Der Zusammenhang zwischen Revisionismus und Rechtspopulismus soll in dieser Hausarbeit thematisiert werden, wofür diese inhaltlich zweigeteilt werden wird. Im ersten Abschnitt soll die Frage im Zentrum stehen, wie sich das theoretische Beziehungsgeflecht beider Phänomen zueinander charakterisieren lässt. Hierzu werden der Revisionismus-Begriff definiert und verschiedene Methodiken vorgestellt, welche Revisionisten zur Artikulation ihrer Ansichten verwenden. Bezüglich des Rechtspopulismus wird eine dreidimensionale Konzeption entworfen, die sich in einen strukturellen, kommunikativen und methodischen Ebene gliedert. Für den zweiten Teil der Arbeit wird die AfD als Untersuchungsbeispiel herangezogen. Es soll der Frage nachgegangen, inwiefern sich revisionistische Ansätze innerhalb der AfD etabliert haben. Dabei soll die These vertreten werden, dass die Partei revisionistische Ansätze aufweist, diese aber zum jetzigen Zeitpunkt primär durch Führungspersönlichkeiten zur Schau gestellt werden und nicht als offizielle Parteistandpunkte kommuniziert werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Revisionismus
3. Populismus
3.1 Strukturelle Dimension
3.2 Kommunikative Dimension
3.3 Methodische Dimension
4. Revisionistische Aspekt der AfD
4.1 Parteigeschichtliche Wandlungsprozesse
4.2 Medien und Sprache
4.3 Der Fall Björn Höcke
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das theoretische Beziehungsgeflecht zwischen Revisionismus und Rechtspopulismus sowie die Etablierung revisionistischer Ansätze innerhalb der Alternative für Deutschland (AfD). Die zentrale Forschungsfrage fokussiert sich darauf, inwiefern rechtspopulistische Akteure spezifische revisionistische Methodiken nutzen, um gesellschaftliche Debatten zu beeinflussen und die deutsche Erinnerungskultur zu verändern.
- Grundlagen des historischen Revisionismus und seiner Argumentationstechniken.
- Dreidimensionale Konzeption des Populismus (strukturell, kommunikativ, methodisch).
- Analyse parteigeschichtlicher Wandlungsprozesse der AfD.
- Untersuchung der medialen Strategien und des Sprachgebrauchs der AfD.
- Fallstudie zu Björn Höcke als Beispiel für revisionistische Rhetorik.
Auszug aus dem Buch
Methodische Dimension
Die dritte Dimension der in dieser Arbeit verwendeten Populismuskonzeption vereint die inhaltliche und technischen Dimension Hartleb und Lewandowskys zusammen. Konkret sollen im Folgenden die von Decker und Lewandowsky zusammengestellten Agitationstechniken populistischer Akteure in der Reihenfolge zunehmender sowie die dahinterstehenden ideologischen Gedankengänge skizziert werden, auf deren Basis u. a. möglicherweise revisionistische Äußerungen getätigt werden (s. Kapitel 4):
Erstens erfolgt ein Rückgriff auf common-sense-Argumente, in denen individuelle und kollektive Moral gleichgesetzt werden. Dabei wird dem Motto gefolgt, „was sich im privaten Bereich bewährt und als richtig erwiesen hat, kann im öffentlichen Bereich nicht falsch sein!“ (Decker und Lewandowsky 2009). Folglich simplifizieren Populisten, indem sie Lösungsansätzen eines Problems auf ein anders zu übertragen, ohne dabei diese miteinander zu Vergleichen und ggf. Anpassungen vorzunehmen.
Ein weiterer Punkt sind die populistischen Vorlieben für radikale Lösungen im Sinne eines starken Staates. Dabei wird rigoroses Durchgreifen einer Politik der kleinen Schritte vorgezogen, wobei die Kompromissfähigkeit der Eliten als negativ angesehen und eine grundsätzliche Antihaltung verkörpert wird. Insofern verkörpern populistische Parteien eine Fundamentalopposition (vgl. Decker und Lewandowsky 2009). Diesbezüglich lassen sich Populisten allgemein in zwei Gruppen einteilen: Gemäßigte Populisten akzeptieren die repräsentative Demokratie und wollen sie durch Inklusion von mehr Gruppen sowie Meinungen nach der Idee einer deliberativen Demokratie stärken. Radikale Populisten setzen sich für eine plebiszitäre Demokratie ein (vgl. Byme 2010: 185). Diese Einstellung geht auf das sogenannte dezisionistische Politikmodell zurück, das an Max Weber und Carl Schmidt angelehnt ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Entstehung populistischer Parteien in Europa ein und stellt die Relevanz einer Untersuchung dar, ob und wie Rechtspopulisten revisionistische Methoden einsetzen.
2. Revisionismus: Das Kapitel definiert den Begriff des Revisionismus, differenziert zwischen verschiedenen Motivationslagen von Akteuren und stellt verschiedene wissenschaftliche Ansätze zur Kategorisierung revisionistischer Argumentationstechniken vor.
3. Populismus: Hier wird ein Analyserahmen erarbeitet, der Populismus in seine strukturellen, kommunikativen und methodischen Dimensionen gliedert und als Basis für die Untersuchung der AfD dient.
3.1 Strukturelle Dimension: Dieses Unterkapitel kategorisiert populistische Parteien nach ihrer internen Organisation und ihrer inhaltlichen Ausrichtung, wobei zwischen kulturellen, ökonomischen und politisch-institutionellen Spielarten unterschieden wird.
3.2 Kommunikative Dimension: Hier wird untersucht, wie populistische Kommunikation den öffentlichen Diskurs beeinflusst und wie Medien sowie spezifische Sprachstrategien zur Verbreitung populistischer Ideologien genutzt werden.
3.3 Methodische Dimension: Dieses Kapitel erläutert konkrete Agitationstechniken, wie den Rückgriff auf populäre Argumente (Common-Sense), die Bevorzugung radikaler Lösungen und die Nutzung von Feindbildern.
4. Revisionistische Aspekt der AfD: Das Kapitel wendet den erarbeiteten Analyserahmen auf die AfD an, um die Etablierung revisionistischer Tendenzen innerhalb der Partei zu untersuchen.
4.1 Parteigeschichtliche Wandlungsprozesse: Hier werden die organisatorischen Veränderungen der AfD seit Gründung beleuchtet und wie diese mit ideologischen Verschiebungen zwischen den Parteiflügeln korrelieren.
4.2 Medien und Sprache: Dieser Abschnitt analysiert das ambivalente Verhältnis der Partei zu den Massenmedien und die systematische Verwendung eines Sprache, die an nationalsozialistische Begrifflichkeiten anknüpft.
4.3 Der Fall Björn Höcke: Die Rede Björn Höckes vom 17. Januar 2017 wird exemplarisch analysiert, um die Nutzung revisionistischer Stilelemente und die Forderung nach einer erinnerungspolitischen Wende aufzuzeigen.
5. Fazit: Die Arbeit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass die AfD revisionistisches Potenzial besitzt, das momentan maßgeblich durch Führungspersönlichkeiten artikuliert wird.
Schlüsselwörter
Revisionismus, Rechtspopulismus, AfD, Erinnerungskultur, Nationalsozialismus, politische Kommunikation, Parteigeschichte, Björn Höcke, Populismusforschung, Geschichtsumschreibung, Strategie, Feindbilder, Identitätspolitik, Radikalisierung, Diskurs.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Hausarbeit untersucht den Zusammenhang zwischen revisionistischen Denkweisen und rechtspopulistischen Tendenzen am Beispiel der Alternative für Deutschland (AfD).
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind revisionistische Argumentationsmethoden, eine dreidimensionale Populismuskonzeption und deren Anwendung auf parteiinterne Prozesse der AfD.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, inwiefern die AfD revisionistische Ansätze verfolgt und ob diese ein offizieller Bestandteil der Parteideologie oder eher individuellen Führungspersönlichkeiten zuzurechnen sind.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Die Arbeit nutzt eine politikwissenschaftliche Analyse, basierend auf Literatur zur Populismusforschung und zur Erforschung rechtsextremer Propaganda, ergänzt durch eine Fallstudie zu den Äußerungen Björn Höckes.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Herleitung von Revisionismus und Populismus sowie deren anschließende praktische Anwendung auf die Parteigeschichte und den Sprachgebrauch der AfD.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Revisionismus, Rechtspopulismus, AfD, Erinnerungskultur und politischer Kommunikation charakterisieren.
Warum spielt die Rede von Björn Höcke eine so zentrale Rolle in der Arbeit?
Die Rede dient als Fallbeispiel für eine besonders deutliche Zusammenführung revisionistischer Rhetorik und der Infragestellung der bestehenden deutschen Erinnerungskultur innerhalb der Partei.
Wie unterscheidet sich die AfD laut dieser Arbeit von traditionellen extremistischen Parteien?
Die Studie suggeriert, dass die AfD eine innovationsgetriebene Strategie verfolgt, die sich nicht rein reaktionär gegen Aufarbeitung stellt, sondern versucht, die Erinnerungskultur durch eine Neuinterpretation positiv identitätsstiftender Aspekte zu verändern.
Kann man die AfD nach dieser Analyse als rein faschistische Partei bezeichnen?
Der Autor argumentiert eher, dass die Partei zwar revisionistische Akzente zeigt und ein neofaschistischer Flügel existiert, die Partei in ihrer Gesamtheit jedoch als eine Bewegung im Konsolidierungsprozess einzuordnen ist.
- Citation du texte
- Oliver Zantis (Auteur), 2020, Die Etablierung revisionistischer Methodik in rechtspopulistischen Parteien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1378134