Eine verbreitete Strategie westlicher Produktionsunternehmen war Offshoring, die Verlagerung von Lieferkettenaktivitäten vornehmlich in Niedriglohnländer. In den letzten Jahren ist dies jedoch zurückgegangen und einige Unternehmen verlagern ihre Produktion zurück ins Heimatland. Diese Umkehrung wird als Reshoring bezeichnet und fand in den vergangenen Jahren in Forschung und Praxis zunehmend Beachtung.
In diesem Zusammenhang ist die Frage nach den Gründen dieser Erscheinung von großem Interesse. Sprich, weshalb deutsche Unternehmen ihre zuvor in ein Niedriglohnland ausgelagerten Produktionsprozesse wieder nach Deutschland rückverlagern und welche Gründe diese Unternehmen ursprünglich zur Auslagerung motiviert haben. Darüber hinaus wird in den Blick genommen, welche Herausforderungen der Implementierungsprozess von Reshoring mit sich bringt, wie sich die Rückverlagerung gestaltet und welche Faktoren diese erleichtern.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Aufbau und Methodik
2 Bedeutung der Begrifflichkeiten
2.1 Offshoring
2.2 Reshoring
3 Offshoring
3.1 Aktuelle Daten zu Offshoringgründen deutscher Produktionsunternehmen
3.2 Gründe für Offshoring
3.2.1 Einsparungen von Lohn-, Energie-, Transport- und Rohstoffkosten
3.2.2 Markterschließung und erhöhte Kundenbindung durch Produktion vor Ort
3.2.3 Verbesserter Ressourcen-, Know-how- und Kapazitätszugang sowie Nutzung guter politischer und rechtlicher Rahmenbedingungen
4 Reshoring als Umkehrung von vorherigem Offshoring
4.1 Stand der Forschung
4.2 Klassifizierung von Reshoringgründen
4.3 Aktuelle Daten zu Reshoringgründen deutscher Unternehmen
4.4 Gründe für Reshoring
4.4.1 Entgegenwirkung sinkender Kostenvorteile aufgrund steigender Herstellkosten sowie Verbesserung von Produktivität und Kapazitätsauslastung
4.4.2 Zeiteinsparung und Erhöhung von Flexibilität
4.4.3 Verbesserung des Qualitätsstandards und Profitieren vom „Made in Germany“-Effekt
4.4.4 Verbesserung von Innovationsfähigkeit sowie des Zugangs zu Infrastruktur und Know-how
4.4.5 Risiko- und Unsicherheitsminimierung sowie Geschäftstätigkeits-erleichterung
5 Implementierungsprozess bei Reshoring und dessen Herausforderungen
5.1 Schritte und erleichternde Faktoren bei der Reshoringimplementierung
5.2 Herausforderungen bei der Implementierung von Reshoring
5.2.1 Potenzielle Störungen der Produktion, Managementzeit und Warten auf Vertragsausläufe
5.2.2 Umstrukturierung und Wiedereingliederung von Prozessen
5.2.3 Sicherstellung geeigneter Lieferanten und Partnerbeziehungen
5.2.4 Sicherstellung ausreichender und qualifizierter Mitarbeiter
5.2.5 Hohe Kosten und Finanzbeschaffung
5.2.6 Politische Unsicherheit und rechtliche Regelungen
6 Reshoring aus Sicht von Experten aus der Unternehmenspraxis
6.1 Konzeption und Verfahrensweise der Experteninterviews
6.2 Ergebnisse
6.2.1 Hintergrund zu teilnehmenden Produktionsunternehmen, den Experten und zum Off- und Reshoringvorgang
6.2.2 Gründe für Offshoring
6.2.3 Gründe für Reshoring
6.2.4 Implementierungsprozess von Reshoring und dessen Herausforderungen
6.2.5 Handlungsempfehlung der Experten zur Implementierungserleichterung
6.3 Interpretation der Ergebnisse
6.3.1 Gründe für Offshoring
6.3.2 Gründe für Reshoring
6.3.3 Implementierungsprozess von Reshoring und dessen Herausforderungen
6.3.4 Kritische Betrachtung
7 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Gründe, weshalb deutsche Produktionsunternehmen ihre im Ausland ausgelagerten Prozesse wieder nach Deutschland rückverlagern ("Reshoring"). Dabei wird analysiert, welche Motive ursprünglich zur Auslagerung (Offshoring) führten, welche Herausforderungen bei der Implementierung von Reshoring-Projekten entstehen und durch welche Faktoren dieser Prozess für Unternehmen erleichtert werden kann.
- Analyse der Beweggründe für Offshoring und Reshoring in der deutschen Industrie.
- Untersuchung des Implementierungsprozesses bei Rückverlagerungen.
- Identifikation von praxisrelevanten Herausforderungen und Barrieren bei Reshoring-Projekten.
- Erforschung von Erfolgsfaktoren und Handlungsempfehlungen für das Management.
- Qualitative Auswertung durch Experteninterviews mit Vertretern produzierender Unternehmen.
Auszug aus dem Buch
4.4.2 Zeiteinsparung und Erhöhung von Flexibilität
Mit 56 Prozent stehen Flexibilitäts- und Lieferfähigkeitseinbußen aufgrund von Offshoring in der ISI-Studie (2015) an erster Stelle der Reshoringgründe. Auch laut einer Erhebung der Reshoring Initiative aus 2017 haben kurze Liefer- bzw. Vorlaufzeit und Nähe zu Kunden und Märkten unter den positiven Inlandsfaktoren ein hohes Ranking. Die steigende Relevanz von Flexibilität passt zur generellen Tendenz, dass Unternehmen heutzutage immer flexibler agieren müssen. Martínez-Mora und Merino (2014) merken Marktveränderungen insofern an, dass dieser kleinere Mengen in kürzeren Zeitabständen verlangt. Kunden fordern zunehmend schnelle Lieferungen und maßgeschneiderte Produkte in hoher Qualität, was sich nicht mit langen Transportwegen und Mindestbestellwerten in Offshoringländern vereinbaren lässt. Offshoring kann zu längeren Lieferzeiten und Notwendigkeit längerer Planungszeiten führen und die betriebliche Flexibilität verringern. Die Reaktionsfähigkeit, auch auf Nachfrageschwankungen, kann bei Inlandsproduktion anhand der kürzeren Distanz zu Kunden optimiert werden. Verbesserte Lieferzuverlässigkeit und schnelle Lieferzeiten aufgrund von Reshoring stehen nach der EEF-Studie (2014) „Make it in Britain“ mit britischen Unternehmen mit je ca. einem Drittel mit an erster Stelle. So kann auch das Risiko von Vertragsstrafen aufgrund verspäteter Lieferungen verringert und die Kundenzufriedenheit erhöht werden. Auch Imageschäden durch Verzögerungen in der Korrektur mangelhafter Ware, verlorene Aufträge und die im Vorkapitel genannten notwendigen hohen Lagerbestände sind Reshoringgründe. Darüber hinaus werden rasche Markteinführung neuer Produkte sowie flexiblere Reaktionen auf Kundenwünsche immer wichtiger.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Thematik der Produktionsverlagerungen und Rückverlagerungen sowie Definition des Forschungsinteresses und der methodischen Vorgehensweise.
2 Bedeutung der Begrifflichkeiten: Definition der zentralen Begriffe Offshoring und Reshoring inklusive der Unterscheidung verschiedener Relokationsoptionen.
3 Offshoring: Darstellung von Beweggründen für die initiale Produktionsverlagerung in Niedriglohnländer unter Berücksichtigung empirischer Daten.
4 Reshoring als Umkehrung von vorherigem Offshoring: Analyse der theoretischen Motivationen für Rückverlagerungen, unterteilt in verschiedene Kategorisierungsmodelle und motivierende Faktoren.
5 Implementierungsprozess bei Reshoring und dessen Herausforderungen: Erörterung der operativen Schritte bei Rückverlagerungsprojekten sowie Identifikation typischer Hindernisse für Unternehmen.
6 Reshoring aus Sicht von Experten aus der Unternehmenspraxis: Qualitative Auswertung von Experteninterviews, die den theoretischen Rahmen mit praktischen Erfahrungen deutscher Unternehmen abgleichen.
7 Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfragen und Ausblick auf zukünftigen Forschungsbedarf.
Schlüsselwörter
Reshoring, Backshoring, Offshoring, Produktion, Wertschöpfungskette, Flexibilität, Lieferkette, Fertigung, Rückverlagerung, Standortentscheidung, Kostenreduktion, Experteninterviews, Produktionsmanagement, Industrie, Qualitätssicherung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelor-Thesis grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Rückverlagerung von Produktionsprozessen, dem sogenannten Reshoring, aus Sicht deutscher Unternehmen, die zuvor Kapazitäten in Niedriglohnländer verlagert hatten.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf den Gründen für die initiale Auslagerung und die spätere Rückverlagerung, dem konkreten Implementierungsprozess sowie den Herausforderungen, mit denen Unternehmen bei der Rückkehr des Produktionsstandortes konfrontiert werden.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist die Beantwortung der Forschungsfragen, warum Unternehmen ihre zuvor ausgelagerten Prozesse rückverlagern und welche Faktoren den Implementierungsprozess erleichtern oder erschweren.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturrecherche und der qualitativen Auswertung von Experteninterviews mit vier Vertretern deutscher Produktionsunternehmen unter Anwendung der zusammenfassenden Inhaltsanalyse nach Mayring.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert theoretische Aspekte von Offshoring- und Reshoringgründen, vergleicht diese mit aktuellen Studienergebnissen und führt im zweiten Teil eine empirische Auswertung von Praxiserfahrungen anhand von Unternehmensinterviews durch.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Begriffe sind Reshoring, Backshoring, Supply Chain Management, Produktionsverlagerung und Fertigungseffizienz.
Welchen Stellenwert nimmt die Flexibilität bei Reshoring-Entscheidungen ein?
Die Arbeit zeigt, dass Flexibilität und kürzere Lieferzeiten bei Rückverlagerungen heute oft eine wichtigere Rolle spielen als rein kostenbezogene Faktoren, da Unternehmen schneller auf individuelle Kundenwünsche reagieren müssen.
Wie gehen Unternehmen laut der Studie mit dem Abzug der Produktion um?
Die untersuchten Unternehmen nutzen keine Standardlösung, unternehmen aber verstärkt Anstrengungen in Richtung Automatisierung, um die höheren Personalkosten am Standort Deutschland durch eine gesteigerte Produktivität auszugleichen.
- Arbeit zitieren
- Anja Bahlinger (Autor:in), 2021, Reshoring aus Sicht deutscher Unternehmen. Wie gestaltet sich die Rückverlagerung und welche Faktoren erleichtern diese?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1376263