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Die Beziehungen der SED zur KP Spaniens PCE (1971-1978)

Title: Die Beziehungen der SED zur KP Spaniens PCE (1971-1978)

Master's Thesis , 2009 , 177 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Sebastian Seng (Author)

History of Europe - Newer History, European Unification
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Die SED etablierte in der DDR als nationalen Mythos einen Kult um die Internationalen Brigaden, die im Spanischen Bürgerkrieg auf der Seite der Republik kämpften. Deren bestimmende politische Kraft war der PCE, der seinen Kampf gegen die Diktatur Francos nach dem Bürgerkrieg fortsetzte, woraus sich für die SED eine Verpflichtung zur Solidarität mit dem PCE ergab. Mit dem Prager Frühling und der Intervention einiger Mitgliedsstaaten des Warschauer Paktes in die ČSSR, begann der PCE mit seiner Verurteilung des Einmarschs zunehmend seine Unabhängigkeit von der KPdSU zu betonen sowie nationale ideologische Eigenständigkeiten auszuarbeiten. Diese verstärkten sich in den 70er Jahren, wohingegen die SED sich in dieser Zeit eng an die KPdSU anlehnte. Daraus ergab sich die Frage, wie sich die Beziehungen zwischen PCE und SED vor diesem Hintergrund in dieser Zeit entwickelten. Nachdem die Arbeit zunächst die für die Vorbereitung, Entscheidung und Kontrolle der Partei-außenbeziehungen zuständigen Organe und Personen des zentralen SED-Apparats darstellt, behandelt sie auf der Grundlage programmatischer Dokumente beider Seiten die ideologischen Diskrepanzen zwischen SED und PCE. Wie aus den Aktenbeständen der Abteilung Internationale Verbindungen des ZK der SED hervorging, grenzte sich die SED intern vehement von diesen Tendenzen ab.
Daraus resultierte die Frage, warum die SED in den 70er Jahren trotzdem beharrlich Beziehungen zum PCE aufrechterhielt. Zur Beantwortung wurden wieder die Akten der Abteilung IV analysiert und daraus die zentrale These der Arbeit abgeleitet. Die SED pflegte ihre Beziehungen zum PCE trotz profunder ideologischer Diskrepanzen, da der PCE die einzige schlagkräftige KP sowie die stärkste und am besten organisierte Oppositionskraft Spaniens war. Dies war vor allem von Bedeutung, da die Diktatur Francos sich seit Ende der 60er Jahre in einer tiefen Krise befand und nach Francos Tod im November 1975 der Übergang zur Demokratie einsetzte. Gleichzeitig wollte die SED die Einheit der kommunistischen Bewegung aufrechterhalten und sich selbst als Partei des Ausgleichs darstellen, um sich Prestigeerfolge zu sichern. Dies war allerdings auch nötig, um den PCE von ihrer Interpretation des Marxismus-Leninismus zu überzeugen, was die SED nur langfristig zu erreichen glaubte. Dafür war sie bestrebt, auch oppositionelle Tendenzen im PCE ausnutzen, deren Existenz ihr Interesse an Beziehungen weiter bestehen ließ.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Gestaltung der Parteibeziehungen im ZK-Apparat der SED

2.1. Für die Parteiaußenbeziehungen zuständige Personen und Gremien im zentralen Parteiapparat

2.2. Die Abteilung Internationale Verbindungen des ZK und ihre Mitarbeiter

3. Die SED und die Entwicklung der Programmatik des PCE in den 70er Jahren

3.1. Distanzierung des PCE von der KPdSU

3.2. Der spanische Weg zum Sozialismus

3.2.1. Der PCE verzichtet auf orthodoxe Elemente

3.2.2. Interne Abgrenzung der SED

3.2.3. Unterminierung der Begründung der SED-Herrschaft

3.3. Die kommunistische Weltbewegung und die Stellung zur KPdSU

3.3.1. „Einheit in Vielfalt“ versus „Einheit und Geschlossenheit“: Divergierende Konzeptionen der kommunistischen Weltbewegung

3.3.2. Kritik an den sozialistischen Ländern

3.4. Einzelne programmatische und politische Streitfragen

4. Abkühlung und Verstimmungen: die Entwicklung der Beziehungen von 1971-1973

4.1. Die Spaltung des PCE 1969/1970 und das Verhalten der SED

4.1.1. Vom Prager Frühling zur Spaltung des PCE 1969/1970

4.1.2. Die Reaktion der SED und die Auswirkungen auf die gemeinsamen Beziehungen

4.2. Die Kontroverse um die Herstellung diplomatischer Beziehungen zwischen der DDR und Spanien

4.2.1. Die Aufnahme von Beziehungen im Kontext der spanischen und ostdeutschen Außenpolitik

4.2.2. Polemik und Einsicht in den Dialog

5. Entgegenkommen bei prinzipieller Unversöhnlichkeit: 1973-1978

5.1. „Fest und brüderlich verbunden“: der Besuch einer PCE-Delegation in Ost-Berlin Ende 1974

5.1.1. Die Krise des Franquismus und die Pläne zu einer europäischen KP-Konferenz

5.1.2. Harmonie und Konzessionen: der Verlauf der Beratungen und ihre Ergebnisse

5.2. Außer Spesen nichts gewesen? Die Umsetzung der vereinbarten Maßnahmen und ihre Wirkung auf den PCE

5.3. Die SED als Partei des Ausgleichs angesichts der Unterstützung der marxistischen Opposition in der DDR durch den PCE

5.3.1. Der PCE sympathisiert mit der marxistischen Opposition in der DDR

5.3.2. Die SED als Partei des Ausgleichs

5.4. Die SED liebäugelt mit oppositionellen Tendenzen im PCE

5.4.1. Zunehmende Spannungen im PCE

5.4.2. Die SED modifiziert ihre Strategie

6. Schlussbetrachtung

Zielsetzung und Themen

Die Arbeit untersucht die außenpolitischen Parteibeziehungen zwischen der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) und der Kommunistischen Partei Spaniens (PCE) im Zeitraum von 1971 bis 1978. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie sich die Beziehungen vor dem Hintergrund der ideologischen Distanzierung des PCE von der KPdSU sowie dem Wandlungsprozess Spaniens von einer Diktatur zur Demokratie entwickelten.

  • Strukturen und Entscheidungsprozesse im ZK-Apparat der SED bezüglich Parteiaußenbeziehungen.
  • Programmatische Entwicklung des PCE in den 1970er Jahren und die ideologische Abgrenzung zum orthodoxen Marxismus-Leninismus.
  • Auswirkungen der Parteispaltung innerhalb des PCE auf das Verhältnis zur SED.
  • Spannungsfelder und Konflikte, insbesondere bezüglich der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen der DDR und Spanien.
  • Versuche der SED, durch materielle Unterstützung und strategische Anpassungen Einfluss auf den PCE auszuüben.

Auszug aus dem Buch

Die Gestaltung der Parteibeziehungen im ZK-Apparat der SED

Traditionell unterteilt die politikwissenschaftliche Forschung den außenpolitischen Entscheidungsprozess in drei Phasen. Am Anfang stehen das Sammeln und die Auswahl relevanter Informationen und das Formulieren von Handlungsalternativen. Anschließend folgt die Festlegung der Aktion aus mindestens zwei Handlungsalternativen. Zum Schluss erfolgen die Durchführung und die Kontrolle der Entscheidung anhand festgelegter Ziele. Diese Einteilung kann auf die Außenbeziehungen der SED übertragen werden, da auch in ihrem Fall ein zielgerichtetes und auf Interessendurchsetzung zielendes außenpolitisches Handeln – wenn auch nicht im klassischen staatlichen Sinne – vorliegt. Somit sind hier die für die Formulierung, Entscheidung, Durchführung und Kontrolle der SED-Außenpolitik maßgeblichen Personen, Organe und Institutionen in den Blick zu nehmen sowie ihre Position und Einwirkungsmöglichkeiten in diesem Prozess zu bestimmen.

Obwohl der Parteitag das formal höchste Parteiorgan war, besaß er keinen unmittelbaren Einfluss auf die Außenpolitik der SED, da dort keine authentischen Diskussionen stattfanden und alle Reden vorher genehmigt worden waren. Zudem war er wegen seiner Größe nicht arbeitsfähig. Vielmehr reduzierte er sich auf eine Propagandaveranstaltung, deren wichtigste Funktion die öffentliche und rituelle Zustimmung der Delegierten zur offiziellen Parteilinie war. Andererseits bildete diese Parteilinie als „verbindliche Propaganda“ die allgemeine Grundlage für die Tätigkeit der Staats- und Parteiorgane. Die Beschlüsse und Berichte des Parteitags banden also insofern die SED-Mitglieder als sie ihrem Handeln einen allgemeinen Rahmen setzten.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Tradition der Beziehungen zwischen der SED und dem PCE, insbesondere durch die Rolle der Spanienkämpfer, und skizziert den untersuchten Zeitraum 1971-1978.

2. Die Gestaltung der Parteibeziehungen im ZK-Apparat der SED: Dieses Kapitel analysiert die internen Gremien und Akteure der SED, die für Parteiaußenbeziehungen verantwortlich waren, insbesondere die Abteilung Internationale Verbindungen.

3. Die SED und die Entwicklung der Programmatik des PCE in den 70er Jahren: Das Kapitel behandelt die ideologische Neuorientierung des PCE hin zum Eurokommunismus und die kritische Reaktion der SED darauf.

4. Abkühlung und Verstimmungen: die Entwicklung der Beziehungen von 1971-1973: Hier wird die Spaltung innerhalb des PCE und deren Einfluss auf die Beziehungen zur SED sowie die Kontroverse um diplomatische Beziehungen zwischen der DDR und Spanien erörtert.

5. Entgegenkommen bei prinzipieller Unversöhnlichkeit: 1973-1978: Die Analyse konzentriert sich auf die Versuche der SED, trotz ideologischer Gegensätze Einfluss auf den PCE zu nehmen, sowie die SED-Strategie gegenüber oppositionellen Strömungen im PCE.

6. Schlussbetrachtung: Das Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt die These, dass die SED trotz profunder ideologischer Diskrepanzen am PCE als Hauptpartner festhielt.

Schlüsselwörter

SED, PCE, KPdSU, Eurokommunismus, Parteiaußenbeziehungen, DDR, Spanien, Marxismus-Leninismus, Außenpolitik, Diktatur des Proletariats, Internationale Verbindungen, Spanienkämpfer, politische Transition, SED-ZK-Apparat, internationale Arbeiterbewegung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Parteibeziehungen zwischen der DDR-Staatspartei SED und der spanischen KP (PCE) in den Jahren 1971 bis 1978, einer Zeit des ideologischen Wandels des PCE hin zum Eurokommunismus.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Felder sind die innerparteilichen Entscheidungsstrukturen der SED, der ideologische Wandel des PCE in den 1970er Jahren und die daraus resultierenden politischen Spannungen und Abstimmungsversuche zwischen beiden Parteien.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, zu verstehen, wie und warum die SED trotz der ideologischen Entfremdung und der kritischen Haltung des PCE an den Parteibeziehungen festhielt.

Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?

Die Untersuchung basiert auf einer historischen Quellenanalyse, wobei schwerpunktmäßig Akten aus dem Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR (SAPMO) ausgewertet wurden.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden die bürokratischen Strukturen der SED für Außenbeziehungen, die programmatische Distanzierung des PCE von der Sowjetunion, die interne Spaltung des PCE und das darauf folgende strategische Agieren der SED beleuchtet.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Zu den prägenden Begriffen gehören "Eurokommunismus", "Parteiaußenbeziehungen", "Diktatur des Proletariats" und "proletarischer Internationalismus".

Welche Bedeutung hatte das Jahr 1971 für die Beziehungen der Parteien?

1971 markierte durch den Führungswechsel zu Erich Honecker eine Zäsur, in der die SED ihre ideologische Bindung an die Sowjetunion straffte, was das Verhältnis zum sich zunehmend unabhängig gebärenden PCE zusätzlich belastete.

Wie reagierte die SED auf die zunehmende Kritik des PCE am "real existierenden Sozialismus"?

Die SED wertete diese Kritik intern als "revisionistisch" und als Angriff des Klassenfeindes, suchte jedoch öffentlich und diplomatisch nach Wegen, den PCE auf Kurs zu halten, ohne die Beziehungen gänzlich abbrechen zu lassen.

Excerpt out of 177 pages  - scroll top

Details

Title
Die Beziehungen der SED zur KP Spaniens PCE (1971-1978)
College
Johannes Gutenberg University Mainz  (Historisches Seminar)
Grade
1,3
Author
Sebastian Seng (Author)
Publication Year
2009
Pages
177
Catalog Number
V137821
ISBN (eBook)
9783640470525
ISBN (Book)
9783656672340
Language
German
Tags
Beziehungen Spaniens
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sebastian Seng (Author), 2009, Die Beziehungen der SED zur KP Spaniens PCE (1971-1978), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/137821
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