersten Schreiben, die der Vereinsvorstand an die preußischen Minister richtete, bemühte er sich, diesen Vereinszweck näher zu umschreiben, indem er hinzufügte: „Die Tendenz des Vereins läßt sich durch das kurze Wort kennzeichnen, dass er ein Verein für das Deutschthum, nicht gegen das Polenthum ist.“ Die angestrebte Tätigkeit des Vereins sahen die Gründer als „durchaus vereinbar mit dem Bewußtsein, auch gegenüber unseren slawischen Mitbürgern Gerechtigkeit walten zu lassen,“ an, fügten aber einschränkend hinzu: „falls und sofern diese sich auf dem Boden staatsrechtlicher Verhältnisse und insbesondere eines dauernden preußischen Staatsbürgerthums stellen.“
Zum zweiten Mal nach 1848 versuchten hier deutsche Landbesitzer und Stadtbewohner in den östlichen Provinzen des Reiches, die Richtung der preußischen Regierungspolitik mitzubestimmen. Um die Politik des Ostmarken-Vereins zu begreifen, muss man zunächst einen Widerspruch verstehen. Die Aktivisten waren stolz auf die Macht ihres industrialisierten Deutschen Reiches, während sie gleichzeitig eifrig darum bemüht waren, für ihre deutsche Gemeinschaft im agrarischen Osten eine übergeordnete Stellung zu behaupten. Dafür kämpften sie ohne Rücksicht darauf, ob sie von der Regierung dabei unterstützt wurden.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung führt in die historische Problematik des deutsch-polnischen Verhältnisses um 1900 ein und stellt die These auf, dass die Politik des Ostmarken-Vereins trotz kurzfristiger Erfolge langfristig scheiterte.
II. Der deutsche Ostmarken-Verein und die polnische Straż: Dieser Hauptteil beleuchtet die Gründungsgeschichte, die nationalistischen Motivationen und die soziologische Struktur beider Vereine, sowie deren Interaktion.
1. Die Entstehung der beiden Vereine: Das Kapitel beschreibt den organisatorischen Ursprung des Deutschen Ostmarken-Vereins und die darauf folgende Reaktion der polnischen Seite durch die Gründung der Straż.
2. Deutscher und polnischer Nationalismus: Es wird die ideologische Einbettung der Vereine in die zeitgenössische Nationalismusdebatte und die soziologische Zusammensetzung der Mitgliedschaft analysiert.
3. Gemeinsamkeiten und Unterschiede: Dieses Kapitel vergleicht die Methoden, Ziele und den religiös-kulturellen Charakter beider Organisationen im gegenseitigen Lernprozess.
4. Kurzfristiger Erfolg, langfristiges Scheitern: Es wird dargelegt, dass der Ostmarken-Verein trotz Nähe zur Regierung kaum eigenständige Ziele durchsetzen konnte und durch den polnischen Widerstand langfristig wirkungslos blieb.
III. Schlussbetrachtung: Das Fazit bewertet die langfristige Radikalisierung und die Belastung der bilateralen Beziehungen bis ins 20. Jahrhundert durch die Aktivitäten der beiden Vereine.
Schlüsselwörter
Deutscher Ostmarken-Verein, Straż, Preußen, Polen, Nationalismus, Ostprovinzen, Hakatismus, Germanisierungspolitik, Ansiedlungskommission, Grenzkampf, 1894-1914, Nationalitätenkonflikt, Polenpolitik, Kulturkampf, deutsch-polnische Geschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Geschichte und das Wirken des "Deutschen Ostmarken-Vereins" und dessen polnischer Gegenorganisation "Straż" im Zeitraum zwischen 1894 und 1914.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die nationalistische Agitation in den preußischen Ostprovinzen, die Siedlungspolitik, die soziologische Struktur der Vereinsmitglieder sowie die Auswirkungen dieser Bewegungen auf das deutsch-polnische Verhältnis.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit verfolgt die These, dass die aggressive nichtstaatliche Germanisierungspolitik ihr langfristiges Ziel trotz Teilerfolgen verfehlte, da sie am polnischen Widerstand scheiterte und nur begrenzten Einfluss auf die Regierung ausüben konnte.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der Auswertung zeitgenössischer Quellen, wissenschaftlicher Fachliteratur und vergleichenden Untersuchungen der Vereinsstrukturen basiert.
Was steht im inhaltlichen Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Gründungsphasen, die ideologische Ausrichtung und die unterschiedlichen Erfolgsaussichten beider Organisationen im politischen Spannungsfeld der Ära.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind Nationalismus, Ostmarken, Hakatismus, preußische Polenpolitik, Straż und gesellschaftliche Polarisierung.
Warum wird der Begriff "Hakatismus" als Synonym für die deutsche Politik verwendet?
Der Begriff leitet sich aus den Anfangsbuchstaben der drei Gründer des Ostmarken-Vereins ab – Hansemann, Kennemann und Tiedemann – und wurde im polnischen Sprachgebrauch zum feststehenden Begriff für antipolnische Agitation.
Welche Rolle spielte die religiöse Komponente bei der polnischen Straż?
Da die Straż keinen staatlichen Einfluss ausüben konnte, nutzte sie religiöse Riten und Traditionen, um ein nationales Identitätsgefühl zu stärken und die polnische Bevölkerung von staatlichen preußischen Strukturen zu emanzipieren.
Wie bewertet der Autor den Einfluss der Vereine auf den Ausgang des Ersten Weltkriegs?
Der Autor argumentiert, dass die durch die Vereine beförderte Polarisierung und die entstehenden Feindbilder die deutsch-polnischen Beziehungen langfristig vergifteten und weit über den Untergang des Kaiserreiches hinaus Belastungen erzeugten.
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- M.A. Piotr Grochocki (Autor), 2007, Der deutsche Ostmarken-Verein und die polnische Straż, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/137449