Daß Wikipedia mittlerweile die herkömmliche Enzyklopädie abgelöst hat ist bekannt und nicht weiter verwunderlich. Um so verwunderlicher jedoch ist, daß die Geschichtswissenschaft bis jetzt kaum auf diese Entwicklung reagiert hat. Sind doch die historischen Lemmata auf Wikipedia die am besten recherchierten und meist kontrovers diskutierten.
Wo die Gründe dafür liegen und welche Möglichkeiten sich für die Geschichtswissenschaften in der Wikipedia bieten könnten versucht dieser Essay zu beantworten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Entwicklung der Wissensvermittlung
2.1 Von der Enzyklopädie zum Internet
2.2 Wissensentlokalisierung und fluide Strukturen
2.3 Herausforderungen der Informationsqualität und Entpersonalisierung
3. Das Wiki-Prinzip und Wikipedia
3.1 Ursprung und Konzept: Vom Hypertext zur Wikipedia
3.2 Kollaborative Wissensverwaltung und Qualitätssicherung
4. Wikipedia und die Geschichtswissenschaft
4.1 Potentiale der Vernetzung
4.2 Transparenz versus Alleindeutung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle des Internets sowie fluider Wissensformen, insbesondere der Wikipedia, bei der Transformation der Wissensvermittlung und deren Auswirkungen auf die historische Fachwissenschaft.
- Historische Evolution der Wissensspeicherung und -verbreitung
- Die Entlokalisierung und Fluidität von Wissen im digitalen Zeitalter
- Funktionsweise und Qualitätssicherung des Wiki-Prinzips
- Die Akzeptanz kollaborativer Plattformen innerhalb der Geschichtswissenschaft
Auszug aus dem Buch
Das Wiki-Prinzip und Wikipedia
Im Kern der neuen Wissensquelle Internet steht nun das Lexikon Wikipedia. Bereits der Name zeigt die Anlehnung an das Wort Enzyklopädie und den damit verbundenen Anspruch der Wikipedia. Die eigentliche Enzyklopädie der Antike vertrat die Idee, sämtliches Wissen der Welt in sich zu tragen, und auch Wikipedia vertritt diesen Anspruch. Insbesondere will Wikipedia-Gründer Jimmy Wales „vor allem in den Sprachen, die in den armen Ländern gesprochen werden, noch stärker vertreten sein, damit diejenigen, die sich keine Bücher leisten können, einen größeren Zugang zu Wissen bekommen“ [LEMBKEiv].
Wikipedia nutzt nun die Möglichkeit des Internets und arbeitet nach dem Grundsatz: Einer weiß viel, zwei wissen mehr und alle wissen alles. Wikipedia nennt dies das Wiki-Prinzip, korrekter basiert Wikipedia (wie der Name unschwer vermuten läßt) auf dem Hypertext-System Wiki.
Dieses System läßt sich am leichtesten mit dem Titel des Buches von Tim Berners-Lee aus dem Jahr 1999 umschreiben: „Weaving the Web“. Berners-Lee arbeitete 1984 am CERN und erkannte dort bald die Problematik des Austausches unter den einzelnen Büros. Da einige Büros in der Schweiz, andere wiederum auf der französischen Seite des Genfer Sees lagen, machten die unterschiedlichen Infrastrukturen der internen Netzwerke einen Austausch von Informationen oft sehr schwierig oder unmöglich. Um diese Problem zu lösen konzipierte Berners-Lee ein Projekt auf dem Prinzip des Hypertexts und entwickelte einen Zugehörigen Browser dazu, den er WorldWideWeb nannte [BERNERS-LEEv]. Er gilt damit als „Erfinder“ des Internets.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der sich wandelnden Wissenslandschaft im Kontext der Einstellung klassischer Enzyklopädien und dem Aufstieg des Internets.
2. Die Entwicklung der Wissensvermittlung: Betrachtung der historischen Meilensteine von Buchdruck bis zum Internet und Analyse der Folgen der Entlokalisierung von Wissen.
3. Das Wiki-Prinzip und Wikipedia: Detaillierte Untersuchung der technischen und organisatorischen Grundlagen von Wikis sowie der Qualitätssicherungsmechanismen der Wikipedia.
4. Wikipedia und die Geschichtswissenschaft: Diskussion über die Integration kollaborativer Wissensplattformen in die historische Forschung und die notwendige Öffnung der Fachzunft.
Schlüsselwörter
Wikipedia, Internet, Wiki-Prinzip, Wissensvermittlung, Geschichtswissenschaft, digitale Transformation, Qualitätssicherung, Kollaboration, Hypertext, Entlokalisierung, Informationsgesellschaft, Wissensmanagement, Peer-Review, Medienwandel, Vernetzung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den fundamentalen Wandel der Wissensvermittlung durch das Internet und die zunehmende Bedeutung kollaborativer, fluider Wissensformen wie der Wikipedia.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Geschichte der Informationsweitergabe, das Wiki-Prinzip, die Problematik der Qualitätssicherung in digitalen Medien sowie den Einfluss dieser Entwicklungen auf die Geschichtswissenschaft.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Rolle der Wikipedia als Wissensquelle kritisch zu hinterfragen und die Potenziale sowie Herausforderungen für die historische Fachwissenschaft zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine deskriptive und analysierende Literatur- sowie Internetquellenanalyse durchgeführt, um den aktuellen Status der Wissensentwicklung historisch einzuordnen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die technologische Entwicklung des World Wide Webs, die Funktionslogik der Wikipedia und die Auseinandersetzung mit der Qualitätssicherung kollaborativer Daten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Wissensentlokalisierung, Wiki-Prinzip, Wikipedia, digitale Transformation und Geschichtswissenschaft.
Warum wird die „Bielefeld-Verschwörung“ als Beispiel angeführt?
Sie dient als exemplarisches Beispiel für die Gefahr unhinterfragter Informationen im Internet und die Herausforderungen bei der Verifizierung von Inhalten in kollaborativen Netzwerken.
Wie steht die historische Zunft zur Wikipedia?
Die Arbeit stellt fest, dass der Widerstand der klassischen Historiker noch groß ist, da Wikipedia ein traditionelles Verständnis von Alleindeutung und akademischer Exklusivität infrage stellt.
- Arbeit zitieren
- Cand. phil. Eric A. Leuer (Autor:in), 2009, "Zwar weiß ich viel, doch will ich alles wissen!" - Zu Wikipedia und fluiden Wissensformen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/137469