Die American Guild for German Cultural Freedom und die Deutsche Akademie im Exil

Selbstverständnis und Praxis


Magisterarbeit, 2006

84 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

1 Einleitung

Hans Sahl bemerkt in seiner Autobiographie, die Zeit seiner Vertreibung aus Deutschland erscheine ihm „wie ein fast zu häufig wiederholter Refrain“[1]. Diese Bemerkung lässt sich nicht auf die American Guild for German Cultural Freedom (im weiteren: AmGuild) übertragen, denn die Geschichte dieser Organisation, deren Stipendien und Hilfeleistungen das Leben Hans Sahls sowie vieler weiterer exilierter deutschsprachiger Künstler und Wissenschaftler in der Mitte der 30er Jahre erleichtert, wenn nicht gerettet hatten, ist auch in den Jahren des verstärkten Interesses der historischen und philologischen Wissenschaft an der Zeit des deutschsprachigen Exils nach 1933 nicht wiederkehrend gesungen worden. Volkmar Zühlsdorff, ein enger Freund und Mitarbeiter Hubertus Prinz zu Löwensteins, des Gründers der AmGuild, spricht daher in seinem 1999 erschienenen Rückblick bereits im Buchtitel vom „vergessenen Widerstand“ der AmGuild und der von ihr vorbereiteten Deutschen Akademie der Künste und Wissenschaften im Exil (im weiteren: Exilakademie) und beklagt die geringe wissenschaftliche Aufmerksamkeit, die beiden Organisationen zuteil wurde.[2]

Die germanistische Forschung ist in der Tat trotz der hervorragenden Quellenlage[3] bisher nicht über eine summarisch deskriptive und nacherzählende Beschäftigung mit der AmGuild, die eher dem Sammeln und Erinnern denn der Analyse und kritischen Würdigung galt, hinausgelangt[4]. Dies erstaunt umso mehr, als die Erforschung der Geschichte anderer Exilorganisationen in den letzten Jahren weitaus mehr Beachtung gefunden hat (so ist die Arbeit der Volksfront, aber auch die des Emergency Rescue Committees und des PEN-Clubs im Exil, inzwischen gut dokumentiert und kommentiert[5] ), während selbst einschlägige Handbücher, Zeitschriften und Jahrbücher die Arbeit der AmGuild nur am Rande erwähnen. Die erste wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Thematik stellt die französische Doktorarbeit Pascale Eberhards aus dem Jahr 1989 dar.

Worin liegen die Gründe für die Vernachlässigung dieser Organisation, deren Präsident der Gouverneur von Connecticut und deren Ehrenvorsitzender der Senator von New York waren und die in der ihr angeschlossenen Exilakademie 112 namhafte Repräsentanten des deutschsprachigen Kultur- und Wissenschaftslebens, darunter drei Nobelpreisträger, versammelte?

Eine erste Hypothese stellt der Gedanke dar, die geringe wissenschaftliche Aufmerksamkeit durch eine mögliche funktionelle Ineffizienz der Organisationsarbeit – im Gegensatz zu der imposanten formalen Repräsentation – zu erklären. So soll im ersten Teil der vorliegenden Arbeit, nach der Vorstellung der Gründungsphase der beiden Organisationen und der Analyse ihrer Organisationsstrukturen, die Beziehung zwischen repräsentativem, öffentlich postuliertem Selbstverständnis und der Praxis der Organisationsarbeit untersucht werden. Ein besonderes Augenmerk dieser ersten Untersuchung wird auf der Analyse der Interessen der verschiedenen Gruppen liegen, die an Aufbau und Arbeit der AmGuild und der Exilakademie beteiligt waren. Erst daran anschließend können die Gründe für die Auflösung der beiden Organisationen zur Jahreswende 1940/41 sowie die Leistungen und Fehlleistungen von AmGuild und Exilakademie analysiert werden.

Eine andere mögliche Hypothese für das geringe Interesse der Forschung bietet der Verweis auf die „Sonderstellung“[6] der beiden Organisationen im Hinblick auf Selbstverständnis und Praxis anderer, teilweise aber durchaus vergleichbarer Exilorganisationen. Nun ist die Exilforschung, nach Jahrzehnten der Materialsichtung und idiographischen Forschung, zunehmend an einer Theoretisierung ihrer Erkenntnisse interessiert.[7] Ist es möglich, dass im Falle der AmGuild die nur marginal geleistete idiographische Forschung und das Urteil von der Sonderstellung eine weitere Beschäftigung der Zunft mit der Thematik verhindern? Verständlicherweise vermeidet eine gerade erst in der Theoriebildung begriffene Forschung „Stolpersteine“ wie den der AmGuild, da sie zuvorderst der Kategorisierung des kategorisierbaren Materials Vortritt einräumt, doch der in vielerlei Hinsicht erratische Charakter der AmGuild im Vergleich zu anderen Exilorganisationen kann wertvolle Ansätze zu einer theoretisierenden Betrachtung von Exilsituationen liefern. Um auf diesem Weg fortzuschreiten, muss aber zuvor das Charakteristische der Sonderstellung der AmGuild herausgearbeitet werden. Dies soll im zweiten Teil der Arbeit, aufbauend auf der Analyse des ersten Teils, in einem kurzen Exkurs versucht und diskutiert werden.

Die für die Abfassung der Arbeit benutzten nicht-editierten oder nur unvollständig editierten Quellen sind die im Deutschen Exilarchiv in Frankfurt am Main gelagerten Sachakten der AmGuild.[8] Personalakten wurden nur in seltenen Fällen hinzugezogen, da der große Themenkomplex der Stipendienvergabe und des literarischen Wettbewerbs der AmGuild nur kumulativ behandelt werden mussten. Zusätzlich zum Aktenbestand der AmGuild wurde auch der Nachlass Richard Arnold Bermanns, neben Löwenstein einer der einflussreichsten Akteure der beiden Organisationen, konsultiert.

2 Gründung und Organisationsstruktur

2.1 „Eine auch politisch scharfe Waffe“ – Löwensteins politische Überlegungen und die Gründung der AmGuild

Mit der Bestätigung der Eintragung einer “American Guild for German Cultural Freedom“ durch den Obersten Gerichtshof des Staates New York am 27.4.1935 begann die formaljuristische Existenz einer Organisation “which may aid German writers and artists to function and to carry on the German tradition as free men“[9].

Ort und Zeitpunkt der Gründung überraschen. Waren in den ersten beiden Jahren nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten in den europäischen Exilzentren Paris und Prag zahlreiche Hilfs- und Selbsthilfeorganisationen für die bis dato rund 85.000 Flüchtlinge[10] aus dem Deutschen Reich entstanden, so gilt dies nicht in gleichem Maße für die Vereinigten Staaten von Amerika. Dort waren zwar zu diesem Zeitpunkt zwei der größten Hilfsorganisationen für jüdische Flüchtlinge beheimatet, das American Jewish Joint Distribution Committee (JDC) und eine aus dem Zusammenschluss dreier kleinerer Organisationen entstandene Einrichtung, die HICEM, doch existierten diese Organisationen bereits seit 1914 bzw. 1927. Auch existierte seit 1933 das in New York gegründete Emergency Committee in Aid of Displaced German/Foreign Scholars (EC), das bei der Unterstützung und Vermittlung emigrierter deutscher Akademiker half. Auf dem Gebiet des künstlerischen Exils, für dessen Repräsentanten sich die AmGuild laut ihrer Gründungsurkunde ja einsetzen wollte, finden sich jedoch 1935 keine vergleichbaren Einrichtungen auf amerikanischem Boden[11]. Dies lässt sich zum einen durch die insgesamt geringere Aufmerksamkeit erklären, die Hilfsorganisationen der materiellen Unterstützung exilierter Künstler widmeten, zum anderen durch das Faktum, dass im Gegensatz zur jüdischen und akademischen Emigration nur wenige Künstler die USA bis zum Jahr 1935 als Fluchtland gewählt hatten[12].

Die unkonventionelle Wahl New Yorks als Sitz einer bereits 1935 geschaffenen Hilfsorganisation für exilierte Künstler lässt sich durch die wechselvolle Vorgeschichte der Organisationsgründung erklären. Der Initiator der AmGuild, Hubertus Prinz zu Löwenstein aus dem Geschlecht der pfälzischen Wittelsbacher, hatte bereits 1934 im deutschsprachigen Typoskript zu seinem im gleichen Jahr erschienenen Buch “After Hitler’s Fall. Germany’s Coming Reich“ die Vision vom Aufbau eines „geistigen deutschen Territoriums“ niedergeschrieben, denn: „Es ist notwendig, »Deutschland« zu schaffen, schon bevor es wieder ein Deutsches Reich gibt.“[13] Dieses Paradox eines geistigen Territoriums, eines Deutschlands ohne Land, löst der Autor durch den Verweis auf die marginale Territorialität der katholischen Kirche im Vergleich zu ihrer globalen Macht. Daher sei es sowohl vorstellbar als auch dringend notwendig, eine „zentrale Vertretung mit höchster Machtvollkommenheit“[14] für das „neu zu gliedernde Weltdeutschtum“[15] zu schaffen, welches eben nicht durch Hitler repräsentiert werde, aber auch nicht allein durch die nach 1933 Exilierten, sondern ebenfalls durch „die vielen Millionen Auslandsdeutsche“[16].

Die Bewahrung deutschen Kulturguts und freien deutschen Geistes in einer solchen Vertretung sei nur Voraussetzung und Mittel für die eigentliche Aufgabe: eine langfristig im Ausland legitimierte Reichsregierung mit Sitz in London oder Saarbrücken zu schaffen[17]. Das Deutsche Reich, welches Löwenstein vorschwebte und welches er dem präsenten Deutschen Reich Hitlers entgegensetzte, wurzelte in mittelalterlichen Vorstellungen von einem universalen europäischen Reich, das unter der Führung des „Lehrmeisters“[18] Deutschlands zu verwirklichen sei. Die konkrete Schaffung und Führung dieses abendländisch-christlichen Reiches obliege einer kleinen geistigen Elite und sei ohne Anwendung kapitalistischer oder gar kommunistischer Ansätze zu bewerkstelligen[19].

Der Einfluss Stefan Georges und derjenige der aristokratischen und katholischen Familientradition derer von Wittelsbach sind in diesen Gedanken deutlich erkennbar[20], doch noch bemerkenswerter erscheint sowohl der optimistische Blick des 27jährigen Löwensteins auf die politische Zukunft Deutschlands trotz der Machtübernahme der Nationalsozialisten und trotz der eigenen Vertreibung als auch die nahezu bruchlose Kontinuität der Gedankenwelt des Autors über den 30.4.1933, den Tag der eigenen Emigration nach Österreich, hinaus. Denn bereits in seiner rechts- und staatswissenschaftlichen Dissertation aus dem Jahr 1931 hatte Löwenstein „die sittliche Ordnung des Abendlandes“[21] als konstituierendes Element des deutschen Selbstverständnisses beschrieben. Darüber hinaus hatte er nach seinem 1930 erfolgten Beitritt zum republikanischen „Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold“ begonnen, aktiv am Kampf gegen den Nationalsozialismus teilzunehmen.

Weiterhin ist die dem Erreichen der politischen Ziele untergeordnete Rolle bemerkenswert, die Löwenstein der Kulturarbeit beimisst. Die rein funktionale Aufgabe der deutschen Kultur im Exil sei es, die landlose, entterritorialisierte politische Idee im Geiste zu bewahren, zu repräsentieren[22] und dadurch ihren späteren Erfolg zu ermöglichen. Es verwundert daher nicht weiter, dass Löwenstein selbst sein Verhältnis zu den ebenfalls emigrierten intellektuellen Zirkeln als kühl und distanziert charakterisiert.[23] Die ersten Schritte, die Löwenstein im Exil zur Realisierung seiner politischen Vorstellungen unternahm, waren daher auch nicht von einem Bündnis mit Künstlerkreisen bestimmt – noch im Jahr 1933 unterbreitete er dem niederländischen Erziehungsminister seinen Plan zur Schaffung eines „Europäischen Völkerbundes der Jugend“[24].

Es ist der Einflussnahme Richard Bermanns, eines heute weitgehend vergessenen österreichischen Schriftstellers und Journalisten, geschuldet, dass sich Löwenstein, „der eher in politischen Kategorien dachte“[25], von der Notwendigkeit der Gründung einer Hilfsorganisation für exilierte Künstler überzeugte und zur Tat schritt. Dass die Durchführung dieses Vorhabens trotz aller Vorbehalte des Prinzen gegenüber den emigrierten deutschen Künstlern nicht als Abkehr von seinem politischen Programm, sondern gar als integraler Bestandteil desselben gesehen werden kann, sei vorerst nur am Rande angemerkt.

Löwenstein und Bermann, die seit 1933 in brieflichem Kontakt gestanden hatten, begegneten sich erstmals im Februar 1934 in Wien, als Löwenstein im Zuge der Auseinandersetzungen der österreichischen Republikaner mit dem Austrofaschismus der Regierung Dollfuß mit Kardinal Innitzer in eigener Mission über eine Amnestie für die Aufständischen sprach. Das Ergebnis weiterer persönlicher Treffen zwischen Löwenstein und Bermann im Laufe des Jahres fasste Bermann dann Ende 1934 in einer Denkschrift mit dem Titel „Eine Deutsche Freistatt im Exil“ zusammen, die ein zentrales Dokument für die Analyse des Selbstverständnisses von AmGuild und Deutscher Akademie darstellen wird.

Der Plan, eine „Freistatt für den deutschen Geist“[26], das will sagen eine Art von Asyl für den im Deutschen Reich unterdrückten, in die Fremde vertriebenen und dort verstreuten deutschen Geist zu schaffen, damit er von diesem Ort aus in der ihm zustehenden Freiheit wirken kann, wird von Bermann konzipiert und skizziert, damit Löwenstein, der über einen klingenden Namen und glänzende Verbindungen in den Hauptstädten Europas verfügt[27], ihn ausführen kann. Diese Konzeption spricht, wohlgemerkt, von einer Freistatt für den deutschen Geist, nicht von einer wie auch immer gearteten Freistatt für die Träger dieses Geistes, was angesichts der sich bereits am Ende des Jahres 1934 zeigenden lokalen Zerstreuung der deutschen Exilanten und der restriktiven Visa-Politik der meisten europäischen Zufluchtsländer auch ein schier phantastischer Plan gewesen wäre. Daher sind es nicht die Zentren der ersten Exilphase, die als Sitz für die Freistatt ins Auge gefasst werden, sondern das noch unter Völkerbundsverwaltung stehende Saarbrücken[28]. Löwenstein hatte im Verlauf des Jahres 1934 dort, gemeinsam mit dem Neugründer des Deutschen PEN-Clubs im Exil und Freund der Familie Löwenstein[29], Rudolf Olden, eine starke publizistische Tätigkeit entfaltet, die für den Verbleib des Saarlands unter Völkerbundmandat warb[30]. In der von ihm herausgegebenen, aber nach dem Erscheinen von vier Nummern verbotenen Wochenzeitung „Das Reich“, führt Löwenstein seine Idee von dem zu gründenden abendländischen Reich weiter aus. Dass Saarbrücken in den Planungen des Prinzen nicht nur Sitz einer Deutschen Freistatt des Geistes, sondern auch bei entsprechendem Ausgang der Volksabstimmung vom 13.1.1935 Sitz einer vom Völkerbund geschützten deutschen Exilregierung[31] geworden wäre, ist ein weiteres Indiz für die deutliche politische Ausrichtung der Handlungen Löwensteins.

Unmittelbar nach der Saarabstimmung des Jahres 1935, deren Ausgang alle bisherigen Pläne umwarf, begab sich Löwenstein, nach seiner Ausbürgerung[32] inzwischen tschechischer Staatsbürger, auf eine “lecture tour“ durch Nordamerika. Bermann hatte bereits unter dem Eindruck des sich abzeichnenden Erfolgs Hitlers an der Saar Löwenstein auf die USA als möglichen Sitz für die Freistatt aufmerksam gemacht.[33] Bereits am 3.2.1935, wenige Tage nach seiner Ankunft in New York, informierte er die deutschamerikanische Öffentlichkeit von seinen Plänen, in den USA „[...] alle diese Deutschen [die in Freiheit leben] zusammenzufassen, nicht zu einem politischen, sondern zu einem geistigen Reiche [...]“[34] Im März 1935 kehrte Löwenstein von der Westküste nach New York zurück und unternahm gemeinsam mit Oswald Garrison Villard, dem deutschamerikanischen Chefredakteur der liberalen Wochenschrift “The Nation“, den er bereits 1930 in Berlin kennen gelernt hatte, die ersten Schritte zur Verwirklichung seiner und Bermanns Idee. Nachdem weitere US-amerikanische Unterstützer für das Projekt gewonnen werden konnten, wurde kurz vor der Rückfahrt Löwensteins nach Europa Anfang April die amtliche Eintragungsurkunde der AmGuild von Löwenstein und fünf amerikanischen Bürgern in New York unterzeichnet und drei Wochen später gerichtlich bestätigt.

Die Wahl New Yorks als Sitz der Organisation erklärt sich demnach aus drei Faktoren: erstens aus dem Ausgang der Saarabstimmung, die Saarbrücken als Sitz einer solchen Organisation unmöglich machte, zweitens aus der Vorsicht Löwensteins und Bermanns gegenüber den oft zerstrittenen künstlerischen und auch politischen[35] Exilantenzirkeln in Prag, Paris und London und drittens aus den Kontakten des Prinzen zu großbürgerlichen und akademischen Kreisen in den USA, die Löwenstein während seines ersten Amerikaaufenthaltes noch intensivieren konnte.

Nach der offiziellen Gründung der AmGuild im April 1935 geschah bis zur nächsten Vortragsreise Löwensteins durch die USA im Februar 1936 vergleichsweise wenig. Es scheint den Verantwortlichen in dieser Zeit vor allem an der Erweiterung des amerikanischen Unterstützerkreises und an der Kontaktaufnahme zu führenden deutschen Intellektuellen gelegen zu haben[36], so dass zu diesem Zeitpunkt wohl nur von einer “existence purement juridique“[37] der AmGuild gesprochen werden kann.

In einem “Plan of Action“ der AmGuild aus dem April 1936, der die Auflistung der konkreten Ziele der Organisation beinhaltete, stand die Gründung einer „Deutschen Akademie im Exil“ an erster Stelle[38], obwohl weder die Denkschrift Bermanns aus dem Jahr 1934 noch das Certificate of Incorporation vom April 1935 den Aufbau einer solchen Akademie überhaupt erwähnt hatten. Als Helfer beim Aufbau der geplanten Akademie fungierte der damals 25jährige, durch die Vermittlung Bermanns mit Löwenstein bekannt gemachte Schriftsteller Peter de Mendelssohn, dem es vor allem gelang, den für den weiteren Aufbau der Exilakademie sehr wichtigen Thomas Mann zur Mitarbeit in der Akademie zu bewegen[39], der aber darüber hinaus im Sommer 1936, von der AmGuild ausgestattet mit einem Betrag von $ 200, eine Vielzahl weiterer führender deutschsprachiger Intellektueller in Europa aufsuchte und von den Zielen der AmGuild und der zu gründenden Exilakademie zu überzeugen versuchte. Bermann und er hatten im Juni 1936 eine weitere Denkschrift[40] verfasst, die den potentiellen Mitgliedern, darunter illustre Namen wie Alfred Döblin, Max Reinhardt, Heinrich Mann, Sigmund Freud, Joseph Roth und Franz Werfel, überreicht wurde. Die Reise verlief erfolgreich, sodass Mendelssohn bereits am 30.6.1936 an Alfred Neumann schreiben konnte, dass die meisten Persönlichkeiten, denen eine Mitgliedschaft angetragen worden war, „mit freudiger Zustimmung geantwortet haben“[41]. Die Einrichtung eines ständigen Büros der AmGuild in London und eine Pressekampagne zur Bekanntmachung des erfolgreichen Aufbaus der Exilakademie, beides von Mendelssohn geleitet, waren die unmittelbaren Folgen dieses verheißungsvollen Beginns. In den nächsten Monaten nahm die Zahl der Intellektuellen, die einer Mitgliedschaft in der Exilakademie zustimmten, ständig zu. Schließlich vereinigte die Exilakademie 112 Ständige und Korrespondierende Mitglieder, darunter Hannah Arendt, Hermann Broch, Albert Einstein, Mies van der Rohe und Stefan Zweig.

Am 26.4.1936 hatte bereits in Hollywood die erste der insgesamt sechs großen öffentlichkeitswirksamen Veranstaltungen der AmGuild stattgefunden, ein “Dinner in honor of his Serene Highness Hubertus, Prince zu Loewenstein“ im Prominentenrestaurant „Victor Hugo“. Der Erlös von $ 1400[42] “will be used for relief of sufferers from Naziism“[43]. Den nächsten Schritt zur Schaffung einer funktionierenden Organisation stellte die konstituierende Sitzung der AmGuild am 11.6.1936 dar.[44] Neben der Wahl der ersten Direktoren, Amtsinhaber und Löwensteins als “General Secretary“ der AmGuild wurde auch eine erste Satzung verabschiedet.[45]

Am 23.9.1936 fand schließlich das offizielle Gründungskonzert der AmGuild und Exilakademie unter Leitung von Otto Klemperer in Los Angeles statt, das zwar ein respektables Medienecho in amerikanischen Zeitungen hervorrief, allerdings ein finanzieller Fehlschlag war – den Fehlbetrag von einigen hundert Dollar glich Löwenstein selbst aus.[46]

Zwei zur Jahreswende 1936/1937 bestehende Probleme, das Fehlen eines repräsentativen Präsidenten für die AmGuild nach der Absage des Präsidenten der Columbia University und vorgesehenen Kandidaten Dr. Nicholas Murray Butler und die von Beginn an schwache finanzielle Situation der AmGuild, wurden in den Treffen der Direktoren vom 14.12.1936 und 19.2.1937 besprochen. Während es der zu diesem Zweck eingesetzten Findungskommission gelang, den Gouverneur von Connecticut, Wilbur Lucius Cross, für das Amt des Präsidenten der AmGuild zu gewinnen, war der erstmalige Versuch, durch das Engagement einer PR-Agentur, der Affiliated Campaign Associates Inc., die Aufbringung von Spendenmitteln zu professionalisieren, bereits im Mai 1937 gescheitert.[47] Es ergab sich daraus bereits in der Frühphase der Arbeit der AmGuild die für den weiteren Verlauf der Organisationsgeschichte charakteristische Situation, dass der glänzenden Riege der Repräsentanten (auf der Sitzung der Direktoren vom 5.3.1937 wurden, abgesehen von der Wahl Cross’ zum Präsidenten, noch Senator Robert Wagner zum Ehrenvorsitzenden und die Präsidenten der Universitäten von Chicago und Newark, Robert M. Hutchins und Frank Kingdon, zu Vizepräsidenten gewählt[48] ) nur eine äußerst geringe und ungesicherte finanzielle Basis gegenüberstand.

Auch das nächste von der AmGuild zwecks Öffentlichkeitsarbeit und Spendeneinnahmen veranstaltete gesellschaftliche Ereignis, ein Dinner zu Ehren Thomas Manns am 20.4.1937 im Ritz Carlton Hotel in New York, konnte daran nichts ändern. Wiewohl noch von der Affiliated Campaign Associates Inc. organisiert[49], dazu von einem Dinner Committe, das sich aus namhaften Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens der Ostküste zusammensetzte, begleitet, mit illustren Rednern versehen (u.a. Cross, Thomas Mann selbst und Dorothy Thompson) und von der Presse aufmerksam kommentiert, schloss auch dieses Mal das Ereignis mit einem Fehlbetrag ab. Auch die erhoffte Zunahme von Spendeneinnahmen in den Monaten nach dem Dinner blieb aus.[50]

Löwenstein hatte an dieser dritten großen Veranstaltung der AmGuild nicht teilgenommen, da er sich im April 1937, nachdem er das Schloss Neumatzen, seinen Wohnort im österreichischen Exil, aufgrund von Auseinandersetzungen mit österreichischen Nationalsozialisten bereits 1936 aufgeben musste[51], in London niederließ. Dies hatte jedoch nicht ein Abnahme des Interesses und der Tätigkeit Löwensteins bezüglich der AmGuild zur Folge, sondern lediglich eine weniger direkte Form des Wirkens. Von London aus betrieb er einen regen Briefwechsel mit zahlreichen Mitgliedern der AmGuild und der Exilakademie und verfasste im April und Mai 1937 zwei Rundschreiben an die ständigen und korrespondierenden Mitglieder der Exilakademie, in denen er diese über den Aufbau, die bisherige Arbeit und die Pläne der AmGuild und der Exilakademie informierte.

Weder diese noch die zu diesem Zeitpunkt bereits ausgefertigten Werbebroschüren der AmGuild oder der Plan of Action vom April 1936 ließen etwaige politische Ambitionen der AmGuild oder gar Löwensteins persönlich verlauten, auch die Rede Löwensteins[52] auf dem XV. Internationalen PEN-Kongress in Paris (21. bis 24.6.1937) führte lediglich die kulturellen Pläne der AmGuild und der Exilakademie aus.

Dies darf jedoch nicht vorschnell als eine grundlegende Änderung der politischen Konzeptionen des Organisationsgründers gesehen werden, wie sich aus einem Brief Löwensteins an seine von der AmGuild finanzierte Sekretärin Barbara B. Tolnai vom 31.3.1936 deutlich erkennen lässt:

„Ein starker Gedanke, den ich überall, wo es möglich ist, vertrete, ist der: Die Tschechoslowakei und Irland sind durch Exilsregierungen aufgebaut worden. Wir können das nicht, es wäre ein Kinderspiel, eine Albernheit. Was wir aber können ist, alles zusammenzufassen, was anerkanntermaßen die geistige Vertretung Deutschlands ist – dann wird es einmal nur ein kleiner Schritt zur politischen sein. (Man muss natürlich wissen, wem man das sagt.) Auf jeden Fall muss die Guild jetzt sehr bald [...] repräsentativ hervortreten, mit zugkräftigem Programm.“[53]

Löwenstein vertrat demnach seine politischen Pläne nach 1935 lediglich weniger öffentlich und vermied es, einen direkten Zusammenhang zwischen diesen und dem Aufbau der AmGuild und der Exilakademie erkennen zu lassen: „Sie [die Exilakademie] sollte auf dem Gebiet der Kultur das sein, was auf politischem eine Exilregierung ist, und daher, wie Löwenstein einmal bemerkte, ‚eine auch politisch scharfe Waffe, ohne dass man das Wort ‚Politik’ je erwähnen müsste’“.[54]

Während der Abwesenheit Löwensteins war die Arbeit der Organisation in New York wiederum ins Stocken geraten.[55] Zwar war während des Dinners zu Ehren Thomas Manns die Ausschreibung eines mit $ 2500 stolz dotierten Literaturpreises verkündet worden, doch abgesehen von dem erfolgreichen Beginn dieses ersten Projektes mit Beteiligung der AmGuild[56] überwog die Skepsis. Die finanzielle Situation – aus dem Jahr 1937 konnten bei Einnahmen von $ 7120 und Ausgaben von $ 6401 nur $ 718 ins Jahr 1938 übertragen werden[57] – erschwerte die Realisierung der anvisierten Unterstützungsprojekte. Mehr als 30 Monate nach der Gründung der AmGuild waren noch immer keine Stipendien an exilierte Künstler vergeben worden, weder die öffentlichkeitswirksamen Veranstaltungen der AmGuild noch die Aktivitäten der PR-Agentur hatten die Finanzlage der Organisation entscheidend verbessern können. Es wurde daher zum ersten Mal an eine Auflösung der AmGuild gedacht.[58]

Erst nachdem die Spendeneinnahmen dank der Arbeit Villards zwischenzeitlich angestiegen waren, konnten im Januar 1938 die ersten zwölf Stipendien vergeben werden, sodass Sarah F. Brandes, ehemalige Vortragsagentin Löwensteins[59] und nun Executive Secretary der AmGuild, feststellte, die Organisation habe endlich “progressed from the ’talking’ [...] into the ’acting’ stage“[60].

2.2 Organisationsstrukturen

Neben der ungesicherten finanziellen Basis ist auch die komplizierte und erst zu einem späten Zeitpunkt fixierte Organisationsstruktur der AmGuild ein Grund für den verzögerten Beginn der praktischen Arbeit. Bis zum April 1937 wurde sowohl an der personellen Besetzung der Ämter als auch an der statuarisch festgelegten Verteilung von Kompetenzen gefeilt.[61]

Im Wesentlichen besteht das Organigramm der AmGuild aus vier Ebenen.[62] Auf der obersten Ebene stehen die amerikanischen Repräsentanten der Organisation: der Präsident, die drei Vizepräsidenten und der Ehrenpräsident. Auf der zweiten Ebene finden sich die ausführenden Körperschaften, zum einen ein Exekutivkomitee bestehend aus dem Generalsekretär, dem Präsidenten, den drei Vizepräsidenten, dem Schatzmeister, den Vorsitzenden der einzelnen Arbeitskomitees sowie des Justitiars der Organisation. An Bedeutung übertroffen wurde das Exekutivkomitee allerdings durch das Gremium des Board of Directors, das sich in der Zeitspanne von seiner konstituierenden Sitzung am 11.6.1936 bis zur Auflösung der AmGuild am 10.1.1941 23 Mal traf.[63] Die 23 Direktoren[64] der AmGuild hatten nicht nur das Recht, die “officers“ der Organisation zu wählen, aus denen sich das “Executive Committee“ zusammensetzte, sondern besaßen auch die Aufgabe “to consider and decide all measures [of] the Corporation as a whole“[65]. Abhängig war dieses Direktorium lediglich von der jährlichen Vollversammlung aller Mitglieder der AmGuild, die die dritte Ebene des Organigramms einnehmen und das Recht besaßen, die Direktoren zu wählen. Es lassen sich zwar ab 1937 Vollversammlungen aller Mitglieder der AmGuild nachweisen[66], doch waren es de facto die beiden ausführenden Gremien, der Board of Directors und das Executive Committee, die über den entscheidenden Einfluss innerhalb der AmGuild verfügten. Die vierte organisatorische Ebene schließlich besteht aus den Ausschüssen, die die kulturelle und karitative Arbeit der AmGuild zu organisieren hatten. Viele dieser Ausschüsse haben nur in Papierform bestanden, etwa das “committee for student fellowships“ und das “committe on the theatre“[67], da von der Vielzahl der geplanten Aktivitäten der AmGuild nur wenige realisiert werden konnten. Allerdings war über diese vierte Ebene die Exilakademie an die AmGuild angebunden, denn ihr Vorsitzender war zugleich Vorsitzender des “European Council“ genannten Akademieausschusses der AmGuild, besaß daher das Amt eines “officers“ und war auch im Exekutivkomitee vertreten. Auch das Scholarship Committee, das als Schnittstelle zwischen AmGuild und Exilakademie bei Fragen der Stipendienvergabe fungieren sollte, war auf dieser vierten Ebene des Organigramms angesiedelt.

Nicht in das Organigramm der AmGuild eingebunden, da sie keine organisatorischen Funktionen oder Ämter zu übernehmen hatten, war die große Zahl der Förderer. Je nach Höhe der Zuwendung und ihrer sozialen Stellung konnten die Förderer jedoch in den “Board of Sponsors“ aufgenommen werden – ein passives Gremium ohne administrative, wohl aber mit repräsentativer Funktion, das zugleich als Reservoir von potentiell auch aktiven Mitgliedern gesehen wurde.

Die verhältnismäßig schwache formale Anbindung der Exilakademie an die AmGuild über nur einen Vertreter entspricht zwar einerseits nicht ihren realen Einflussmöglichkeiten bei der Vergabe von Arbeitsstipendien an exilierte Künstler[68] und ihrer exponierten repräsentativen Stellung in Werbebroschüren oder auf den Briefbögen der AmGuild[69], war aber andererseits durchaus von Löwenstein beabsichtigt:

„Im Rahmen der amerikanischen Gründung soll der Deutsche Senat der Akademie völlig autonom sein. Von ihm sollen alle Vorschläge in Bezug auf Fellowships und Preise sowie in Bezug auf die Vertreter für die einzelnen Abteilungen der Akademie ausgehen.“[70]

Das Streben der Exilakademie nach einem möglichst großen Maß an Autonomie von ihrem Geldgeber befindet sich durchaus in der Tradition europäischer Akademien, etwa der Preußischen Akademie der Wissenschaften, die in der Zeit der Weimarer Republik ebenfalls sehr darauf bedacht gewesen war, ihre Unabhängigkeit vom neuen, republikanischen Staat zu bewahren[71] und lässt sich darüber hinaus an ihrer statuarischen Verfasstheit ablesen, denn auch die Statuten der Exilakademie erwähnen die Verbindung zur AmGuild nur beiläufig. Die AmGuild wird dort lediglich als eine der „befreundeten Organisationen“[72] beschrieben, die bei der Ermöglichung von Werkstipendien um Hilfe gebeten werden.

Abgesehen von diesem Verweis auf den amerikanischen Partner führt die Exilakademie jedoch stringent die Tradition von Akademiestrukturen deutscher, bzw. europäischer Provenienz fort. Dies wird besonders augenfällig in der Übernahme des „dualen Systems“[73] großer europäischer Akademien, das eine Trennung zwischen (natur-)wissenschaftlichen und philologischen bzw. künstlerischen Abteilungen vorsah. So bestand auch die Exilakademie aus einer Klasse der Künste und einer Klasse der Wissenschaften.[74] Jede der beiden Klassen sollte aus ihrer Mitte einen Präsidenten wählen, wobei der Vorsitz über die Gesamtakademie jährlich zwischen den Präsidenten der beiden Klassen wechseln sollte. Der Vorsitzende der Gesamtakademie war dann zugleich, als Vorsitzender des “European Council“, der Vertreter der Exilakademie bei der AmGuild.

Der Mitgliederkreis der Exilakademie war hierarchisch segmentiert. Neben den Ordentlichen Mitgliedern bestand ein nahezu ebenso großer Kreis an Korrespondierenden und Ehrenmitgliedern, die allerdings bei den geplanten Vollversammlungen der Akademie geringeres Stimmrecht besessen hätten. Diese Hierarchisierung der Mitgliedschaft, ebenso wie das Prozedere der Wahl und Aufnahme von neuen Mitgliedern, steht ebenfalls deutlich in europäischer Akademietradition.[75]

Der Generalsekretär der Akademie, de facto von Beginn an Löwenstein, sollte die Verbindung zu den erwähnten „befreundeten Gesellschaften“ aufrechterhalten, stellte also ein zweites Bindeglied zur AmGuild dar – dies umso mehr, als Löwenstein Generalsekretär beider Organisationen war.

Es ist aber trotz der personellen Verquickung von AmGuild und Deutscher Akademie in Gestalt Löwensteins und durch die Existenz des European Council innerhalb der AmGuild legitim und notwendig, AmGuild und Exilakademie als eigenständige Organisationen zu betrachten. Dies macht ein Blick auf die Organisationstheorie deutlich. Kieser/Kubicek sehen eine Organisation durch vier Merkmale konstituiert[76], die sich alle jeweils bei AmGuild und Deutscher Akademie unabhängig voneinander finden lassen. Wie in diesem Kapitel gesehen verfügen beide über eine eigene, hierarchisierte formale Struktur zur Reglung ihrer Aktivitäten, weiterhin besitzen sie jeweils einen eigenen und nur in wenigen Fällen übereinstimmenden Kreis an Mitgliedern. Auch die Aktivität der Mitglieder ist in beiden Organisationen nicht nur nachweisbar, sondern auch voneinander verschieden – waren die Mitglieder der AmGuild besonders bei der Auftreibung von finanziellen Mitteln aktiv, so wirkten die Akademiemitglieder vor allem durch die Ausstellung von Gutachten über unterstützungswürdige Kollegen oder preiswürdige Werke. Schließlich aber unterschieden sich beide Organisationen, wiewohl auf den ersten Blick nicht unmittelbar erkennbar, deutlich in Hinblick auf ihre Ziele. Im Folgenden soll daher versucht werden, diese unterschiedlichen Zielsetzungen und die sich daraus ergebenden unterschiedlichen Interessen der beiden Organisationen zu analysieren.

3 Selbstverständnis

3.1 Nur eine Hilfsorganisation? – Das Selbstverständnis der AmGuild

Volkmar Zühlsdorff hat die AmGuild rückblickend als „amerikanische Hilfsorganisation für die Exilakademie“[77] bezeichnet. Diese Einschätzung ist partiell auch von der Forschung übernommen worden[78], obwohl sie nicht unproblematisch ist.

Zwar ist die Charakterisierung der AmGuild als „amerikanisch“ - abgesehen von ihrer nominellen Selbstbeschreibung - aufgrund ihres juristischen Status letztendlich nicht bestreitbar. Doch muss hinzugefügt werden, dass sich auf der zweiten, eben der operativen Ebene ihres Organigramms, nicht wenige Entscheidungsträger finden, die deutsche Exilierte waren, wie etwa Löwenstein und Zühlsdorff, aber auch die Direktoren Leopold Lichtwitz, Hans Staudinger, Leopold Stokowski, Eduard Heimann und später Erika Mann.

Darüber hinaus waren auch von den 22 Mitgliedern des Gründungsausschusses der AmGuild neun kurz zuvor aus dem Deutschen Reich emigriert. Weitere sechs Mitglieder waren nachweislich deutscher Abstammung, sind also dem deutschamerikanischen Milieu zuzuordnen. Nur sieben der 22 ersten Amtsträger der AmGuild waren amerikanische Staatsbürger ohne deutschen Einwanderungshintergrund.

Wenn die AmGuild als amerikanische Organisation bezeichnet wird, muss daher bedacht werden, dass sich diese Charakterisierung vor allem auf die Nationalität der für die Öffentlichkeitswirksamkeit der AmGuild so wichtigen amerikanischen Repräsentanten der obersten Ebene ihres Organigramms und den größten Teil ihrer Mitglieder und Förderer bezieht, also auf die repräsentativen und mäzenatischen Ebenen der Organisation, jedoch bereits nur mit Abstrichen auf die Ethnizität ihres operativen Personals.

Weiter ist die retrospektive Definition der AmGuild durch Zühlsdorff als „Hilfsorganisation für die Exilakademie“ in zweierlei Hinsicht problematisch.

Erstens insinuiert diese Definition eine Verkürzung des Selbstverständnisses und der Funktion der AmGuild auf nur ein Ziel hin – das der Schaffung einer deutschen Exilakademie. Wie bereits erwähnt findet sich aber im “Certificate of Incorporation“ der AmGuild noch kein Hinweis auf die geplante Begründung einer Exilakademie, und auch der “Plan of Action“ der AmGuild aus dem April 1936 erwähnt neben dem Aufbau einer Exilakademie auch die Schaffung eines deutsch-amerikanischen Buchklubs als weiteres Ziel. Die auf einem Arbeitsessen der AmGuild am 27.10.1937 von Brandes vorgeschlagenen Planungen für das Jahr 1938 sahen Ausgaben in Höhe von $ 20.000 für die Verwirklichung dieses Buchklubs und von $ 7.500 für eine Kunstausstellung vor, während die Stipendienzuwendungen nur $ 3.000 betragen sollten[79]. Ein Bericht Löwensteins und eine Denkschrift Bermanns über die Lage der exilierten deutschen Intellektuellen führte dann jedoch zu einer Änderung der Planungen, die für die zukünftige Arbeit der AmGuild von entscheidender Bedeutung sein sollte. Die von den “officers“ der AmGuild alsbald gutgeheißene Strategie der Auszahlung von möglichst vielen, verhältnismäßig gering dotierten Stipendien an Not leidende Intellektuelle[80] hatte zur Folge, dass das karitative Element der Tätigkeit der AmGuild von nun an dominierte. Aufgrund des Einflusses des European Council bei der Vergabe der Stipendien führte dies zwangsläufig zu einer Zunahme der Bedeutung der Exilakademie. Ihre Mitglieder schlugen potentielle Stipendiaten vor und wählten anschließend aus, wem eine von der AmGuild finanzierte Unterstützung ausgezahlt werden sollte. Der dominante Status der Exilakademie war, ex tunc betrachtet, nur das Ergebnis innerorganisatorischer Entwicklungen der AmGuild, nicht aber, wie die Aussage Zühlsdorffs ex nunc nahe legt, deren Ausgangspunkt.[81]

Zweitens insinuiert die Definition Zühlsdorffs eine einseitig funktionale Beziehung zwischen den beiden Organisationen. Diese Annahme scheint auf den ersten Blick gerechtfertigt, denn die AmGuild war tatsächlich eine Hilfsorganisation, die finanzielle Mittel zur Verfügung stellte, die durch die Exilakademie ab 1938 an Exilierte in materieller Bedrängnis verteilt wurden. Zühlsdorff gibt aber damit keine Antwort auf die Frage nach den Gründen der Wohltätigkeit der AmGuild, oder vielmehr scheint er sich die Frage, ob nicht nur die AmGuild für die Exilakademie, sondern auch die Exilakademie für die AmGuild eine funktionale Rolle besaß, nicht zu stellen. Dies mag aus der Beobachterposition Zühlsdorffs resultieren, die ihm, obwohl operativ an der Tätigkeit der AmGuild beteiligt, nur eine „deutsche“ Fremdbeschreibung[82] der amerikanischen repräsentativen und mäzenatischen Organisationsebenen erlaubte. Gleiches gilt für Löwenstein, der in seiner dritten Autobiographie den Versuch unternimmt, die Frage nach den Gründen der Unterstützung der deutschen Exilanten durch derart hochgestellte amerikanische Repräsentanten mit dem klischeehaften Verweis auf den „amerikanischen Idealismus“[83] zu beantworten.

Bei der Analyse der Selbstbeschreibungen der AmGuild stellt sich paradoxerweise, trotz der Vielzahl an überlieferten Dokumenten, ein zwar nicht quantitatives, aber qualitatives Quellenproblem. Da ein großer Teil der öffentlichen Verlautbarungen der AmGuild, das “Certificate of Incorporation“ oder der “Plan of Action“ ebenso wie die meisten Pressemitteilungen, aus der Frühphase der Gründung stammen und daher unter dem starken Einfluss Löwensteins und Bermanns zustande kamen, existieren nur wenige Dokumente, die über das „amerikanische“ Selbstverständnis der AmGuild Auskunft geben können. Einen Ausweg bieten hier die Reden, die amerikanische Repräsentanten der Organisation auf den Jahresversammlungen oder während der vier “fundraising events“ hielten. So erklärte Villard auf der Jahresversammlung vom 11.5.1938, die AmGuild sei “an American enterprise by which America will profit – must profit“[84]. Innenminister Ickes spach auf dem Dinner zu seinen Ehren am 26.4.1939 noch direkter davon, dass “we, the hosts of so many of these men of the spirit, are the gainers, benefiting from their skill, and earning from their wisdom and their experience.“[85] Die New York Herald Tribune berichtete am nächsten Tag unter der Überschrift “Ickes Says U.S. Is Enriched by Reich Refugees“[86] von der Veranstaltung und gab damit den Tenor der Rede des Innenministers exakt wieder. Dass diese Aussagen nicht dem feierlichen und formellen Anlass geschuldet waren, sondern eine Grundüberzeugung amerikanischer akademischer Kreise gegenüber deutschen emigrierten Intellektuellen in den 1930er und 1940er Jahren reflektieren, ist inzwischen eine der Grunderkenntnisse der Exilforschung[87] und lässt sich exemplarisch durch den Verweis auf die berühmten Worte Walter S. Cooks, Direktor des Institute of Fine Arts of New York, belegen : “Hitler is my best friend. He shakes the tree and I collect the apples.“[88]

Die Exilakademie besaß somit für die AmGuild ebenfalls eine funktionale Rolle, da ihre Mitglieder eine Mittlerfunktion zu exilierten deutschen Intellektuellen wahrnahmen, deren Projekte das amerikanische Kultur- und Wissenschaftsleben langfristig bereichern könnten: “How does it [the AmGuild] discover and reach the exile who has a half-finished experiment? an unpublished book? a picture that may one day do honor to one of our Museums? The discretionary, or detective, powers lie in a Foreign Committee on Awards, or more simply, a foreign Jury, composed of Thomas Mann, Feuchtwanger, Bruno Frank, Franz Werfel, and other distinguished exiles.“[89] Es erscheint durchaus legitim, die Beziehung zwischen Exilakademie und AmGuild, ähnlich wie Ursula Langkau-Alex dies für die Beziehungen zwischen explizit politischen Exilorganisationen bzw. Exilparteien und im Aufnahmeland bestehenden politischen Organisationen und Parteien nachgewiesen hat, als „instrumental-funktional“[90] aufzufassen.

Das „amerikanische“ Selbstverständnis der AmGuild lässt sich daher mit einem nur kurzen Verweis auf die karitative und philanthropische Arbeit der Organisation, deren Anerkennung dadurch in keiner Weise gemindert werden soll, nicht ausreichend fassen. Sicherlich war die AmGuild eine Hilfsorganisation, aber ihre Hilfe war durchaus interessegeleitet und auf ein völlig legitimes Ziel gerichtet, das “of vital interest for the United States“[91] war: Das Überleben der freien deutschen Kultur und Wissenschaft zu sichern, um von ihr profitieren zu können.

3.2 Das Selbstverständnis der Exilakademie

3.2.1 Die „Deutsche Akademie mit einem amerikanischen Mantel“ – Das Problem der nationalen Zuschreibung

Ebenso wie bei der Analyse des Selbstverständnisses der AmGuild stellt sich bei der Analyse des Selbstverständnisses der Exilakademie das Problem der nationalen Zuschreibung. Zühlsdorff bemerkt rückblickend, die Exilakademie „sollte ja ihrem Ursprung, ihrer Mitgliedschaft und ihren Zielen nach eine deutsche Institution sein“[92], und auch Mendelssohn beschreibt die Exilakademie einmal in einem Brief als „Deutsche Akademie mit einem amerikanischen Mantel“[93]. Was meint Zühlsdorff nun aber mit einem spezifisch deutschen Ursprung, mit deutscher Mitgliedschaft und den deutschen Zielen der Institution?

Dass sich die Exilakademie als Erbin einer bestimmten deutschen Akademie ansah, lässt sich durch keines der vorliegenden Dokumente direkt belegen. Zwar fällt die erwähnte statuarische Nähe zur Preußischen Akademie der Wissenschaften auf, doch beanspruchte die Exilakademie vielmehr, mit Hilfe der AmGuild die allgemeine Tradition „einer parteimäßig nicht gebundenen deutschen künstlerischen und wissenschaftlichen Kultur“[94] fortzuführen, wie sie in der Öffentlichkeit der Weimarer Republik grosso modo geherrscht hatte. Diese Tradition einer unabhängigen und zweckfreien Wissenschaft und Kunst, die sich keinem engstirnigen Nationalismus verpflichtete, war allerdings nicht primär in der Preußischen Akademie der Wissenschaften beheimatet gewesen, wie sich aus der Haltung einer Vielzahl ihrer Mitglieder gegenüber der neuen deutschen Demokratie und ihrer bereitwilligen Gleichschaltung nach dem Machtantritt Hitlers ablesen lässt[95]. Wohlwollender gegenüber der deutschen Republik und zumindest tendenziell resistenter gegen die vermeintlichen Verlockungen der völkischen Ideologie des Nationalsozialismus hatte sich hingegen ein nicht unerheblicher Teil der Mitglieder der Preußischen Akademie der Künste gezeigt und ihr Wirken in der Berliner Akademie unter das Schlagwort der „Geistesfreiheit“[96] gestellt. Auch viele der von der Exilakademie initiierten Aktivitäten, etwa die materielle Unterstützung jüngerer und weniger bekannter Kollegen durch Werkbeihilfen und Druckkostenzuschüsse oder die Ausschreibung eines Akademiepreises für ein besonders wertvolles doch bisher unentdecktes literarisches Werk, erinnern an die Aktivitäten der Sektion für Dichtkunst der Preußischen Akademie der Künste zu Ende der 20er Jahre.[97] Dass der „deutsche Ursprung“ der Exilakademie eher in der Preußischen Akademie der Künste als in derjenigen der Wissenschaften zu suchen ist, wird auch daran deutlich, dass von den 112 Mitgliedern unterschiedlichen Ranges der Exilakademie nur zwei zuvor der Preußischen Akademie der Wissenschaften, jedoch 13 der Preußischen Akademie der Künste angehört hatten.[98] Vielleicht sollte allerdings angesichts der 86% der Mitglieder, die vor ihrer Flucht keiner deutschen Akademie angehört hatten, weniger von einem „deutschen Ursprung“ der Exilakademie als von einer Neugründung in der Tradition gewisser deutscher Akademiestrukturen gesprochen werden, wofür auch die Altersstruktur der Mitglieder spricht, denn 72% der Mitglieder waren 1936 erst zwischen 35 und 55 Jahren alt.[99]

Problematischer als die Analyse des „deutschen Ursprungs“ der Exilakademie gestaltet sich die Analyse der „deutschen Mitgliedschaft“, denn nur 61% der Mitglieder der Exilakademie waren vor 1933 deutsche Staatsangehörige. 30% der Mitglieder waren hingegen Österreicher, während erstaunliche 9% der Mitglieder aus Ländern stammten, die zumeist östlich des Deutschen Reiches lagen. Trotzdem ist die Bezeichnung der Exilakademie als deutsch ungeachtet der damit einhergehenden Übernahme einer in damaligen Emigrantenkreisen gemiedenen NS-Diktion niemals in Frage gestellt worden und es ist nicht, wie im Falle der deutschen und österreichischen Exil-PEN-Clubs, zu einer organisatorischen Teilung nach Nationalitäten gekommen. Dies hätte auch der Überzeugung der Gründer und aktiven Mitglieder der Exilakademie widersprochen, da diese von jenen als eine Sammlungsinstitution der gesamten deutschsprachigen Emigration gesehen wurde[100], obgleich in offiziellen Verlautbarungen der Exilakademie und auch der AmGuild dem Adjektiv „deutsch“ gegenüber dem Adjektiv „deutschsprachig“ eindeutig Vorrang gewährt wurde. Ob dies aus PR-strategischen oder gar aus politischen Absichten geschah, ist nicht mehr rekonstruierbar. Festzuhalten bleibt, dass über die durchaus fragwürdige Bezeichnung der Exilakademie als einer deutschen Institution niemals offener Streit geherrscht hat, ganz im Gegensatz zu der innerorganisatorischen Diskussion über die „deutschen Ziele“ der Organisation.

3.2.2 “Seeking to preserve German Cultural Freedom“ – Bewahrung durch Repräsentation

Die Ziele der Exilakademie lassen sich im Wesentlichen an zwei selbstbeschreibenden Aussageclustern, zum einen bezüglich der repräsentativen Funktion der Exilakademie, zum anderen bezüglich der geplanten praktischen Kulturarbeit, ablesen.

Repräsentation wird bis in die heutige Zeit von den Trägern der jeweiligen Institution als eine der Hauptaufgaben von wissenschaftlichen und künstlerischen Akademien angesehen. Als Beispiel sei allein die wiedervereinigte bundesrepublikanische Folgeinstitution der Preußischen Akademie der Künste genannt, die laut Parlamentsbeschluss in erster Linie „der Repräsentation des Gesamtstaates auf dem Gebiet der Kunst und Kultur“[101] zu dienen habe. Um jedoch eine solche repräsentative Funktion wahrnehmen zu können, muss gewährleistet sein, dass die Mitglieder einer jeden Akademie auf ihrem Betätigungsgebiet herausragende Leistungen erbracht haben und, gleichsam fachintern als auch die Gruppe nach außen hin repräsentierend, eine „Elite in der Elite der Wissenschaftlergemeinschaft“[102] darstellen.

[...]


[1] SAHL, Hans. Das Exil im Exil. Memoiren eines Moralisten II. München. 1994, S. 9.

[2] ZÜHLSDORFF, Volkmar. Deutsche Akademie im Exil. Der vergessene Widerstand. Berlin.1999, S. 248 und Fußnote 39 auf S. 215.

[3] alle 14.000 Dokumente (sowohl Sach- als auch Personalakten) der AmGuild sind von Löwenstein 1970 der Deutschen Bibliothek in Frankfurt am Main übergeben und teilweise im begleitenden Katalog zur Ausstellung „Deutsche Intellektuelle im Exil“ 1993 veröffentlicht worden.

[4] neben den erinnernden Arbeiten Zühlsdorffs sind lediglich zwei Aufsätze wissenschaftlichen Charakters erschienen: AMANN, Klaus. Die ‚American Guild for German Cultural Freedom’und die ‚Deutsche Akademie’ im Exil (1935-1940). in: Johann Holzner et al. (Hrsg.). Eine schwierige Heimkehr. Österreichische Literatur im Exil 1938-1945. S. 181-204. Innsbruck. 1991 und ECKERT, Brita; BERTHOLD, Werner. Die American Guild for German Cultural Freedom und die Deutsche Akademie im Exil. in: John M. Spalek et al. (Hrsg.). Deutschsprachige Exilliteratur seit 1933. Bd. 3. Teil 3. S. 496-525. München. 2002.

[5] vgl. etwa die Monographien LANGKAU-ALEX, Ursula. Deutsche Volksfront 1932-1939. Zwischen Berlin, Paris, Prag und Moskau. Band 1-3. Berlin. 2004-2005 und GRANDJONC, Jean et al. Varian Fry : mission américaine de sauvetage des intellectuels anti-nazis, Marseille, 1940-1942. Arles. 1999, sowie AMANN, Klaus. PEN : Politik, Emigration, Nationalsozialismus. Wien. 1984.

[6] ECKERT/BERTHOLD (2002), American Guild, S. 495.

[7] vgl. STAMMEN, Theo. Exil und Emigration – Versuch einer Theoretisierung. in: Koebner, Thomas et al. (Hrsg.). Exilforschung. Ein internationales Jahrbuch. Bd. 5. S. 11-27. München. 1987; hier S. 11 ff.

[8] Die Deutsche Bibliothek / Deutsches Exilarchiv 1933-1945, Frankfurt a.M. / Archiv der Deutschen Akademie im Exil / American Guild for German Cultural Freedom / Signatur: EB 70/117. Im Folgenden: EB 70/117.

[9] Certificate of Incorporation of American Guild for German Cultural Freedom. in: Deutsche Intellektuelle im Exil. Ihre Akademie und die ‚American Guild for German Cultural Freedom’. Eine Ausstellung des Deutschen Exilarchivs 1933-1945 der Deutschen Bibliothek, Frankfurt am Main. Herausgegeben von Werner Berthold und Brita Eckert. München. 1993, S. 59.

[10] Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933. Herausgegeben von Werner Röder et al. 3 Bände. München. 1980-1983. Volume II. Part 1. Introduction. S. XV.

[11] das der American League of Writers angeschlossene Exiled Writers’ Committee und die German-American Writers’ Association wurden erst 1936 bzw. 1938 gegründet, vgl. DURZAK, Manfred. Die Exilsituation in USA. in: Durzak, Manfred (Hrsg.). Die deutsche Exilliteratur 1933-1945. S. 145 – 158. Stuttgart. 1973; hier S. 153 f.

[12] vgl. die Liste des Ankunftzeitpunkts exilierter Künstler (ohne Autor) in: SPALEK, John et al. (Hrsg.). Deutschsprachige Exilliteratur seit 1933. Bd. 3: USA. Teil 5. München. 2005, S. 505 ff.

[13] Typoskript „Nach Hitlers Fall“, Blatt 108, zitiert in: Deutsche Intellektuelle (1993), S. 23.

[14] Typoskript „Nach Hitlers Fall“, Blatt 108 f., zitiert in: Deutsche Intellektuelle (1993), S. 23.

[15] Typoskript „Nach Hitlers Fall“, Blatt 110, zitiert in: Deutsche Intellektuelle (1993), S. 24.

[16] ebda.

[17] ebda.

[18] Typoskript „Nach Hitlers Fall“, Blatt 108, zitiert in: Deutsche Intellektuelle (1993), S. 23.

[19] Typoskript „Nach Hitlers Fall“, Blatt 221, zitiert in: Deutsche Intellektuelle (1993), S. 26

[20] vgl. SEEFRIED, Elke. ‚A noteworthy contribution in the fight against Nazism’: Hubertus Prinz zu Löwenstein im Exil. in: Anthony Grenville (Hrsg.). Refugees from the Third Reich in Britain. S. 1-26. Amsterdam. 2002, hier S. 8 ff.

[21] zitiert in: Deutsche Intellektuelle (1993), S. 7.

[22] „[...] I thought that these men [the intellectuals] would fulfill the function of being trustees of German democratic culture, and I was sure that the world would listen to them as the representatives of the true Germany in which I believed.“ in: LÖWENSTEIN, Hubertus Prinz zu . On Borrowed Peace. Garden City, New York. 1942, S. 29

[23] LÖWENSTEIN (1942), On Borrowed Peace, S. 29 und S. 89.

[24] ZÜHLSDORFF (1999), Widerstand, S. 45.

[25] ECKERT/BERTHOLD (2002), Ameri can Guild, S. 498.

[26] Richard Arnold Bermann. Eine Deutsche Freistatt im Exil. Blatt 7. zitiert in: Deutsche Intellektuelle (1993), S. 40.

[27] MANN, Klaus. Der Wendepunkt. Ein Lebensbericht. Reinbek. 1984, S. 382.

[28] Bermann. Eine Deutsche Freistatt im Exil. Blatt 6. zitiert in: Deutsche Intellektuelle (1993), S. 40.

[29] ECKERT/BERTHOLD (2002), American Guild, S. 499.

[30] vgl. Deutsche Intellektuelle (1993), S. 43 ff. und ZÜHLSDORFF (1999), Widerstand, S. 36 ff.

[31] LÖWENSTEIN (1942), On Borrowed Peace, S. 46; sowie LÖWENSTEIN, Hubertus Prinz zu. Botschafter ohne Auftrag. Lebensbericht. Düsseldorf. 1972, S. 106, und LÖWENSTEIN, Hubertus Prinz zu. Abenteurer der Freiheit. Ein Lebensbericht. Frankfurt/Main. 1983 , S. 129.

[32] Deutscher Reichsanzeiger und Preußischer Staatsanzeiger Nr. 258 vom 3.11.1934. in: HEPP, Michael (Hrsg.). Die Ausbürgerung deutscher Staatsangehöriger 1933-45 nach den im Reichsanzeiger veröffentlichten Listen. 3 Bände. München. 1985-1988, Bd. 1. S. 5.

[33] ECKERT/BERTHOLD (2002), American Guild, S. 499 und AMANN (1991), American Guild, S. 183.

[34] „Prinz zu Löwenstein stellt sich vor: Bereit, Hitlers Erbe zu übernehmen“. in: Sonntagsblatt der New Yorker Staats-Zeitung und Herold vom 3.2.1935. zitiert in: Deutsche Intellektuelle (1993). S. 55 und in ZÜHLSDORFF (1999), Widerstand, S. 38.

[35] „I became more strongly resolved than ever not to attach myself to any of them.“, in: LÖWENSTEIN (1942), On Borrowed Peace, S. 130.

[36] Brief Hubertus Prinz zu Löwensteins an Albert Einstein vom 24.3.1936. zitiert in: Deutsche Intellektuelle (1993), S. 63 f. und Brief Hubertus Prinz zu Löwensteins an Carl Landauer vom 26.3.1936. zitiert in: Deutsche Intellektuelle (1993), S. 64.

[37] EBERHARD, Pascale. Les jeunes exilés allemands (1933-1945). Analyse des conditions de la création littéraire en exil. Thèse de troisième cycle sous la direction de Gilbert Badia. Paris. 1989, S. 6.

[38] „A Plan of Action“, in: EB 70/117 / Informationsmaterial der AmGuild / A Plan of Action, 1936.

[39] Vgl. MANN, Thomas. Tagebücher 1935-1936. Hrsg. von Peter de Mendelssohn. Frankfurt am Main. 1978, S. 330 und 616.

[40] EB 70/117 / Sachakten / Deutsche Akademie im Exil / Denkschrift über die Begründung einer Deutschen Akademie in New York. Vorgelegt durch die American Guild for German Cultural Freedom. Juni 1936.

[41] Brief Peter de Mendelssohns an Alfred Neumann vom 30.7.1936. aus: EB 70 / 117 / Personalakten / Mappe Mendelssohn.

[42] EB 70/117 / Sachakten / Gremienarbeit / Meetings des Board of Directors u.a. Gremien / 11.6.1936-11.10.1938 / nur Protokolle / chronologisch.

[43] aus „Nazis kill culture, says Prince“, in: Los Angeles Examiner vom 27.4.1936, zitiert in: Deutsche Intellektuelle (1993), S. 67.

[44] EB 70/117 / Sachakten / Board of Directors / Minutes of the Meeting of the Board of Directors 11.6.1936.

[45] EB 70/117 / Sachakten / Gründung / By-Laws = Statuten, 1936.

[46] LÖWENSTEIN (1942), On Borrowed Peace, S. 153.

[47] vgl. dazu auch Deutsche Intellektuelle (1993), S. 91.

[48] EB 70/117 / Sachakten / Board of Directors/ Minutes of the Meeting of Directors 5.3.1937.

[49] ZÜHLSDORFF (1999), Widerstand, S. 89 f.

[50] Deutsche Intellektuelle (1993), S. 98 ff.

[51] zu den Hintergründen vgl. ECKERT, Brita. Bedrohtes Exil. Prinz Löwensteins erste Exiljahre in Österreich und seine Zusammenarbeit mit Richard A. Bermann beim Aufbau einer „American Guild for German Cultural Freedom“. in: Ziehharmonika. Wien. 16. Jahrgang. Nr 2. S. 23-27. 1999

[52] EB 70/117 / Sachakten / Gründung / Löwenstein, Hubertus Prinz zu: Mitteilung über die Gründung der „Deutschen Akademie der Künste und Wissenschaften“, Rede auf dem PEN-Congress, Paris 1937“.

[53] Brief von Hubertus Prinz zu Löwenstein an Barbara B. Tolnai vom 31.3.1936, zitiert in: Deutsche Intellektuelle (1993), S. 64 f.

[54] ZÜHLSDORFF (1999), Widerstand, S. 55.

[55] Brief von Richard A. Bermann an Hubertus Prinz zu Löwenstein vom 17.9.1937, zitiert in: Deutsche Intellektuelle (1993), S. 115.

[56] Der Preis selbst war vom amerikanischen Verlag Little, Brown & Co. gestiftet worden, der sich zugleich verpflichtete, das preisgekrönte Werk zu veröffentlichen.

[57] Deutsche Intellektuelle (1993), S. 117 und ECKERT/BERTHOLD (2002), American Guild, S. 505.

[58] Minutes of the Meeting of the Board of Directors 17.12.1937.

[59] LÖWENSTEIN (1983), Abenteurer, S. 144.

[60] Brief Sarah F. Brandes’ an Richard A. Bermann vom 15.2.1938, zitiert in: AMANN (1991), American Guild, S. 193.

[61] vgl. ECKERT/BERTHOLD (2002), American Guild, S. 503; die Statuten der Exilakademie waren sogar erst im Herbst 1938 endgültig fixiert.

[62] alle folgenden Angaben in: EB 70/117 / Sachakten/ Executive Committee / Memoranden / 1.12.1938-10.7.1940 / chronologisch und EB 70/117 / Sachakten / Gründung / By-Laws = Statuten, 1936 und EB 70/117 / Sachakten / Gremienarbeit / Organisationsübersichten; es wurden bei der Erstellung des Organigramms allerdings nur die Gremien und Komitees berücksichtigt, für die tatsächlich Sitzungs- und Beschlusstätigkeit nachgewiesen werden konnte.

[63] EB 70/117 / Sachakten / Board of Directors.

[64] Stand April 1937; die Anzahl der Direktoren war statuarisch auf eine Zahl zwischen drei und 30 festgelegt, schwankte aber nach 1937 nur noch unwesentlich.

[65] Suggestions of the Acting Secretary, in: EB 70/117 / Sachakten / Gründung / By-Laws = Statuten, 1936.

[66] am 17.5.1937, 11.5.1938, 5.4.1939 und 15.3.1940; vgl. EB 70/117 / Sachakten / Jahres-Mitgliederversammlungen = Annual Meetings.

[67] vgl. By-Laws, Blatt 6, in: EB 70/117 / Sachakten / Gründung / By-Laws = Statuten, 1936.

[68] der Vorsitzende der Exilakademie, zugleich, wie erwähnt, Präsident des European Council, hatte die Bevollmächtigung, den Vorsitzenden des Stipendienausschusses der AmGuild zu ernennen, vgl. „Suggestions of the Acting Secretary“, Blatt 3, in: EB 70/117 / Sachakten / Gründung / By-Laws = Statuten, 1936.

[69] Dort waren unmittelbar nach den “officers“ und den Mitgliedern des Direktoriums alle Mitglieder des European Council der AmGuild aufgeführt.

[70] Brief Hubertus Prinz zu Löwensteins an Fritz Demuth vom 23.6.1936, zitiert in: Deutsche Intellektuelle (1993), S. 72.

[71] HARDTWIG, Wolfgang, Die Preußische Akademie der Wissenschaften in der Weimarer Republik. in: Fischer, Wolfram (Hrsg.). Die Preußische Akademie der Wissenschaften zu Berlin 1914-1945. Berlin: Akademie Verlag. 2000, S. 26 ff.

[72] „Statuten der Deutschen Akademie der Künste und Wissenschaften im Exil. IV. Entwurf“, Blatt 9, in: EB 70/117 / Sachakten / Deutsche Akademie im Exil / Statuten.

[73] GRAU, Conrad. Die Preußische Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Heidelberg. 1993, S. 19.

[74] alle Angaben zur Organisationsstruktur der Exilakademie aus: „Statuten der Deutschen Akademie der Künste und Wissenschaften im Exil. IV. Entwurf“, in: EB 70/117 / Sachakten / Deutsche Akademie im Exil / Statuten.

[75] HARTKOPF, Werner; WANGERMANN, Gert. Dokumente zur Geschichte der Berliner Akademie der Wissenschaften von 1700 bis 1990. Heidelberg. 1991, S. 127 ff.

[76] vgl. KIESER, Alfred; KUBICEK, Herbert. Organisation. Berlin. 1992, S. 4.

[77] ZÜHLSDORFF (1999), Widerstand, S. 47; vgl. auch S. 69.

[78] ECKERT/BERTHOLD (2002), American Guild, S. 495.

[79] EB 70/117 / Sachakten / Board of Sponsors and Board of Directors: Dinner Meeting, 27.10.1937.

[80] EB 70/117 / Sachakten / Executive Committee / Meeting, 26.1.1938.

[81] auch Löwenstein spricht rückblickend von einer gleichzeitigen Gründung der beiden Organisationen, vgl. LÖWENSTEIN (1983), Abenteurer, S. 115.

[82] zu Fremd- und Selbstbeschreibungen von Organisationen: LUHMANN, Niklas. Organisation und Entscheidung. Wiesbaden. 2000, S. 433.

[83] LÖWENSTEIN (1972), Botschafter, S. 133.

[84] EB 70/117 / Sachakten / Aktionen zur Mitgliederwerbung und Fund Raising / Second Annual Dinner Meeting, 11.5.1938 / Reden.

[85] EB 70/117 / Sachakten / Ickes-Dinner / Dinner : Reden.

[86] zitiert in: Deutsche Intellektuelle (1993), S. 268.

[87] vgl. das Handbuch der deutschsprachigen Emigration 1933 – 1945. Herausgegeben von Claus-Dieter Krohn et al. Darmstadt. 1998, S. 686 f. und die Darstellung der Aufnahme exilierter Wissenschaftler durch und in amerikanische akademische Kreise in: GEMELLI, Giuliana. Scholars in Adversity and Science Politics (1933-1945). in: Gemelli, Giuliana (Hrsg.). The “Unacceptables“. American Foundations and Refugee Scholars between the Two Wars and after. S. 13-34. Brüssel. 2000, hier, S. 30 sowie KROHN, Claus-Dieter. American Foundations and Refugee Scholars between the Two Wars. in: Gemelli, Giuliana (Hrsg.). The “Unacceptables“. American Foundations and Refugee Scholars between the Two Wars and after. S. 35-50. Brüssel. 2000, S. 36.

[88] FERMI, Laura . Illustrious Immigrants. The Intellectual Migration from Europe, 1930 – 41. Chicago. 1968, S. 78.

[89] aus der Rede Samuel Barlows auf dem Thomas-Mann-Dinner vom 20.4.1937, in: EB 70/117 / Sachakten / Thomas-Mann-Dinner / Dinner / Reden.

[90] LANGKAU-ALEX, Ursula. Zu den Beziehungen zwischen Organisationen der politischen deutschen Emigranten in Frankreich und französischen Organisationen 1933-1940. in: Frühwald, Wolfgang et al. (Hrsg.). Leben im Exil. Probleme der Integration deutscher Flüchtlinge im Ausland 1933-1945. S. 188-199. Hamburg. 1981, hier S. 188.

[91] Begleitheft zum Gründungskonzert in Los Angeles vom 23.9.1936, Blatt 2, in: EB 70/117 / Sachakten / Gründung / Gründungskonzert.

[92] ZÜHLSDORFF (1999), Widerstand, S. 55.

[93] Brief von Peter de Mendelssohn an Alfred Neumann vom 30.7.1936, in: EB 70/117 / Personalakten / Mappe Mendelssohn.

[94] Denkschrift über die Begründung einer Deutschen Akademie in New York, Blatt 3, in: EB 70/117 / Sachakten / Deutsche Akademie im Exil.

[95] vgl. HARDTWIG (2000), Die Preußische Akademie der Wissenschaften, S. 34 ff.

[96] BRENNER, Hildegard. Ende einer bürgerlichen Kunst-Institution. Die politische Formierung der Preußischen Akademie der Künste ab 1933. Stuttgart. 1972, S. 14.

[97] vgl. JENS, Inge. Dichter zwischen rechts und links. Die Geschichte der Sektion für Dichtkunst an der Preußischen Akademie der Künste dargestellt nach den Dokumenten. Leipzig. 1994, S. 141 ff.

[98] die für diese Analyse verwendeten Listen befinden sich in BRENNER (1972) , Ende einer bürgerlichen Kunstinstitution, S. 162 ff.; JENS (1994), Dichter zwischen rechts und links, S. 292 f. und HARTKOPF, Werner. Die Berliner Akademie der Wissenschaften. Ihre Mitglieder und Preisträger 1700-1990. Berlin. 1992 .

[99] alle Angaben, die für diese Analyse sowie für die im Weiteren folgenden Analysen der Akademiemitgliederstruktur benötigt wurden, sind dem Biographischen Handbuch der deutschsprachigen Emigration (1980-1983) entnommen; wertvolle Ansätze zur quantitativen Analyse von Exilbiographien finden sich in: SRUBAR, Ilja. Zur Typisierung von Emigrationsverläufen. Dargestellt am Beispiel der Emigration deutschsprachiger Sozialwissenschaftler nach 1933. in: Strauss, Herbert et al. (Hrsg.). Die Emigration der Wissenschaften nach 1933. Disziplingeschichtliche Studien. S. 165-182. München. 1991, hier S. 165 ff.

[100] ZÜHLSDORFF (1999), Widerstand, S. 34 f.

[101] Gesetz zur Errichtung der Akademie der Künste vom 1.5.2005. in: BGBl, Teil I, Nr. 26/2005, §2, S. 1218.

[102] HARDTWIG (2000) , Die Preußische Akademie der Wissenschaften, S. 36.

Ende der Leseprobe aus 84 Seiten

Details

Titel
Die American Guild for German Cultural Freedom und die Deutsche Akademie im Exil
Untertitel
Selbstverständnis und Praxis
Hochschule
Universität zu Köln  (Philosophische Fakultät)
Note
1,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
84
Katalognummer
V137531
ISBN (eBook)
9783640449118
Dateigröße
1098 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Exil, Nationalsozialismus, Akkulturation, Akkomodation, Deutsche Akademie im Exil, American Guild for German Cultural Freedom, Thomas Mann, Albert Einstein, Heinrich Mann, Klaus Mann, Lion Feuchtwanger, Emigration, Fundraising, Exilregierung
Arbeit zitieren
Jan Aengenvoort (Autor), 2006, Die American Guild for German Cultural Freedom und die Deutsche Akademie im Exil, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/137531

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