In meiner Arbeit möchte ich herausstellen, inwiefern es notwendig für ein reflektiertes Geschichtsbewusstsein ist, sich auch über seine historische Identität im Klaren zu sein und weshalb diese Klarheit von der Lehrkraft gefördert werden sollte. Um dem auf den Grund zu gehen, werde ich zunächst den Begriff der historische Identität definieren und erläutern was damit einhergeht. Im folgenden werde ich dann den Begriff Geschichtsbewusstsein definieren und erklären, weshalb es unabdingbar ist, dass Schüler diese im Laufe ihrer Schullaufbahn entwickeln. Weiterführend werde ich herausstellen, inwiefern historische Identität und ein reflektiertes Geschichtsbewusstsein sich aufeinander auswirken und herausstellen, weshalb die Förderung historischer Identität bei Schülern wichtig ist um ein reflektiertes Geschichtsbewusstsein zu erlangen.
Schülerinnen und Schüler sollten im Geschichtsunterricht dabei unterstützt werden ein reflektiertes Geschichtsbewusstseins aufzubauen. Aber wie wichtig ist es dabei Rücksicht auf die historische Identität der Schüler zu nehmen? Jeder Schüler ist als Subjekt aufzufassen, welches im stetigen Wandel ist und sich oftmals über seine eigene Identität geschweige denn der historischen Identität bewusst ist. Historische Identitäten sind in der Regel bei den Schülern bereits vorhanden, und diese sollte durch den Geschichtsunterricht ans Tageslicht gebracht werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Was verstehen wir unter historischer Identität
3. Was ist Geschichtsbewusstsein
4. Analyse
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung der Förderung historischer Identität für die Entwicklung eines reflektierten Geschichtsbewusstseins bei Schülern im Geschichtsunterricht.
- Definition und theoretische Einordnung des Begriffs der historischen Identität.
- Analyse des Begriffs Geschichtsbewusstsein und dessen Bedeutung für den Lernprozess.
- Wechselwirkungen zwischen individueller Identitätsbildung und historischem Lernen.
- Die Rolle des Geschichtsunterrichts bei der Förderung sinnstiftender historischer Perspektiven.
- Bedeutung von Fremd- und Selbstwahrnehmung im historischen Reflexionsprozess.
Auszug aus dem Buch
3. Was ist Geschichtsbewusstsein
Historisches Denken lernen und ein reflektiertes Geschichtsbewusstsein zu entwickeln, sind zentrale Punkte, welche Schüler in der Schule entwickeln sollten. Historisches Denken ist lebenspraktisch verwurzelt. Es ist eine Kompetenz des „mentalen Systems des Geschichtsbewusstseins, die durch den Geschichtsunterricht positiv beeinflusst und ausdifferenziert werden kann“11. Fünf Faktoren lassen sich nach Rüsen beim historischen Denken unterscheiden, wenn man idealtypisch von einem linearen Prozess ausgeht. 1. Historisches Erkenntnisinteresse, 2. Konzepte historischer Forschung, 3. Empirische Forschungsmethode, 4. Spezifische Repräsentation- bzw. Darstellungsformen wie historische Monografien und 5. Konkrete Orientierungsfunktionen, mit denen laut Rüsen das historische Denken wieder in „den Bereich des praktischen Lebens“12 zurückgeführt wird. Als Beispiel führt Holger Thünemann dazu auf, dass wenn Schüler „erkennen, dass einzelne Menschen oder ganze Nationen dazu auf der Kontingenzerfahrung von Kriegen Konsequenzen gezogen und Maßnahmen der Friedenssicherung ergriffen haben, dann sei das ein Indikator dafür, dass historisches Denken eine bestimmte Orientierungsfunktion erfüllt.“13 Jeismann fasst alle in einer Gesellschaft vorfindlichen Vorstellungen zur Vergangenheit unter dem Begriff des Geschichtsbewusstseins zusammen. Demnach kann alles was sich innerhalb eines sozialen Zusammenhangs auf die Vergangenheit bezieht, als Geschichtsbewusstsein gelten.14 Geschichtsbewusstsein ist zugleich Ort und Ziel historischen Lernens.15 Es lässt sich eine mentale Tätigkeit der historischen Erinnerungen beschreiben, die die Erfahrungen der Vergangenheit deutend so vergegenwärtigt, dass gegenwärtige Lebensverhältnisse verstanden und Zukunftsperspektiven der Lebenspraxis erfahrungskonform entwickelt werden können.16 Geschichtsbewusstsein hat eine „kollektive, eine gruppen- bzw. schichtspezifische und eine individuelle Dimension“17. Jeder Mensch hat eine spezifische Vorstellung, welche sich auf manifestes Wissen (Inhalte) beziehen, oder aber auch auf spezifische Deutungen (Denkfiguren) beruhen kann. Diese Deutungen erfolgen im „Horizont der Gegenwart“18. Sie gehen also von der aktuellen Lebenswelt aus.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Notwendigkeit, Schüler im Geschichtsunterricht beim Aufbau eines reflektierten Geschichtsbewusstseins unter Berücksichtigung ihrer historischen Identität zu unterstützen.
2. Was verstehen wir unter historischer Identität: Dieses Kapitel erläutert, wie Menschen durch Gedanken über sich selbst und ihre Herkunft ihre historische Identität im ständigen Wandel konstruieren.
3. Was ist Geschichtsbewusstsein: Es wird definiert, dass Geschichtsbewusstsein sowohl eine theoretische Kompetenz als auch ein lebenspraktischer Orientierungsrahmen ist, der den Bezug zur Vergangenheit reguliert.
4. Analyse: Die Analyse untersucht, wie der Unterricht die Subjektebene einbeziehen kann, um historisches Lernen als Prozess der Identitäts- und Sozialisationsbildung erfahrbar zu machen.
5. Fazit: Das Fazit unterstreicht das bisher ungenutzte Potenzial, historische Identität stärker in den Fokus des Unterrichts zu rücken, um Schülern ein reflektiertes Geschichtsbewusstsein zu ermöglichen.
Schlüsselwörter
Historische Identität, Geschichtsbewusstsein, Geschichtsunterricht, Identitätsbildung, historische Orientierung, Subjektorientierung, Sozialisation, Jörn Rüsen, Geschichtsdidaktik, Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft, historische Bildung, historische Sinnbildung, Kontingenzerfahrung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Zusammenhänge zwischen historischer Identität und der Entwicklung eines reflektierten Geschichtsbewusstseins im schulischen Kontext.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen sind Identitätsbildung durch Historisierung, die Definition von Geschichtsbewusstsein sowie die didaktischen Anforderungen an einen moderne Geschichtsunterricht.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu klären, inwiefern die Förderung der individuellen historischen Identität eine notwendige Voraussetzung für das Erlangen eines reflektierten Geschichtsverständnisses bei Schülern darstellt.
Welche wissenschaftlichen Positionen werden als Grundlage verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf geschichtsdidaktische Konzepte, insbesondere die Theorien von Jörn Rüsen, Holger Thünemann und K.-E. Jeismann.
Welcher inhaltliche Fokus liegt auf dem Hauptteil?
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Grundlagen der historischen Identität und des Geschichtsbewusstseins und setzt diese in Bezug zur didaktischen Praxis in der Schule.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Kern der Arbeit zusammenfassen?
Schlüsselbegriffe sind historische Identität, Geschichtsbewusstsein, Subjektorientierung und Orientierungsfunktion.
Wie unterscheidet der Autor zwischen Ich-Identität und Wir-Identität im Kontext der Geschichte?
Der Text beschreibt diese Identitäten als „mobile“ Konstrukte, die sich durch Einflüsse der Realgeschichte und der persönlichen Biografie stetig neu definieren müssen.
Warum wird die „Subjektebene“ im Geschichtsunterricht als wichtig erachtet?
Die Einbeziehung der Subjektebene ist wichtig, weil Schüler nicht bloß Empfänger historischer Fakten sind, sondern ihre Identität aktiv durch die Deutung von Vergangenheit im Horizont der Gegenwart bilden.
- Arbeit zitieren
- Antonella Gehlen (Autor:in), 2022, Inwiefern ist die Förderung historischer Identität zentral für das Erlangen eines reflektierten Geschichtsbewusstseins?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1375144