Diese Arbeit behandelt Sprachinterventionen bei Menschen mit Aphasien. Aphasien sind definiert als Störungen des Sprachsystems, die nach abgeschlossenem Spracherwerb aufgrund einer erworbenen Hirnschädigung auftreten. Die Kommunikationsfähigkeit der von Aphasien Betroffenen ist massiv eingeschränkt. Typisch für Aphasien ist, dass die Störungen plötzlich eintreten und in der Regel auf umschriebenen Läsionen der sprachdominanten Hemisphäre beruhen. Eine Aphasie betrifft immer das System der Sprache und ist damit keine Sprech-, Denk- oder Hörstörung.
Die WHO und der ICF bietet ein Werkzeug, um nicht nur die gestörte Sprachfunktion, sondern auch die Auswirkungen der Aphasie auf die Alltagsaktivitäten und die soziale Teilhabe Betroffener zu beschreiben sowie Ressourcen in Form von fördernden Umweltfaktoren zu identifizieren.
Inhaltsverzeichnis
- APHASIEN
- DEFINITION
- KLASSIFIKATIONSMÖGLICHKEITEN VON APHASIEN
- FORMEN VON APHASIEN
- GLOBALE APHASIE
- BROCA APHASIE
- WERNICKE APHASIE
- AMNESTISCHE APHASIE
- SYMPTOME VON APHASIEN
- ENTWICKLUNG BZW. ENTSTEHUNG VON APHASIEN
- BESONDERHEITEN
- BESONDERHEITEN BEIM ZWEITSPRACHERWERB
- NEUROBIOLOGISCHE ERKLÄRUNG FÜR APHASIEN
- HEILPÄDAGOGISCHE SPRACHINTERVENTIONEN FÜR APHASIEN
- ERSTE SPRACHINTERVENTION
- ZWEITE SPRACHINTERVENTION FÜR DEN ZWEITSPRACHERWERB
- LITERATURVERZEICHNIS
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit befasst sich mit heilpädagogischen Sprachinterventionen bei Menschen, die an Aphasie leiden, einer Sprachstörung, die durch neurologische Erkrankungen verursacht wird. Das primäre Ziel der Arbeit ist es, die Erscheinungsformen, Ursachen und die Auswirkungen von Aphasien zu beleuchten und darauf basierend geeignete therapeutische Ansätze, insbesondere für einsprachige und mehrsprachige Betroffene, darzustellen, um deren Kommunikationsfähigkeit und Partizipation im Alltag zu fördern.
- Definition, Klassifikation und Formen von Aphasien (Global, Broca, Wernicke, Amnestisch)
- Neurobiologische Grundlagen der Sprache und Entstehung von Aphasien
- Symptomatik und Auswirkungen von Aphasien auf die kommunikative Selbstständigkeit
- Spezifische heilpädagogische Sprachinterventionen und deren methodische Ansätze
- Herausforderungen und Besonderheiten beim Zweitspracherwerb von Aphasikern
- Förderung der Teilhabe und Reduzierung des sozialen Rückzugs durch Kommunikationsstrategien
Auszug aus dem Buch
Entwicklung bzw. Entstehung von Aphasien
Die häufigste Ursache ist ein zerebraler Gefäßinsult. Weitere Ursachen können Hirnverletzungen sein (SHT), Hirntumoren, Hirnentzündungen (Encephalitis) und Hirnabbauprozesse (z.b. Demenz)12.
Um die Entwicklung und Entstehung zu verstehen, brauchen wir Kenntnisse von der Neurobiologie der Sprache und der Neuroanatomie und Neurophysiologie. „Vorgänge der Artikulation" sind untrennbar mit der „motorischen Hirnrinde“ verbunden. Die „Vernetzung verschiedener Hirnareale“ sind Voraussetzung dafür, dass Informationen der Sprache „integriert“, „gespeichert“, „kodiert“ und „abgerufen“ werden. Hinzu kommen die „anatomischen und physiologischen“ Voraussetzungen des Ohres mit den dazugehörigen Hirnbereichen, die Geräusche verarbeiten. Die „anatomische Beschaffenheit des Kehlkopfes, der Zunge und des Mundes. Eine Vernetzung vieler Ebenen von Gehirnbereichen zu anatomischen Beschaffenheiten und physiologischer Funktionen spielen eine Rolle. Besonders die „Hirnareale wie das „limbische System, präfrontaler, sensorischer und motorischer Kortex" sind unmittelbar mit Sprache und Ausdruck verbunden13. Hinzu kommen viele andere Systeme wie das Sehen, die Motivation, die anatomischen funktionellen Voraussetzungen.
Zur Entstehung und Entwicklung einer Aphasie ist zu erklären, dass Aphasie durch „eine Schädigung des Sprachzentrums“ entsteht. Das „Broca-Areal und das Wernicke-Areal gelten als die Hauptkomponenten des Sprachzentrums“. Das Broca-Areal ist für Sprachmotorik, grammatische Aspekte von Sprache, Lautbildung, Artikulation und die Bildung abstrakter Wörter zuständig. Das Wernicke-Areal ist für das Sprachverständnis organisiert und zuständig. Es wird auch vom „motorischem“ (Broca) und „sensorischem Sprachzentrum“ (Wernicke) gesprochen.14 Somit ist es bedeutend für Symptome der Aphasie, welcher Bereich des Sprachzentrums betroffen ist.
Sprache ist bei fast allen Rechtshändern und einem Großteil der Linkshänder links lokalisiert. Rechtshemisphärische Läsion bei funktionellem Rechtshänder führt zu Aphasie. Das heißt, „aufgrund der Kreuzung der Nervenbahnen treten Aphasien häufig in Zusammenhang mit einer Lähmung der rechten Körperseite“ auf. Ein „günstigerer Verlauf“ ist häufig durch stärkere bilaterale Sprachrepräsentation erklärt15.
Ursachen eines Schlaganfalls können vielfältig sein. Bei der Ischämie (80% der Fälle) liegt eine umschriebene Mangeldurchblutung in begrenzter Hirnregion vor. Ursachen für eine Ischämie können sein: u.a. Thrombosen, meist infolge von Arteriosklerose und Embolien durch Gefäßwandthrombosen als Folge einer Herzerkrankung. Ursachen der Hirnblutung als Folge von Aneurysmen (Aussackungen), Hämangiome (gutartige Gefäßgeschwülste), Arteriosklerose und auch traumatische Hirnverletzungen.
Zusammenfassung der Kapitel
APHASIEN: Dieses Kapitel definiert Aphasien als erworbene Sprachstörungen, erläutert verschiedene Klassifikationsmöglichkeiten und beschreibt spezifische Formen wie die Globale, Broca-, Wernicke- und Amnestische Aphasie, ihre Symptome, Entstehung und Besonderheiten, einschließlich der Auswirkungen auf mehrsprachige Personen.
NEUROBIOLOGISCHE ERKLÄRUNG FÜR APHASIEN: Hier werden die neurologischen Grundlagen der Sprachverarbeitung im Gehirn, die Rolle spezifischer Hirnregionen wie des Broca- und Wernicke-Areals sowie die verschiedenen Ursachen von Hirnschädigungen, die zu Aphasien führen können, detailliert beschrieben.
HEILPÄDAGOGISCHE SPRACHINTERVENTIONEN FÜR APHASIEN: Dieses Kapitel stellt heilpädagogische Interventionsstrategien vor, darunter den "Plauderplan" zur Förderung der Kommunikation bei nicht-sprechenden Menschen sowie Ansätze für den Zweitspracherwerb bei Aphasiepatienten, wobei die Direkte Methode und die Grammatik-Übersetzungsmethode diskutiert werden.
Schlüsselwörter
Aphasie, Sprachstörung, neurologische Erkrankungen, Sprachintervention, Heilpädagogik, Broca-Aphasie, Wernicke-Aphasie, Amnestische Aphasie, Spracherwerb, Mehrsprachigkeit, Cross-linguistischer Transfer (CLT), Plauderplan, Kommunikation, Partizipation, Rehabilitation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt heilpädagogische Sprachinterventionen für Menschen, die aufgrund neurologischer Erkrankungen an Aphasie leiden, mit dem Ziel, ihre Kommunikationsfähigkeit und soziale Teilhabe zu verbessern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themenfelder sind die Definition, Klassifikation und Formen von Aphasien, die neurobiologischen Ursachen, Symptome sowie spezifische Sprachinterventionen, insbesondere auch im Kontext des Zweitspracherwerbs.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, die Ursachen und Auswirkungen von Aphasien zu analysieren und darauf basierend wirksame heilpädagogische Sprachinterventionen darzulegen, um die Kommunikation und Partizipation der Betroffenen zu fördern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit beschreibt unter anderem die Direkte Methode (DM) und die Grammatik-Übersetzungsmethode (GÜM) als Ansätze für die Sprachintervention, die auf Hören, Imitation, Gewöhnung und Übersetzung basieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil der Arbeit behandelt die verschiedenen Formen von Aphasien und deren Symptome, die neurobiologische Erklärung der Sprachstörung sowie konkrete heilpädagogische Sprachinterventionen, sowohl für einsprachige als auch mehrsprachige Betroffene.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Aphasie, Sprachstörung, neurologische Erkrankungen, Sprachintervention, Heilpädagogik, Mehrsprachigkeit, Plauderplan und Rehabilitation.
Was sind die Besonderheiten von Aphasien im Kontext des Zweitspracherwerbs?
Bei mehrsprachigen Aphasikern wird das Konzept des "Cross-linguistischen Transfers (CLT)" diskutiert, bei dem eine erfolgreich therapierte Sprache positive Auswirkungen auf andere Sprachen haben kann, sowie Phänomene wie "Mixing" und "Switching".
Welche Rolle spielt der sogenannte "Plauderplan" in der ersten Sprachintervention?
Der "Plauderplan" ist eine Intervention für Menschen, die selbst nicht sprechen können, um ihre Teilhabe am Alltag zu fördern. Er nutzt Hilfsmittel wie Sprachausgabegeräte ("sprechende Tasten") und bietet ein Gerüst für Gespräche, um Partizipation zu ermöglichen.
Welche Risikofaktoren sind mit der Entstehung von Aphasien verbunden?
Häufige Ursachen sind Schlaganfälle (zerebrale Gefäßinsulte) oder Hirnverletzungen. Risikofaktoren für Schlaganfälle umfassen arterielle Hypertonie, kardiale Erkrankungen, erhöhte Blutfett- und Zuckerwerte, Alkohol- und Nikotinabusus sowie Bewegungsmangel.
- Arbeit zitieren
- Anna Wiemer (Autor:in), 2022, Heilpädagogische Sprachintervention bei Menschen mit Aphasien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1376851