Das biomedizinische Modell, welches von einer Trennung zwischen Körper und Geist ausgeht, ist bis heute nicht vollständig aus den Köpfen der Pflegenden verschwunden. Dennoch hat sich die gegenwärtige Pflege ausdrücklich von diesem Modell abgewandt und sich in Richtung ganzheitliche und individuelle Betreuung der Patienten bewegt. Durch diesen holistischen Ansatz hat die Pflege die Möglichkeit eine autonome Stellung zu erreichen und sich ihrerseits von der Medizin abzugrenzen. Gute Anläufe in Deutschland gibt es seit der Ausweitung der Pflegewissenschaften und der Übernahme einiger Pflegetheorien aus den USA. Dieser Aufbruch wird ebenfalls durch die Organisation des ersten internationalen Pflegetheorien- Kongresses 1997 in Nürnberg deutlich, welcher etwa 50 Jahre nach Entwicklung der ersten Theorien und Modelle stattfand. Darüber hinaus hat die Akademisierung der Pflege deutlich dazu beigetragen, dass sie mehr und mehr ein eigenes Gebiet für sich beansprucht. Die Professionalisierung der Pflege steht noch am Anfang ihrer Entwicklung, allerdings tragen die pflege¬wissenschaftlichen Theorien einen bedeutsamen Teil dazu bei.
Die Selbstpflegedefizit-Theorie von Dorothea E. Orem, welche in vielen Ländern und auch in Deutschland bereits zur Anwendung kommt, soll Thema dieser Hausarbeit sein. Welche Gewichtung Orems Theorie für die Pflegewissenschaft und welche Tragweite sie in der Praxis einnimmt, soll im Folgenden beleuchtet werden.
Nach einer kurzen Darstellung von Dorothea E. Orems Lebenslauf folgt die Veranschaulichung der Selbstpflegedefizit-Theorie mit ihren zugehörigen Komponenten. Orems Verständnis des Pflegeprozesses wird im Einzelnen erörtert. Anschließend stellt der Autor die Intensivstation des Evangelischen Krankenhauses in Münster vor, und ein möglicher Bezug von Dorothea E. Orems Theorie zur Organisationseinheit soll hergestellt werden. Als Fazit wird die Zweckmäßigkeit der Selbstpflegedefizit-Theorie und deren Wirksamkeit für den pflegerischen Alltag betrachtet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Selbstpflegedefizit-Theorie nach Dorothea E. Orem
2.1 Biographie Dorothea E. Orem
2.2 Die Theorie der Selbstpflege/Dependenzpflege
2.2.1 Allgemeine, universelle Selbstpflegeerfordernisse
2.2.2 Entwicklungsbedingte Selbstpflegeerfordernisse
2.2.3 Gesundheitsbezogene Selbstpflegeerfordernisse
2.2.4 Situativer Selbstpflegebedarf
2.2.5 Selbstpflegekompetenz
2.2.6 Dependenzpflegekompetenz
2.3 Die Theorie des Selbstpflegedefizits
2.3.1 Pflegekompetenz
2.4 Die Theorie des Pflegesystems
2.4.1 Vollständig kompensatorisches System
2.4.2 Teilweise kompensatorisches System
2.4.3 Unterstützend-erzieherisches System
3 Dorothea E. Orems Konzept des Pflegeprozesses
3.1 Diagnose und Verordnung
3.2 Entwurf und Planung
3.3 Regulation und Kontrolle
4 Anwendung der Selbstpflegedefizit-Theorie in der Praxis
4.1 Fallbeispiel
4.2 Evaluation
5 Stärken und Schwächen der Theorie
5.1 Stärken der Theorie
5.2 Schwächen der Theorie
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Relevanz und Anwendbarkeit der Selbstpflegedefizit-Theorie von Dorothea E. Orem im Kontext der professionellen Pflegepraxis, insbesondere auf einer Intensivstation. Ziel ist es zu analysieren, wie die theoretischen Konzepte Orems zur Professionalisierung und Systematisierung des pflegerischen Handelns beitragen und ob sie sich zur Bewältigung komplexer Pflegesituationen eignet.
- Grundlagen und zentrale Konzepte der Selbstpflegedefizit-Theorie
- Strukturierung des pflegerischen Handelns mittels des Pflegeprozesses
- Anwendung der Theorie anhand eines konkreten Fallbeispiels in der Intensivpflege
- Kritische Reflexion der Stärken und Schwächen des theoretischen Modells
- Bedeutung der Pflegetheorien für die Akademisierung und Professionalisierung
Auszug aus dem Buch
2.4.3 Unterstützend-erzieherisches System
Hierbei übernimmt der Patient die Selbstpflege eigenhändig und er benötigt nicht mehr als eine Unterstützung oder Anleitung vom Pflegekundigen. Dieser reguliert die Ausübung der Selbstpflege und entwickelt gemeinsam mit dem Patienten seine Selbstpflegekompetenz. Sobald das für den Patienten geeignete Pflegesystem ergründet wurde, müssen nach Orem so genannte „ Methoden des Helfens“ ausgewählt werden. Dorothea E. Orem klassifiziert folgende Methoden:
• „Für andere handeln und agieren.
• Führen und anleiten.
• Physische oder psychologische Unterstützung geben.
• Ein Umfeld errichten und erhalten, das die persönliche Entwicklung fördert.
• Unterrichten.“
Die genannten Methoden werden in allen Pflegesystemen zum Einsatz gebracht und können miteinander verknüpft werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt die Entwicklung der Pflege weg vom biomedizinischen Modell hin zur ganzheitlichen Betreuung dar und führt in das Thema der Selbstpflegedefizit-Theorie ein.
2 Die Selbstpflegedefizit-Theorie nach Dorothea E. Orem: In diesem Kapitel werden die theoretischen Grundlagen, die Komponenten der Selbst- und Dependenzpflege sowie die Struktur der Pflegesysteme detailliert erläutert.
3 Dorothea E. Orems Konzept des Pflegeprozesses: Dieses Kapitel beschreibt den pflegerischen Handlungsrahmen unterteilt in Diagnose, Verordnung, Entwurf, Planung sowie Regulation und Kontrolle.
4 Anwendung der Selbstpflegedefizit-Theorie in der Praxis: Hier wird die praktische Umsetzbarkeit der Theorie anhand eines Fallbeispiels aus einer Intensivstation diskutiert und evaluiert.
5 Stärken und Schwächen der Theorie: Das Kapitel reflektiert den Nutzen der Theorie für den Alltag sowie die Herausforderungen bei ihrer Anwendung und Interpretation.
6 Fazit: Das Fazit beurteilt die Bedeutung Orems für die professionelle Pflege und die Notwendigkeit einer wissenschaftlich fundierten Praxis.
Schlüsselwörter
Dorothea E. Orem, Selbstpflegedefizit-Theorie, Pflegetheorie, Pflegeprozess, Selbstpflegekompetenz, Dependenzpflege, Pflegesystem, Intensivpflege, Professionalisierung, Pflegewissenschaft, Patientenbetreuung, Pflegepraxis, Gesundheitsförderung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Pflegetheorie von Dorothea E. Orem, ihren zentralen Konzepten und deren praktischer Anwendung in der klinischen Pflege.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der Theorie der Selbstpflege, der Analyse von Selbstpflegedefiziten sowie der praktischen Implementierung der daraus abgeleiteten Pflegesysteme.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Erforschung der Tragweite und Zweckmäßigkeit von Orems Theorie für den pflegerischen Alltag, insbesondere in komplexen Bereichen wie der Intensivstation.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, ergänzt durch eine exemplarische Fallstudie zur praktischen Anwendung der Pflegetheorie.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung der Konzepte, die Beschreibung des Pflegeprozesses nach Orem und die fallbasierte Anwendung und Evaluation.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Selbstpflegedefizit, Pflegekompetenz, Pflegesystem und Professionalisierung der Pflege.
Wie unterscheidet Orem zwischen den Pflegesystemen?
Orem klassifiziert Pflegesysteme basierend auf dem Grad der Abhängigkeit des Patienten: vollständig kompensatorisch, teilweise kompensatorisch oder unterstützend-erzieherisch.
Was sind die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Fallbeispiel?
Das Beispiel zeigt, dass die Theorie auch in hochkomplexen Bereichen wie der Intensivstation anwendbar ist, sofern eine fachgerechte Schulung des Personals erfolgt.
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- Guido Pabst (Author), 2009, Die Selbstpflegedefizit-Theorie nach Dorothea Orem, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/137581