Roosevelt verstarb vor Ende des Zweiten Weltkriegs am 12. April 1945, so dass sein Vizepräsident Harry S. Truman die Amtsgeschäfte übernehmen musste. Truman war bei den Präsidentschaftswahlen 1944 als „Kompromisskandidat“für das Amt des Vizepräsidenten aufgestellt worden, weil der bisherige Kandidat Henry A. Wallace dem konservativen Flügel der Demokratischen Partei zu isolationistisch, gewerkschaftsfreundlich und zu reformbereit erschien.
In Trumans erste Amtszeit bis zur Präsidentschaftswahl 1948 fielen viele bedeutende historische Ereignisse und Veränderungen, welche die Weltpolitik nachhaltig beeinflusst haben und die man wie folgt kurz zusammenfassen kann: „Ende des New Deal; Abbruch der Antihitlerkoalition; Beginn des kalten Krieges“ (Schäfer).
Der Wahlsieg Trumans bei der Präsidentschaftswahl 1948 gilt als Überraschungserfolg. Sein Gegner, der Republikaner Thomas E. Dewey, schien nach den vielen von Demokraten geführten Regierungsjahren der sichere Favorit für das Amt des Präsidenten zu sein. Erschwerend kam im Wahlkampf für Truman hinzu, dass er in den eigenen Reihen der Demokraten gegen zwei Abspaltungen antreten musste: Auf der „linken“ Seite trat der frühere Vizepräsident Henry A. Wallace mit seine neu gegründeten Progressive Party an. Der als linksliberal geltende Wallace wollte den Weg in einen Kalten Krieg verhindern und plädierte für freundschaftliche Beziehungen mit der Sowjetunion, die an die erfolgreiche Antihitlerkoalition anknüpfen sollten. Auf der „rechten“ Seite spaltete sich die States’ Rights Democratic Party ab, die sich mit ihren konservativ-rassistischen Inhalten aus den Südstaaten heraus bildete. Ihr Kandidat J. Strom Thurmond konnte letztendlich die Wahlen in Alabama, Louisiana, Mississippi und South Carolina gewinnen.
Die Präsidentschaftswahl 1948 gilt weltpolitisch insofern als besonders bedeutsam, als dass zu jener Zeit die neue Nachkriegsordnung diskutiert und entworfen wurde.
Die bereits im März 1947 gehaltene Ansprache von Präsident Truman, die als „Truman-Doktrin“ bekannt wurde, gilt als offizieller Beginn des Kalten Krieges und der amerikanischen Eindämmungspolitik gegenüber der Sowjetunion.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Die USA und der Zweite Weltkrieg
1.2 Bedeutung der US-Präsidentschaftswahl 1948
1.3 Vorgehensweise und Forschungsstand
2 Die Kandidaten und deren Wahlkampf
2.1 Allgemeine Ausgangslage
2.2 Democratic Party – Harry S. Truman
2.3 Republican Party – Thomas E. Dewey
2.4 Progressive Party – Henry A. Wallace
2.5 States’ Rights Democratic Party – J. Strom Thurmond
3 Das Ergebnis der Präsidentschaftswahl und die Folgen
3.1 Anerkennung von Trumans Sieg
3.2 Folgen für die Außen- und Innenpolitik der USA
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der US-Präsidentschaftswahl 1948 und der Entwicklung der amerikanischen Außenpolitik in der frühen Nachkriegszeit. Dabei wird analysiert, wie innenpolitische Dynamiken, gesellschaftliche Gruppierungen und die beginnende Konfrontation des Kalten Krieges den Ausgang der Wahl beeinflussten und inwiefern Trumans Wahlsieg wiederum die außenpolitische Ausrichtung der USA prägte.
- Analyse der Wahlkampftaktiken und Programmatiken der vier zentralen Kandidaten.
- Untersuchung der Rolle innenpolitischer Faktoren wie Wirtschaftslage und Minderheitenpolitik.
- Evaluation der Auswirkungen des Kalten Krieges auf den Wahlverlauf.
- Betrachtung der Rolle der "New Deal"-Wählerschaft bei der Mobilisierung für Harry S. Truman.
- Reflektion über das Zusammenspiel von Außenpolitik und Wahlkampferfolg.
Auszug aus dem Buch
2.2 Democratic Party – Harry S. Truman
Truman hatte als amtierender Präsident im Wahlkampf, im Vergleich zu seinen Gegenkandidaten, auch den Vorteil durch aktive Einflussnahme auf die Politik, sich als Person für eine weitere Amtszeit zu profilieren.
Ein gutes Beispiel hierfür ist die Debatte um das European Recovery Program (ERP) zur Unterstützung des Wiederaufbaus von Europa, der in den so genannte Marshall-Plan mündete. Von der Vorstellung des ERP von General Marshall im Juni 1947 und dem Inkrafttreten des European Cooperation Act (ECO) im April 1948 war es ein weiter Weg, der natürlich in der Phase des Präsidentschaftswahlkampfs entsprechenden Einfluss hatte. Während der politischen Debatten um dessen Gestaltung konnte Truman punkten, da bereits vor der schwer umkämpften Umsetzung des Marshall-Plans im Herbst 1948 der Interim Aid Act im Dezember 1947 vom Kongress verabschiedet wurde. Hierbei wurden gezielt finanzielle Mittel eingesetzt, um den kommunistischen Einfluss, besonders in Italien, zurückzudrängen.
Für den Wahlkampf Trumans war dies eine wertvolle propagandistische Hilfe, weil zu dieser Zeit ein besonderes Augenmerk auf die innere Sicherheit gerichtet war: „Of greater substance and importance in the Administration was the fact that it had won the battle for Interim Act strengthened its political position vis-à-vis both Wallace and the Republicans, and maintained political control of the potentially damaging issue of international security.“ Besonders die Stimmen der katholischen Wähler schienen durch anti-kommunistische Ressentiments sehr gut erreichbar.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in den historischen Kontext der USA nach dem Zweiten Weltkrieg und Darstellung der Bedeutung der Präsidentschaftswahl 1948.
2 Die Kandidaten und deren Wahlkampf: Detaillierte Analyse der vier Kandidaten, ihrer politischen Programme und der spezifischen Taktiken in einem von Spannungen geprägten Wahljahr.
3 Das Ergebnis der Präsidentschaftswahl und die Folgen: Betrachtung der Gründe für den überraschenden Wahlsieg Trumans und die daraus resultierenden Implikationen für die nationale und internationale Politik.
4 Fazit: Zusammenfassende Einschätzung des untrennbaren Zusammenspiels von Innen- und Außenpolitik im Kontext der US-Wahl 1948.
Schlüsselwörter
US-Präsidentschaftswahl 1948, Harry S. Truman, Thomas E. Dewey, Henry A. Wallace, J. Strom Thurmond, Kalter Krieg, Truman-Doktrin, Außenpolitik, Innenpolitik, New Deal, Marshall-Plan, Antikommunismus, Wahlkampf, Progressive Party, Dixiecrats.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die US-Präsidentschaftswahl des Jahres 1948 und untersucht, wie diese Wahl in den Kontext der frühen amerikanischen Außenpolitik und des beginnenden Kalten Krieges eingebettet war.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die politischen Programme der vier Kandidaten, der Einfluss gesellschaftlicher Interessengruppen, die Rolle der Antikommunismus-Debatte und die Wechselwirkung zwischen innenpolitischen Entscheidungen und außenpolitischen Weichenstellungen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, ein besseres Verständnis dafür zu schaffen, warum Harry S. Truman trotz schlechter Prognosen siegte und wie dieser Wahlausgang die zukünftige amerikanische Politik beeinflusste.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer historischen Analyse unter Einbeziehung zeitgenössischer Dokumente sowie einer fundierten Auswertung der einschlägigen Fachliteratur zur US-Präsidentschaftsgeschichte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Kandidaten und deren Wahlkampftaktiken sowie eine Analyse der Folgen von Trumans Wiederwahl für die US-Innen- und Außenpolitik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind unter anderem die Präsidentschaftswahl 1948, Harry S. Truman, der Kalte Krieg, die Truman-Doktrin sowie das Spannungsfeld zwischen New Deal-Tradition und antikommunistischer Sicherheitspolitik.
Warum galt Trumans Sieg als so überraschend?
Truman lag in sämtlichen Umfragen der etablierten Institute weit hinter seinem republikanischen Herausforderer Thomas E. Dewey zurück, weshalb Presse und Experten fest von einer Niederlage Trumans ausgingen.
Welche Rolle spielte die "Progressive Party" unter Henry A. Wallace?
Die Partei spaltete das liberale Lager, konnte jedoch aufgrund der ihr unterstellten Nähe zum Kommunismus nicht die erhoffte Rolle als starke Alternative einnehmen und blieb bei einem geringen Stimmenanteil.
Wie beeinflusste der Kalte Krieg die Wahlentscheidung?
Die Angst vor dem Kommunismus und das Bedürfnis nach nationaler Sicherheit im Kontext der Außenpolitik wurden von Truman strategisch genutzt, um sich als handlungsfähiger Präsident zu profilieren und seine Wählerschaft zu mobilisieren.
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- Marie Schrader (Author), 2009, Die US-Präsidentschaftswahlen im Jahr 1948 und die amerikanische Außenpolitik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/137814