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Schrift und Schriftlichkeit im Rahmen mittelalterlicher Bildung

Title: Schrift und Schriftlichkeit im Rahmen  mittelalterlicher Bildung

Seminar Paper , 2009 , 25 Pages , Grade: Sehr Gut

Autor:in: Elisabeth Mayr (Author)

History - Basics
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Bildung im Mittelalter ging hauptsächlich ohne Schrift und “Schreiben können” von Statten und war auch kein Bestandteil des täglichen Lebens. Für unsere heutige Zeit ist dies völlig undenkbar, da die Beherrschung von Schrift zur Grundvorraussetzung zum Funktionieren unserer Gesellschaft gehört und ein Analphabet als minderbegabt stigmatisiert und in Folge dessen oft ausgegrenzt wird.
In der Welt des Mittelalters hingegen waren beinahe alle Teile der Bevölkerung Analphabeten und es war kein Manko. Für ein besseres Verständnis des mittelalterlichen Bildungsgedanken, ist es nötig, sich von unserem humanistischen oder auch “Humboldtschen” Bildundsideal zu entfernen.
Das Wort "Bildung", oder besser “pildunga”, wie es im Althochdeutschem hieß, bedeutete im Mittelalter "Bildnis" oder auch "Schöpfung" und es gab keine direkte lateinische Entsprechung dafür. Es war vielmehr eine ganze Reihe von Wörtern, die die mittelalterliche Bildungswelt umschrieb: Durch erziehen und unterrichten (instruere und eruditio) gelangte man zur Klugheit (prudentia) und erreichte im Idealfall die Weisheit oder auch Einsicht (sapientia). Des Weiteren spielten noch Erkenntnis (cognitio) und Vernunft (ratio) für das Verständnis der Bibel eine große Rolle.
Den Frauen sprach man eine ratio jedoch prinzipiell ab, weil ihre “intellektuellen Fähigkeiten von Natur aus geringer eingeschätzt wurden”, damit waren sie nicht in der Lage, “zur Erkenntnis Gottes zu gelangen”. Denn “nach herrschender Auffassung war es ihnen unmöglich, den Intellekt von Affekten und körperlichen Bedürfnisssen zu trennen”, dies war nur den männlichen Klerus vorbehalten. Um dieses Manko auszugleichen, wurde bei den Frauen die weibliche Unberührtheit ausschlaggebend für eine Annäherung zu Gott.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Bildung

1 Der Klerus

1.1 Schule und Lehrplan

1.1.1 Nach der Antike

1.1.2 Die septem artes liberales

1.1.3 Karl der Große

1.2 Klerus und Laien: Glaubensvermittlung?

2 Der Adel

2.1 Der Ritter

2.2 Die Herrscher

2.3 Adelige Laien

3 Die Frauen

3.1 Frauenklöster

3.2 Bei Hofe

3.3 Eine gebildete Frau?

4 Änderungen

5 Die Städte

6 Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht den Stellenwert von Bildung, Schriftlichkeit und Wissensvermittlung im Mittelalter. Dabei wird analysiert, wie sich das Verständnis und die Praxis von Erziehung und Lesen über die Epochen hinweg wandelten, wobei die verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen als primäre Träger und Akteure im Fokus stehen.

  • Die Rolle des Klerus als primäres Bildungsmonopol.
  • Die unterschiedlichen Bildungsvorstellungen und Ausbildungspraktiken von Adel, Klerus und Stadtbürgertum.
  • Die Funktion der Mündlichkeit und Symbolik im Gegensatz zur schriftlichen Wissensweitergabe.
  • Die Entwicklung von Bildungsmöglichkeiten für Frauen in Klöstern und am Hof.
  • Der Wandel zum profanen Bildungswesen und zur Volkssprache als Reaktion auf soziale und politische Veränderungen.

Auszug aus dem Buch

1.1.2 Die septem artes liberales

Der mittelalterliche Bildungskanon, die septem artes liberales, waren im Kern bereits in der Antike entstanden. Es war ein Wissenskanon, der jedem freien Mann (deswegen auch liberales) gestattet war zu lernen. Ein Streitfrage war, welche Künste in den Kanon Eingang finden sollten und beschäftitge schon antike Staatsmänner wie Cicero. Erst mit Cassiodor und seiner Abhandlung „Institutiones divinarum et saecularum lectionum“, kam es zu einer genauen Festlegung der sieben Freien Künste und die klassische Einteilung Quadrivium und Trivium. Da sein Werk bis ins Hochmittelalter hinein Wirkung hatte, gilt er heute als „der eigentliche Schöpfer des mittelalterlichen Lehrplans“ schlechthin, der dem „folgenden Jahrtausend als einem christlichen seinen Lehr- und Studienplan gab“.

Zum Trivium, auch Dreiweg genannt, zählten die Grammatik, die Rhetorik und die Dialektik. Wegen der Nähe der Sprache werden sie auch als die „redenden“ Künste bezeichnet.

Arithmetik, Geometrie, Musik und Astronomie waren die Fächer des „rechnenden“ Quadriviums, auch Vierweges. Gelernt wurde zuerst der Dreiweg, das war sozusagen die Grundausbildung eines Klerikers. Darauf folgte der Vierweg, so zumindest in der Theorie. In der Praxis sah es jedoch ganz anders aus, denn oft wurde die Lehre nur auf den Dreiweg beschränkt und der Vierweg Teil eines höheren Studiums, das nur wenige abschlossen. Oft hing die Qualität der Ausbildung auch von den unterschiedlichen Klöstern ab. So waren die Klosterschulen der Benediktinermönche die bedeutensten Bildungsstätten in Europa, denn ihr Gründer, der Hl. Benedikt von Nursia rief zur Betätigung mit den Wissenschaften auf.

Zusammenfassung der Kapitel

Bildung: Einführung in den mittelalterlichen Bildungsbegriff, der sich stark von heutigen Vorstellungen unterschied und primär mündlich geprägt war.

1 Der Klerus: Untersuchung des Bildungsmonopols der Kirche, der Rolle der Skriptorien und der zentralen Bedeutung der lateinischen Sprache.

1.1 Schule und Lehrplan: Analyse der schulischen Ursprünge nach der Antike, des Kanons der septem artes liberales und der Reformbemühungen unter Karl dem Großen.

1.1.1 Nach der Antike: Darstellung des Verfalls des römischen Schulsystems und der Rolle der frühen Klöster als Bewahrer von Wissen.

1.1.2 Die septem artes liberales: Erläuterung der sieben Freien Künste, unterteilt in Trivium und Quadrivium, als grundlegendem Wissenskanon.

1.1.3 Karl der Große: Fokus auf die Bildungsinitiativen Karls des Großen, die den Ausbau von Kloster- und Domschulen vorantrieben.

1.2 Klerus und Laien: Glaubensvermittlung?: Analyse der Möglichkeiten, wie religiöse Inhalte der nicht-lateinkundigen Bevölkerung durch Symbole und Liturgie vermittelt wurden.

2 Der Adel: Beschreibung der adeligen Erziehung, die primär auf körperliche Ausbildung und ritterliche Tugenden ausgerichtet war.

2.1 Der Ritter: Darstellung des Ritterideals und der anfänglichen Ablehnung von Schriftlichkeit als Ausdruck des Standesstolzes.

2.2 Die Herrscher: Untersuchung der herrscherlichen Ausbildung, der Fürstenspiegel und der tatsächlichen Schriftkompetenz mittelalterlicher Könige.

2.3 Adelige Laien: Überblick über die Ausbildung des Adels und den späteren Wandel hin zu einem gesteigerten Interesse an Schriftlichkeit.

3 Die Frauen: Analyse der Bildungschancen für Frauen, die trotz Geschlechtertrennung in bestimmten Institutionen möglich waren.

3.1 Frauenklöster: Untersuchung der Ausbildung in Nonnenklöstern, die als Orte gelehrter Frauen fungierten.

3.2 Bei Hofe: Darstellung der häuslichen Erziehung von adeligen Mädchen mit Fokus auf religiöse Unterweisung und praktische Fertigkeiten.

3.3 Eine gebildete Frau?: Zusammenfassende Bewertung des Bildungsgrades von Frauen im Vergleich zum Klerus.

4 Änderungen: Analyse der sozioökonomischen Entwicklungen, die zur Verbreitung der Volkssprache und der Schriftlichkeit im 13. Jahrhundert beitrugen.

5 Die Städte: Untersuchung der zunehmenden Unabhängigkeit des Bildungswesens von der Kirche und der Gründung städtischer Schulen.

6 Zusammenfassung: Synthese der Kernerkenntnisse über den Wandel von einem mündlich geprägten zu einem durch Schriftkultur und Volkssprache bestimmten Bildungswesen.

Schlüsselwörter

Mittelalter, Bildung, Schriftlichkeit, Klerus, Adel, Frauenklöster, septem artes liberales, Latein, Volkssprache, Wissensvermittlung, Rittertum, Stadtschulen, Mittelalterliche Pädagogik, Analphabetismus, Buchproduktion

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit dem Bildungswesen und der Bedeutung der Schriftlichkeit im Mittelalter und zeigt auf, dass Bildung nicht zwingend an das Schreiben gebunden war.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die Bildungsträger Klerus, Adel, Frauen und Stadtbürger sowie der Wandel der Wissensvermittlung durch den Einzug der Volkssprachen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die Gesamtsituation der mittelalterlichen Bildungskultur darzustellen und den Nachweis zu erbringen, dass diese Zeit nicht als „dunkel“ zu betrachten ist, sondern eine eigene, vorwiegend mündliche Logik besaß.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt eine historisch-analytische Methode, indem sie zeitgenössische Quellen, literarische Epen und Forschungsliteratur auswertet, um die Bildungslandschaft der verschiedenen Epochen zu rekonstruieren.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert detailliert die Erziehungspraktiken in Klöstern, bei Hofe und in den Städten und beleuchtet die Rolle von Institutionen und sozialen Gruppen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem das Bildungsmonopol des Klerus, die septem artes liberales, die Bedeutung der Mündlichkeit sowie die Emanzipation des Bildungswesens in den Städten.

Welche Rolle spielte die lateinische Sprache für das Bildungsmonopol?

Das Lateinische fungierte als exklusive Sprache der Gelehrten und Wissenschaften, wodurch der Klerus über lange Zeit ein faktisches Bildungsmonopol innehatte, da der Zugang zu höherer Bildung an diese Sprache gebunden war.

Warum war das Rittertum lange Zeit schriftlos?

Die Ausbildung des Adels war primär körperlich und auf Kriegskunst ausgerichtet; das Lesen und Schreiben galt als klerikale Tätigkeit und wurde teilweise sogar als unritterlich abgelehnt.

Welchen Einfluss hatten Frauen auf die mittelalterliche Bildungslandschaft?

Besonders in Klöstern genossen Frauen eine Ausbildung, die sie befähigte, religiöse Texte zu lesen und zu verstehen, womit sie neben dem Klerus eine bedeutende, wenn auch oft übersehene Bildungsschicht darstellten.

Wie veränderte das Städtewachstum ab dem 11. Jahrhundert die Bildung?

Die Städte strebten nach Unabhängigkeit von klerikalen Strukturen und gründeten eigene Schulen, um den praktischen Anforderungen in Wirtschaft und Verwaltung gerecht zu werden, was schließlich zur Einführung volkssprachlicher Unterrichtsformen führte.

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Details

Title
Schrift und Schriftlichkeit im Rahmen mittelalterlicher Bildung
College
University of Innsbruck  (Institut für Geschichte)
Course
SE Schrift und Schriftlichkeit im Mittelalter
Grade
Sehr Gut
Author
Elisabeth Mayr (Author)
Publication Year
2009
Pages
25
Catalog Number
V137935
ISBN (eBook)
9783668014435
ISBN (Book)
9783668014442
Language
German
Tags
schrift schriftlichkeit rahmen bildung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Elisabeth Mayr (Author), 2009, Schrift und Schriftlichkeit im Rahmen mittelalterlicher Bildung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/137935
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