Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Herrschaftsübertragung von Kaiser Claudius (41-54) auf
Kaiser Nero (54-68). Bei der Behandlung dieses Problems sind wir auf drei Hauptquellen
angewiesen: auf die Annalen des römischen Geschichtsschreibers Publius Cornelius Tacitus
(ca. 55-ca. 120), auf die Caesarenleben des römischen Biografen Gaius Suetonius Tranquillus
(ca. 70-unbekannt) und auf die Römische Geschichte des Cassius Dio (geboren ca. 164).
Zu den zentralen Forschungsarbeiten gehören „Untersuchungen zur Kontinuität des frühen
Prinzipats“ von Timpe, der sich besonders mit den machtpolitischen Vorbereitungen für Neros
Herrschaftsübernahme beschäftigt sowie von Meise „Untersuchungen zur Geschichte der
Julisch-Claudischen Dynastie“, dem man viele Thesen über die Heraushebung Neros sowie zu
Tod und Testament des Claudius entnehmen kann. Scramuzza widmet sich in einem Teil von
„The Emperor Claudius” besonders der Heirat von Claudius und Agrippina, der Designation
Neros und dem Tod des Claudius, denen sich auch Levick in ihrem Buch „Claudius” unter
anderem annimmt.
Im Kapitel „Neros Aufstieg“ werden die wichtigsten Stationen Neros Werdegangs und seine
schematische Herausstellung bis zum Tod des Claudius beschrieben und hinterfragt, ob Claudius
Nero in dieser Zeit als seinen Nachfolger betrachtete. Der Abschnitt „Der Tod des Claudius“
behandelt die Ereignisse, die unmittelbar zum Tod des damaligen Princeps führten, und
den Tod an sich. Dabei soll vor allem darauf eingegangen werden, ob Claudius seine getroffene
Nachfolgeregelung änderte oder an ihr festhielt, sowie die Umstände seines Todes beleuchtet
werden. Im dritten Teil „Die Herrschaftsübertragung und das Testament des Claudius“
wird der Ablauf der Herrschaftsübertragung skizziert sowie auf die Spekulationen um den
Inhalt von Claudius’ unterdrücktem Testament eingegangen. In dieses Testament münden die
Ergebnisse über die Entscheidungen ein, die Claudius traf, um seine Nachfolge zu regeln.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Hauptteil
1. Neros Aufstieg
2. Der Tod des Claudius
3. Die Herrschaftsübertragung und das Testament des Claudius
III. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Machtübertragung von Kaiser Claudius auf seinen Nachfolger Nero unter Berücksichtigung antiker Quellen und moderner Forschungsthesen. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie die Festigung der Herrschaft Neros trotz dynastischer Herausforderungen und rivalisierender Ansprüche, insbesondere durch Britannicus, politisch und formal-rechtlich durchgesetzt wurde.
- Analyse der dynastischen Vorbereitungen für Neros Nachfolge durch Claudius.
- Untersuchung der Umstände um den Tod des Claudius und die Rolle des Testaments.
- Einfluss von Agrippina und den Prätorianern auf die Machtübergabe.
- Bewertung der antiken Quellenüberlieferung zu Nero und Britannicus.
- Die Rolle der Adoption und der Verleihung öffentlicher Ehren für den Herrschaftsantritt.
Auszug aus dem Buch
3. Die Herrschaftsübertragung und das Testament des Claudius
Claudius’ Tod wurde den Berichten von Tacitus und Sueton zufolge zunächst geheim gehalten. Während der Senat berufen wurde, wurden für den Toten noch Gelübde für seine Gesundheit dargebracht. Agrippina habe Nachrichten über eine Besserung seines Befindens ausgestreut, um – wie Tacitus meint – die Truppen bei guter Zuversicht zu halten. Außerdem habe sie den Britannicus und seine Schwestern im Palast zurückgehalten und alle Ausgänge von Wachen versperren lassen.
Mittags trat Nero schließlich in Begleitung des Burrus vor die Palastwache und wurde auf einen Hinweis des Präfekten mit Heilrufen oder als Imperator begrüßt. Tacitus erwähnt, dass einige Soldaten nach Britannicus gefragt hätten, sich aber dann ebenfalls Nero angeschlossen hätten, als ihnen nichts Gegenteils gesagt worden sei. Anschließend wurde Nero ins Prätorianerlager gebracht, wo er eine Rede hielt, ein Donativ in der gleichen Höhe wie das seines Vaters versprach und dann zum Imperator akklamiert wurde. Danach wurde Nero in den Senat gebracht, wo er eine Rede hielt. Daraufhin verlieh ihm der Senat die Ehrenrechte und Privilegien eines Princeps. Die Eidesleistung der Provinzen erfolgte nach Tacitus ebenfalls bald darauf. Nur den Titel pater patriae lehnte Nero aufgrund seiner Jugend ab und habe dann erst gegen Abend den Senat wieder verlassen. Die Bestätigung seiner tribunicia potestas durch die Komitienversammlung erhielt Nero am 4. Dezember 54. Sein Princeps-Name lautete Nero Claudius Caesar Augustus Germanicus.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Vorstellung der Quellengrundlage (Tacitus, Sueton, Cassius Dio) und der zentralen Forschungsthesen zur Machtübergabe im julisch-claudischen Kaiserhaus.
II. Hauptteil: Detaillierte Untersuchung der Etappen von Neros Aufstieg, der Todesumstände des Claudius und der komplexen politischen Manöver bei der finalen Übertragung der kaiserlichen Macht.
III. Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Bewertung des Herrschaftsantritts, bei dem das Gewicht der Prätorianer als entscheidende Machtbasis und die systematische Absicherung Neros durch Claudius und Agrippina hervorgehoben werden.
Schlüsselwörter
Nero, Claudius, Britannicus, Agrippina, Prinzipat, Nachfolge, Adoption, Prätorianer, Römische Geschichte, Tacitus, Sueton, Herrschaftsübertragung, Testament, Julisch-Claudische Dynastie, Imperator.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert den Übergang der kaiserlichen Herrschaft von Claudius auf seinen Nachfolger Nero und beleuchtet die politischen Vorbereitungen sowie den eigentlichen Akt der Machtübernahme.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen die dynastische Strategie, die Rolle des Testaments des Claudius, der Einfluss von Agrippina und die Akklamation durch das Militär.
Welche Forschungsfrage wird primär behandelt?
Die Arbeit untersucht, wie Nero trotz der konkurrierenden Ansprüche des Britannicus als Nachfolger etabliert wurde und welche Rolle die verschiedenen politischen Akteure dabei spielten.
Welche wissenschaftliche Methodik wird verwendet?
Es handelt sich um eine quellenkritische Analyse antiker Texte von Tacitus, Sueton und Cassius Dio, die mit modernen Forschungspositionen, etwa von Timpe, Levick oder Meise, kontrastiert werden.
Welche Schwerpunkte werden im Hauptteil gesetzt?
Der Hauptteil behandelt chronologisch Neros Aufstieg, die kontroversen Umstände des Todes von Claudius sowie die formalen und informellen Schritte der Machtübertragung.
Welche Schlüsselbegriffe definieren den Inhalt?
Kritische Begriffe sind neben den Personennamen vor allem der Prinzipat, das Testament, die Adoption und die Rolle der Prätorianer-Garde.
Welche Rolle spielte Agrippina bei der Machtübertragung?
Agrippina wird als treibende Kraft dargestellt, die durch die Verheiratung mit Claudius und die Sicherung Neros Position den entscheidenden Vorteil gegenüber Britannicus verschaffte.
Wie wurde die Rolle des Britannicus im Kontext der Nachfolge bewertet?
Britannicus wird als der eigentliche leibliche Rivale Neros identifiziert, dessen politische Ansprüche durch die Adoption Neros und dessen Privilegierung systematisch marginalisiert wurden.
Welche Bedeutung kommt dem Testament des Claudius zu?
Das Testament wird als politisches Instrument betrachtet, dessen Inhalt zwar geheim gehalten wurde, das jedoch das Ziel verfolgte, die Nachfolgeverhältnisse innerhalb der Dynastie zu festigen.
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- Sebastian Seng (Author), 2003, Herrschaftsübertragung im frühen Prinzipat am Beispiel Kaiser Neros, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/137828