Das 6. Buch der "10 Bücher Geschichten" von Gregor von Tours


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003
23 Seiten, Note: gut (2)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zur Person des Gregor von Tours
2.1 Das Leben des Gregor von Tours in einem kurzen Abriss
2.2 Gregor von Tours` Verständnis von Geschichtsschreibung

3. Eine Übersicht des 6. Buches und die konzeptionelle Besonderheit
3.1. Ein Überblick
3.2. Heilige vs. Herrscher
3.3. Konzeptionelle Besonderheiten

4. Fazit

5. Literatur

1. Einleitung

In meiner Hausarbeit des Hauptseminars Mittelalter „Herrscher und Heilige. Von der historiographischen Konzeption Gregors von Tours“ untersuche ich das 6. Buch aus Gregors von Tours „10 Bücher Geschichten“. Ausgehend von der Fragestellung der Beschreibung des Verhältnisses zwischen den Heiligen und den Herrschern untersuche ich die Konzeption Gregors von Tours. Im Hintergrund steht dabei immer die Rolle Gregors von Tours, als Bischof von Tours und damit seine enge Verbundenheit zu der „Gruppe“ der Geistlichen.

Herrscht in der Beschreibung dieser beider Gruppen eine „Schwarz-Weiß-Malerei“ vor, bei der die Bischöfe, Äbte, etc. durchweg nur positiv beschrieben werden und die Könige, Kaiser, Herzöge, etc. nur die negativen Charaktereigenschaften zugeschrieben bekommen oder ist die Beschreibung doch differenzierter? Nach Johann Wilhelm Loebell[1] bildeten die Geistlichen zur Zeit Gregors von Tours den geistlich und sittlich hervorragendsten Teil der Bevölkerung; einzelne unerfreuliche Taten fielen dann auch nicht auf die Institution Kirche, sondern auf einzelne Personen zurück. Ist dies zutreffend?

Wie sind in der Konzeption Gregors von Tours die einzelnen Geschehnisse und Charakteristiken von Herrschern und Heiligen in den verschiedenen Kapiteln des 6. Buches miteinander verwoben? Welche Absicht verfolgt Gregor von Tours mit dieser Art der historiographischen Konzeption?

Anhand von einigen ausgewählten Kapiteln gehe ich dieser Fragestellung nach.[2]

2. Zur Person des Gregor von Tours

2.1 Das Leben des Gregor von Tours in einem kurzen Abriss

Gregor von Tours wurde als Georgius Florentius Gregorius am 30. November 538 oder 539 in der Civitas Clermont (dem heutigen Clermont-Ferrand) geboren. Seine Familie gehörte dem senatorischen Adel an – sie stammte von Vettius Epagathus ab, der bei der Christenverfolgung 177 in Lyon als Märtyrer gestorben war[3]. Gregor betrachtete dies als große Auszeichnung für sein Geschlecht. Sein Vorfahre verlieh der Standesqualität seiner gallo-römischen Senatorenfamilie eine ganz besondere Note.[4]

Sein Onkel väterlicherseits Gallus war Bischof von Clermont (525-551). Über seinen Vater Florentius ist nicht viel bekannt, seine Mutter Armentaria war väterlicherseits Enkelin des Senators und Bischofs Gregorius von Langres (506/7-539). Gregor war der jüngste Sohn der Familie; erstgeborener Sohn war Petrus und ihm folgte eine Tochter unbekannten Namens.

Im Alter von etwa 8 Jahren starb Gregors Vater Florentius. In der darauf folgenden Zeit, ca. 548-551, hielt sich Gregor anscheinend[5] zusammen mit seiner Mutter des öfteren in Clermont auf, wo er mehrmals von seinem Onkel Gallus (Bischof der Civitas Clermont) besucht wurde[6]. In diesen Abschnitt seines Lebens fiel eine schwere Erkrankung Gregors; er ließ sich zweimal zum Grab des heiligen Illidius tragen und im Falle einer Gesundung versprach er den Eintritt in den Klerikerstand. Er wurde gesund und studierte in den 50er Jahren des 6. Jahrhunderts unter der Anleitung des Archidiakon Avitus (seit 571 Bischof in Clermont) eclesiastica scripta (kirchliche Literatur/Schriften) und beschäftigte sich intensiv mit der Bibel.

In den senatorischen Familien Galliens übernahmen häufig hohe Kleriker, sofern sie sich unter den Verwandten befanden, die Erziehung der Söhne selbst, so auch bei Gregor von Tours. Zuerst befasste sich sein Onkel Gallus mit seiner Erziehung, anschließend dessen Nachfolger Avitus.[7]

Im Alter von 25 Jahren erkrankte Gregor wieder sehr schwer und machte sich mit Freunden und ihm unterstellten Klerikern auf den Weg nach Tours, zur Kirche des heiligen Martin. Dort wollte er am Grab des heiligen Martin für seine Genesung beten oder in der Martinbasilika eine letzte Ruhestätte finden.[8] Gregor wurde wider erwarten gesund und schrieb die wundersame Heilung dem Heiligen zu.

563 ist Gregor Diakon in der Auvergne. Dort war er als Verwalter der eigenen Besitzungen tätig, zu denen wahrscheinlich auch Kirchen mit eigenen Klerikern gehörten. Über die Zeit bis zum Episkopat in Tours ist wenig bekannt. Möglicherweise war er gut am austrasischen Hof bekannt. 571 brach im Bistum Clermont die Pest aus und Gregor ging für einige Zeit nach Brioude, unter den Schutz des heiligen Julian. Eine feste Anstellung hier, eventuell als Priester, ist nicht belegbar.[9]

573 wurde er zum Bischof von Tours erhoben, jedoch in Reims geweiht. Über seine Zeit als Bischof gibt vor allem sein Werk „10 Bücher Geschichten“ Auskunft.

Über Tours herrschte bis 573 König Sigibert; nach dessen Ermordung wurde die Stadt von seinem Bruder, König Chilperich, besetzt. Gregor hielt aber an dem Sohn Sigiberts, Childerbert II., fest; auch dass er das kirchliches Asylrecht der Martinskirche gegen den Wunsch Chilperichs durchsetzte, lässt seine Unstimmigkeiten und persönliche Abneigung gegen den König erklären, die sich vor allen Dingen im 5. und 6. Buch seines Werkes „10 Bücher Geschichten“ wiederspiegeln und ein zentrales Thema bilden.

Nach 584 spielt Gregor auch politisch eine wichtige Rolle, indem er als Vermittler zwischen Childebert II., Gunthram und Fredegunde fungiert.

Wahrscheinlich starb Gregor von Tours am 17. November 594.

2.2 Gregor von Tours ` Verständnis von Geschichtsschreibung

Laut Heinzelmann[10] besaß Gregor von Tours das Ziel, seine Geschichten, d.h. seine Geschichtsschreibung einem pädagogisch-didaktischen Rahmen und Konzept folgend darzustellen. Dieses stellte er noch vor das Streben nach objektiver, darstellender Geschichtsschreibung; er wählte gezielt Episoden und Ereignisse heraus, die genau in seinen Rahmen passten und seiner Darstellung und seinem Ziel entsprachen. Diese Auswahl an Geschichten traf er von seinem Standpunkt als Bischof heraus und damit in der „Perspektive eines ideologischen Führers der christlichen Gesellschaft im Frühmittelalter“[11].

Er stellte sich selbst also die Aufgabe möglichst die Geschichte, so wie sie statt fand zu berichten, diese dann aber seinem pädagogischen Konzept entsprechend auszuwählen und zu gestalten.

[...]


[1] Loebell, Johann Wilhelm: Gregor von Tours und seine Zeit, Leipzig 1869

[2] Als wichtigste Werke dienen mir hier: Heinzelmann, M.:Gregor von Tours „Zehn Bücher Geschichte“, Darmstadt 1994, Scheibelreiter, Georg: Der Bischof in merowingischer Zeit, in: Veröffentlichungen des Instituts für österreichische Geschichtsforschung, Band XXVII, Böhlau 1983 und Thürlemann, Felix: Der historische Diskurs bei Gregor von Tours: Topoi und Wirklichkeit, Bern 1974, S. 51

[3] vgl. Eusebius von Caesarea, Kirchengeschichte. Herausgegeben und eingeleitet von Heinrich Kraft. Übersetzung von Philipp Häuser (1932), durchgesehen von Hans Armin Gärtner, Darmstadt 1967, S. 233 - 245

[4] vgl. Scheibelreiter: Der Bischof in merowingischer Zeit, in: Veröffentlichungen des Instituts für österreichische Geschichtsforschung, Band XXVII, Böhlau 1983

[5] vgl. Heinzelmann: Gregor von Tours: „Zehn Bücher Geschichte“, Darmstadt 1994. S. 27

[6] nach Scheibelreiter hat Gregor von Tours bei Gallus seine Erziehung genossen, bevor Avitus diese Aufgabe übernahm.

[7] vgl. Scheibelreiter, S. 54

[8] vgl. Heinzelmann, S.28f.

[9] vgl. ebd. S. 30

[10] vgl. ebenda. S.32

[11] vgl. ebenda.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Das 6. Buch der "10 Bücher Geschichten" von Gregor von Tours
Hochschule
Universität Hamburg  (Fachbereich Geschichtswissenschaft)
Veranstaltung
Herrscher und Heilige. Von der historiographischen Konzeption Gregor von Tours
Note
gut (2)
Autor
Jahr
2003
Seiten
23
Katalognummer
V13761
ISBN (eBook)
9783638193221
ISBN (Buch)
9783638643122
Dateigröße
577 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Buch, Bücher, Geschichten, Gregor, Tours, Herrscher, Heilige, Konzeption
Arbeit zitieren
Malte von der Heide (Autor), 2003, Das 6. Buch der "10 Bücher Geschichten" von Gregor von Tours , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/13761

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Das 6. Buch der "10 Bücher Geschichten" von Gregor von Tours


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden