Der Höhlenbär


Fachbuch, 2009
294 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Der Vorfahre des Höhlenbären

Johann Christian Rosenmüller

Weitere Formen der Höhlenbären

Der Höhlenbär

Das Verbreitungsgebiet

Die Zähne des Höhlenbären

Das Aussterben

Literatur

Vorwort

Der Höhlenbär:

ein pflanzenfressendes Raubtier

Ohne Schwanz bis zu 3,50 Meter lang, maximal 1,75 Meter hoch und bis zu 1200 Kilogramm schwer – das war der Höhlenbär (Ursus spelaeus) aus dem Eiszeitalter. Obwohl dieser ausgestorbene Bär bereits 1794 erstmals wissenschaftlich beschrieben wurde, gibt er mehr als 200 Jahre später immer noch viele Rätsel auf.

Wann ist der Höhlenbär entstanden, war er ein Einzelgänger, hat er einen Winterschlaf oder eine Winterruhe gehalten, gab es eine Höhlenbärenjäger-Kultur und einen Höhlenbärenkult, wann und warum ist er ausgestorben? Antwort auf diese und andere Fragen gibt das Taschenbuch „Der Höhlenbär“ des Wiesbadener Wissenschaftsautors Ernst Probst.

Der Höhlenbär gilt als das größte Tier, das die Gebirge im Eiszeitalter jemals bewohnt hat. Erstaunlicherweise war er ein pflanzenfressendes Raubtier, das während der kalten Jahreszeit wehrlos in einer Höhle lag. Dennoch mussten Steinzeitmenschen um ihr Leben fürchten, wenn sie ihm zur unrechten Zeit begegneten.

Die Idee für das Taschenbuch „Der Höhlenbär“ reifte bei den Recherchen für das Taschenbuch „Höhlenlöwen. Raubkatzen im Eiszeitalter“. Dieses 2009 erschienene Werk erwähnt neben Fundorten von Raubkatzen teilweise auch solche von Höhlenbären.

Das Taschenbuch „Der Höhlenbär“ ist Professor Dr. Gernot Rabeder aus Wien, Dr. Brigitte Hilpert aus Erlangen und Dr. Wilfried Rosendahl aus Mannheim gewidmet. Alle drei sind Höhlenbärenexperten und haben den Autor bei verschiedenen Buchprojekten mit Rat und Tat unterstützt.

Der Vorfahre des Höhlenbären

Nach gegenwärtigem Wissensstand entwickelte sich der Höhlenbär (Ursus spelaeus) im Eiszeitalter vielleicht bereits vor etwa 400.000 oder erst vor etwa 125.000 Jahren aus dem Mosbacher Bären (Ursus deningeri), der auch Deninger-Bär genannt wird. Dieser Bär wurde 1904 von dem Mainzer Paläontologen Wilhelm von Reichenau (1847–1925) nach schätzungsweise 600.000 Jahre alten Funden aus den Mosbach-Sanden bei Wiesbaden erstmals wissenschaftlich beschrieben. Mit dem Artnamen deningeri erinnerte er an den in Mainz geborenen Geologen Karl Julius Deninger (1878–1917).

Wilhelm von Reichenau stammte aus Dillenburg, war Offizier, gab diesen Beruf aber wegen einer Kriegsverletzung auf. 1879 wurde er Präparator der Rheinischen Naturforschenden Gesellschaft in Mainz, 1888 Konservator an deren naturkundlichem Museum, 1907 Ehrendoktor der Philosophie der Universität Gießen. Ab 1910 fungierte er als Direktor des neuen

Naturhistorischen Museums Mainz und war ab jenem Jahr auch Professor.

Die Mosbach-Sande sind nach dem Dorf Mosbach zwischen Wiesbaden und Biebrich benannt, wo man schon 1845 in etwa zehn Meter Tiefe erste eiszeitalterliche Großsäugerreste entdeckte. Dabei handelt es sich um Flussablagerungen des eiszeitalterlichen Mains, der damals weiter nördlich als heute in den Rhein mündete, des Rheins und von Taunusbächen.

1882 schlossen sich die Dörfer Mosbach und Biebrich zur Stadt Mosbach-Biebrich zusammen. In der Folgezeit wuchs die Bedeutung von Biebrich durch Schloss, Rheinverkehr, Industrie und Kaserne so stark, dass man 1892 den Begriff Mosbach aus dem Stadtnamen strich. Am 1. Oktober 1926 wurde Biebrich in Wiesbaden eingemeindet.

Beim Abbau der Mosbach-Sande kommen immer wieder Überreste von Wirbeltieren zum Vorschein, die wohl zum größten Teil aus dem nach einem englischen Fundort bezeichneten Cromer-Komplex (etwa 800.000 bis 480.000 Jahre) stammen. Das Klima im Cromer war nicht einheitlich. Einerseits gab es milde, andererseits aber auch kühle Abschnitte.

Aus den Mosbach-Sanden hat Wilhelm von Reichenau 1906 auch den Mosbacher Löwen (Panthera leo fossilis) erstmals beschrieben. Diese Raubkatze aus der Zeit des Mosbacher Bären erreichte eine Kopfrumpflänge bis zu 2,40 Metern. Zusammen mit dem maximal 1,20 Meter langen Schwanz hatte dieser Löwe eine Gesamtlänge bis zu 3,60 Metern, womit er die Durchschnittsgröße heutiger Löwen aus Afrika um rund einen halben Meter übertraf. Nachzulesen ist dies in dem Taschenbuch „Höhlenlöwen“ (2009) des Wiesbadener Wissenschaftsautors Ernst Probst.

Das Naturhistorische Museum Mainz besitzt mit mehr als 25.000 Funden aus den Mosbach-Sanden die größte Sammlung von Tieren aus dem Eiszeitalter des Rhein-Main-Gebietes. Die rund 2000 Funde umfassende Sammlung von Fossilien aus den Mosbach-Sanden im Museum Wiesbaden ist merklich kleiner, kann sich aber dafür des älteren Bestandes rühmen.

Im Fundgut der Archäologischen Denkmalpflege Hessen in Wiesbaden aus den Mosbach-Sanden sind Mosbacher Bären – nach Beobachtungen des Paläontologen Thomas Keller – die am häufigsten vertretenen Raubtiere. Keller unternimmt seit 1991 Forschungen in den Mosbach-Sanden. Unter den im Naturhistorischen Museum Mainz aufbewahrten Fossilien aus den Mosbach-Sanden überwiegen bei den Raubtieren dagegen die Wölfe.

Zu den ersten Funden aus den Mosbach-Sanden gehören Knochen und Zähne eiszeitalterlicher Tiere, die von Sandgrubenbesitzern und deren Arbeitern entdeckt wurden. Etliche dieser Funde gelangten ab Mitte des 19. Jahrhunderts in das Museum Wiesbaden. Als Erster begann August Römer (1825–1899), von 1886 bis 1899 Präparator und Konservator im Museum Wiesbaden, mit dem systematischen Sammeln von Fossilien aus den Mosbach-Sanden. Die von ihm aufgebaute Mosbach-Sammlung wurde vom Museum Wiesbaden angekauft.

Die geologisch ältesten Mosbacher Bären kennt man aus Höhlen von Deutsch-Altenburg in Niederösterreich. Dank der Reste anderer Säugetiere aus denselben Fundschichten konnte ihr Alter auf etwa 1,3 Millionen Jahre datiert werden. In Deutsch-Altenburg kamen der große Mosbacher Bär und der kleine Etruskische Bär bzw. Etruskerbär (Ursus etruscus) gleichzeitig vor.

Der Mosbacher Bär ähnelte äußerlich dem Höhlenbären, war aber im Durchschnitt etwas kleiner als dieser. Er erreichte eine Schulterhöhe von etwa 1,50 Meter und ein Gewicht bis zu 450 Kilogramm. Männliche Mosbacher Bären waren merklich größer und schwerer als weibliche Artgenossen. Solche Größenunterschiede zwischen den Geschlechtern (Sexualdimorphismus) gibt es bei allen Großbären.

Die Stirnwölbung des Mosbacher Bären war noch nicht so ausgeprägt wie beim Höhlenbären. Im Laufe seiner Evolution nahm der Mosbacher Bär an Größe zu und seine vorderen Vorbackenzähne verschwanden allmählich. Seine Backenzähne besaßen nicht wie beim Höhlenbären typische zusätzliche Höcker, Kanten und Pfeiler. Die Extremitätenknochen sind schlanker als beim Höhlenbären und gleichen denen des Braunbären. Der Mosbacher Bär war hauptsächlich Vegetarier.

Ein 1978 in den Mosbach-Sanden von Wiesbaden gefundener rund 35 Zentimeter langer Unterarmknochen eines Mosbacher Bären erzählt eine Krankheitsgeschichte. An diesem Fossil fallen seitlich zwei unregelmäßig elliptisch geformte Vertiefungen mit leichten randlichen Verdickungen am Knochenschaft auf. Offenbar sind diese Vertiefungen durch Knochenabszesse (Osteomylitis) entstanden. Sie gelten als Indizien für Entzündungen an Knochen und Knochenmark, die entweder durch Erreger über die Blutbahn oder durch Verwundungen verursacht wurden. Diese krankhaften Veränderungen hatten keine Auswirkungen auf das Größenwachstum dieses Tieres. Da alle Knochenfugen geschlossen und verwachsen sind, ist dieser Bär im Erwachsenenalter gestorben. Wann und wo sich dieser Mosbacher Bär die Entzündungen zugezogen hat und ob sie seinen Tod herbeiführten, ist unbekannt.

Wenn der Mosbacher Bär tatsächlich erst vor etwa 125.000 Jahren ausgestorben sein sollte, was der Wiener Paläontologe Gernot Rabeder meint, hat er mehr als eine Million Jahre und somit viel länger als der Höhlenbär existiert. Das Verbreitungsgebiet des Mosbacher Bären reichte von den Britischen Inseln bis nach Ostasien und war somit viel größer als das des Höhlenbären. Es ist ein Rätsel, weshalb sich aus dem Mosbacher Bären nur in Europa der Höhlenbär entwickelt hat.

Wie der Höhlenbär

zu seinem Namen kam

Die erste wissenschaftliche Beschreibung des Höhlenbären (Ursus spelaeus) erfolgte 1794 durch den Studenten Johann Christian Rosenmüller (1771–1820). Er war im Frühjahr 1792 von der Universität Leipzig an die Universität Erlangen gewechselt, um dort ein Medizinstudium zu beginnen. Von Erlangen aus unternahm er Wanderungen und Höhlenbesuche im rund 35 Kilometer entfernten Gebiet um „Muggendorf im Bayreuthischen Oberland“, bevor er 1794 wieder an die Universität Leipzig zurückkehrte.

Auch nach seinem Wechsel von Franken nach Sachsen vergaß Rosenmüller die fossilen Tierreste aus den Höhlen in der Gegend von Muggendorf nicht. Er untersuchte sorgfältig einen vollständig erhaltenen Schädel aus der Zoolithenhöhle von Burggaillenreuth bei Muggendorf. Als Zoolithen (griechisch: zoon = Tier, lithos = Stein) wurden früher Fossilfunde bezeichnet. Rosenmüller erkannte, dass es sich bei dem Schädel aus der Zoolithenhöhle um den Rest eines Tieres handelte, das zwar zur Gattung der Bären gehörte, aber weder ein Eisbär noch ein Braunbär war. Wegen des häufigen Vorkommens solcher Bärenreste in Höhlen bezeichnete er die neue Art als Ursus spelaeus (lateinisch: Ursus = Bär, griechisch: spelaia = Höhle), zu deutsch: Höhlenbär.

Die Aufstellung der Art Ursus spelaeus erfolgte in der „dissertatio“ namens „Quaedam de Ossibus Fossilibus Animalis cuiusdam, Historiam eius et Cognitionem accuratiorem illustrantia“. Zu deutsch: „Eine anschauliche Darstellung der fossilen Knochen eines gewissen Tieres, seine Geschichte sowie nähere Erläuterungen“. Rosenmüller legte diese Arbeit am 22. Oktober 1794 zur Erlangung des akademischen Titels eines „Doktors der Weltweisheit“ an der Philosophischen Fakultät der Universität Leipzig vor. Damit erwarb Rosenmüller einen Titel, der dem eines heutigen Doktors der Philosphie entspricht.

Bei dieser „dissertatio“ handelte es sich nicht, wie in der Literatur manchmal zu lesen ist, um eine Gemeinschaftsarbeit von Rosenmüller und des späteren Psychiaters Johann Christian August Heinroth (1773–1843). Heinroth wird zwar als bei der Präsentation der Ergebnisse assistierender Student der Medizin namentlich erwähnt, aber nicht als Erwerber eines Titels. Aus diesem Grund ist das Zitat „Ursus spelaeus ROSENMÜLLER & HEINROTH 1794“ falsch. Heinroth legte seine Dissertation zum „Dr. med.“ 1805 an der Universität Leipzig vor. Auf diese Tatsachen wiesen 2005 die Wissenschaftler Wilfried Rosendahl (Mannheim), Doris Döppes (Darmstadt) und Stephan Kempe (Darmstadt) hin.

1795 veröffentlichte Rosenmüller die erweiterte deutsche Fassung seiner Erstbeschreibung des Höhlenbären von 1794 unter dem Titel „Beiträge zur Geschichte und nähern Kenntniß fossiler Knochen“. Auch in dieser Arbeit verwies er darauf, dass es sich bei Ursus spelaeus um einen Bären handle, der den Artnamen spelaeus zu recht verdiene. 1804 schloss Rosenmüller mit seinem Werk „Abbildungen und Beschreibungen der fossilen Knochen des Höhlenbären“ seine Untersuchungen der bis dahin bekannten Skelettteile des Höhlenbären ab.

Auch der berühmte französische Anatom und Zoologe Georges Cuvier (1769–1832) aus Paris hat sich eingehend mit dem Höhlenbären befasst. Er wurde im damals zu Württemberg gehörenden Mömpelgard (Montbéliard) geboren, hieß eigentlich Georg Küfer und gilt als Begründer der Wirbeltierpaläontologie. Cuvier prägte für den Höhlenbären die Bezeichnung „der große Bär mit der gewölbten Stirne“ und beschrieb in einer Veröffentlichung zahlreiche damals bekannte Höhlen, in denen man Knochen ausgestorbener Tiere gefunden hatte.

In der wissenschaftlichen Systematik wird der Höhlenbär heute zu den Chordatieren (Chordata), Säugetieren (Mammalia), Raubtieren (Carnivora), Bären (Ursidae) und zur Gattung Ursus gerechnet. Innerhalb der Gruppe der Raubtiere kennt man vier Familien von Bären: nämlich Katzenbären (wie der Kleine Panda), Bambusbären (wie der Große Panda), Kleinbären (wie der Waschbär) und Großbären (wie der Braunbär und der Eisbär). Zu letzterer Familie zählt auch der ausgestorbene Höhlenbär. Für Laien klingt es etwas seltsam, dass der Höhlenbär, der ein Pflanzenfresser war, als Raubtier bezeichnet wird.

Johann Christian Rosenmüller

Der Mann, dem die Ehre gebührt, 1794 als Erster den ausgestorbenen Höhlenbären (Ursus spelaeus) wissenschaftlich beschrieben und benannt zu haben, ging nicht nur in die Annalen der Paläontologie, der Lehre vom Leben in der Urzeit, sondern auch der Medizin ein. Denn Johann Christian Rosenmüller war in seinem späteren Leben als Arzt und Anatom sehr erfolgreich. Diese Tatsache wird allerdings von manchem heutigen Lexikon verschwiegen.

Johann Christian Rosenmüller kam am 25. Mai 1771 in Hessberg bei Hildburghausen (Thüringen) zur Welt. Sein Vater, der Kanzelredner und theologische Schriftsteller Johann Georg Rosenmüller, ließ ihm eine gute Erziehung zuteil werden. Ersten Unterricht erhielt er in Schulen von Königsberg (Franken) und Erfurt. Bereits damals besaß er ein ungewöhnliches zeichnerisches Talent.

Nach einem kurzen Aufenthalt in Gießen ging Johann Christian Rosenmüller an die Universität Leipzig, wo er 1792 den akademischen Grad eines Magisters erlangte. 1792 begann er an der Universität Erlangen ein Medizinstudium. In seiner Freizeit unternahm er von Erlangen aus Wanderungen, besuchte Höhlen im Gebiet um „Muggendorf im Bayreuthischen Oberland“, also in der heutigen Fränkischen Schweiz, und betrieb naturwissenschaftliche Studien.

Während seiner Studentenzeit in Erlangen besuchte Rosenmüller am 18. Oktober 1793 zusammen mit dem Höhleninspektor Georg Wunder und dessen Sohn Johann Ludwig eine Höhle bei Muggendorf im Wiesenttal. Die Angaben über die Entdeckung dieser 112 Meter langen und bis zu 16 Meter hohen Tropfsteinhöhle in der Literatur sind sehr widersprüchlich. Einerseits heißt es, diese Höhle sei den Einwohnern von Muggendorf schon lange bekannt gewesen und die Kirchenverwaltung habe während des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) dort ihre Schätze versteckt. Andererseits wird behauptet, diese Höhle sei 1790 von Johann Ludwig Wunder entdeckt worden.

Wie dem auch sei: Die erste belegte Befahrung dieser Höhle im Oktober 1793, die man fortan Rosenmüllerhöhle oder Rosenmüllershöhle nannte, war ein Abenteuer. Die Erstbefahrer ließen sich – vielleicht mit Hilfe eines Seiles oder mit zusammengebundenen Leitern – vom ursprünglichen schmalen Einstieg bis zum etwa 16 Meter tiefer liegenden Höhlenboden hinab. Zum Aufstieg sollen mehrere aneinander gebundene Strickleitern verwendet worden sein.

Rosenmüller beschrieb diese Höhle einige Jahre später in seiner Abhandlung „Abbildungen und Beschreibungen merkwürdiger Höhlen in Muggendorf im Bayreuthischen Oberlande“ (1796). Auch andere Autoren – wie Johann Gottfried Köppel (1749–1798), Karl Ludwig von Knebel (1744–1834) und Georg August Goldfuß (1782–1848) – befassten sich mit der Rosenmüllerhöhle und veröffentlichten Illustrationen und Kupferstiche. 1830 erhielt die Rosenmüllerhöhle einen künstlichen Eingang und von 1836 bis etwa 1960 diente sie als Schauhöhle.

Die Rosenmüllerhöhle war ursprünglich mit verschiedenen Sinterformen – wie Wand-, Boden-, Deckensinter, Sinterbecken, Tropfsteinen und Wasserstandsmarken – geschmückt. Nach der Einstellung des Schauhöhlenbetriebes haben unvernünftige Besucher/innen im für Menschenhand zugänglichen Bereich jeglichen Sinterschmuck geraubt. Deshalb kann die einstige Schönheit der Rosenmüllerhöhle heute nur noch erahnt werden.

1794 kehrte Rosenmüller an die Universität Leipzig zurück. Am 22. Oktober jenes Jahres legte er an der Philosophischen Fakultät Leipzig seine in lateinischer Sprache verfasste Arbeit „Quaedam de ossibus fossilibus animalis cuiusdam, historiam eius et cognitionem accuratiorem illustrantia, dissertatio, quam d. 22. Octob. 1794. Ad disputandum proposuit Ioannes Christ. Rosenmüller Heßberga-Francus, LL. AA. M. in Theatro anatomico Lipsiensi Prosector assumto socio Io. Chrs. Heinroth Lips Med. Stud. Cum. tabula aenea“. vor. Darin beschrieb er erstmals den Höhlenbären und bezeichnete ihn als Ursus spelaeus. Damit erwarb er den akademischen Titel eines „Doktors der Weltweisheit“.

1797 wurde Rosenmüller „Dr. med.“ und ließ sich danach als praktischer Arzt in Leipzig nieder. Ab 1799 arbeitete er als Garnisonsarzt. 1802 avancierte er an der Universität Leipzig zum außerordentlichen Professor der Anatomie und Chirurgie. 1804 wurde er ordentlicher Professor in diesen Fächern und Besitzer der medizinischen Fakultät.

Die wissenschaftlichen und praktischen Arbeiten von Rosenmüller erhielten immer mehr Anerkennung in der Fachwelt. Man ernannte ihm zum „Hofrath“ und verlieh ihm etliche Auszeichnungen.

Bei seinen zahlreichen wissenschaftlichen Veröffentlichungen über medizinische Themen profitierte Rosenmüller von seinem großen zeichnerischen Talent. Am bekanntesten ist sein Werk „Handbuch der Anatomie nach Leber’s Umriß der Zergliederungskunst zum Gebrauche für Vorlesungen“ (1808).

Jedem Mediziner ist der Name von Johann Christian Rosenmüller wegen der so genannten „Rosenmüller’schen Grube“ vertraut. Darunter versteht man eine zwischen der Rachenöffnung der Ohrtrompete und der hinteren Schlundtopfwand von der Schleimhaut gebildete nach außen und oben gerichtete, blinde und drüsenreiche Bucht.

1809 legte Rosenmüller sein Amt als Universitätsphysikus nieder. Während seiner letzten Lebensjahre litt er an asthmatischen Beschwerden. Bei einem seiner Anfälle in der Nacht vom 28. zum 29. Februar 1820 starb er im Alter von nur 48 Jahren in Leipzig.

Im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg wird ein Bild von Johann Christian Rosenmüller aufbewahrt. Dieses Porträt wurde in Leipzig von dem Künstler Johann Friedrich Schröter (1770–1836) gezeichnet und gestochen. Es trägt den Titel „D. Joh. Christ. Rosenmüller. Professor Ordin. der Anatomie u. Chirurgie in Leipzig“.

Weitere Formen der Höhlenbären

Dank der bahnbrechenden Forschungen des österreichischen Paläontologen Gernot Rabeder aus Wien kennt man heute weitere Formen des Höhlenbären aus dem Jungpleistozän (etwa 125.000 bis 11.700 Jahre) in Mitteleuropa. Dabei handelt es sich neben dem bereits seit 1794 bekannten Höhlenbären (Ursus spelaeus) um drei erst 2004 identifizierte Formen namens Ursus spelaeus ladinicus (ladinischer Bär oder Conturinesbär), Ursus spelaeus eremus (Rameschbär) und Ursus ingressus (Gamssulzenbär). Die neuen Formen ließen sich anhand ihres Erbgutes (mitochondriale DNA) sowie nach metrischen und morphologischen Kriterien unterscheiden.

Ursus spelaeus ladinicus wurde 2004 von Rabeder nach Funden aus der Conturineshöhle bei Sankt Kassian (San Ciascian) in den Dolomiten (Südtirol, Italien) erstmals beschrieben. Der Name ladinicus dieser Unterart erinnert daran, dass die Typuslokalität Conturineshöhle in Ladinien (Südtirol) liegt. Laut Rabeder könnte der kleine ladinische Bär oder Conturinesbär eine Unterart des Höhlenbären (Ursus spelaeus) gewesen sein. Die in rund 2800 Meter liegende Conturineshöhle ist der höchste Fundort von Höhlenbären und Höhlenlöwen (Panthera leo spelaea). Funde des ladinischen Bären kennt man aus Höhlen in der Steiermark (Bärenhöhle im Kleinen Brieglersberg) und der Schweiz (Sulzfluhhöhle im Rätikon) und womöglich aus Slowenien (Ajdovska jama).

Ursus spelaeus eremus wurde 2004 von Rabeder nach Funden aus der Ramesch-Knochenhöhle im Warscheneck in Oberösterreich erstmals beschrieben. Ramesch ist vom lateinischen Begriff eremus (einsam, allein stehend) abgeleitet. Außerdem kennt man Funde von Ursus spelaeus eremus aus Höhlen in der Steiermark (Brettsteinbärenhöhle, Ochsenhalthöhle, Salzofenhöhle, alle drei im Toten Gebirge), Niederösterreich (Herdengelhöhle, Schwabenreithhöhle), Oberösterreich (Schreiberwandhöhle), Bayern (Neue Laubenstein-Bärenhöhle in den Chiemgauer Alpen).

Der kleine Rameschbär (Ursus spelaeus eremus) könnte ebenfalls eine Unterart des Höhlenbären (Ursus spelaeus) repräsentieren. Es ist aber laut Rabeder auch denkbar, dass die beiden alpinen Unterarten Ursus spelaeus eremus und Ursus spelaeus ladinicus zu einer Art gehören, die dann Ursus ladinicus heißen müsste.

Ursus ingressus ist 2004 von Rabeder nach Funden aus der Gamssulzenhöhle oberhalb des Gleinkersees im Toten Gebirge in Oberösterreich erstmals beschrieben worden. Bei diesem großen Gamssulzenbär handelt es sich nach Ansicht von Rabeder um eine eigenständige Art, die vor rund 50.000 Jahren in die Alpen und Dinariden eingewandert ist.

Ursus ingressus hat den angestammten Höhlenbären Ursus spelaeus in Höhlen des Achtals in Baden-Württemberg wie Geißenklösterle bei Blaubeuren-Weiler und Hohle Fels bei Schelklingen sowie Ursus spelaeus eremus in der Herdengelhöhle bei Lunz am See in Niederösterreich verdrängt. Darauf bezieht sich der Artname ingressus (zu deutsch: Eindringen). Wo Ursus ingressus entstand, ist bisher ungeklärt.

Der Gamssulzenbär ist außer in Österreich (Bärenhöhle im Hartelsgraben bei Hieflau, Kugelsteinhöhle II bei Deutschfeistritz, Lieglloch bei Tauplitz im Toten Gebirge, Drachenhöhle bei Mixnitz, Nixloch bei Losenstein-Ternberg) auch in der Schweiz (Schnurenloch im Berner Oberland, Wildkirchli im Säntis) und in Slowenien (Potocka zijalka in den Karawanken, Krizna jama bzw. Kreuzberghöhle) nachgewiesen.

Was sind Fossilien?

Als Fossilien (lateinisch: fodere, fossum = ausgegraben) werden heute nur die Überreste von ausgestorbenen Pflanzen und Tieren sowie deren Lebensspuren bezeichnet. Ursprünglich, zum Beispiel vom deutschen Naturforscher Georgius Agricola (1494–1555), bürgerlich Georg Bauer, dem Begründer der Mineralogie, Metallurgie und Bergbaukunde, hat man alle ausgegrabenen Besonderheiten des Erdbodens, auch Mineralien und Steinwerkzeuge, so genannt.

Die Geschichte des Lebens auf unserem Planeten könnte nicht geschrieben werden, wenn die Vorfahren der heute lebenden Pflanzen und Tiere nicht ihre Spuren oder fossilen Reste hinterlassen hätten. Diese Überreste, also die Fossilien, ermöglichen es, die Entwicklung zu immer höher entwickelten Formen zu verfolgen.

Unzählige Milliarden von Tieren sind seit der Entstehung des Lebens auf der Erde vor etwa vier Milliarden Jahren gestorben. Trotzdem ist unser Planet nicht von Relikten toter Tiere übersät. Denn die Überreste bleiben nur in Ausnahmefällen erhalten.

Ein Fluginsekt oder ein Vogel etwa haben kaum Aussichten, innerhalb ihres Lebensraums fossilisiert zu werden. Dies kann nur geschehen, wenn der Körper des toten Organismus bald nach dem Absterben durch Schlamm oder Sand bedeckt wird. Zwar zersetzt sich auch dann der Weichkörper, aber die Hartteile werden vor der Zerstörung bewahrt.

Auch landlebende Wirbeltiere, wie Saurier, Mammute oder Nashörner, werden selten als Fossilien geborgen, weil ihre Leichen auf der Erdoberfläche der Zersetzung und der Verwitterung preisgegeben sind. Deshalb haben Pflanzen und Tiere, die einst in Meeren, Seen und Flüssen gelebt haben, eine größere Chance, der Nachwelt erhalten zu bleiben, als solche, die auf dem Land lebten.

Die wichtigste Voraussetzung für die Überlieferung eines vollständigen Skeletts ist, dass der Tierkörper nach dem Tod nicht mehr passiv fortbewegt wird, sondern an seinem Sterbeort bleibt, eingebettet wird und so völlig ungestört versteinern kann.

In Steppen und Wüsten konservierte der angewehte Staub und der alles einhüllende Feinsand die toten Tierkörper im Skelettverband. Da solche Einbettungsorte meist äußerst trockenes und warmes Klima haben, treten dort Mumifizierungen auf, die sogar zur Erhaltung von organischer Substanz, meist von harten Häuten und Schuppenkleidern, führen.

Säugetiere des Tertiärs (etwa 65 bis 2,6 Millionen Jahre) und besonders des Eiszeitalters (etwa 2,6 Millionen bis 11.700 Jahre) und der Nacheiszeit wurden häufig in Kiesen, Sanden und Tonen von Flüssen eingebettet. Hier kamen jedoch zu der Zerstörung und Zerteilung des Körpers durch den Transport und die sauerstoffreichen Wässer noch die Abrollung der Knochen und ihr Anschliff durch Sande hinzu. Nur die widerstandsfähigsten Skelettteile wurden in diesem Fall überliefert. Oft sind Zähne mit ihrem harten Dentin (Zahnbein) und den Zahnschmelzüberzügen die einzigen übrigbleibenden Reste von Wirbeltieren. Dies gilt für die großen Backenzähne von Elefanten und Nashörnern ebenso wie für die kleinen Kauwerkzeuge von Mäusen und anderen Kleinsäugern.

Eine besondere Form der Überlieferung ermöglichte der Vorgang der Entkalkung einerseits und die Erhaltung von Haut und sonstigen organischen Resten andererseits in eiszeitalterlichen oder nacheiszeitlichen Moorablagerungen. Ein im Moor versunkener Körper wird zwar durch die Humussäure des Bodens entkalkt und sinkt deshalb auch flach in sich zusammen, aber die Säure bewirkt gleichzeitig einen Gerbprozess, durch den die Haut lederartig wird.

Tierische Fossilien sind aber nicht die einzigen Zeugen der Urzeit. Die überdeckten Reste von Pflanzen etwa werden manchmal in Kohle umgewandelt. Diesen Vorgang nennt man Inkohlung. Frühzeitliche Insekten wiederum, die sich einst in klebrigem Harz verfingen, wurden in diesem, zu Bernstein erhärtet, der Nachwelt erhalten. Unter Luftabschluss bleibt dann selbst das feinste Geäder der Flügel sichtbar.

Auch Eier, Tierausscheidungen (Koprolithen), Schwanz- und Fußabdrücke können fossilisiert werden.

In den Dauerfrostböden Sibiriens fand man zahlreiche große und kleine Mammute, die so tief gefroren waren, dass ihr Fell, ja auch ihr Fleisch, unzerstört blieb und ihr Magen unverdaute Pflanzennahrung enthielt. Es wird berichtet, dass Hunde von Zobeljägern sogar ihr Fleisch gefressen hätten.

Bei der Fossilisation können verschiedene chemische Vorgänge getrennt oder nebeneinander vorkommen: die Verkieselung, die Einkieselung oder die Verkiesung.

Bei der Verkieselung wird ursprüngliches Material (Kalkschale, Holz oder Knochengewebe) abgebaut und durch Kieselsäure (SiO) ersetzt. Auf diese Weise erfolgt molekülweise ein Austausch gegen Kieselsäure, wobei die ursprüngliche Struktur (etwa Jahresringe in Bäumen) sehr genau abgebildet werden kann (Pseudomorphose).

Im Gegensatz dazu bezeichnet die Einkieselung einen Vorgang, bei dem ein ursprünglicher Hohlraum nachträglich ganz oder teilweise mit Kieselsäure ausgefüllt wird. Bei der Einkieselung werden zum Beispiel die Hohlräume von Schneckenhäusern mit Kieselsäure gefüllt. Dieser steinerne „Ausguss“ eines Hohlraumes, der Steinkern, bleibt auch dann noch erhalten, wenn die Kalkschale des Gehäuses gelöst wird. Häufiger erfolgt die Ausgießung eines Hohlraumes jedoch durch Sedimente.

Eine Verkiesung liegt vor, wenn ursprüngliche Substanz durch Pyrit („Schwefelkies“) oder Markasit ersetzt wird – zum Beispiel, wenn die ehemalige Kalkschale eines Ammoniten durch Pyrit ersetzt wird.

Vorgänge, die Organismenleichen so vorbereiten, dass sie in den späteren Zustand eines Fossils übergehen können, gibt es natürlich auch heute.

Wie Fossilien

von Höhlenbären entstehen

Ein durch einen Feind getötetes oder auf natürliche Weise gestorbenes Säugetier wird meistens von Beutegreifern oder Aasfressern beseitigt. Ist dies nicht der Fall, erledigen dies – neben dem Selbstzerfall – oft zahlreiche kleinere Lebewesen vom Aaskäfer bis zu Mikroorganismen. Lediglich unter bestimmten günstigen Bedingungen, wie sie zum Beispiel in Höhlen vorliegen, bleiben harte Teile wie Knochen und Zähne als Fossilien erhalten.

In Höhlen befinden sich auf engem Raum vielfach Tierreste, die im Laufe von Jahrtausenden angehäuft wurden. Die große Zahl von Höhlenbärenknochen in Höhlen ist aber keineswegs auf Massensterben dieser Tiere, Leben in großen Herden, Epidemien oder Abschlachten in Scharen durch Steinzeitmenschen zurückzuführen. Selbst wenn nur etwa alle zehn Jahre ein Höhlenbär starb, so summierte sich dies innerhalb von 1000 Jahren bereits auf rund 100 tote Tiere oder innerhalb von 10.000 Jahren sogar auf ungefähr 1000 tote Tiere. Die Fundlage der Höhlenbären ist häufig nicht mit derem eigentlichen Sterbeort identisch, weil ihre Reste durch andere Höhlenbären zerstreut, durch Raubtiere angefressen, durch Wasser transportiert oder in Ablagerungen eingebettet wurden.

Der aus Ton und Mergel bestehende Höhlenboden bietet besonders gute Bedingungen für die Konservierung der Höhlenbärenknochen, die oft von einer mehr oder weniger dicken Kalkschicht überzogen sind. In großen und tiefen Höhlen konnte kalte Luft nicht durchziehen und blieb die Feuchtigkeit gering. Dort lebten im Winter im Laufe der Zeit einige hundert Generationen von Höhlenbären. Die Knochen der verendeten Höhlenbären bedeckten den Höhlenboden und wurden von herumgehenden Bären zerdrückt und verschoben. In Nischen und Winkeln häuften sich Zähne, Knochen und Knochentrümmer an und wurden teilweise von herabfallendem Gestein des Höhlendaches zugeschüttet.

In engen Höhlendurchgängen entstanden durch ständige Bewegung der Knochen auf dem Boden, die man als trockene Scheuerung oder „charriage à sec“ bezeichnet, häufig rätselhafte abgeschliffene Gebilde. Letztere wurden irrtümlicherweise oft als vom Menschen bearbeitete Höhlenbärenknochen betrachtet. Zu den ersten Erforschern von Höhlen, die auf die natürliche Abscheuerung von Knochen durch Bären hingewiesen haben, zählte der schweizerische Augenarzt und Höhlenforscher Frédéric-Édouard Koby (1890–1969) aus Basel. Er wies auch nach, dass angebliche Werkzeuge prähistorischer Menschen (so genannte Pseudoartefakte) auch in Höhlen – wie im Zahnloch – vorkamen, aus denen keine Spuren von Menschen vorliegen.

Im Laufe der Zeit häuften sich in Höhlen wahre Berge von Höhlenbärenfossilien an, weil alte, kranke und junge Tiere in den langen Wintern starben, wenn sie geschwächt waren oder sich im Herbst keine großen Fettpolster als Nahrungsreserven hatten zulegen können. Und mancher Höhlenbär erstickte vielleicht – nach einer bisher unbestätigten Theorie – in seiner eigenen verbrauchten Atemluft, wenn die Sauerstoffzufuhr im Winterquartier nicht ausreichte.

Katastrophen wie Einsturz von Höhlendecken, Überschwemmungen oder Seuchen spielten bei der Anhäufung von Höhlenbärenknochen keine Rolle. Der Knochenreichtum ist vielmehr allein das Ergebnis der langen Besiedlungsdauer der Höhlen. In den im Laufe von rund 6000 Jahren entstandenen Ablagerungen der Sybillenhöhle auf der Teck (Schwäbische Alb) zum Beispiel entdeckte man Reste von rund 100 Höhlenbären. Dies deutet darauf hin, dass dort im Durchschnitt nur alle 60 Jahre ein Höhlenbär starb.

In der Drachenhöhle bei Mixnitz in der Steiermark kam auf drei Männchen nur ein Weibchen. Dies muss allerdings keinesfalls bedeuten, dass es damals mehr Bären als Bärinnen gab, sondern könnte daher kommen, dass die Weibchen mit ihren Jungen oft kleinere ungestörte Höhlen aufsuchten.

In Höhlen mit Tierresten aus dem Eiszeitalter erreichte der Anteil von Höhlenbärenknochen oft bis zu 90 Prozent. Dies ist der Grund dafür, dass zahlreiche Höhlen als Bärenhöhle oder als Bärenloch bezeichnet werden. In der Höhle von Sloup (Tschechien) zum Beispiel fand man – laut einer Statistik des tschechischen Arztes, Archäologen und Speläologen Jindrich (Heinrich) Wankel (1821–1897) – Reste von insgesamt 988 Höhlenbären, neun Hyänen, zwei Höhlenlöwen und von einem Vielfraß.

Trittsiegel, Bärenschliffe,

Schlafkuhlen und Kratzspuren

Im Vergleich mit den zahlreichen Funden von Zähnen und Knochen sind Fußabdrücke des Höhlenbären in Höhlen seltene Entdeckungen. Solche Trittsiegel blieben nur unter günstigen Bedingungen bis heute erhalten. Das war zum Beispiel der Fall, wenn sie versinterten. Als Sinter bezeichnet man eine Mineralablagerung, die in warmen und gemäßigten Klimaphasen des Eiszeitalters (etwa 2,6 Millionen bis 11.700 Jahre) entstanden ist.

Die wenigen aus Höhlen bekannten Fußabdrücke verraten zum Beispiel, dass die Vorderpfoten bei jedem Schritt bis zu 20 Zentimeter breite Eindrücke in weichem Boden hinterließen. Die Schrittlänge betrug zwischen 80 Zentimeter und 1,10 Meter.

Zu den Fundorten mit Trittsiegeln des Höhlenbären gehört eine Höhle bei Bruniquel (Departement Tarn-et-Garonne) in Frankreich. Dort sind deutlich der gut 20 Zentimeter breite Abdruck des Hauptballens und davor die Vertiefungen der Zehenballen zu sehen. Die langen Krallen hinterließen besonders tiefe Eindrücke.

Wenn Höhlenbären sich immer wieder an denselben Stellen einer Felswand oder einer Tropfsteinpartie rieben, haben sie mit ihrem Fell den Stein allmählich geglättet, ja regelrecht poliert. Bei diesen Aktivitäten sonderten sie Duftstoffe ab, die es ihnen erleichterten, sich in der Dunkelheit einer Höhle zu orientieren. Derartige Bärenschliffe findet man nicht nur an Engstellen, durch die sich Höhlenbären zwängten, sondern auch in geräumigeren Gängen und großen Hallen, wo die Duftmarken den Weg durch die Höhle wiesen. Solche Bärenschliffe sind dem Arzt und Naturforscher Georg August Goldfuß (1782–1848) schon 1823 aufgefallen. Den Begriff „Bärenschliff“ hat 1826 der Mineraloge und Geologe Johann August Nöggerath (1788–1877) aus Bonn in die Literatur eingeführt. Er hatte 1823 Bärenschliffe in der „Alten Höhle“ bei Hemer-Sundwig im Sauerland vorgefunden.

Die Paläontologen Wilfried Rosendahl aus Mannheim und Doris Döppes aus Darmstadt erwähnten 2006 in ihrer Arbeit „Trace fossils from bears in caves of Germana and Austria“ 19 Höhlen mit Bärenschliffen in Deutschland und fünf Höhlen mit Bärenschliffen in Österreich. In Deutschland kennt man solche Höhlen vor allem aus Baden-Württemberg und Bayern (hauptsächlich Fränkische Alb).

Höhlen mit Bärenschliffen in Deutschland:

Baden-Württemberg: Vogelherd bei Stetten im Lonetal, Bärenhöhle im Hohlenstein (Schwäbische Alb,) Charlottenhöhle bei Giengen (Schwäbische Alb), Hohle Fels bei Schelklingen im Aachtal, Kleine Scheuer bei Heubach im Rosenstein, Bären- und Karlshöhle bei Sonnenbühl-Erpfingen (Schwäbische Alb)

Bayern: Großes Schulerloch bei Essing im Altmühltal, Zahnloch bei Steifling unweit von Pottenstein (Fränkische Alb), Großes Rohrnloch bei Viehofen (Fränkische Alb), Großes Teufelsloch bei Krögelstein unweit von Bamberg (Fränkische Alb), Kleines Höhlloch bei St. Wolfgang (Fränkische Alb), Große Kuhsteinhöhle bei Gößmannsberg im Aufseßtal (Fränkische Alb), Geisloch bei Oberfellendorf (Fränkische Alb), Breitenwinner Höhle bei Hohenfels (Fränkische Alb), Obere Höhle bei Draisendorf (Fränkische Alb), Petershöhle bei Velden (Fränkische Alb), Osterloch bei Hegendorf und Bodenberghöhle bei Neutras

Nordrhein-Westfalen: Perick-Höhlen von Hemer-Sundwig im Sauerland.

Höhlen mit Bärenschliffen in Österreich:

Steiermark: Drachenhöhle bei Mixnitz im Murtal, Bockhöhle bei Peggau im Murtal, Schottloch bei Liezen im Dachsteinmassiv, Bärenhöhle bei Hieflau im Hartelsgraben, Arzberghöhle bei Wildalpen und Fachwerk

Bärenschliffe kennt man auch in Höhlen der Schweiz: nämlich Saint Brais im Berner Jura (Kanton Bern), im Schnurenloch bei Thun im Simmental (Kanton Bern) und im Wildenmannisloch am Nordhang des Seluns, einem der sieben Churfirsten (Kanton St. Gallen). Die Bärenschliffe im Wildenmannisloch wurden von dem Heimatforscher, Lehrer und Museumsleiter Emil Bächler (1868–1950) aus St. Gallen, einem der Pioniere bei der Erforschung der Altsteinzeit in der Schweiz, irrtümlicherweise Steinzeitmenschen zugeschrieben.

Auf nicht zu harten Wänden von Höhlen sind gelegentlich Kratzspuren von Höhlenbären sichtbar. Auf der rauen Oberfläche der Höhlenwand schärften Höhlenbären ihre Krallen, was auch andere Raubtiere und heutige Hauskatzen praktizieren. Es heißt auch, Höhlenbären hätten sich an den Wänden aufgerichtet und mit den Tatzen untersucht, ob ein Weg nach oben führt.

Tiefer gelegene Kratzspuren dürften von Weibchen und von Jungtieren stammen, weiter oben befindliche von größeren männlichen Höhlenbären oder Braunbären. Die dicksten und kräftigsten Kratzfurchen sind vermutlich das Werk von männlichen Höhlenbären.

Kratzspuren von Höhlenbären blieben nur dann erhalten, wenn das Kratzen im weichen so genannten Bergmilch-Überzug erfolgte. Als Bergmilch (Montmilch) bezeichnet man eine Sonderform des Kalksinters. In einer wässrigen Matrix werden kleinste Kalzitkristalle ausgeschieden, wobei ein strahlend weißer, cremeartiger Überzug an den Wänden oder am Boden entsteht. Sobald das Wasser verdunstet, verhärtet sich die Bergmilch zu Bergkreide oder zu hartem Sinter, der die Kratzspuren konserviert.

Zu den Höhlen mit Kratzspuren von Höhlenbären gehören die Bären- und Karlshöhle bei Sonnenbühl-Erpfingen auf der Schwäbischen Alb (Baden-Württemberg) und die Neue Laubenstein-Bärenhöhle in den Chiemgauer Alpen (Bayern) sowie die Drachenhöhle bei Mixnitz in der Steiermark. In der Drachenhöhle befinden sich die Kratzspuren auf der „Fährtenwand“.

In manchen deutschen und südfranzösischen Höhlen fand man auffällige Kuhlen im Lehmboden, die vielleicht von Bären gegraben und als Schlafmulden genutzt wurden. Sie haben eine elliptische Form, einen Durchmesser bis zu drei Metern und eine Tiefe bis zu einigen Dezimetern. Die vor sich hin dämmernden Bären haben sich womöglich immer wieder gewendet und die Mulden auf diese Weise ausgeformt. Derartige Kuhlen kennt man in der Neuen Laubenstein-Bärenhöhle in den Chiemgauer Alpen, in der Jubiläumshöhle im Püttlachtal (Fränkische Alb) und in der Große Klingersberg-Höhle bei Berghausen (Fränkische Alb), alle in Bayern gelegen.

Durch Kot lebender Höhlenbären und Verwesung toter Tiere wurden im Boden von Höhlen reichlich Phosphate – und zwar vor allem Kalziumphosphate – angereichert. Eines dieser Kalziumphosphate ist das Kollophan, das vor allem bei der Untersuchung der Drachenhöhle bei Mixnitz in der Steiermark untersucht worden ist. In der Drachenhöhle betrug der Phosphatgehalt ca. 45 bis 55 Prozent, im Wildkirchli (Kanton Appenzell in der Schweiz) 40 bis 46 Prozent und in der Höhle von Cotencher (Kanton Neuenburg in der Schweiz) 26 Prozent. Experten haben errechnet, dass beim Verwesen des Körpers eines Höhlenbären etwa 10 bis 17 Kilogramm Phosphat entstehen können.

In der Drachenhöhle bei Mixnitz wurden die Phosphatböden zwecks Gewinnung von Dünger bergmännisch abgebaut. Dabei stieß man auf schwarz gefärbte Stellen, die man anfangs als Feuerstellen von Steinzeitmenschen deutete. Bei der chemischen Untersuchung dieser schwarzen Substanz namens Scharizerit stellte man einen hohen Gehalt an Stickstoff fest. Man erkannte, dass es sich um eine Ablagerung organischer Stoffe handelte, die auf Kot lebender und Verwesung toter Höhlenbären basiert.

Als Fossilien überlieferten Kot von Höhlenbären hat man in Höhlen nicht entdeckt. Solche so genannten Koprolithen (griechisch: kopros = Mist, lithos = Stein) bzw. Kotsteine kann man bei einem Pflanzenfresser wie dem Höhlenbär auch nicht erwarten. Denn es werden nur solche Exkremente fossil überliefert, die reichlich mineralische Bestandteile – wie Kalk oder Phosphat – enthalten. Koprolithen kennt man vor allem von Raubtieren wie zum Beispiel Höhlenhyänen (Crocuta crocuta spelaea), die unverdauliche Skelettsubstanzen ausscheiden.

Wissenschaftliche Grabungen

Im Idealfall werden Reste von Höhlenbären in Höhlen durch Paläontologen bei wissenschaftlichen Grabungen geborgen. „Dies ist alles andere als Schatzgräberei“, schrieben Jürg Paul Müller und Rico Stecher in ihrer Publikation „Der Höhlenbär in den Alpen“ (1996). Müller ist Direktor des Bündner Naturmuseums in Chur, Stecher ist Sekundarlehrer und Hobbyarchäologe aus Chur.

Bei einer wissenschaftlichen Grabung misst man zunächst den Grabungsplatz genau ein und legt eine Art Gitternetz mit Quadraten von einem Meter Seitenlänge darüber, damit alle Funde exakt lokalisiert werden können. Das Material trägt man in Schichten von etwa zehn Zentimeter sorgfältig ab. Wichtige Funde und Ereignisse werden im Grabungsbuch festgehalten. Von den angeschnittenen Ablagerungen zeichnet man Profile, die Auskunft über die Lage der Objekte zueinander und ihre Einbettungsart geben.

Nach der Bergung werden die Funde in den Labors der Museen oder Universitätsinstitute gründlich gereinigt und konserviert, um sie vor Zerfall zu bewahren. Erst nach professioneller Bergung und Präparation beginnt die wissenschaftliche Untersuchung der Funde. Von der Bergung bis zur Publikation vergehen oft etliche Jahre.

Oft wurden und werden Reste von Höhlenbären aber von Laien entdeckt und geborgen, was meistens mit gewissen Risiken verbunden ist. Nur sehr selten werden in solchen Fällen aufschlussreiche Fotos und Skizzen über die ursprüngliche Lage der Objekte angefertigt, was die Interpretion der Funde sehr erschwert. Es besteht auch die Gefahr, dass Fossilien unter verschiedene Privatleute aufgeteilt und somit in alle Winde zerstreut werden. Meistens unterbleibt zudem die fachgerechte Konservierung der Fossilien.

Man darf aber nicht verschweigen, dass es sehr professionell arbeitende private Fossiliensammler gibt, denen die Wissenschaft die Entdeckung und Kenntnis wichtiger Fundstellen und Funde zu verdanken hat.

Die Zoolithenhöhle

von Burggaillenreuth

Die Zoolithenhöhle von Burggaillenreuth bei Muggendorf in der Fränkischen Alb (Bayern) wurde durch Unmengen fossiler Tierknochen aus dem Eiszeitalter berühmt. Dort fand man Reste von schätzungsweise 800 oder sogar von 1000 Höhlenbären, aber auch von zahlreichen Höhlenhyänen (Crocuta crocuta spelaea) und ungewöhnlich vielen Höhlenlöwen (Panthera leo spelaea). Dieser Fundreichtum bewog den evangelischen Pfarrer Johann Friedrich Esper

(1732–1781) aus Uttenreuth bei Erlangen, der 1771 seine erste Erkundungsreise in die geheimnisvolle Unterwelt unternommen hatte, die Höhle als „Kirchhof unter der Erde“ zu bezeichnen. 1774 deutete Esper fälschlicherweise Höhlenbärenfunde aus der Zoolithenhöhle als Eisbärenreste.

Bei frühen Höhlenerkundungen im 15., 16. und 17. Jahrhundert wurden Reste von Höhlenbären oft fehlgedeutet. Man hielt sie für Reste von Fabeltieren wie Einhörner („unicornu fossile“) oder Drachen oder sogar von Riesen. Daran erinnern die Namen der Drachenhöhle bei Mixnitz (Österreich), des Drachenloch bei Vättis (Schweiz) oder der Einhornhöhle bei

Herzberg-Scharzfeld (Deutschland). Zu Pulver zerstoßene Eckzähne von Höhlenbären galten – ebenso wie die angeblichen Hörner des Einhorns – als Heilmittel gegen fast alle Krankheiten. Erst im 18. Jahrhundert setzte sich dank fortgeschrittener anatomischer Erkenntnisse allmählich die Erkenntnis durch, dass es sich um Überbleibsel von sehr großen Bären handelte, die sich vom Braunbären und anderen heutigen Bärenarten unterscheiden.

In den Annalen der Paläontologie, der Lehre vom Leben in der Urzeit, spielt die Zoolithenhöhle von Burggaillenreuth eine wichtige Rolle. Aus ihr stammen auch die Schädel, nach denen der in Erlangen und Bonn arbeitende Arzt und Naturforscher Georg August Goldfuß (1782–1848) im Jahre 1810 den Höhlenlöwen und 1823 die Höhlenhyäne erstmals wissenschaftlich beschrieben hat.

Noch heute ist der so genannte Holotyp, nach dem der Höhlenlöwe erstmals beschrieben worden ist, im Museum für Naturkunde Berlin der Humboldt-Universität vorhanden. Dabei handelt es sich um den 40,2 Zentimeter langen Schädel eines Höhlenlöwen, der – nach Erkenntnissen des Paläontologen Cajus Diedrich aus Halle/Westfalen – aus Teilen von mindestens zwei Tieren zusammengesetzt ist. Der Holotyp, nach dem die Erstbeschreibung der Höhlenhyäne erfolgte, nämlich ein fragmentarisch erhaltener Schädel, wird im Goldfuß-Museum der Rheinischen Friedrich Wilhelms-Universität Bonn aufbewahrt.

Die Zoolithenhöhle von Burggaillenreuth befindet sich in der höhlenreichen Fränkischen Alb, auch Frankenalb oder Fränkischer Jura genannt. Früher hat man den Namen Alb vom lateinischen Begriff „montes albi“ (die weißen Berge) hergeleitet. Heute hält man es für wahrscheinlicher, dass dieser Ausdruck eine alte keltische Bezeichnung für Gebirgsweide ist. Im Zentrum der nördlichen Fränkischen Alb befindet sich die so genannte Fränkische Schweiz, in der die Zoolithenhöhle liegt. Wegen der Fränkischen Alb gehört Bayern zu den Regionen in Deutschland mit den meisten Funden von Höhlenbären. So ist es kein Wunder, dass der Höhlenbär forschungsgeschichtlich ein „bayerisches Kind“ ist.

Der Höhlenbär

lebte nicht nur in Höhlen

Die meisten Höhlenbärenknochen sind in Höhlen oder seltener in Felsspalten, bei denen es sich möglicherweise um Relikte früherer Höhlen handelt, gefunden worden. Spärlicher kamen solche Knochen auch anderswo, beispielsweise in Flussschottern, zum Vorschein. Trotzdem hat der Höhlenbär sein Leben nicht ausschließlich in Höhlen verbracht.

„Der Höhlenbär war ebenso wie der Höhlenlöwe und die Höhlenhyäne kein nur im Dunkel unterirdischer Verstecke lebendes Tier, wie der Name vermuten lassen könnte“, schrieb der Wiesbadener Wissenschaftsautor Ernst Probst in seinem Buch „Deutschland in der Urzeit“ (1986). Höhlen dienten dem Höhlenbären vor allem als Winterschlafplatz, Wurfplatz und Sterbelager. In der warmen Jahreszeit suchte der Höhlenbär bei Tageslicht im Freien nach Kräutern, Beeren und anderen Früchten und verschmähte auch kleine Säugetiere nicht, deren er habhaft werden konnte.

Die flachen und vielhöckrigen Backenzähne des Höhlenbären deuten darauf hin, dass er fast ausschließlich vegetarisch gelebt hat. Diese Annahme wird durch Erkenntnisse gestützt, die Wissenschaftler bei der Untersuchung von Bärenkot in der Salzofenhöhle bei Grundlsee im Toten Gebirge in Österreich gewannen. Demnach fraßen diese Bären Gräser und Wiesenpflanzen. Pollen bestimmter Pflanzenarten belegten sogar, dass die Höhlenbären auch den Honig wilder Bienen zu schätzen wussten.

Was die Paläontologen zunächst verblüffte, waren die riesigen Knochenansammlungen von Höhlenbären, die man in zahlreichen Höhlen fand. So wurden in der Drachenhöhle bei Mixnitz an der Mur in der Steiermark etwa 200 Tonnen Höhlenbärenknochen, die Überreste von mindestens 30.000 Individuen, geborgen und von Wissenschaftlern der Universität Wien untersucht. Den durch die Knochen und Fledermausexkremente stark phosphorisierten Höhlenlehm baute man zu Düngezwecken ab.

Auch in Deutschland gibt es zahlreiche Fundorte von Höhlenbären. Solche Reste wurden in Höhlen der Schwäbischen Alb, der Fränkischen Alb (Fränkische Schweiz), des Sauerlandes, des Bergischen Landes, des Lahn-Dill-Gebietes, der Eifel und des Harzes bekannt. Die nördlichsten Vorkommen des Höhlenbären befinden sich – nach Angaben des Paläontologen Ralf Nielbock aus Osterode – im Gipskarst des Harz.

Bereits 1774 wurden in der Zoolithenhöhle von Burggaillenreuth bei Muggendorf (Fränkische Alb) neben Vielfraß- und Menschenknochen auch Höhlenbärenskelette geborgen, die an Museen in aller Welt abgegeben wurden. In einem erst 1971 entdeckten Teil der Zoolithenhöhle fand man weitere unzählige Höhlenbärenknochen. Die in der Petershöhle bei Velden nahe Hersbruck (Fränkische Alb) überlieferten Höhlenbärenüberreste dürften von schätzungsweise 1500 bis 2000 Tieren stammen.

Weil es im kalten Winter nur wenig pflanzliche Nahrung gab, mussten die Höhlenbären schützende Höhlen aufsuchen, in denen zwar gleich bleibende niedrige, aber merklich über dem Gefrierpunkt liegende Temperaturen herrschten. Trächtige Weibchen brachten während der Winterruhe ihre Jungen zur Welt. Dank der im Herbst gespeicherten Fettreserven konnten sie ihren Nachwuchs in den ersten Wochen säugen.

Auffallend ist die ungemein große Verschiedenartigkeit der Maße (Länge, Breite, Dicke) und der Formen von Knochen und Zähnen einer Fundschicht. Sie deutet darauf hin, dass die Individuen im Gegensatz zu denen der meisten anderen Arten sehr lokal gebunden waren und die Bestände untereinander wenig Kontakt hatten.

Erklärbar werden die zahlreichen Funde von Höhlenbärenknochen dadurch, dass die Höhlen von den Bären viele Jahrtausende lang immer wieder im Winter bewohnt wurden. Wenn zum Beispiel innerhalb von 10.000 Jahren im Durchschnitt alle zehn Jahre ein Höhlenbär in einer bestimmten Höhle starb, hätte man nach Ablauf dieser Zeitspanne rund 1.000 Skelette mit insgesamt mehr als 300.000 Einzelknochen finden müssen.

Reste von Höhlenbären sind in Deutschland auch aus dem Freiland bekannt, wo sich keine Höhlen befinden. Dem Paläontologen Wilfried Rosendahl aus Mannheim zum Beispiel liegen zahlreiche Funde von Höhlenbären aus Kiesgruben des Oberrheingebietes vor, die er wissenschaftlich untersucht.

[...]

Ende der Leseprobe aus 294 Seiten

Details

Titel
Der Höhlenbär
Veranstaltung
-
Autor
Jahr
2009
Seiten
294
Katalognummer
V137524
ISBN (eBook)
9783640444274
ISBN (Buch)
9783640444618
Dateigröße
93803 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Höhlenbär, Mosbacher Bär, Bären, Höhlenbären, Eiszeitalter, Paläontolgie, Fossilien, Raubtiere, Höhlen
Arbeit zitieren
Ernst Probst (Autor), 2009, Der Höhlenbär, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/137524

Kommentare

  • Ernst Probst am 21.10.2009

    Vom Wiesbadener Wissenschaftsautor Ernst Probst stammen auch folgende Titel:

    Höhlenlöwen
    Säbelzahnkatzen
    Der Ur-Rhein
    Rekorde der Urzeit
    Rekorde der Urmenschen
    Archaeopteryx

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Titel: Der Höhlenbär


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