In dieser Arbeit beziehe ich mich auf minderjährige Geflüchtete, die sexuelle Gewalt in Geflüchteten-Unterkünften von den dort arbeitenden Personen erfahren haben, mit dem Blick auf mögliche präventive Maßnahmen. Geflüchtete Menschen stellen eine besonders vulnerable Gruppe dar, denn auf der Suche nach Schutz ist die Schutzlosigkeit am größten. Mit der vorliegenden Arbeit möchte ich einen guten Einblick über die verschiedenen Bausteine meines Themas geben. Beginnend befasse ich mich mit den Begrifflichkeiten der sexuellen Gewalt gegen Minderjährige. Im weiteren Verlauf blicke ich auf die möglichen Ursachen und Verursacher der sexuellen Gewalt gegen geflüchtete Minderjährige und ob es mögliche Anzeichen geben könnte, um sexuell ausgeübte Gewalt gegen Minderjährige erkennen zu können. Im zweiten Baustein beschreibe ich zuerst die Rechte von geflüchteten Minderjährigen und stelle dann die Geflüchteten-Unterkünfte vor und beschäftige mich mit den möglichen Täter*innen. Im letzten Baustein beschäftige ich mich mit möglichen präventiven Maßnahmen und gebe ein kurzes Fazit und Ausblick des vorliegenden Themas.
Die Veröffentlichung von sexuellen Übergriffen in pädagogischen Institutionen hat die letzten Jahre die Bevölkerung geschockt. Betroffene berichteten und Untersuchungen wurden eingeleitet. Schulen, Kindergärten, Internat und Vereine etc. sind Orte, an denen Schutzbefohlene pädagogischen Fachkräften anvertraut werden. Sexualisierte Gewalt gegen Kinder in Institutionen ist ein hochsensibles Thema, das die Arbeit von pädagogischen Fachkräften infrage stellt.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 2. Sexuelle Gewalt gegen Minderjährige
- 2.1 Begriffsklärung sexuelle Gewalt / sexueller Missbrauch
- 2.2 Definitionsversuch “sexuelle Gewalt gegen Minderjährige”
- 2.3 Formen sexueller Gewalt
- 2.4 Anzeichen sexueller Gewalt bei Betroffenen Minderjährigen
- 2.5 Folgen der sexuellen Gewalt gegen Minderjährige
- 3. Minderjährige Geflüchtete in Unterkünfte für Geflüchtete
- 3.1 Rechte für geflüchtete Personen
- 3.2 Geflüchteten Unterkünfte
- 3.3 Wer sind die Täter*innen?
- 4. Präventionsmaßnahmen
- 5. Fazit und Ausblick
- 6. Quellen
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit zielt darauf ab, einen umfassenden Einblick in die Thematik der sexuellen Gewalt gegen minderjährige Geflüchtete in Unterkünften zu geben, mit einem besonderen Fokus auf mögliche präventive Maßnahmen. Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, die verschiedenen Facetten dieser komplexen Problematik zu beleuchten, von Begrifflichkeiten bis hin zu konkreten Schutzstrategien.
- Klärung von Definitionen und Begrifflichkeiten im Kontext sexueller Gewalt und Missbrauch.
- Analyse der Ursachen, Anzeichen und Folgen sexueller Gewalt bei minderjährigen Geflüchteten.
- Untersuchung der Rechte geflüchteter Minderjähriger und der spezifischen Bedingungen in Geflüchtetenunterkünften.
- Identifikation potenzieller Täter*innen und ihrer Vorgehensweisen.
- Erarbeitung und Diskussion von präventiven Maßnahmen zur Sicherung und Aufklärung von Kinderrechten in diesem Kontext.
Auszug aus dem Buch
2.1 Begriffsklärung sexuelle Gewalt / sexueller Missbrauch
Zuerst würde ich gerne auf die öffentliche Debatte, zur Findung einer einheitlichen Bezeichnung, eingehen. Denn ein eindeutiger Terminus hat sich noch nicht durchgesetzt. Aktuell herrscht ein öffentlicher Diskurs über den Gebrauch des voranigen gesellschaftlichen Begriffes “sexueller Missbrauch”. Im Mittelpunkt steht unter anderem die Frage ob der Ausdruck "Missbrauch" die Ganzheit der Thematik erfassen kann, und somit die Taten/Konsequenzen der Täter*innen und Betroffen*in verharmlost. In der Sprachwissenschaft steht "Missbrauch” als Begrifflichkeit für den Gebrauch von etwas für einen Zweck, für den es ursprünglich nicht genutzt werden sollte. Im Gegensatz dazu stellt der Begriff "sexueller Missbrauch" eine These auf, die den sexuellen Gebrauch von Kindern legitimiert. Die Formulierung "sexualisierte Gewalt" verdeutlicht die Schwere der Taten und stellt heraus, dass es sich dabei um Gewalt handelt, die mit sexuellen Mitteln ausgeübt wird. Gewalt bezeichnet die Demonstration von Macht vor allem gegenüber Abhängigen. Nach Max Weber kennzeichnet Macht: "jede Chance, in einer sozialen Beziehung den eigenen Willen durchzusetzen, auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance beruht.” Die Gewalt wird hierbei hervorgehoben und stellt dar, das es den Täter*innen nicht nur um die sexuelle Ausbeutung geht, sondern auch um die Demonstration von Macht. In der juristischen Terminologie wird die Begrifflichkeit "sexueller Missbrauch" verwendet mit der Begründung: "(...) weil Gewaltanwendung gegenüber einem Kind immer auch Ausdruck eines Gefälles von Kraft- oder Urteilsvermögens zu Gunsten des Täters ist, hat diese meist einen Missbrauchscharakter inne." Neben den zwei vorgestellten Begrifflichkeiten, gibt es noch viele weitere Bezeichnungen, beispielshalber: “ sexuelle Ausbeutung”, “ sexueller Übergriff ", "sexuelle Misshandlung” etc. In dieser Arbeit werde ich den Begriff “sexuelle Gewalt" verwenden, da es meiner Ansicht nach die Problematik am umfassendsten verdeutlicht.
Zusammenfassung der Kapitel
Kapitel 1: Einleitung: Dieses Kapitel führt in das hochsensible Thema der sexuellen Gewalt gegen Kinder, insbesondere minderjährige Geflüchtete in Unterkünften, ein und skizziert die Gliederung der Arbeit. Es beleuchtet die Notwendigkeit präventiver Maßnahmen aufgrund der besonderen Vulnerabilität dieser Gruppe.
Kapitel 2: Sexuelle Gewalt gegen Minderjährige: Hier werden zentrale Begrifflichkeiten wie "sexuelle Gewalt" und "sexueller Missbrauch" geklärt, unterschiedliche Definitionen beleuchtet sowie verschiedene Formen, Anzeichen und die oft schwerwiegenden Folgen sexueller Gewalt bei Minderjährigen dargestellt.
Kapitel 3: Minderjährige Geflüchtete in Unterkünfte für Geflüchtete: Dieses Kapitel konzentriert sich auf die spezifische Situation minderjähriger Geflüchteter, ihre Rechte, die Bedingungen in den Unterkünften und analysiert mögliche Täterprofile. Es betont die erhöhte Schutzbedürftigkeit dieser Gruppe.
Kapitel 4: Präventionsmaßnahmen: Das Kapitel befasst sich mit verschiedenen Präventionsansätzen – primär, sekundär und tertiär – und erörtert, wie kindzentrierte Schutzkonzepte und Verhaltenskodizes dazu beitragen können, sexuelle Gewalt zu verhindern und Betroffene zu stärken.
Kapitel 5: Fazit und Ausblick: Das Schlusskapitel fasst die wichtigsten Erkenntnisse der Arbeit zusammen, weist auf Informationslücken hin, insbesondere bezüglich der Situation in Geflüchtetenunterkünften, und fordert eine verstärkte Finanzierung und den Ausbau von Präventions- und Therapieangeboten.
Schlüsselwörter
Sexuelle Gewalt, Minderjährige Geflüchtete, Präventionsmaßnahmen, Flüchtlingsunterkünfte, Kinderschutz, sexueller Missbrauch, Vulnerabilität, Kindesrechte, Schutzkonzepte, Resilienz, Traumatisierung, Cybergrooming, Sextortion, Täterprofil, Flüchtlingshilfe.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich grundsätzlich mit sexueller Gewalt gegen minderjährige Geflüchtete in Unterkünften und untersucht präventive Maßnahmen, um dieser Gewalt entgegenzuwirken und Betroffene zu schützen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themenfelder sind die Begrifflichkeiten sexueller Gewalt, deren Formen und Anzeichen, die spezifische Situation und Rechte minderjähriger Geflüchteter, die Rolle von Geflüchtetenunterkünften, Täterprofile sowie umfassende Präventionsstrategien.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, einen fundierten Einblick in das Thema sexuelle Gewalt gegen minderjährige Geflüchtete zu geben und mögliche präventive Maßnahmen zu identifizieren, die zur Vorbeugung und zum Schutz beitragen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf Literaturrecherche und der Analyse vorhandener Studien, Berichte und rechtlicher Grundlagen, um eine strukturierte Darstellung und Bewertung des Themas zu ermöglichen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die detaillierte Begriffsklärung sexueller Gewalt, Definitionsversuche, Formen sexueller Gewalt, Anzeichen und Folgen bei Betroffenen, die Rechte und Unterbringung geflüchteter Minderjähriger, Profile von Täter*innen und ausführliche Präventionsmaßnahmen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Schlüsselwörter wie Sexuelle Gewalt, Minderjährige Geflüchtete, Präventionsmaßnahmen, Flüchtlingsunterkünfte, Kinderschutz und Vulnerabilität charakterisiert.
Warum wird in dieser Arbeit der Begriff "sexuelle Gewalt" gegenüber "sexuellem Missbrauch" bevorzugt?
Der Begriff "sexuelle Gewalt" wird bevorzugt, da er die Schwere der Taten und den Gewaltcharakter, der oft mit sexuellen Mitteln ausgeübt wird, deutlicher hervorhebt, im Gegensatz zum Begriff "Missbrauch", der eine Verharmlosung implizieren könnte.
Welche spezifischen Risikofaktoren begünstigen sexuelle Gewalt in Geflüchtetenunterkünften?
Spezifische Risikofaktoren umfassen überfüllte Unterkünfte, mangelnde qualitative Standards, das Ausnutzen von Macht- und Autoritätsgefällen durch Personal oder andere Bewohner sowie fehlende Zugänge zu Hilfs- und Beratungsangeboten.
Welche unterschiedlichen Formen sexueller Gewalt werden neben physischen Übergriffen beschrieben?
Neben direkten "hands-on" Übergriffen werden auch indirekte "hands-off" Handlungen wie Voyeurismus, Exhibitionismus sowie digitale Formen wie Cybergrooming, missbräuchliches Sexting und Sextortion beschrieben.
Was sind die vier Kategorien von Initialwirkungen sexueller Gewalt bei Minderjährigen?
Die Initialwirkungen sexueller Gewalt bei Minderjährigen werden grob in emotionale Reaktionen, altersunangemessenes Sexualverhalten, Auffälligkeiten im Sozialverhalten sowie somatische und psychosomatische Folgen eingeteilt.
- Arbeit zitieren
- F. Offermann (Autor:in), 2022, Sexuelle Gewalt gegen Minderjährige in Geflüchteten-Unterkünften. Ursachen und Präventionsmaßnahmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1376821