Eine neue Gesellschaft und eine neue Kirche „zur sittlichen Besserung und Veredelung des Volkes“ in der Aufklärung

Die Reformbewegungen des Ignaz Heinrich von Wessenberg


Hausarbeit, 2007

16 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Aufklärung – Aufbruch in ein neues Zeitalter des Geistes –
2.1 Aufklärung in Europa
2.2 Katholische Aufklärung in Deutschland

3. Ignaz Heinrich von Wessenberg
3.1 Kurzbiographie
3.2 Die Reformbewegungen Wessenbergs

4. Quellenarbeit: „Katechismus oder Leitfaden zum christkatholischen Religionsunterricht"

5. Schlussbetrachtung

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das wohl bekannteste Zitat der Aufklärung ist Immanuel Kants Satz „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit.“[1] Der berühmte Philosoph beginnt mit ihm seinen Aufsatz „Was ist Aufklärung?“ in der Berlinischen Monatsschrift, mit dem er auf die gleichlautende Frage des Pfarrers Johann Friedrich Zöllner eingeht, die ein Jahr zuvor in derselben Zeitung erschienen war.

In diesem Essay heißt es weiter: „Daß die Menschen, wie die Sachen jetzt stehen, im Ganzen genommen, schon im Stande wären, oder darin auch nur gesetzt werden könnten, in Religionsdingen sich ihres eigenen Verstandes ohne Leitung eines Andern sicher und gut zu bedienen, daran fehlt noch sehr viel.“[2]

Diese Feststellung Kants soll als Ausgangspunkt der vorliegenden Arbeit genommen werden, die den Fragen nachgeht, wie das Menschenbild der Aufklärung aussah, welche Bedeutung der Religion in dieser Zeit zukam und wie Frömmigkeit verstanden wurde. Diese Fragen sollen auf der einen Seite allgemein, auf der anderen Seite aber speziell mit Blick auf Ignaz Heinrich von Wessenberg, der Anfang des 19. Jahrhunderts als bedeutender Kirchenreformer im Bistum Konstanz wirkte, beantwortet werden.

Am Anfang steht daher eine allgemeine Einführung in die Epoche der Aufklärung, wobei versucht wird, eine „katholische Aufklärung“ zu definieren und anschließend liegt der Schwerpunkt auf der Person Wessenbergs: Nach einer kurzen biographischen Vorstellung stehen seine Reformbewegungen im Mittelpunkt. Die Untersuchung von Wessenbergs Frömmigkeitsverständnis, welches sich besonders in seinem „Katechismus oder Leitfaden zum christkatholischen Religionsunterricht“ zeigt, stellt den Schluss der Arbeit dar.

2. Aufklärung – Aufbruch in ein neues Zeitalter des Geistes –

2.1 Aufklärung in Europa

Das Zeitalter der Aufklärung bezeichnet die geistesgeschichtliche Epoche des 18. Jahr-hunderts in der westlichen Gesellschaft, die das Ergebnis und der Höhepunkt eines langen Rationalisierungsprozesses war. Die deutsche Aufklärung ist Teil der letzten gemeineuropäischen Geistesepoche, welche ihre Wurzeln hauptsächlich in Frankreich und England hat. Ihre bedeutendsten Vertreter waren Gotthold Ephraim Lessing, Johann Gottfried Herder, Gottfried Wilhelm Leibniz sowie der bereits genannte Immanuel Kant.

Obwohl die Aufklärung kein geschlossenes philosophisches System darstellte, wurde sie die verbindliche Ideologie der intellektuellen Elite und unter der Maßgabe einer Herrschaft der Vernunft gingen weitreichende philosophische, soziale und politische Veränderungen in ganz Europa vor sich: Das Denken sollte mit den Mitteln der Vernunft von althergebrachten, starren und überholten Vorstellungen, Vorurteilen und Ideologien befreit und Akzeptanz für neu erlangtes Wissen geschaffen werden.

Erst Mitte des 18. Jahrhunderts bürgerte sich das Wort „Aufklärung“ ein und wurde zu einem ´Modewort`. Es handelt sich um einen zeitgenössischen Ausdruck, der sich in fast allen europäischen Sprachen findet und bereits vor der eigentlichen Aufklärungsepoche bestand:[3] Christoph Martin Wieland zum Beispiel deutete das Wort Aufklärung als „Erleuchtung“, Gottfried Wilhelm Leibniz als „erleuchtende Klarheit“.[4]

Die Aufklärung bekämpfte den Obskurantismus, das ´Nichtaufgeklärtsein` des Menschen in jeder Art ungeprüfter Überlieferung, sei es in Sitte und Brauchtum oder in Wissenschaft und Religion. Das ganze menschliche Leben wurde der kritischen Prüfung unterworfen und von der Ratio her betrachtet. Dieser Rationalismus und Pragmatismus ging einher mit einer neuen Verantwortung für den Fortschritt, der nicht nur auf die Gegenwart, sondern auch auf die Zukunft hin ausgerichtet war und den Fortgang und die Entwicklung der gesamten Menschheit im Blick hatte.[5] Die Hauptkritik der Aufklärer richtete sich dabei gegen Kirche und Religion: Die Diesseitigkeit des Menschen wurde gegen seine religiös verstandene Jenseitigkeit ausgespielt und die Konzentration des Menschen auf sein jetziges Leben – nicht auf das Leben nach dem Tod – wurde eingefordert.

Der Naturwissenschaft kam in diesem Zusammenhang eine wachsende Bedeutung zu, weil sie ein neues Menschen- und Weltbild erschuf. Das Studium der Schriften des Aristoteles und der Bibel, die bisher als Autoritäten und unanfechtbare Wahrheiten galten, wurde von wissenschaftlichen Erkenntnissen durch Naturbeobachtung und Experiment abgelöst. Obwohl die meisten Denker der Aufklärung die Kirche – vor allem die katholische Kirche wegen ihres Reichtums, ihres Machtmissbrauchs und ihres

Dogmatismus – kritisierten, lehnten sie dennoch die Religion nicht grundsätzlich ab, sondern vertraten einen gemäßigten Deismus.[6]

Der zu Beginn nur kirchenrechtliche Begriff von „Toleranz“ wurde mehr und mehr auf andere Lebensbereiche ausgeweitet und gewann ein neues Ausmaß von Freiheit. Ziel wurde die individuelle Autonomie, der absolute Anspruch auf Freiraum bis hin zur politischen Meinungsfreiheit und dem letzten Schritt der Forderung allgemeiner politischer Teilhabe. Dieser Idee folgend entwickelte sich in der Aufklärung die Bewegung des Individualismus.

Ein weiteres gesellschaftliches Ziel der Aufklärer fand sich in der Elementarausbildung: Es sollten Möglichkeiten der Schulung und Lehre, um nicht nur lesen zu lernen, sondern sich auch anschließend mit der aufklärerischen Lektüre auseinanderzusetzen, geschaffen werden. Dieses pädagogische Ziel beabsichtigte nicht nur die Wissensanhäufung, sondern auch die Charakterbildung eines jeden Menschen. Der primäre Bildungsbereich sollte dabei aus der Befugnis der Kirche genommen werden und dementsprechend sollte auch eine Veränderung des Lehrplans, beziehungsweise des Fächerkanons, stattfinden.

Für die Aufklärung in Deutschland waren vor allem zwei Faktoren prägend: Zum einen die konfessionelle Spaltung, zum anderen die regionale Vielgestaltigkeit der Staatenwelt des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation.[7] Auch die Sprache war für die Anfangsphase bedeutend: Ende des 17. Jahrhunderts sprachen Gelehrte und Fürsten kein Deutsch, sondern Lateinisch oder Französisch und dadurch waren fast allen Deutschen wissenschaftliche Schriften sprachlich vorenthalten. Die deutsche Muttersprache setzte sich aber – wie von den Aufklärern beabsichtigt – durch und zahlreiche Werke wurden in Deutsch verfasst. Die deutsche Sprache kam in den gelehrten und publizistischen Gebrauch und an Universitäten wurden schließlich die Vorlesungen in deutscher Sprache gehalten. Durch diesen sprachlichen Gesamtprozess konnte das Gedankengut der Aufklärung nicht nur das gebildete Publikum, sondern die gesamte Öffentlichkeit erreichen.

[...]


[1] I. Kant, Aufklärung, 481.

[2] Ebd., 491. Hervorhebung v. Verf.

[3] Eine detaillierte Etymologie des Wortes liefert beispielsweise: W. Schneiders, Aufklärung, 47.

[4] Vgl. M. Schmidt, Aufklärung, 594-608.

[5] Hier kann als Beispiel Denis Diderot genannt werden, der mit der Abfassung seiner Encyclopédie eine Summa des gesamten Wissens seiner Zeit schaffen wollte, die damals lebenden und zukünftigen Generationen einen systematischen Überblick über die Erkenntnisse und Errungenschaften der Menschheit geben sollte.

[6] Die Anhänger des Deismus gehen zwar von der Schöpfung des Universums durch Gott aus (etwa im Sinne eines perfekten Uhrmachers, der ein Uhrwerk in Gang setzt), aber sie nehmen an, dass Gott im Folgenden keinen Einfluss mehr auf die Geschehnisse im Universum nimmt. Vgl. C. Gestrich, Deismus, 392-406.

[7] Vgl. H. Möller, Vernunft, 19.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Eine neue Gesellschaft und eine neue Kirche „zur sittlichen Besserung und Veredelung des Volkes“ in der Aufklärung
Untertitel
Die Reformbewegungen des Ignaz Heinrich von Wessenberg
Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
16
Katalognummer
V137726
ISBN (eBook)
9783640468836
ISBN (Buch)
9783640468584
Dateigröße
967 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Eine, Gesellschaft, Kirche, Besserung, Veredelung, Volkes“, Aufklärung, Reformbewegungen, Ignaz, Heinrich, Wessenberg
Arbeit zitieren
Angela Lintzen (Autor), 2007, Eine neue Gesellschaft und eine neue Kirche „zur sittlichen Besserung und Veredelung des Volkes“ in der Aufklärung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/137726

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