Bücher werden aus den verschiedensten Gründen gelesen beziehungsweise geschrieben. Literatur dient zum einen der Unterhaltung. Zum anderen lesen sehr viele Menschen, um sich zu informieren und weiterzubilden. Schriftsteller schreiben Bücher, um die Bedürfnisse der Leser zu stillen und um sich selbst zu verwirklichen. Einerseits wollen sie für Unterhaltung sorgen, andererseits wollen sie dem Leser Informationen liefern und ihm Wissen vermitteln. Allerdings schreiben viele Schriftsteller auch, um den Leser auf etwas aufmerksam zu machen. Oftmals werden Bücher verfasst, mit denen der Autor beabsichtigt, den Leser auf Missstände und Probleme hinzuweisen. Diese Probleme entstammen dem tatsächlichen Leben und der Schriftsteller ist von diesen Problemen meistens in irgendeiner Art und Weise, entweder direkt oder indirekt, betroffen. Diese Probleme und Missstände können das reale politische, wirtschaftliche oder gesellschaftliche Umfeld des Schriftstellers bestimmen. Will ein Schriftsteller auf ein solches Problem aufmerksam machen, arbeitet er dieses in einem Buch auf. Es gibt viele Bücher, die die politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Situationen und Zustände einer Gesellschaft oder eines Staates beschreiben, kritisieren und auch anklagen. Viele literarische Werke kritisieren die Realität. Diese Kritiken und Anklagen unterscheiden sich von Land zu Land, denn sie werden von den Gegebenheiten und den zeitlichen Umständen bestimmt.
Der kenianische Autor Ngũgĩ wa Thiong'o, einer der bedeutendsten Schriftsteller Ostafrikas, verarbeitet und kritisiert in seinen Werken die Situation in Kenia. In der folgenden Arbeit sollen die realen politischen und gesellschaftlichen Hintergründe zu seinem Roman Matigari, den er im Jahr 1986 veröffentlichte, dargestellt werden. Die Arbeit geht in diesem Zusammenhang auf die Themen und Bereiche Wirtschaft, Landfrage, Armut und soziale Ungerechtigkeit, Korruption und Machtmissbrauch, Medien und Verleumdung der Mau Mau und die Unterdrückung politischer Gegner ein. Zuerst soll allerdings die politische Geschichte Kenias von der Kolonialzeit bis zum Anfang des 21. Jahrhunderts dargestellt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kurze Zusammenfassung der politischen Geschichte Kenias von der Kolonialzeit bis zum Anfang des 21. Jahrhunderts
2.1. Von 1895 bis 1963
2.2. Von 1963 bis 2002
3. Die reale politische und soziale Situation in Kenia in den Jahren nach der Unabhängigkeit und ihre Darstellung in Matigari
3.1. Die kenianische Wirtschaftspolitik
3.1.1. Wirtschaftspolitik zu Kolonialzeiten
3.1.2. Neo-Kolonialismus und die Landfrage im unabhängigen Kenia
3.2. Armut und soziale Ungerechtigkeit
3.3. Korruption und Machtmissbrauch
3.4. Medien und die Verleumdung der Mau Mau
3.5. Unterdrückung politischer Gegner
4. Die Entwicklung der Menschenrechte seit 1991
5. Schluss
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, die realen politischen und sozialen Hintergründe zu Ngũgĩ wa Thiong'os Roman Matigari (1986) zu analysieren und aufzuzeigen, wie diese in das literarische Werk einfließen.
- Historische Entwicklung Kenias von der Kolonialzeit bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts.
- Analyse der wirtschaftlichen Strukturen und der Landfrage im postkolonialen Kenia.
- Untersuchung von sozialen Missständen wie Armut, Korruption und Machtmissbrauch.
- Rolle der Medien und die staatliche Verleumdung der Mau-Mau-Bewegung.
- Repression und Unterdrückung politischer Opposition in Kenia.
Auszug aus dem Buch
3.1.1. Wirtschaftspolitik zu Kolonialzeiten
Um die wirtschaftliche Situation und Entwicklung in den Jahren nach der Unabhängigkeit besser verstehen zu können, werden im Folgenden kurz die wichtigsten Charakteristika der kolonialen Ökonomie in Kenia skizziert.
Erstens beruhte die Ökonomie der Kolonialzeit auf zwei wichtigen Grundlagen: Zum einen darauf, dass sich die koloniale Industrie darauf beschränkte, so zu produzieren, dass sie nicht in Konkurrenz zur britischen Industrie stand. Und zum anderen darauf, dass die Verbraucher in der Kolonie britische Produkte bevorzugten. Zweitens war die koloniale Wirtschaft durch große regionale Unterschiede gekennzeichnet. Mitte der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts besiedelten europäische Farmer das fruchtbare Hochland und verdrängten die Einheimischen in Reservate. Hinzu kam, dass das damalige Steuersystem so ausgelegt war, dass Bauern ihre Farmen aufgeben und auf den Arbeitsmarkt drängen mussten, um den Kolonialherren preisgünstige Arbeitskräfte zur Verfügung zu stellen. Dieses Steuersystem war, in Verbindung mit niedrigen Gehältern, der Grund für zunehmende Armut und Abhängigkeit der afrikanischen Bevölkerung, sowie für die Stärkung der von Europäern dominierten Sektoren. Durch diese Art der Ausbeutung und weiterem Dazutun der Regierung, etwa durch Schenkungen, Gesetze und der bürokratisierten Kontrolle des Wettbewerbsmarktes, kam es zur dritten gewichtigen Eigenschaft der kolonialen Ökonomie, der Monopolisierung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die Motivation für das Schreiben von Literatur und führt in die Thematik der kritischen Auseinandersetzung von Ngũgĩ wa Thiong'o mit Kenias politischer Situation in Matigari ein.
2. Kurze Zusammenfassung der politischen Geschichte Kenias von der Kolonialzeit bis zum Anfang des 21. Jahrhunderts: Dieses Kapitel gibt einen geschichtlichen Überblick von der britischen Kolonialherrschaft ab 1895 über den Mau-Mau-Aufstand bis hin zur Ära unter Jomo Kenyatta und Daniel arap Moi.
3. Die reale politische und soziale Situation in Kenia in den Jahren nach der Unabhängigkeit und ihre Darstellung in Matigari: Das Hauptkapitel analysiert die sozioökonomischen Bedingungen in Kenia, einschließlich Wirtschaftspolitik, Armut, Korruption, Medienmanipulation und Unterdrückung, und setzt diese in Bezug zur Romanhandlung.
4. Die Entwicklung der Menschenrechte seit 1991: Dieses Kapitel betrachtet die politische Situation nach der Abschaffung des Einparteiensystems und stellt fest, dass sich die Menschenrechtslage trotz Versprechungen kaum verbessert hat.
5. Schluss: Der Schluss fasst zusammen, wie Ngũgĩ wa Thiong'o durch den Roman Matigari die postkoloniale Realität Kenias anklagte und warum die bewusste Wahl seiner Muttersprache entscheidend für die Verbreitung der Botschaft war.
Schlüsselwörter
Kenia, Ngũgĩ wa Thiong'o, Matigari, Postkolonialismus, Mau-Mau, Wirtschaftspolitik, Landfrage, Korruption, Machtmissbrauch, Menschenrechte, Repression, Einparteiensystem, soziale Ungerechtigkeit, Widerstand, Unabhängigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die realen politischen und sozialen Hintergründe, die den kenianischen Autor Ngũgĩ wa Thiong'o dazu bewegten, seinen Roman Matigari zu verfassen und damit die Zustände in seinem Heimatland zu kritisieren.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder umfassen die wirtschaftliche Ausbeutung, das Problem der Landlosigkeit, Korruption, staatliche Medienkontrolle sowie die Repression gegenüber der Bevölkerung und politischer Gegner.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Parallelen zwischen der historischen Realität im postkolonialen Kenia und der in Matigari dargestellten fiktiven Welt aufzuzeigen und so die gesellschaftliche Anklage des Romans zu verdeutlichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literatur- und sozialwissenschaftliche Analyse, die historische Fakten mit den Inhalten des Romans vergleicht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene analytische Sektionen, die von der kolonialen Wirtschaftsprägung über die sozialen Ungerechtigkeiten unter der Regierung Moi bis hin zur bewussten Verleumdung der Mau-Mau-Bewegung reichen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Postkolonialismus, soziale Gerechtigkeit, Widerstand, Repression und kenianische Zeitgeschichte beschreiben.
Inwiefern beeinflusste der "Swynnerton Plan" die Landfrage?
Der Plan förderte eine Denkweise, nach der Landlosigkeit als normaler Evolutionsschritt einer Nation angesehen wurde, was zur Bildung einer Zweiklassengesellschaft und zur Verarmung weiter Teile der Bauernbevölkerung führte.
Wie wurde die "Voice of Truth" im Roman eingesetzt?
Die "Voice of Truth" im Roman fungiert als Propagandainstrument der Regierung, das die Wahrheit verzerrt, die Bevölkerung einschüchtert und die politischen Narrative des Regimes verbreitet.
Warum wurde Matigari von der kenianischen Regierung zensiert?
Das Buch war so wirkungsvoll, dass die Regierung die Verbreitung fürchtete und sogar einen Haftbefehl gegen die fiktive Romanfigur erließ, um die Auseinandersetzung mit den darin geäußerten Problemen zu unterdrücken.
- Quote paper
- Michael Kofler (Author), 2009, Die realen politischen und sozialen Hintergründe von Matigari, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/137627