Die deutschen Medien haben vom Gesetzgeber und von der Judikative die öffentliche Aufgabe zugewiesen bekommen, nicht nur den Kommunikations- und Meinungsbildungsprozess in Gang zu setzen, indem sie einen Meinungsmarkt herstellen. Sie konstituieren auch ein politisches Forum, welches die Kommunikation zwischen der Bevölkerung und seinen Repräsentanten ermöglicht. Sie sind damit ein Organ der Kontrolle und Kritik des politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Geschehens in Deutschland.
Die Konzentrationsprozesse im Bereich der Medien in den letzten Jahren führen zu der Frage, inwieweit die Medien ihre konstitutive Aufgabe für ein Funktionieren des demokratischen Gemeinwesens noch wahrnehmen können. An den Fallbeispielen der Übernahme der ProSiebenSat.1-Media AG durch den Axel Springer-Konzern und der Übernahme der „Berliner Zeitung“ durch David
Montgomery & Co. werden die aktuellen Differenzen zwischen Politik und Wirtschaft, sowie der Konflikt zwischen Medienkonzentration und Meinungsvielfalt näher beleuchtet.
Inhaltsverzeichnis
1. Ausgangssituation und Fragestellung
2. Theoretische Grundlagen der Diskussion
2.1. Zu den Ursachen der Konzentration
2.2. Formen wirtschaftliche Konzentration
2.3. Zum Problem der Messung von Konzentration und Vielfalt
3. Aktuelle Diskussionen und Verhandlungen zum Thema
3.1. Exkurs: Übernahme der ProSiebenSat.1-Media AG durch den Axel Springer-Konzern
3.1.1. Die Hintergründe der Übernahme
3.1.2. Die Argumentationen von Bundeskartellamt und KEK
3.1.3. Mögliche Lösungen und der Ausgang der Verhandlungen
3.2. Exkurs: Übernahme der „Berliner Zeitung“ durch David Montgomery & Co.
4. Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen ökonomischer Medienkonzentration und publizistischer Meinungsvielfalt vor dem Hintergrund aktueller medienpolitischer Entwicklungen in Deutschland. Dabei wird analysiert, wie Regulierungsbehörden auf Fusionsbestrebungen reagieren, um den Auftrag der Medien zur Erfüllung einer öffentlichen Aufgabe zu sichern.
- Theoretische Verortung von Medienkonzentration (Macht- und Effizienzvorteile)
- Methodische Ansätze zur Messung von Medienkonzentration
- Analyse der gescheiterten Übernahme von ProSiebenSat.1 durch den Axel Springer-Konzern
- Untersuchung der Übernahme der „Berliner Zeitung“ durch Investoren
- Konflikt zwischen nationaler Standortpolitik und internationalem Medienwettbewerb
Auszug aus dem Buch
3.1. Exkurs: Übernahme der ProSiebenSat.1-Media AG durch den Axel Springer-Konzern
Werner A. Meier wird auf Basis einer beispielhaften Aufzählung den Eindruck nicht los, dass „die jeweiligen Kartellbehörden gar nicht an einer Reduzierung der Medienkonzentration interessiert seien, sondern Konzentrationsförderung im Auftrag ‚global’ tätiger, aber lokal stationierter Medienkonzerne betrieben.“ Was für Italien, die USA und andere Länder in Einzelfällen gelten mag, schlug zum Jahreswechsel 2005/2006 in Deutschland in die entgegengesetzte Richtung. Die Medienaufsichtsbehörden Bundeskartellamt und KEK erteilten beidseitig der Übernahme der ProSiebenSat.1-Media AG durch den Axel Springer-Konzern eine Absage. Inwieweit die Entscheidungen beider Institutionen ihre Relevanz behalten hätten oder durch Ministererlaubnis und Gerichtsurteile aufgehoben worden wären wird reine Spekulation bleiben, da der Springer-Konzern von seinen direkten Übernahmeplänen mittlerweile vollständig abgerückt zu sein scheint.
3.1.1. Die Hintergründe der Übernahme
Die Akte ProSiebenSat.1 öffnete sich im Jahr 2001, als durch eine unbedachte Äußerung des Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank das Kartenhaus Kirch Media AG – zu der auch die Sendergruppe gehörte – in sich zusammenstürzte. Damit stand die ProSiebenSat.1-Media AG zur Disposition. Während sich deutsche Medienunternehmen zurückhielten, wagte der us-amerikanische Investor Haim Saban den Griff nach Europa. Am 12. August 2003 übertrug er an die Kirch Media AG eine Summe von 525 Millionen Euro und erwarb damit 36 % des Stammkapitals und 72 % der Stimmrechte an ProSiebenSat.1. Mit zwei weiteren Zahlungen von insgesamt 480 Millionen Euro erwarb er schließlich 100% des Stimmrechtsanteils, was ihm eine (nur noch dem Gesetz verpflichtete) freie Handhabe über das Unternehmen ermöglichte – ein Umstand, der eine enorme Wertsteigerung der Unternehmung zur Folge hatte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Ausgangssituation und Fragestellung: Die Einleitung etabliert das Spannungsfeld zwischen ökonomischen Imperativen und der publizistischen Verantwortung der Medien zur Sicherung der öffentlichen Meinungsbildung.
2. Theoretische Grundlagen der Diskussion: Dieses Kapitel erläutert ökonomische Ursachen für Medienkonzentration und analysiert verschiedene Messmodelle zur Erfassung von Marktmacht und Meinungsvielfalt.
3. Aktuelle Diskussionen und Verhandlungen zum Thema: Anhand zweier Fallbeispiele wird aufgezeigt, wie das Bundeskartellamt und die KEK bei Fusionsverhandlungen agieren und welche regulatorischen Hürden bestehen.
4. Zusammenfassung und Fazit: Das Fazit reflektiert den Konflikt zwischen internationaler Wettbewerbsfähigkeit und dem Schutz des nationalen Medienpluralismus sowie die Rolle der Politik in Medienkonzentrationsfragen.
Schlüsselwörter
Medienkonzentration, Meinungsvielfalt, Bundeskartellamt, KEK, ProSiebenSat.1, Axel Springer, Medienökonomie, Wettbewerbsrecht, Medienpolitik, Publizistik, Meinungsmacht, Fusion, Rundfunkstaatsvertrag, Berliner Zeitung, Medienmarkt
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Hausarbeit untersucht die Problematik der Medienkonzentration und deren Auswirkungen auf die Meinungsvielfalt in Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf den ökonomischen Ursachen der Konzentration, den Instrumenten zur Messung von Medienmacht und den regulatorischen Rahmenbedingungen durch Kartellbehörden und Medienaufsicht.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die theoretischen Hintergründe von Medienkonzentration zu erarbeiten und anhand zweier aktueller Fallbeispiele (ProSiebenSat.1 und Berliner Zeitung) die Anwendung der gesetzlichen Kontrollmechanismen zu verdeutlichen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine theoretische Betrachtung unter Einbeziehung von Fachliteratur sowie eine Fallstudienanalyse aktueller medienpolitischer Ereignisse und regulatorischer Entscheidungen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Ursachen und Formen der Konzentration sowie die konkreten Fusionsverhandlungen und deren Scheitern bzw. Ausgang unter Berücksichtigung der Argumente von Bundeskartellamt und KEK.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Medienkonzentration, Meinungsvielfalt, Kartellrecht, regulatorische Kontrolle und Medienpluralismus.
Warum lehnte die KEK die Übernahme von ProSiebenSat.1 ab?
Die KEK befürchtete die Entstehung von zu großer Meinungsmacht des Springer-Konzerns und meldete Bedenken in verschiedenen Märkten an, unter anderem bei Tageszeitungen, Programmzeitschriften und dem Online-Markt.
Welche Bedeutung hatte die Übernahme der Berliner Zeitung?
Dies diente als zweites Fallbeispiel, bei dem es erstmals zur Übernahme einer deutschen Zeitung durch ausländische Finanzinvestoren kam, wobei hier ausschließlich das Bundeskartellamt zuständig war.
- Quote paper
- Mario Gäbler (Author), 2006, Medienkonzentration versus Meinungsvielfalt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/137622