Fotos aus dem Ersten Weltkrieg - Analyse der Privatfotographien aus verschiedenen Regimentsbüchern


Seminararbeit, 2009
15 Seiten

Leseprobe

Gliederung

Einleitung

1. Bedeutung der Fotographie für die Geschichtswissenschaft und ihre historische Einordnung und Verwendung

2. Analyse verschiedener Bildbände

3. Gattungen
3.1 Das Bild des Soldaten
3.2 Darstellungen des Krieges
3.3. Bilderwelt der dienenden Front
3.4 Auswirkungen des Krieges

4. Zusammenfassung

5. Quellen

Einleitung

Der Erste Weltkrieg stellt in vielerlei Hinsicht eine Zäsur dar; die Menschen des ausgehenden 19. Jahrhunderts durchlebten einen technischen Fortschritt, der seinesgleichen sucht. Dass dem technischen Fortschritt auch ein moralischer folgte, war ein weitverbreiteter Irrglauben, der in den Grabenkämpfen bei Verdun offensichtlich wurde. In all seiner Grausamkeit zeigte sich, dass die technischen Errungenschaften, die das Leben vereinfachen sollten, auch ebendieses vernichten konnte. Erstmals wurden Flugzeuge, maschinelle Gewehre, motorisierte Fahrzeuge und Giftgas in unvorstellbaren Dimensionen eingesetzt. Aber auch der Alltag an der Front wich stark von den vorangegangenen Kriegserfahrungen ab. Die Weiterentwicklung der Fotografie ermöglichte die Aufnahme von Situationen, die man nach Hause schicken konnte. Neben Tagebüchern, Chroniken, Interviews, Briefen und der Feldpost ist es die Fotografie, die durch den 1. Weltkrieg als historische Quelle zum ersten Mal für die Geschichtswissenschaft zugänglich wird.

Ehemals waren nur Standfotos möglich, die eine lange Belichtungszeit benötigten – somit nur für Porträtfotografie geeignet. Der Einsatz der Fotografie war sicherlich auch schon vorher gängig; es gibt genügend Fotodokumente aus dem amerikanischen-mexikanischen Krieg (1846-48), dem Krimkrieg (1853­1856), dem amerikanischen Bürgerkrieg (1861-1865) und den Reichseinigungskriegen (1864/ 1866/ 1870/1871). Nur unterscheiden sich diese von denen des Ersten Weltkrieges unter mehreren Gesichtspunkten. Sich rasch ändernde Situationen, sowie Bewegungen, wie sie an der Front üblich waren, wären mit dieser Form der Fotografie unmöglich gewesen. Die neuen Maßstäbe waren verschieden in der Qualität der Fotos, der Handhabung der Kamera, der Bedienung, der Entwicklung der Bilder und den ökonomischen Bedingung derselben. Zu diesem Zeitpunkt waren Kameras für eine breite Masse preislich erschwinglich und das Entwickeln der geschossenen Fotos unterlag keinem großen Aufwand, der nur von einem kleinen Expertenkreis vorgenommen werden konnte. Jedoch waren die technischen Möglichkeiten auch noch im Ersten Weltkrieg begrenzt; das Abfeuern von Geschützen, ein Sturmangriff oder fahrende Vehikel entzogen sich dem Aufnahmerepertoire, ebenso wie schnelle Bewegungen jeglicher Art. Zudem war das Fotografieren im unmittelbaren Schlachtengeschehen – den Umständen geschuldet – schwer zu realisieren. Um solche Szenen dennoch festzuhalten, wurden sie zumeist nachgestellt. Eine andere Methode bestand in der posthumen Fotografie der zerstörten Objekte, wie durchgepflügte Landschaften (z.B. Granatkrater) oder zerbombte Gebäude, die den Angriffen zum Opfer fielen.

Klare, scharfe Fotos brauchte eine Szene, die still stand. Zumal man bedenken muss dass das Risiko unbewaffnet, mit einer Kamera ausgerüstet, stieg.

Durch all diese beschriebenen Neuerungen liegen uns nun Dokumente vor, die uns eine weitere Perspektive auf den Krieg und seinen Alltag zeigen. Aus dem Gros der Fotos sollen in der vorliegenden Arbeit einige ausgewählte systematisch eingeordnet und analysiert werden.

1. Bedeutung der Fotographie für die Geschichtswissenschaft und ihre historische Einordnung und Verwendung

Die Fotografie als das neue Medium am Ende des 19. / Beginn des 20. Jahrhunderts erreichte eine Breitenwirkung, die auch den Krieg nicht aussparte. „Erst in den 1880er Jahren begann sich ein breites Publikum für die Fotografie zu interessieren.“1 Schon der Krimkrieg setzte auf Fotografie und gilt somit als „erster Medienkrieg“2 Die präfotografischen Quellen waren zumeist schriftlicher Natur und somit stützte sich die Geschichtsschreibung auf Korrespondenzschreiben, Zeitzeugenberichten und ähnlichen Dokumenten, die auf ihren Wahrheitsgehalt schwer zu überprüfen sind, da eine übertriebene Glorifizierung (z.B. Biograph von Alexander den Großen) ebenso wie eine starke Schmälerung von der subjektiv gefärbten Interpretation des Verfassers abhing. Der Fotografie als unkommentierte Abbildung der Geschehnisse kommt die Rolle als neutraler Beobachter zu, der man einen höheren Wahrheitsgehalt beimisst;

zwar sind auch diese Dokumente in gewisser Weise Interpretationen eines handelnden Subjekts, doch die reine in Augenscheinnahme der abgebildeten Situationen und Objekten präsuppositioniert einen höheren Objektivitätsgrad. Man darf bei aller Neuerung an dieser Stelle auch nicht vergessen, dass Fotos auch zu Propagandazwecken absichtlich in Szene gesetzt wurden oder auch im Nachhinein gefälscht werden konnten.

Der Untertitel einer Fotografie ist ausschlaggebend für die Einordung derselben. Viele der uns heute vorliegenden Bildbände entstanden entweder unmittelbar nach dem Krieg oder in den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts und dienten in dieser Zeit schon der politischen Instrumentalisierung durch das „konservativ- nationale Lager“3. Aber auch die Linken bzw. Sozialdemokraten gebrauchten die Fotografien für ihre Zwecke. In diesem Kontext, wo Untertitel bewusst zur Lenkung der Meinung des Betrachters gewählt wurden, nennt man „zweite Zensur“4, weil bereits während des Krieges die Fotografien von staatlicher Seite (z.B. Pressefotografien) mit einer propagandistischen Intention inszeniert wurden.

Die überlieferten Fotografien stellen eine Art „Reisetagebuch“ der Regimenter dar, da sie den Frontverlauf, Truppenverschiebung und –stärke dokumentieren und somit den Historikern der Gegenwart helfen, den Kriegsverlauf zu rekonstruieren.

Die Glaubwürdigkeit der Fotografie als objektive Quelle schwand mit jedem weiteren Kriegsjahr, als sich die Deutsche Heeresführung durchgehend als Sieger gebärdete und die geschönten Darstellungen (wie bereits oben erwähnt) von den Berichten der Soldaten in den Briefen an die Heimat sowie den mündlichen Erzählungen auf Fronturlaub stark abwichen. Diese Diskrepanz von propagandistischer Darstellung mit heroischen Abbildungen, die den Krieg als durchgehenden Sieg von Schlachten illusionierte, und allgemeinen Kriegsalltag – der auch Niederlagen kannte – half später auch Dolchstoßlegenden zu nähren und die entstehende Weimarer Republik zu destabilisieren.

Trotz des Glaubwürdigkeitsverlusts sollte man sich eine differenzierte Perspektive offenhalten und die Mannigfaltigkeit der Bilder und ihrer Entstehung berücksichtigen, um eine fundierte Analyse zu gewährleisten.

2. Analyse verschiedener Fotobände zum 1. Weltkrieg

Zur Erreichung eines möglichst hohen Grades an Objektivität stellen sich Erinnerungs- und Fotobände von verschiedenen Regimentern als eine wertneutrale Quelle heraus, die ohne politische Absichten den Dienst des Soldaten an der Front dokumentieren sollte. Der Beweggrund zur Anfertigung eines solchen Erinnerungsbandes findet sich bereits im Vorwort des Autors, der da u.a. lautet: „den Toten zum ehrenden Gedächtnis, kommenden Geschlechtern zur Nacheiferung!“5 In den Regimentsbüchern halten Soldaten das Kriegsgeschehen zur eigenen Erinnerung fest und somit sind diese wenig bis gar nicht politisch motiviert oder verzerrt. Vielmehr wollten sie des gefallenen Kameraden gedenken und ihnen damit ein Denkmal setzen. Schaut man sich die Regimentsbücher genauer an, so entdeckt man eine Vielzahl von Motiven. Die fotografierenden Soldaten dokumentierten ihre Zeit fernab der Heimat. Wie oben erwähnt bekam es somit den Charakter eines „Reisetagebuchs“, in dem auch scheinbare Banalitäten festgehalten wurden. So finden sich neben Gruppenfotos, Bilder von Gebäuden, Landschaften, Kriegsgräbern oder Gottesdiensten. Dank dieser Bilddokumente, die zu verschiedenen Zeiten gemacht wurden, erhält der Betrachter auch ein Eindruck von der Zerstörung und die sich verändernde Landschaft gegenüber älteren Bildern. Der Hauptbestandteil setzt sich jedoch aus den schon erwähnten Gruppenfotos zusammen. Sie dokumentieren freundschaftliche und kameradschaftliche Bekanntschaften, die während der Frontzeit geschlossen wurden. Da viele der aufgenommenen Kameraden während des Krieges fielen, dienen die Fotos als Erinnerung und ein Stück Ehrerweisung gegenüber diesen, wie man auch in den angefügten Gedichten (z.B. „Den toten Kameraden!“6) ablesen kann.

[...]


1 Holzer, Anton: Mit der Kamera bewaffnet. Krieg und Fotografie. Marburg 2003, S. 60.

2 Ebd. S. 9.

3 Holzer, Anton: Mit der Kamera bewaffnet. Krieg und Fotografie. Marburg 2003, S. 61.

4 Ebd. S. 61.

5 Sodenstern, Hans von (Major a.D. Hauptmann und Kompaniechef 3/90): Kriegsgeschichte des Großherzoglichen Füsilier-Regiments Nr. 90 Kaiser Wilhelm 1914-1918, Rostock 1923-1924, S. 6.

6 Gieraths, Günther: Geschichte des Rev.-Infanterie-Regiments Nr. 210 und seiner Grenzschutz-Formation (1914-1920). Erinnerungsblätter deutscher Regimenter, Bd. 231, Oldenburg/ Berlin 1928. Anhang.

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Details

Titel
Fotos aus dem Ersten Weltkrieg - Analyse der Privatfotographien aus verschiedenen Regimentsbüchern
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Seminar: Bilder des Ersten Weltkrieges
Autor
Jahr
2009
Seiten
15
Katalognummer
V137606
ISBN (eBook)
9783640455133
ISBN (Buch)
9783640454990
Dateigröße
1436 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fotos, Ersten, Weltkrieg, Analyse, Privatfotographien, Regimentsbüchern
Arbeit zitieren
Christian Schewe (Autor), 2009, Fotos aus dem Ersten Weltkrieg - Analyse der Privatfotographien aus verschiedenen Regimentsbüchern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/137606

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