Integration von Minnesang in den Frauendienst Ulrichs von Lichtenstein


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008

21 Seiten, Note: 3,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
Übersicht über die Nummerierung der Lieder

2. Hauptteil
2.1 Minnesang
2.2 Eingliederung des Minnesangs in die Handlung
2.3 Die Funktion der Minnelieder im Frauendienst
Lied 7
2.4 Problematisierung des Minnesangs

3. Schlussteil

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die 58 Minnelieder im Frauendienst Ulrichs von Lichtenstein lassen sich auch, gänzlich von der Handlung losgelöst, im Codex Manesse hinter Ulrichs Autorenportrait finden.[1] Während die Lieder offensichtlich auch ohne ihren Bezug zur Erzählung des Frauendienstes betrachtet werden können, gilt es nun zu hinterfragen, ob dieser Schluss umgekehrt auch für die Erzählung selbst gelten kann. Ich möchte in meiner folgenden Arbeit der Frage nachgehen, ob und inwiefern die Minnelieder in der Erzählung des Frauendienstes integriert werden. Meine Ausgangsthese lautet, dass die Lieder im direkten Bezug zur Handlung stehen und ein fester Bestandteil der Erzählung sind. Ich möchte herausstellen, dass die Lieder somit nicht einfach überlesen werden können, sondern für das korrekte Verständnis der Erzählung des Frauendienstes unentbehrlich sind. Ich werde dabei so vorgehen, dass ich mich zunächst allgemein mit dem Minnesang beschäftige. Dies will ich jedoch recht kurz halten, um das eigentlich Thema meiner Arbeit nicht aus den Augen zu verlieren. Im Anschluss daran werde ich mich mit der Eingliederung des Minnesangs in die Erzählung beschäftigen und mich mit dessen Funktion auseinandersetzen. Abschließend möchte ich noch auf die Probleme des Minnesangs in der Forschung eingehen, wobei ich auch dies nur kurz bearbeiten werde, um mein Thema nicht aus den Augen zu verlieren. In einem letzten Kapitel werde ich schließlich meine Ergebnisse zusammenfassen und auf deren Grundlage mein Fazit ziehen.

Bei genauerer Betrachtung der Nummerierung der einzelnen Lieder im Frauendienst fällt auf, dass Ulrich seine Lieder nicht durchgehend nummeriert hat. Die Nummerierung erfolgt bis Lied 38 in einem dem jeweiligen Lied vorangehenden Einzeiler und bricht danach ab. Es fällt auch auf, dass Ulrichs Nummerierung von der eigentlichen Reihenfolge der Lieder im Frauendienst abweicht. Die nachfolgende Tabelle soll die Nummerierung Ulrichs der eigentlichen, aus der Reihenfolge ihrer Erscheinung im Frauendienst entstehenden, Nummerierung gegenüberstellen.

Übersicht über die Nummerierung der Lieder

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

* Ab hier nimmt Ulrich keine eigene Nummerierung seiner Lieder mehr vor.

2. Hauptteil

2.1 Minnesang

Bei den meisten Autoren handelte es sich um Freiherren oder auch um einige Ministeriale. Beispiele hierfür sind Hiltbolt von Schwangau, Ulrich von Singenberg, Burkart von Hohenfels, Gottfried von Neifen, Ulrich von Winterstetten, Reinhart von Westerburg und auch Ulrich von Lichtenstein.[2]

In der Zeit von 1220 bis 1250 fallen verschiedene Autoren, die in besonderem Maße Reinmar dem Alten und Walther von der Vogelweide verpflichtet waren. Hier sollen Ulrich von Singenberg und Rubin, die als Waltherepigonen gelten, und Markgraf Heinrich III. von Meißen genannt sein. Als bedeutendster Autor dieser Zeit gilt aber der steirische Ministeriale Ulrich von Lichtenstein. Für deine Lieder 1-26 hatte auch er noch Reinmar und Walther zum Vorbild. Die späteren Lieder jedoch richten sich nach dem damals modernsten Minnesang Gottfrieds von Neifen aus.[3]

Minnesang hatte zudem auch häufig eine weltliche Rolle, wie es zum Beispiel am Deutschlandlied von Walther von der Vogelweide deutlich wird.[4]

Ich han lande vil gesehen unde nam der besten war: übel

müeze mir geschehen, kunde ich ie min herze bringen dar

daz im wol gevallen wolde fremder site. nu was hulfe mich,

ob ich unrehte strite? tiutschiu zuht gat vor in allen.

Von der Elbe an den Rin und her wider unz an Ungerlant

mugen wol die besten sin, die ich in der werlte han erkant.

kann ich rehte schouwen guot gelaz und liep, bezzer sint danne

ander frouwen.

Tiusche man sint wol gezogen, rehte als engel sint diu wip

getan. swer si schildet, derst betrogen: ich entkan sin anders

niht verstan. tugent und reine minne, swer die suochen will,

der sol komen in unser lant: da ist wünne vil! lange müeze

ich leben dar inne[5]

In den zitierten Strophen thematisiert Walther nacheinander die deutschen Sitten, die deutschen Frauen, und schließlich die deutschen Männer. Ferner wird an den Beispielen aus Walthers Dichtung auch die Aufwertung der eigenen Sprache deutlich, die aus der langwierigen Auseinandersetzung zwischen der Gelehrtensprache Latein und der Volkssprache resultierte. Diese Aufwertung der eigenen Sprache führte gleichzeitig auch zu einer Aufwertung anderer gesellschaftlicher Bereiche.[6]

Es gibt verschiedene Gattungen von Minnedichtung, die ich hier im Folgenden benennen und kurz erläutern möchte.

Minneklage

Darstellung von Werbebemühungen, in monologischer Form eines männlichen lyrischen Ichs.[7]

Direktes Werbe- oder Klagelied (Anrede-Lied)

Bitte um Erhörung, verbunden mit Liebesbeteuerungen.[8]

Frauenpreislied

Frauenpreislieder sind auffallen selten und erscheint meistens nur als einzelne Strophe in einer Minneklage. Die Freude über die Gegenwart der Frau wird zum Ausdruck gebracht und ihre Schönheit, so wie auch in verkürzter Weise ihre inneren Werte, gerühmt.[9]

Minne-Preislieder

Ein reiner Minnepreis kommt nur sehr selten vor. Oft ist er in einer Minneklage eingefügt und stellt den Aspekt der Hoffnung dar.[10]

Minnelehre

Hier geht es um die Anforderung des Minnedienstes und um Warnungen vor übler Nachrede, etc.[11]

Minnespruch

Der Minnespruch ist eine gattungsübergreifende Randform und ähnelt thematisch den Minnelehren und dem Frauenpreis.[12]

Frauenlied – Frauenrede

Hier handelt es sich bei dem lyrischen Ich um eine Frau.[13]

Naturlieder

Diese Lieder werden thematisch durch die Jahreszeiten bestimmt. Reine Naturlieder kommen selten vor. Meistens werden Elemente der Naturlieder als stimmungsvolle Einleitung einem Minnelied vorangestellt.[14]

Der Wechsel

Ein Lied im Gesprächsform zwischen Mann und Frau.[15]

Botenlied

Eine Sonderform des Werbeliedes, in der ein Bote oder eine andere dritte Gestalt die Liebesgrüße oder die Werbung vermittelt.[16]

Tagelied

Ein morgendlicher Weckruf.[17]

[...]


[1] Vgl. Frey, Winfried: Zum Funktionswandel der Minnelyrik in Ulrichs von Lichtenstein Frauendienst. Frankfurt am Main.

[2] Brunner, Horst: Geschichte der deutschen Literatur des Mittelalters im Überblick. Philipp Reclam jun. Stuttgart 2003, S. 232.

[3] Vgl. Brunner, Horst: Geschichte der deutschen Literatur des Mittelalters im Überblick. Philipp Reclam jun. Stuttgart 2003, S 353.

Vgl. auch Schweikle, Günther: Minnesang. Verlag J.B. Metzler Stuttgart/Weimar 1995 (2. Auflage), S 98.

[4] Brundin, Gudrun: Kleine deutsche Sprachgeschichte. Wilhelm Fink Verlag GmbH & Co. KG München 2004, S. 54.

[5] Zitiert nach Brundin, Gudrun: Kleine deutsche Sprachgeschichte. Wilhelm Fink Verlag GmbH & Co. KG München 2004, S. 54-55.

[6] Brundin, Gudrun: Kleine deutsche Sprachgeschichte. Wilhelm Fink Verlag GmbH & Co. KG München 2004, S. 55.

[7] Schweikle, Günther: Minnesang. Verlag J.B. Metzler Stuttgart/Weimar 1995 (2. Auflage), S. 121.

[8] Schweikle, Günther: Minnesang. Verlag J.B. Metzler Stuttgart/Weimar 1995 (2. Auflage), S. 124.

[9] Schweikle, Günther: Minnesang. Verlag J.B. Metzler Stuttgart/Weimar 1995 (2. Auflage), S. 126.

[10] Schweikle, Günther: Minnesang. Verlag J.B. Metzler Stuttgart/Weimar 1995 (2. Auflage), S. 126-127.

[11] Schweikle, Günther: Minnesang. Verlag J.B. Metzler Stuttgart/Weimar 1995 (2. Auflage), S. 127.

[12] Schweikle, Günther: Minnesang. Verlag J.B. Metzler Stuttgart/Weimar 1995 (2. Auflage), S. 127-128.

[13] Schweikle, Günther: Minnesang. Verlag J.B. Metzler Stuttgart/Weimar 1995 (2. Auflage), S. 128-130.

[14] Schweikle, Günther: Minnesang. Verlag J.B. Metzler Stuttgart/Weimar 1995 (2. Auflage), S. 130-132.

[15] Schweikle, Günther: Minnesang. Verlag J.B. Metzler Stuttgart/Weimar 1995 (2. Auflage), S. 133-134.

[16] Schweikle, Günther: Minnesang. Verlag J.B. Metzler Stuttgart/Weimar 1995 (2. Auflage), S. 136.

[17] Schweikle, Günther: Minnesang. Verlag J.B. Metzler Stuttgart/Weimar 1995 (2. Auflage), S. 137

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Integration von Minnesang in den Frauendienst Ulrichs von Lichtenstein
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Philologie)
Veranstaltung
Ulrich von Lichtenstein, Frauendienst
Note
3,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
21
Katalognummer
V137867
ISBN (eBook)
9783640464432
ISBN (Buch)
9783640461592
Dateigröße
425 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Integration, Minnesang, Frauendienst, Ulrichs, Lichtenstein
Arbeit zitieren
B.A. Janine Sarah Hammelmann (Autor), 2008, Integration von Minnesang in den Frauendienst Ulrichs von Lichtenstein, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/137867

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