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Die Konzeption der Dichterfigur bei Platon. Ambivalenzen und Widersprüche

Título: Die Konzeption der Dichterfigur bei Platon. Ambivalenzen und Widersprüche

Trabajo Escrito , 2021 , 22 Páginas

Autor:in: Fee Hopf (Autor)

Filosofía - Filosofía de la Edad Antigua
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Wie genau Platon seine Dichterkritik und die ihr zugrunde liegende Philosophie aufbaut, soll in der nachfolgenden Arbeit systematisch aufgezeigt werden. Ziel dabei ist es, die sich auftuenden Ambivalenzen und Widersprüche zu beleuchten und diese, falls möglich, aufzulösen. Dabei wird sich zeigen, wie Platon die Dichtung schrittweise der Philosophie unterwirft, und er den Philosophen schließlich zum einzig "wahren" Dichter erklärt.

Im ersten Kapitel wird die platonische Dichterfigur des Buches Ion vor dem Hintergrund des "Enthusiasmus" – der Theorie des „göttlichen Wahnsinns“ – analysiert. Im zweiten Kapitel soll Platons Abwertung der Nachahmungskunst anhand des Buches "Politeia" deutlich werden. Das dritte Kapitel befasst sich daraufhin mit Platons Werk "Phaidros" und dem Dichter im Kontext der Seelentheorie, woraufhin es in einem abschließenden Teil der Arbeit noch einmal genauer um die Konzeption eines philosophischen Dichters gehen soll.

Extracto


Inhaltsverzeichnis des Buches

  • 1 Einleitung
  • 2 Ion: Das Bild vom „wahnsinnigen Dichter“
  • 3 Politeia
    • 3.1 Die Verbannung des Dichters
    • 3.2 Die Rolle des Enthusiasmus im Staat
  • 4 Phaidros: Der Philosoph als Enthusiast
    • 4.1 Das Gleichnis von der Seele als Wagengespann
    • 4.2 Der philosophische Enthusiasmus
  • 5 Der Philosoph als Dichter
  • 6 Fazit
  • 7 Quellenverzeichnis

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht systematisch Platons Konzeption der Dichterfigur und die zugrundeliegende Philosophie seiner Dichterkritik. Das Hauptziel ist es, die Ambivalenzen und Widersprüche in Platons Verhältnis zur Dichtung zu beleuchten und, falls möglich, aufzulösen, um aufzuzeigen, wie Platon die Dichtung der Philosophie unterwirft und den Philosophen letztlich zum einzig „wahren“ Dichter erklärt.

  • Analyse von Platons Dichterkritik in seinen Dialogen (Ion, Politeia, Phaidros)
  • Erklärung der Theorie des Enthusiasmus und des "göttlichen Wahnsinns"
  • Beleuchtung der Rolle der Mimesis und der Verbannung von Dichtern
  • Verständnis der Neukonzeption des Philosophen als wahren Enthusiasten
  • Aufarbeitung der ambivalente Rolle Platons als Philosoph und literarischem Autor

Auszug aus dem Buch

Ion: Das Bild vom „wahnsinnigen Dichter“

Den Prozess dieses Rezeptionsverhältnisses veranschaulicht Sokrates durch das berühmte Gleichnis vom herakleiischen Magnetstein:19

„Denn auch dieser Stein zieht nicht nur selber die eisernen Ringe an, sondern er teilt auch den Ringen die Kraft mit, daß sie eben dieses tun können wie der Stein selbst, nämlich andere Ringe ziehn, so daß bisweilen eine ganze lange Reihe solcher Eisen und Ringen an einander hängt; allen diesen aber ist ihre Kraft von jenem Steine angehängt. Eben so auch macht zuerst die Muse selbst Begeisterte, und an diesen hängt eine ganze Reihe Anderer durch sie sich begeisternder.“20

Genau so, wie der Magnetstein nicht nur andere Steine anziehen, sondern diesen auch seine Anziehungskraft verleihen kann, sodass diese wiederum weitere Steine anziehen, wirkt also auch die göttliche Kraft der Musen auf ihre Begeisterer: Vom Dichter bis hin zum gebannten Zuhörer des Rhapsoden ist jeder nur Teil einer langen Kette der Kraftrezeption, in der alle von der gleichen göttlichen Kraft beeinflusst werden.21 Die für platonische Zeiten übliche Vorstellung, nur der Dichter habe Teil an dieser göttlichen Kraft,22 wird hier durch die neue Idee ersetzt, sämtliche Partizipanten eines künstlerischen Aktes hätten Teil an dessen göttlicher Ursprungskraft. Das exklusive Dichter-Musen Verhältnis wird also nicht mehr anerkannt, vielmehr wird der Dichter auf eine Ebene mit seinen Bewunderern gestellt.

In einem weiteren Schritt verdeutlicht Sokrates nun, wie die göttliche Beeinflussung mit einem Zustand der absoluten Besinnungslosigkeit und des „Wahnsinns“ einhergeht:

„Denn ein leichtes Wesen ist ein Dichter und geflügelt und heilig, und nicht eher vermögend zu dichten, bis er begeistert worden ist und und bewußtlos und die Vernunft nicht mehr in ihm wohnt. Denn solange er diesen Besitz noch festhält ist jeder Mensch unfähig zu dichten [...]."23

Nicht das künstlerische Fachwissen, sondern der Verlust jeglicher Rationalität werden hier also „zur notwendigen Bedingung der dichterischen Produktivität“24 erklärt. Als „Diener[...]“25 und Dolmetscher bzw. „Sprecher der Götter“26 erscheint der Verstand des Dichters nur störend und „muß ihm vom Gott im Begeisterungsprozeß geraubt werden‘“27. Folglich wird ein Zustand „des rasenden Außer-Sich-Seins, der Ekstasis, oder des göttlichen Wahnsinns“28 – auch Enthusiasmus genannt – ausgelöst. Ein Zustand, der dem Dichter die wirkungsvolle Vermittlung sinnlicher Affekte überhaupt erst möglich macht, ihm aber andererseits jegliche Möglichkeit auf kreative Selbstständigkeit nimmt. Zu der Tatsache, dass der Dichter nicht mehr der Einzige ist, der von der göttlichen Kraft der Muse erfüllt wird, kommt nun also auch der Vorwurf totaler Unselbstständigkeit. Ein auf kongenialer Kommunikation beruhendes Verhältnis zur Muse ist so nicht mehr denkbar und es kristallisiert sich ein Zustand vollkommener Subordination heraus, der dem Dichter jeglichen Anspruch auf Können sowie Urheberschaft verweigert. Er wird zu einem randomisierten „bloßen Gefäß“29 göttlicher Macht, zu jemandem, der nicht Urheber seines eigenen Werkes ist30 und sich damit um Nichts von allen anderen Menschen unterscheidet. Wie Renate Schlesier treffend zusammenfasst, können die Menschen,[u]nabhängig von der Stufe der Kraftübertragung, an der sie sich befinden, [...] nur Kunstrezipienten sein, sonst nichts. [...] [A]uf keiner dieser Stufen verfügen sie über Kunstfertigkeit, über techne.“31

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Fragestellung der Arbeit ein, indem es Platons ambivalentes Verhältnis zur Dichtkunst thematisiert und die systematische Untersuchung seiner Dichterkritik ankündigt.

2 Ion: Das Bild vom „wahnsinnigen Dichter“: Hier wird Platons Frühwerk „Ion“ analysiert, welches die Theorie des „Enthusiasmus“ oder „göttlichen Wahnsinns“ als Quelle dichterischer Produktion etabliert und dem Dichter jegliche eigenständige Kunstfertigkeit abspricht.

3 Politeia: In diesem Kapitel wird Platons Abwertung der Dichtkunst in seinem Idealstaat „Politeia“ beleuchtet, insbesondere die Verbannung des Dichters aufgrund der Mimesis-Kritik und seiner gesellschaftlichen Irrelevanz.

4 Phaidros: Der Philosoph als Enthusiast: Dieses Kapitel untersucht, wie Platon im „Phaidros“ den Begriff des Enthusiasmus neu definiert und den Philosophen als den eigentlichen, „wahren“ Enthusiasten gegenüber dem Dichter positioniert, wodurch Letzterer seiner „Göttlichkeit“ beraubt wird.

5 Der Philosoph als Dichter: Das Kapitel adressiert den scheinbaren Widerspruch zwischen Platons Dichterkritik und seinem eigenen literarischen Stil, indem es argumentiert, dass der Philosoph aufgrund seiner Orientierung an der „Wahrheit“ selbst zum höchsten Dichter wird.

6 Fazit: Das Fazit fasst die kontinuierliche Entwicklung von Platons Dichterkritik zusammen, die den konventionellen Dichter abwertet und den Philosophen als den einzig wahren Dichter hervorhebt, dessen sprachliche Ausdrucksweise ein Werkzeug zur Vermittlung höherer Wahrheit ist.

Schlüsselwörter

Platon, Dichterfigur, Dichterkritik, Philosophie, Enthusiasmus, Mimesis, Ion, Politeia, Phaidros, Sokrates, Seelentheorie, Wahrheit, Göttlicher Wahnsinn, Künstler, Dichtung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit Platons Konzeption der Dichterfigur und seiner Dichterkritik, insbesondere wie er im Laufe seiner Werke ein ambivalentes Verhältnis zur Dichtung aufzeigt und den Philosophen letztlich zum einzig „wahren“ Dichter erklärt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themenfelder sind Platons Dichterkritik, die Theorie des Enthusiasmus oder „göttlichen Wahnsinns“, das Konzept der Mimesis (Nachahmung), die Rolle des Philosophen im Vergleich zum Dichter und die Entwicklung dieser Ideen in Platons Dialogen „Ion“, „Politeia“ und „Phaidros“.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es, Platons Dichterkritik und die ihr zugrunde liegende Philosophie systematisch aufzuzeigen, die sich auftuenden Ambivalenzen und Widersprüche zu beleuchten und aufzulösen und zu demonstrieren, wie Platon die Dichtung der Philosophie unterwirft.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit verwendet eine systematische Textanalyse und philosophische Interpretation von Platons Werken, um seine Argumentation und die Entwicklung seiner Dichterkonzeption nachzuvollziehen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil behandelt chronologisch Platons Auseinandersetzung mit der Dichtkunst in seinen Hauptwerken: im „Ion“ die Theorie des Enthusiasmus, in der „Politeia“ die Verbannung der Dichter aufgrund der Mimesis-Kritik und im „Phaidros“ die Neudefinition des Philosophen als wahren Enthusiasten.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselwörter, die die Arbeit charakterisieren, sind: Platon, Dichterfigur, Dichterkritik, Philosophie, Enthusiasmus, Mimesis, Ion, Politeia, Phaidros, Sokrates, Seelentheorie, Wahrheit, Göttlicher Wahnsinn, Künstler, Dichtung.

Wie unterscheidet sich der Enthusiasmus des Dichters von dem des Philosophen bei Platon?

Während der Enthusiasmus des Dichters bei Platon mit Besinnungslosigkeit und dem Verlust kreativer Selbstständigkeit einhergeht, ist der philosophische Enthusiasmus eine bewusste, erotische Leidenschaft, die zur Erkenntnis des Wahren und Schönen und zu tiefer Selbst- und Gotteserkenntnis führt.

Warum verbannt Platon Dichter aus seinem Idealstaat in der Politeia?

Platon verbannt Dichter aus seinem Idealstaat, weil sie durch Mimesis nur Abbilder von Abbildern schaffen und somit weit von der Wahrheit entfernt sind. Ihre Kunst spricht zudem die niederen Affekte der Seele an, gefährdet das seelische und gesellschaftliche Wohl und weist keine wirkliche Nützlichkeit auf.

Was besagt das Gleichnis vom herakleiischen Magnetstein in Bezug auf die Dichtung?

Das Gleichnis vom herakleiischen Magnetstein im „Ion“ veranschaulicht, dass die göttliche Kraft der Musen über den Dichter bis zum Rhapsoden und schließlich zum Publikum in einer Kette weitergegeben wird. Es entzieht dem Dichter die Exklusivität göttlicher Inspiration und stellt ihn als bloßen Übermittler dar, ohne eigene Kunstfertigkeit.

Wie löst die Arbeit den scheinbaren Widerspruch in Platons Haltung zur Dichtung auf?

Die Arbeit löst den Widerspruch auf, indem sie zeigt, dass Platon zwar den "konventionellen" Dichter abwertet, seine eigene literarische Praxis jedoch eine neue Art des Dichtens darstellt. Der Philosoph wird zum "wahren" Dichter, dessen mimetische Darstellung die "Wahrheit" selbst abbildet und dessen literarischer Stil als Werkzeug der Philosophie dient.

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Detalles

Título
Die Konzeption der Dichterfigur bei Platon. Ambivalenzen und Widersprüche
Universidad
University of Osnabrück
Autor
Fee Hopf (Autor)
Año de publicación
2021
Páginas
22
No. de catálogo
V1376782
ISBN (PDF)
9783346913845
ISBN (Libro)
9783346913852
Idioma
Alemán
Etiqueta
konzeption dichterfigur platon ambivalenzen widersprüche
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Fee Hopf (Autor), 2021, Die Konzeption der Dichterfigur bei Platon. Ambivalenzen und Widersprüche, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1376782
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