Die Moral in Tom Tykwers Heaven oder Gute Terroristen kommen in den Himmel


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003

20 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsangabe

I. Einleitung

II. Protagonist und Antagonist Die Mörderin und der Drogendealer
1) Philippa
2) Vendice

III. Der Anschlag und die filmische Umsetzung des Anschlages

IV. Die Darstellung von Schuld und Sühne
1) Schuld
2) Sühne

V. Schlussbetrachtung

VI. Literaturverzeichnis

* Gute Terroristen kommen in den Himmel ist der Titel eines Artikels von Simone Mahrenholz der in der Welt vom 21.02.02 erschienen ist.

I. Einleitung

Heaven ist der neueste Film von Tom Tykwer. Zum ersten Mal handelt es ich nicht um einen Autorenfilm, sondern um eine Auftragsarbeit. Er verfilmte die Hinterlassenschaft des 1996 verstorbenen polnischen Autorenmeisters Krystof Kieslowski.

Der Film handelt von Schuld, Sühne und Erlösung. Eine Frau will Gerechtigkeit und bestimmt Selbstjustiz als das geeignete Mittel. Der Anschlag misslingt und tötet vier Unschuldige. Die konventionelle Erwartungshaltung würde jetzt die Verfolgung und den Kopf der Attentäterin verlangen. Keine Frage, eigentlich müsste sie die Böse im Film sein. Aber dem ist nicht so. Der Film sympathisiert von Beginn an mit der Frau, die vier unschuldige Leben ausgelöscht hat. Ihr Handeln wird nicht in Frage gestellt. So sieht es jedenfalls „Die Welt“ in ihrer Ausgabe vom 21.02.02 und behauptet etwas zynisch, nur gute Terroristen kämen in den Himmel (Mahrenholz, 21.02.02.).

Aber ist dies wirklich so oder schlicht und einfach übertrieben? Wird das Handeln der tragischen Heldin des Filmes wirklich nicht in Frage gestellt und wird, wie der Artikel behauptet, das Thema des Filmes Schuld und Sühne wirklich nicht aufgegriffen? Mit dieser Reihe an Fragen versucht sich die Arbeit zu beschäftigen.

Um zu einem aussagekräftigen Ergebnis zu gelangen, müssen die Strickmuster des Filmes entschlüsselt werden. Zuerst soll untersucht werden, wie der Protagonist und Antagonist, im Film, Philippa und Vendice, dargestellt werden. Eine Analyse über Darstellungsweise diese beider Figuren sollte Aufschluss über gewollte Sympathien und Antipathien geben.

Der zweite Teil der Arbeit beschäftigt sich mit dem ersten misslungenen Anschlag. Anhand der Inszenierung und der Bildkompositionen soll untersucht werden, in wie weit das Attentat an sich verurteilt oder gut geheißen wird.

In dem dritten und letzten Abschnitt soll die Frage geklärt werden, ob das Thema Schuld und Sühne wirklich nicht aufgegriffen wird. Sollten keine Vorwürfe für die Taten zu entdecken sein, gäbe es natürlich auch keinen Nachweis für ein Bereuen. Gibt es aber doch einen Vorwurf, soll auch untersucht werden, in wie weit die Attentäterin ihr Verhalten bereut.

II. Protagonist und Antagonist – Die Mörderin und der Drogendealer

II. 1. Philippa

Philippa ist Englischlehrerin in Italien. Zu Beginn des Filmes wirkt sie extrem selbstsicher. Sie ist sich sicher, das einzig Richtige zu tun, auch wenn der Entscheidungsprozess lange gedauert hat. Auch nach der Tat hat sich nichts daran geändert, auch wenn sie gemordet hat. Dass diese Selbstsicherheit nicht ausgeprägt ist, zeigt sich an ihrem Zusammenbruch, nachdem sie von dem Tod der vier Aufzuginsassen erfahren hat. Sie ist eben eine gebrochene und zerbrechliche Person, auch wenn sie noch so geradlinig und sicher erscheinen will. Noch deutlicher wird dies, als Filippo ihr die Waffe für den zweiten Versuch überreicht. Sie zittert mit der Pistole in der Hand (Min. 49:05). Es handelt sich bei Philippa nicht um einen kühlen und abgebrühten Profi, sondern um eine Frau, die aus Verzweiflung handelt.

Philippa wird oft durch Aufsichten dargestellt. Die an sich schon zierliche Person wirkt dadurch noch unbedrohlicher und unterlegener (Min. 30:34). Allerdings wird auch festgehalten, dass sie für Vendice, das personifizierte Böse, eine Bedrohung sein will und auch ist. Wenn sie von Vendice spricht und ihre Absicht verkündet, ihn zu töten, wird sie aus einer Untersicht aus fotografiert. Dass es sich bei Philippa um eine eigentlich gänzlich ungefährliche und unschuldige Person handelt, wird in mehreren Szenen nach dem Mord an Vendice deutlich. Filippo und Philippa schlafen auf dem Boden des Dachgeschosses. Die Kamera schwebt auf die schlafenden zu und zeigt sie in einer Aufsicht fast engelsgleich schlafend am Boden (Min. 53:51). Auch steht Philippa vor einem hell erleuchteten Fenster, das von seiner Komposition her fast an ein kirchliches Fensterbild erinnert (Min. 57:36).

Schließlich trägt auch die Auswahl der Bekleidung zu diesem Bild bei. Da das Gute immer in weiß und rein dargestellt wird, trägt Philippa fast den gesamten Film über ein weißes T-Shirt. Wenn dieses durch eine Jacke oder ähnliches bedeckt wird, ist es immer noch hell. Auch Filippo, ihr Retter, trägt beinahe den gesamten Film über ein weißes T-Shirt. Allerdings erst nachdem er seine dunkle Carabinieri-Kluft abgelegt hat. Bei der Darstellung von Philippa und Filippo auf der einen und Vendice und seinen Handlangern auf der anderen Seite wird auf eine genormte Vorstellung von Gut und Böse zurückgegriffen. Es sind Bilder, die sich die gängigen Rezeptionsgewohnheiten zu eigen machen. Philippas Umfeld wird bei der Darstellung auch einbezogen. Filippo tritt als eine Art Schutzengel auf und befreit sie im Laufe des Filmes aus ihrem Gefängnis. Dass es sich bei Filippo wirklich um eine engelsgleiche Figur handelt, lässt sich an mehreren Punkten festmachen. Zum einen verfügt er plötzlich um ungeahnte Fähigkeiten. Er ist ein junger Mann von 22 Jahren. Seinen Job verdankt er wahrscheinlich nur seinem Vater. Zu alle dem macht er wieder ins Bett. Dies hat er allen Anschein bis zu seinem zwölften Lebensjahr regelmäßig getan.. Alles bekannte spricht gegen einen selbstständigen und ausgereiften Erwachsenen. Die Art und Weise, wie er die Befreiung Philippas plant und mit welchen Unwägbarkeiten er rechnet, sprechen dafür, dass er von einer höheren Macht geleitet wird. Zum anderen tragen sowohl sein Vater wie auch sein kleiner Bruder den Engelsnamen Ariel.

Filippos Bruder, der ein Schüler von Philippa ist, spricht im Film aus, was sonst nur bildlich dargestellt wird. Philippa ist ein guter Mensch (Min. 31:52)

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die Moral in Tom Tykwers Heaven oder Gute Terroristen kommen in den Himmel
Hochschule
Philipps-Universität Marburg  (Fachbereich Medienwissenschaften)
Veranstaltung
HS: Das Duo Tykwer/Griebe
Note
2
Autor
Jahr
2003
Seiten
20
Katalognummer
V13765
ISBN (eBook)
9783638193269
Dateigröße
503 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Tom Tykwer, Heaven, Film, Frank Griebe
Arbeit zitieren
Thomas Löwer (Autor), 2003, Die Moral in Tom Tykwers Heaven oder Gute Terroristen kommen in den Himmel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/13765

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