Das Ziel gelingender Lesesozialisation, der Erwerb von Lesekompetenz, wird dabei besonders durch die Instanz der Familie in einem frühen Stadium beeinflusst. So folgt im zweiten Teil der vorliegenden Hausarbeit eine Analyse von zwei Leseautobiografien, die unterschiedliche Leseentwicklungen aufweisen. Diese werden unter verschiedenen Vergleichsdimensionen gegenübergestellt, die sich auf die Lesesozialisationsphasen, die Bedeutung der Eltern und der Schule als Sozialisationsinstanzen sowie die unterschiedlichen Lesemodi beziehen. Die Erkenntnisse der Lesesozialisationsforschung und die kontrastive Analyse von zwei Leseautobiografien sollen dabei die Leitfrage "Welche Faktoren beeinflussen eine gelungene Lesesozialisation?“ beantworten.
Durch den „PISA-Schock“ im Jahr 2000 wurde die Auffassung gestärkt, die Lesekompetenz als grundlegende Qualifikation von Schüler*innen intensiver zu fördern. Die Vermittlung der Lesekompetenz erfolgt durch die Familie, die Schule und durch andere „Sozialisationsinstanzen“. Um zunächst den Begriff der Lesesozialisation und die Faktoren, die eine gelingende Leseentwicklung bedingen, näher zu verstehen, wird dieser in Bezug auf die Sozialisationsperspektive theoretisch beleuchtet und verschiedene Modelle vorgestellt. Die PISA-Studie hat zudem belegt, dass insbesondere in Deutschland ein deutlicher Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg herrscht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretischer Hintergrund
2.1 Sozialisation
2.2 Lesesozialisation und Literarische Sozialisation
2.3 Lesesozialisation als Ko-Konstruktion
2.3 Mehrebenenmodell des Lesens von Rosebrock und Nix (2008)
3. Vergleichende Analyse von Leseautobiografien
3.1 Lesesozialisationsphasen
3.2 Bedeutung der Eltern
3.3 Rolle der Schule
3.4 Lesemodi
4. Fazit
5. Literaturverzeichnis
6. Anhang
6.1 Leseautobiografie von Clara
6.2 Leseautobiografie von Maria
6.3 Abbildungsverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht auf Basis der Lesesozialisationsforschung, welche Faktoren eine erfolgreiche Leseentwicklung beeinflussen. Durch eine kontrastive Analyse zweier Leseautobiografien soll die Forschungsfrage beantwortet werden, wie sich soziale Instanzen wie Familie und Schule sowie individuelle Lesemodi auf den Erwerb von Lesekompetenz auswirken.
- Theoretische Grundlagen der Lesesozialisation und Ko-Konstruktion
- Bedeutung familialer Sozialisationsbedingungen für die Leseentwicklung
- Rolle der Schule und vorschulischer Institutionen
- Analyse unterschiedlicher Lesemodi im Lebenslauf
- Vergleich von Leseautobiografien zur Identifikation förderlicher Faktoren
Auszug aus dem Buch
3.4 Lesemodi
Das Spektrum der Lesemodi ist breit gefasst. Graf (2004) hat diesbzüglich sieben „Modi des Lesens“ eingeführt, die sich sowohl auf fiktionale als auch auf non-fiktionale Texte beziehen (siehe Abb.6). Ziel einer gelingenden Lesesozialisation besteht nach Garbe et al. (2009: 68) „darin, [über] möglichst viele Modi des Lesens zu verfügen“ und überhaupt den Zugang zu „sämtlichen Rezeptionsmodi“ (Garbe 2010b: 175) zu schaffen. In Bezug auf die beiden Leseautobiografien sind verschiedene Lesemodi innerhalb der Lesesozialisation ausgeprägt. Besonders ausgeprägt ist bei mir das intime Lesen von fiktionaler Lektüre, welches sich ausdrückt als „erlebnisorientiertes oder suchthaftes Genusslesen“ (ebd.: 177). Dieses Lesen als eine Art Sucht habe ich folgendermaßen erlebt: „besonders in den Ferien bin ich dann in die jeweilige Geschichte eingetaucht und habe die Bücher geradezu ‘verschlungen‘ “ (Z.38f.) Und auch heute noch merke ich, „dass ich mich im Urlaub [..] in die Viellesephasen meiner Kindheit zurückversetze“ und „fange [..] wieder an, in die Welt der Bücher einzutauchen und dabei zu entspannen.“ (Z. 47ff.). Auch Marias Freude am Lesen „bildete sich phasenweise, etwa auf langen Segelreisen, zu einer Art Konsum aus“ (Z. 38f.) So verlor sie sich auch auf Reisen „in den Welten der Protagonisten“ und genoss es „in einem Buch unterzutauchen“ (Z.41ff.). „Die Initialzündung, um Lesen zu ‘erleben‘“ (Z.30) waren bei Maria jedoch die Emotionen, die in Büchern mit dem Thema der NS-Zeit, hervorgerufen wurden (vgl. Z. 26ff.). Der Start in die Bücherwelt wurde bei Maria damals durch den Modus des „Konzeptlesens“ (ebd.: 176) ausgelöst, der „häufig Informations- oder Bildungszwecken“ (ebd.) dient und sich in diesem Fall auf das Thema der NS-Zeit bezieht, welches für Maria „subjektiv bedeutsam“ (ebd.) war.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Lesesozialisation unter Berücksichtigung des „PISA-Schocks“ und Vorstellung der Forschungsfrage sowie der methodischen Vorgehensweise.
2. Theoretischer Hintergrund: Darstellung wesentlicher Konzepte wie Sozialisation, literarische Sozialisation, Konstruktionsprozesse und das Mehrebenenmodell des Lesens nach Rosebrock und Nix.
3. Vergleichende Analyse von Leseautobiografien: Anwendung der theoretischen Modelle auf zwei individuelle Leseautobiografien und Analyse der Einflussfaktoren wie Elternhaus, Schule und gewählte Lesemodi.
4. Fazit: Zusammenfassende Reflexion der Ergebnisse und Bedeutung der frühen Leseförderung sowie der Rolle der verschiedenen Sozialisationsinstanzen für die individuelle Leseentwicklung.
5. Literaturverzeichnis: Auflistung der in der Arbeit verwendeten wissenschaftlichen Fachliteratur.
6. Anhang: Bereitstellung der für die Analyse verwendeten Leseautobiografien sowie Verzeichnis der Abbildungen.
Schlüsselwörter
Lesesozialisation, Lesekompetenz, Leseautobiografie, Ko-Konstruktion, Sozialisationsinstanzen, familiäre Lesesozialisation, Lesemodi, Leseförderung, Literalität, literarische Sozialisation, Bildungsbiografie, Lesemotivation, Grundschule, Schriftspracherwerb, Rezeptionsmodi.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die verschiedenen Faktoren, die eine gelingende Leseentwicklung bei Heranwachsenden beeinflussen, unter besonderer Berücksichtigung sozialisationstheoretischer Modelle.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Fokus stehen die Rolle der Familie, der Einfluss der Schule auf den Schriftspracherwerb sowie die Entwicklung individueller Lesemodi im Verlauf der Biografie.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Leitfrage lautet: „Welche Faktoren beeinflussen eine gelungene Lesesozialisation?“, wobei die Untersuchung von Leseautobiografien zur Beantwortung dient.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Methode der kontrastiven Analyse von zwei Leseautobiografien, um theoretische Konzepte der Lesesozialisation praktisch zu spiegeln.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Neben der theoretischen Fundierung durch das Mehrebenenmodell des Lesens werden die Phasen der Lesesozialisation, der familiäre Einfluss, die Rolle der Schule und die Bedeutung unterschiedlicher Lesemodi analysiert.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?
Kernbegriffe sind Lesesozialisation, Ko-Konstruktion, literarische Sozialisation, Lesekultur und familienbedingte Unterschiede beim Lesekompetenzerwerb.
Welche Rolle spielt die Familie in den untersuchten Biografien?
Die Familie fungiert als entscheidende Sozialisationsinstanz, wobei die Arbeit zwischen „Positivfällen“ mit reichem Buchumfeld und „Negativfällen“ bzw. schriftfernen Umgebungen differenziert.
Was ist das Ergebnis der Analyse bezüglich der „Phasen der Lesekrise“?
Die Arbeit zeigt, dass eine „Buchlesekrise am Ende der Kindheit“ unterschiedlich verlaufen kann und bei einigen Leserinnen sogar den Grundstein für einen neuen, vertieften Zugang zum Lesen legen kann.
- Citation du texte
- Anonym (Auteur), 2022, Faktoren einer erfolgreichen Leseentwicklung. Das Beispiel zweier Leseautobiografien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1375206