Kompetenzorientierter Unterricht ist in der allgemeinen Didaktik ein heikles Thema und wird in vielen Fachrichtungen streng diskutiert. Auch im Geschichtsunterricht scheint dieses Thema der Unterrichtsdidaktik zu sein und für Probleme zu sorgen. Doch woran liegt es, dass es solche Probleme bereitet, guten kompetenzorientierten Unterricht zu gestalten? Fehlende Bildungsstandards, welche die bisherigen Lernziele ersetzen sollen, können nur schwierig gebildet werden und lassen die Lehrkräfte vor einer Herausforderung stehen. Diese Ausarbeitung soll näher definieren, was „Bildungsstandards“ darstellen, welche Kompetenzen im Geschichtsunterricht erreicht werden sollen und warum eine Bildung der Standards sich als Herausforderung darstellt. Einschließlich soll auf die Kompetenz „Historische Kompetenz“ eingegangen werden und die Begriffe „content standard“ und „perfomance standard“ näher erläutert werden.
Des Weiteren soll ein kurzer Blick auf zwei verschiedene Kompetenzmodelle verdeutlichen, dass es keine einheitliche Veranschaulichung der Kompetenzen gibt, die Modelle gemeinsame, aber auch unterschiedliche Ansichten besitzen und verdeutlichen, warum eine klare Definition so schwierig ist. Abschließend stellt sich diese Ausarbeitung die Frage, ob es wirklich einen allgemeinen Bildungsstandard benötigt oder eine einfache und klare Definition der Kompetenzen ausreicht, um guten Unterricht in der Geschichtswissenschaft durchzuführen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Bildungsstandards
2.1 Historisches Denken, Lernen und das Geschichtsbewusstsein
3. Historisches Denken – Ein Kompetenz-Strukturmodell (FUER)
3.1 Die Kompetenzbereiche
4. Historisches Lernen – Ein Kompetenz-Strukturmodell (Gautschi)
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Herausforderungen und Notwendigkeiten einer kompetenzorientierten Unterrichtsgestaltung im Fach Geschichte. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwieweit allgemeine Bildungsstandards für eine effektive didaktische Praxis erforderlich sind und wie verschiedene Kompetenz-Strukturmodelle dabei unterstützen können, historisches Denken und Lernen zu fördern.
- Grundlagen und Funktionen von Bildungsstandards
- Begriffsbestimmung von historischem Denken und Geschichtsbewusstsein
- Analyse des FUER-Kompetenz-Strukturmodells
- Analyse des Kompetenz-Strukturmodells nach Peter Gautschi
- Vergleich der Modelle hinsichtlich ihrer Anwendbarkeit in der Geschichtsdidaktik
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Kompetenzbereiche
Das Prozessmodell des historischen Denkens lässt sich, wie bereits erläutert, auf drei Bereiche identifizieren. Diese sind nötig, wenn Menschen sich an Wahrnehmungen zeitlicher Veränderungen oder aus der Gegenwart rührenden Verunsicherungen historisch orientieren wollen. Hierzu gehören Fragekompetenzen, Methodenkompetenzen und die Orientierungskompetenzen. Die einzelnen Kompetenzbereiche bilden einen Kreislauf und es besteht ein Zusammenhang zwischen den verschiedenen Bereichen, da diese gemeinsam aus derselben Matrix abgeleitet wurden. Daher ist der Aufbau, der am Prozess historischen Denken orientierten Kompetenz hängt, eng mit der Entwicklung der Sachkompetenz verbunden.
Die historische Fragekompetenz ist der Ausgangspunkt von historischen Denkprozessen, welche benötigt wird, um mit Verunsicherungen oder Interesse umzugehen und sich als Ausgleich mit der Vergangenheit bzw. Geschichte auseinanderzusetzen. Es befriedigt das Bedürfnis bzw. den Aspekt des Geschichtsbewusstsein der Orientierung. Beide Aspekte können aus verschiedenen Zusammenhängen entspringen. Um diese Aspekte zu verarbeiten, bedarf es die Formulierung einer historischen Frage, mit welcher ein historischer Denk- und Orientierungsprozess eingeleitet wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Problematik des kompetenzorientierten Unterrichts und definiert das Ziel der Arbeit, Bildungsstandards sowie verschiedene Kompetenzmodelle kritisch zu betrachten.
2. Bildungsstandards: Dieses Kapitel erläutert die Funktion, Arten und die Notwendigkeit von Bildungsstandards als Instrument zur Qualitätssicherung und Unterrichtsentwicklung.
2.1 Historisches Denken, Lernen und das Geschichtsbewusstsein: Der Abschnitt diskutiert die Schwierigkeiten einer eindeutigen Definition des Geschichtsbewusstseins und verknüpft historische Lernprozesse mit der menschlichen Interpretation von Vergangenheit.
3. Historisches Denken – Ein Kompetenz-Strukturmodell (FUER): Hier wird das narrativistische Modell des FUER vorgestellt, das Prinzipien und Operationen als notwendige Orientierungsfunktion historischen Lernens begreift.
3.1 Die Kompetenzbereiche: Dieses Kapitel unterteilt die Kompetenzen in Frage-, Methoden-, Orientierungs- und Sachkompetenz, welche eng miteinander verknüpft sind.
4. Historisches Lernen – Ein Kompetenz-Strukturmodell (Gautschi): Das Kapitel analysiert das alternative Modell von Peter Gautschi, das insbesondere die narrative Kompetenz in den Mittelpunkt des Geschichtsunterrichts stellt.
5. Fazit: Das Fazit stellt fest, dass sich die betrachteten Modelle in ihren Zielen ähneln, jedoch unterschiedliche Schwerpunkte bei der Umsetzung und Inhalts- bzw. Kompetenzorientierung setzen.
Schlüsselwörter
Geschichtsdidaktik, Kompetenzorientierung, Bildungsstandards, Historisches Denken, Historisches Lernen, FUER-Modell, Peter Gautschi, Narrative Kompetenz, Geschichtsbewusstsein, Sachkompetenz, Methodenkompetenz, Orientierungskompetenz, Curriculum, Unterrichtsqualität, Historische Narration
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der kompetenzorientierten Didaktik im Geschichtsunterricht und untersucht, wie Schülerinnen und Schüler durch klare Strukturmodelle zum historischen Denken befähigt werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Bildungsstandards, die theoretischen Konzepte des historischen Lernens sowie der Vergleich fachdidaktischer Kompetenz-Strukturmodelle.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Autorin untersucht, ob allgemeine Bildungsstandards für modernen Geschichtsunterricht zwingend erforderlich sind oder ob eine klare begriffliche Definition der Kompetenzen ausreicht, um eine hohe Unterrichtsqualität zu gewährleisten.
Welche wissenschaftlichen Modelle werden verwendet?
Die Arbeit analysiert primär das FUER-Modell sowie das Kompetenz-Strukturmodell von Peter Gautschi.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden neben den theoretischen Grundlagen zu Bildungsstandards die einzelnen Kompetenzbereiche (Frage-, Methoden-, Orientierungs- und Sachkompetenz) detailliert analysiert und in den Kontext des historischen Lernens gestellt.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören "Historisches Denken", "Narrative Kompetenz", "De- und Re-Konstruktion" sowie "Geschichtsbewusstsein".
Warum wird das Geschichtsbewusstsein als wichtig erachtet?
Laut der Studie ist das Geschichtsbewusstsein die Basis für Orientierung in der Gegenwart; der Unterricht soll daher das Interesse an historischer Erkenntnis wecken, statt nur formale Standards abzuarbeiten.
Wie unterscheiden sich die Modelle von FUER und Gautschi?
Während Gautschi das Modell stärker über eine narrative Kompetenz und Inhaltsbezogenheit definiert, ordnet das FUER-Modell die Kompetenzen in eine komplexere Matrix aus Methoden und Prinzipien ein.
- Arbeit zitieren
- Sarah Friehsem (Autor:in), 2023, Kompetenzen im Geschichtsunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1379215