Die Arbeit verfolgt Hegels Darstellung des Gewissens in seiner "Phänomenologie des Geistes". Dabei vollzieht sie Schritt für Schritt Hegels gedankliche Bewegung mit. Als Gestalten des Gewissens treten die "schöne Seele" und das "Böse" in Erscheinung. Zu diesen Zwischenstufen des Geistes auf dem Weg zum "absoluten Geist" stellt die Arbeit Bezüge zur Literatur der Frühromantik her. Anhand der gedanklichen Leitlinie Hegels wird deutlich, dass die literarischen Figuren der Frühromantik an einen extremen Punkt angelangt sind. Dieses Extrem ist jedoch ein notwendiger Entwicklungsschritt des Geistes, der allerdings auch eine extreme Gegenposition verlangt. Nur so können die "schöne Seele" und das "Böse" in Hegels Sinne "aufgehoben" werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Darstellung des Gewissenskapitels
A. Entwicklung der moralischen Weltanschauung zum Gewissen
B. „Das Gewissen. Die schöne Seele, das Böse und seine Verzeihung“
C. Übergang des Gewissens zur nächsten Stufe
a) Verhältnis zur Religion
b) Das Sittliche
3. Das geistige Umfeld des Gewissenskapitels
a) Die Philosophie Fichtes
b) Von Fichte ausgehende Entwicklungen
4. Beziehungen des Gewissenskapitels zur Literatur der Frühromantik
a) Der „Hyperion“ Hölderlins
b) Novalis: „Heinrich von Ofterdingen“
c) Friedrich Schlegel: „Lucinde“
5. Schlussbemerkung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, den Abschnitt „Das Gewissen. Die schöne Seele, das Böse und seine Verzeihung“ aus Hegels „Phänomenologie des Geistes“ detailliert zu analysieren und in den Kontext der frühromantischen Literatur zu stellen, um die darin thematisierte Problematik des individuellen Gewissens sowie deren notwendige Auflösung zu verdeutlichen.
- Detaillierter Nachvollzug des Gewissenskapitels in der „Phänomenologie des Geistes“.
- Analyse des geistigen Umfelds unter besonderer Berücksichtigung der Fichteschen Philosophie.
- Untersuchung der kritischen Haltung Hegels gegenüber den Ausdrucksformen der Frühromantik (Ironie, Sehnsucht, Subjektivität).
- Exemplarische Besprechung literarischer Werke wie „Hyperion“, „Heinrich von Ofterdingen“ und „Lucinde“.
Auszug aus dem Buch
a) Der „Hyperion“ Hölderlins
Die Gestalt des Hyperion hat strukturelle Ähnlichkeiten zur „schönen Seele“. Hyperion weist ein Zerfließen von Selbst und Allgemeinem auf, das ihn in dieser Unmittelbarkeit jeglichen Halt verlieren lässt. Diotima beschreibt die Struktur von Hyperions Innerem:
„Du wolltest keinen Menschen, glaube mir, du wolltest eine Welt. Den Verlust von allen goldenen Jahrhunderten, so wie du sie, zusammengedrängt in Einen glücklichen Moment, empfandest, den Geist von allen Geistern beßrer Zeit, die Kraft von allen Kräften der Heroen, die sollte dir ein Einzelner, ein Mensch ersetzen!“ (Hypo70).
Dieses Zitat zeigt nicht nur die Unmittelbarkeit der Weltbeziehung auf, sondern auch die vollkommene Selbstbezogenheit, die kein tatsächliches Gegenüber, kein für sich seiendes An-sich zulässt. Die konkrete Beziehung zu einem Menschen geht durch die Sehnsucht nach einem abstrakten Unerreichbaren verloren. Diotima fährt fort:
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Zielsetzung der Arbeit, die den Nachvollzug des Gewissenskapitels bei Hegel mit der Untersuchung von Bezügen zur Frühromantik verbindet.
2. Darstellung des Gewissenskapitels: Analyse der Entwicklung des moralischen Bewusstseins, der zentralen Gestalten des Gewissens (schöne Seele, Böses) und des Übergangs zum absoluten Geist sowie zum sittlichen Leben.
3. Das geistige Umfeld des Gewissenskapitels: Untersuchung des Einflusses der Philosophie Fichtes und der von ihm ausgehenden, von Hegel kritisch betrachteten Strömungen wie Ironie und religiöse Subjektivität.
4. Beziehungen des Gewissenskapitels zur Literatur der Frühromantik: Exemplarische Analyse der Werke „Hyperion“, „Heinrich von Ofterdingen“ und „Lucinde“ im Hinblick auf deren Übereinstimmung mit Hegels Gewissensanalyse.
5. Schlussbemerkung: Zusammenfassende Betrachtung der Notwendigkeit von Hegels Kritik an den frühromantischen Positionen und deren Bedeutung für die Entwicklung des Geistes.
Schlüsselwörter
Hegel, Phänomenologie des Geistes, Gewissen, Schöne Seele, Das Böse, Fichte, Frühromantik, Ironie, Subjektivität, Anerkennung, Hölderlin, Novalis, Friedrich Schlegel, Absolute Geist, Selbstbewusstsein.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt eine philosophische Untersuchung des Gewissenskapitels in Hegels „Phänomenologie des Geistes“ und setzt dieses in Beziehung zu den geistigen Strömungen der deutschen Frühromantik.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Dialektik von Individuum und Allgemeinheit, die Kritik am spekulativen Subjektivismus sowie die Analyse von literarischen Werken als Manifestationen philosophischer Grundhaltungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Hegels Begriff des Gewissens und seiner Stufen (insbesondere die „schöne Seele“ und das „Böse“) nachzuvollziehen und aufzuzeigen, wie diese philosophischen Konzepte in der zeitgenössischen Literatur widerhallen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Verfasser nutzt eine werkimmanente Analyse der Hegelschen Texte in Kombination mit einer vergleichenden Betrachtung literarischer Quellen, um die philosophische Kritik Hegels an der Frühromantik zu illustrieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die philosophische Herleitung des Gewissens, die Auseinandersetzung mit der Fichteschen Philosophie und die konkrete Anwendung dieser Erkenntnisse auf Texte von Hölderlin, Novalis und Schlegel.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind unter anderem „Schöne Seele“, „Böses“, „Ironie“, „Subjektivität“ und der Hegel-Begriff des „Geistes“.
Wie definiert Hegel die „schöne Seele“ im Kontext der Arbeit?
Die „schöne Seele“ wird als eine Gestalt beschrieben, die in reiner Innerlichkeit verharrt, das Handeln aus Angst vor Befleckung scheut und in eine unwirkliche Sehnsucht flüchtet.
Warum spielt die Fichtesche Philosophie für die Argumentation eine so große Rolle?
Hegel sieht in Fichtes Fokus auf das absolute Ich einen Ausgangspunkt für die als „schlecht unendlich“ und „eitel“ kritisierte Subjektivität, die das Gewissenskapitel in der Phänomenologie maßgeblich mitbestimmt.
- Quote paper
- Magister Artium Bernhard Paha (Author), 1992, Die schöne Seele Hegels und die Literatur der Frühromantik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/137624