Um die Mehrsprachigkeit im öffentlichen Raum in Flensburg zu untersuchen, wird im Folgenden die Methode des Linguistic Landscapings angewendet. Hierbei beschränkt sich die Methode auf eine Straße, in der auch die dänische Minderheit ihre Spuren hinterlässt. Um den Einfluss der dänischen Minderheit auf den Sprachgebrauch im öffentlichen Raum näher zu beleuchten, wird daraufhin die dänische Minderheit samt ihrer Geschichte, ihren Institutionen und den soziolinguistischen Verhältnissen, die den Sprachgebrauch beeinflussen, näher vorgestellt.
In Schleswig-Holstein leben drei der vier in Deutschland anerkannten Minderheiten: die dänische Minderheit, die Nordfriesen und die Sinti und Roma. Besonders die dänische Minderheit prägt die Stadt Flensburg, welche als deutsch-dänische Grenzregion sprachlich und kulturell sehr vielfältig ist. Fährt man an einem Ortsschild vorbei, so sieht man die Aufschrift Flensburg/Flensborg. Das Schild symbolisiert dabei die "Stadt mit zwei Sprachen, zwei Kulturen und zwei Identitäten im Herzen der Region Sønderjylland-Schleswig", in der sich etwa 20 Prozent der Flensburger Bürger*innen der dänischen Minderheit zugehörig fühlen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Linguistic Landscaping
2.1 Untersuchungsfeld Norderstraße
2.2 Methodik
3. Ergebnisse
3.1 Mehrsprachigkeit in der Norderstraße
3.2 Qualitative Auswertung der dänischen Items
4. Historische Entwicklung der Dänischen Minderheit
5. Kulturelle Institutionen
5.1 Sydslesvig Forening
5.2 Sydslesvigs danske Ungdomsforeninger
5.3 Dansk Skoleforening for Sydslesvig
5.4 Dansk Centralbibliotek
5.5 Südschleswigscher Wählerverband (SSW)
6. Rolle der dänischen Sprache
7. Soziolinguistische Verhältnisse
7.1 Kontaktsprachen und Sprachformen des Dänischen
7.2 Code-Switching
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht mittels der Methode des Linguistic Landscapings den Einfluss der dänischen Minderheit auf den öffentlichen Sprachgebrauch in der Flensburger Norderstraße. Im Zentrum der Forschungsfrage steht dabei, inwiefern die visuelle Präsenz dänischsprachiger Elemente im städtischen Raum die gelebte Mehrsprachigkeit und die Rolle kultureller Institutionen widerspiegelt.
- Analyse der sprachlichen Landschaft (Linguistic Landscaping) in der Norderstraße
- Geschichte und Bedeutung der dänischen Minderheit in Schleswig-Holstein
- Einfluss dänischer Institutionen auf die visuelle Sprachgestaltung
- Soziolinguistische Phänomene wie Code-Switching in einer Grenzregion
Auszug aus dem Buch
2.2 Methodik
Das Linguistic Landscaping ist ein Verfahren um die „sprachlichen Landschaften eines bestimmten Raumes visuell zu erfassen und zu erschließen“ . Diese dient dazu „Mehrsprachigkeit aufdecken, um Sprachgebrauch bewusst wahrzunehmen und um mit Sprachen(n) zu arbeiten“ . Wir haben bereits im November die Forschungsmethode im Rahmen der Seminarleistung erprobt und die Mehrsprachigkeit in der multikulturellen Norderstraße, unserer ausgewählten sprachlichen Landschaft, aufgedeckt. Um die visuell sichtbare Sprache zu erschließen, haben wir zuerst festgelegt, welche Items wir anhand von Fotos dokumentieren wollen. Wir haben kleine Sticker an Laternen, sowie Autos und temporäre Veranstaltungsplakate nicht als Items dokumentiert, da diese zum Einen den Rahmen gesprengt hätten und sie sich zum Anderen auch innerhalb kürzester Zeit auch wieder verändern. Wir dokumentierten dementsprechend „alles Schriftliche, das sich auf einer begrenzten Fläche befindet [..]“ zu denen etwa Schaufenster oder Schilder gehörten. Wir haben zudem keine einsprachig-deutschen Items in die Analyse mit einbezogen, da das Ziel, Mehrsprachigkeit aufzudecken, sonst verfehlt gewesen wäre. Nach dem praktischen Teil folgte die quantitative Auswertung aller Items, sowie eine gewählte qualitative Auswertung einzelner prägnanter Beschilderungen. Die Kategorien für die Auswertung richteten sich nach Eckardt (2016). Die Mehrsprachigkeit lässt sich demnach in verschiedene Unterkategorien ordnen. So findet man eine „duplizierende Mehrsprachigkeit“ vor, wenn ein Text in verschiedenen Sprachen übersetzt wird. Ein Item ist dann überlappend mehrsprachig, wenn nur ein Teil des Textes übersetzt wird (vgl. ebd.). „Komplementär mehrsprachige Texte“ (ebd.) entdeckt man wiederum bei Items, die mehrsprachige Texte enthalten, welche aber nicht übersetzt werden. Namen von Geschäften sind außerdem als Sonderfall zu betrachten (vgl. ebd.), da sie meist aus werbetechnischen Gründen in einer anderen Sprache verfasst werden als zum Beispiel das zugehörige Schaufenster.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der dänischen Minderheit in Flensburg und Einführung in die Methode des Linguistic Landscapings zur Untersuchung der Mehrsprachigkeit.
2. Linguistic Landscaping: Beschreibung des Untersuchungsgebiets Norderstraße sowie Erläuterung des methodischen Vorgehens bei der Datenerfassung.
3. Ergebnisse: Darstellung der quantitativen sowie qualitativen Datenauswertung hinsichtlich der Sprachvielfalt und der Akteure (bottom-up/top-down).
4. Historische Entwicklung der Dänischen Minderheit: Historischer Rückblick auf die Entstehung der dänischen Minderheit nach den Volksabstimmungen und deren rechtlicher Status.
5. Kulturelle Institutionen: Überblick über zentrale Organisationen wie den SSF, den Schulverein und die Zentralbibliothek, die den Erhalt der dänischen Sprache prägen.
6. Rolle der dänischen Sprache: Diskussion über den Wandel des Dänischen von der Erstsprache zur Zweitsprache innerhalb der Minderheit sowie deren politischen Schutz.
7. Soziolinguistische Verhältnisse: Analyse der Sprachvarianten und des Phänomens des Code-Switchings im Alltag der Minderheitsangehörigen.
8. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung über die Bedeutung der dänischen Sprache für das Stadtbild und die Rolle der Institutionen im öffentlichen Raum.
Schlüsselwörter
Linguistic Landscaping, Dänische Minderheit, Flensburg, Mehrsprachigkeit, Norderstraße, Sprachpolitik, kulturelle Institutionen, Code-Switching, Grenzregion, Minderheitensprache, Sprachkontakt, SSW, Sprachsoziologie, öffentliche Sprache, Identität.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das grundlegende Thema dieser Ausarbeitung?
Die Arbeit befasst sich mit dem sprachlichen Einfluss der dänischen Minderheit auf den öffentlichen Raum der Flensburger Norderstraße.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit behandelt die Methodik des Linguistic Landscapings, die historische Genese der dänischen Minderheit, die Rolle ihrer zentralen Institutionen sowie soziolinguistische Aspekte wie Sprachkontakt und Code-Switching.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die sichtbare Mehrsprachigkeit in der Norderstraße zu erfassen und zu analysieren, welchen Einfluss dänische Institutionen auf die Gestaltung des öffentlichen Schriftbildes nehmen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird das Verfahren des Linguistic Landscapings angewandt, welches durch die Dokumentation und Kategorisierung von Schriftstücken im öffentlichen Raum eine Analyse der Mehrsprachigkeit ermöglicht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit thematisiert?
Der Hauptteil gliedert sich in eine quantitative und qualitative Untersuchung der Sprachitems, eine historische Einordnung der Minderheit sowie eine detaillierte Vorstellung wichtiger dänischer Institutionen in Flensburg.
Welche Keywords charakterisieren die Publikation?
Wichtige Schlagworte sind Linguistic Landscaping, dänische Minderheit, Flensburg, Mehrsprachigkeit und Sprachpolitik.
Welche Bedeutung haben die sogenannten „SI“ bei der Analyse?
Die „Südschleswigschen Institutionen“ (SI) sind eine spezielle Kategorie der Autorenschaft, die Inga C. Eckardt für Flensburg einführte, um den gezielten Einfluss der dänischen Minderheit auf die öffentliche Sprachgestaltung besser erfassen zu können.
Warum wird im Rahmen der Analyse ein Unterschied zwischen „bottom-up“ und „top-down“ gemacht?
Diese Unterscheidung hilft zu identifizieren, wer für die sprachliche Gestaltung verantwortlich ist – ob es sich beispielsweise um staatliche Stellen („top-down“) oder um individuelle Geschäftsinhaber („bottom-up“) handelt.
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- Anonym (Author), 2022, Einfluss der dänischen Minderheit in Flensburg auf den Sprachgebrauch im öffentlichen Raum. Linguistic Landscaping am Beispiel der Norderstraße, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1375210