Fokus der Arbeit ist die Analyse des Verhältnisses zwischen sozialem Kapital und Wohlfahrtsstaat. Hierfür wird Bezug auf die Arbeit von Susanne Karstedt genommen. Außerdem wird diskutiert, inwieweit das Sozialkapital durch den Wohlfahrtsstaat ersetzt wurde, oder ob es überhaupt zu diesem Prozess gekommen ist. Fördert die Struktur der modernen Wohlfahrtstaaten diese Entwicklung und trägt somit zum Abbau des sozialen Kapitals bei? Auf diese Thematik wird im Laufe der Hausarbeit auf der Basis der Ausführungen von verschiedenen Forschern Bezug genommen, um so eine mögliche Antwort zu finden. Da dem Sozialkapital in den verschiedenen Wissenschaftlichenbereichen unterschiedliche Definitionen zugewendet werden, nehme ich in dieser Arbeit auf den Sozialkapitalansatz nach Pierre Bourdieu sowie James S. Coleman Bezug.
In den folgenden Abschnitten wird zunächst der Begriff sozial Kapital über zwei verschiedene Ansätze definiert, zudem wird das Konzept des sozialen Kapitals näher beleuchtet. Im zweiten Schritt wird auf den Wohlfahrtsstaat eingegangen. Hierbei geht es vor allem um die Entstehung von Wohlfahrtsstaaten und was diese ausmachen. Kapitel 4 ist der zentralen Fragestellung gewidmet, ob der Wohlfahrtsstaat und die damit verbundenen Sozialleistungen einen Abbau des sozialen Kapitals herbeiführen. Abschließend wird ein Fazit gezogen.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2.1 PIERRE BOURDIEU
2.2 JAMES S. COLEMAN
2.3 MESSUNG VON SOZIALEM KAPITAL
2.4 ENTSTEHUNG UND VERNICHTUNG VON SOZIALEM KAPITAL
3 DER SOZIALSTAAT
3.1 DIE ENTSTEHUNG VON SOZIALSTAATEN
3.2 DIE BEREICHE DER WOHLFAHRTSSTAATLICHKEIT
4 WOHLFAHRTSSTAAT UND SOZIALES KAPITAL
4.1 ZERSTÖRT DER WOHLFAHRTSSTAAT SOZIALES KAPITAL?
5 FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Wechselverhältnis zwischen Sozialkapital und dem Wohlfahrtsstaat. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, inwiefern staatliche Wohlfahrtsleistungen das Sozialkapital – verstanden als soziales Netzwerk und Ressource innerhalb gesellschaftlicher Strukturen – verdrängen, ersetzen oder dessen Abbau begünstigen, wobei insbesondere der theoretische Zugang von Pierre Bourdieu und James S. Coleman genutzt wird.
- Grundbegriffe und Definitionen von Sozialkapital
- Soziologische Konzepte von Pierre Bourdieu und James S. Coleman
- Theoretische Ursachen der Entstehung von Sozialstaaten
- Analyse der potenziellen Verdrängungseffekte des Wohlfahrtsstaats auf das soziale Kapital
Auszug aus dem Buch
4.1 Zerstört der Wohlfahrtsstaat soziales Kapital?
Der Kern dieses Arguments ist, dass die Ersetzung [...] und Kompensation von Sozialkapital durch wohlfahrtsstaatliche Maßnahmen gescheitert ist und [dementsprechend kontraproduktive Folgen mit sich bringt] (Karstedt 1997:120). Wie bereits in vorherigen Kapiteln erwähnt, kann Wohlstand und staatliche Unterstützung dazu führen, dass sozial Kapital vernichtet wird. Dies ist auch hier zu erwähnen da es diese These unterstützt. Denn dadurch, dass zur heutigen Zeit ein relativ leichter und rechtlich garantierter Zugang zu Unterstützungsleistungen gewährt ist, führt es [...] dazu, dass die Ansprüche unmittelbar an den Staat gerichtete werden anstatt an Familien und anderen sozialen Netzwerken (Karstedt 1997: 121). Somit zerfällt soziales Kapital immer mehr. Es scheint demnach so, dass es aus familiärer Sicht keine Notwendigkeit mehr gibt Unterstützungen zu leisten. Vor allem durch den Prozess der Industrialisierung kam es immer mehr dazu, dass Familien an Bedeutung verloren. Allerdings gibt es keine empirischen Nachweise, die derartige Wirkungen sozialstaatlicher Maßnahmen verifizieren (vgl. Karstedt 1997: 121). Dieser Fakt stellt wiederum die bereits aufgestellte These „auf den Kopf“. Daher ist auch zu erwähnen, dass durch die Ausweitung der wohlfahrtsstaatlichen Leistungen immer mehr Familien unterstützt werden, so erwähnte ich in Kapitel 3.2, dass über die Zeit neue Leistungen entstanden sind wie beispielsweise Bafög. Dies ermöglicht Kindern aus sozial schwächeren Familien zu studieren und das Studium ohne Hilfe der Familie zu finanzieren. Daher bringt die Abwendung der Familie oder anderen sozialen Netzwerken nicht immer eine negative Folge mit sich.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Die Einleitung steckt den Rahmen der Arbeit ab und führt in das Spannungsfeld zwischen der Entwicklung des Sozialstaates und der potenziellen Erosion von Sozialkapital ein.
2.1 PIERRE BOURDIEU: Dieses Kapitel erläutert Bourdieus Verständnis von Sozialkapital als Summe der Ressourcen, die mit der Zugehörigkeit zu einer Gruppe verbunden sind.
2.2 JAMES S. COLEMAN: Das Kapitel stellt Colemans rationaltheoretischen Ansatz vor, der Sozialkapital als investierbare Ressource in sozialen Beziehungsstrukturen betrachtet.
2.3 MESSUNG VON SOZIALEM KAPITAL: Die Ausführungen beleuchten die methodische Schwierigkeit, Sozialkapital auf verschiedenen gesellschaftlichen Ebenen quantitativ zu erfassen.
2.4 ENTSTEHUNG UND VERNICHTUNG VON SOZIALEM KAPITAL: Hier werden die Faktoren diskutiert, die den Aufbau oder den Zerfall von Netzwerken und Normen innerhalb von sozialen Strukturen beeinflussen.
3 DER SOZIALSTAAT: Eine Analyse der historischen und funktionalistischen Hintergründe, die zur Entstehung moderner Sozialstaaten geführt haben.
3.1 DIE ENTSTEHUNG VON SOZIALSTAATEN: Das Kapitel differenziert zwischen verschiedenen wissenschaftlichen Erklärungsansätzen für die Entwicklung wohlfahrtsstaatlicher Institutionen.
3.2 DIE BEREICHE DER WOHLFAHRTSSTAATLICHKEIT: Die Darstellung widmet sich der Ausweitung staatlicher Absicherungssysteme und deren historischer Genese in Westeuropa.
4 WOHLFAHRTSSTAAT UND SOZIALES KAPITAL: Dieses Kapitel führt die Kernargumente zusammen und untersucht das kritische Verhältnis zwischen staatlicher Absicherung und interpersonaler Solidarität.
4.1 ZERSTÖRT DER WOHLFAHRTSSTAAT SOZIALES KAPITAL?: Kritische Auseinandersetzung mit der These, dass der Staat durch Universalansprüche private Netzwerkstützen wie die Familie entwertet.
5 FAZIT: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass ein pauschaler Abbau von Sozialkapital durch den Wohlfahrtsstaat empirisch nicht belegt werden kann.
Schlüsselwörter
Sozialkapital, Wohlfahrtsstaat, Pierre Bourdieu, James S. Coleman, soziale Netzwerke, soziale Sicherung, Solidarität, Sozialpolitik, Indivdualiserung, Gruppenressourcen, Gemeinwohl, soziale Bindungen, Industrialisierung, Wohlfahrtsstaatsprinzip, Sozialleistungen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Wechselwirkung zwischen dem Wohlfahrtsstaat und dem Konzept des Sozialkapitals, um zu klären, ob staatliche Interventionen private soziale Netzwerke schwächen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentral sind die theoretischen Grundlagen des Sozialkapitalbegriffs, die Entstehung des modernen Sozialstaates sowie die Analyse, ob staatliche Fürsorge privates Engagement verdrängt.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Forschungsfrage zu beantworten, ob der Wohlfahrtsstaat für den beobachteten Rückgang von Sozialkapital verantwortlich gemacht werden kann.
Welche wissenschaftlichen Perspektiven werden genutzt?
Die Autorin stützt sich primär auf die soziologischen Ansätze von Pierre Bourdieu und James S. Coleman, ergänzt durch politikwissenschaftliche Theorien zum Sozialstaat.
Welche inhaltlichen Schwerpunkte liegen im Hauptteil?
Neben der theoretischen Definition von Sozialkapital wird die Dynamik zwischen individuellen Ansprüchen an den Staat und der Bedeutung für informelle Kontakte intensiv diskutiert.
Durch welche Schlüsselbegriffe ist die Arbeit geprägt?
Typische Begriffe sind Sozialkapital, soziale Kohäsion, Netzwerke, Austauschprozesse und wohlfahrtsstaatliche Leistungen.
Wie bewerten die herangezogenen Theoretiker die Zerstörung von Sozialkapital durch den Staat?
Die Arbeit zeigt auf, dass der Staat zwar traditionelle familiäre Sicherheitsnetze teilweise durch universelle Ansprüche ersetzt, jedoch keine eindeutige empirische Evidenz für eine generelle Zerstörung von Sozialkapital existiert.
Welche Rolle spielt die Familie in diesem Kontext?
Die Familie fungierte historisch als primäre Ressource des Sozialkapitals; staatliche Leistungen wie das Bafög haben hier die Abhängigkeit reduziert, was zweideutige soziologische Folgen hat.
Führt der Wohlfahrtsstaat zwingend zur Individualisierung?
Ja, der Wohlfahrtsstaat fördert durch Rechtssicherheit und absicherbare Risiken die Mobilität und Flexibilität der Individuen, was die Bindung an starre, traditionelle Netzwerke lockern kann.
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- Anonym (Author), 2022, Inwiefern verschiebt sich das Sozialkapital durch den Wohlfahrtsstaat?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1376764