In den letzten Jahren wurden wiederholt heftige Debatten über einen
zeitgemäßen Sportunterricht geführt. Jedoch wurde keine Diskussion
kontroverser geführt, als über die der "Leistung" bzw. des "Leistungsprinzips".
Als eine der Hauptforderungen der Leistungskritiker gilt die Abschaffung der
Notengebung im Schulsport, um den negativen Effekten der sogenannten
Leistungsgesellschaft entgegenzuwirken. So wird von ihnen eine
Prioritätenverschiebung weg vom Leistungsprinzip und hin zur freudbetonten
Sport- und Bewegungserziehung angeregt und angesichts des stetig
wachsenden Bewegungsmangels und falscher Ernährung bei Kindern und
Jugendlichen zunehmend nach Alternativen gesucht, um einem
Bewegungshandeln im Sportunterricht vor allem ohne Leistungsdruck
nachzugehen. Deswegen fordern sie beispielsweise Bewegungs- und
Spielformen, welche Kooperation sowie freudvolles Bewegen unterstützen und
fördern, ohne dass die Schüler dem üblichen Notendruck ausgesetzt sind. Als
Beweis dafür lassen sich die sogenannten Trendsportarten (Fun-Sportarten)
anführen, die vermehrt den "großen" traditionellen Sportarten Leichtathletik,
Schwimmen, Fußball, Handball, Gerätturnen den Rang in der Gestaltung des
Sportunterrichts abgelaufen. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Ambivalenz der Leistung
3. Leistungsbewertung im Sportunterricht
3.1. Argumente für Noten im Schulsport
3.2. Versuch der Entwicklung eines Leitfadens zur differenzierten Leistungsermittlung und Notengebung im Schulsport
4. Fazit
5. Bibliographie
Zielsetzung und Themenbereiche
Die vorliegende Arbeit untersucht die Ambivalenz des Leistungsbegriffs im Schulsport und analysiert kritisch die Debatte um die Notengebung, um einen differenzierten Ansatz für eine gerechte Leistungsbewertung zu skizzieren.
- Die kritische Auseinandersetzung mit dem Leistungsprinzip im Sportunterricht.
- Die Analyse der positiven und negativen Auswirkungen von Leistungsbewertung auf Schüler.
- Argumente für und gegen die Beibehaltung von Noten im Sportunterricht.
- Entwicklung eines Modells zur mehrdimensionalen Leistungsbewertung.
- Integration von sportmotorischen, sozialen und individuellen Kompetenzaspekten.
Auszug aus dem Buch
Die Ambivalenz der Leistung
Wie bereits im vorherigen Kapitel erwähnt, ist vor allem der Begriff der Leistung im Kontext von sportpädagogischen Auseinandersetzungen umstritten. Ursächlich dafür ist der ambivalente Charakter dieses Begriffes, denn sportliche Leistungen können neben positiven durchaus auch negative Wirkungen auf die Schüler haben (vgl. Uni Bielefeld Internet???). Auf der einen Seite können sie das Selbstwertgefühl eines Schülers stützen, es jedoch andererseits auch beeinträchtigen. Zum Beispiel wird ein Schüler der hervorragende sportliche Leistungen in den leichtathletischen Disziplinen Weitsprung und Ausdauerlauf oder im Schwimmen erbringt, mit großer Wahrscheinlichkeit mehr von seinen Mitschüler und auch von seinem Sportlehrer anerkannt. Er fühlt dadurch ein gesteigertes Selbstwertgefühl sowie weitere Motivation für zukünftiges sportliches Handeln. Sein Klassenamerad, der eine schlechte sportliche Leistung erbracht hat, beispielsweise ist er im 1000-m-Rennen Unterlegener, wird hingegen einen Motivationsverlust sowie eine negative Wirkung auf sein Selbstwertgefühl erfahren. Die Leistungserwartungen, die im Sportunterricht an die Schüler gestellt werden, können demnach positive als auch negative Effekte auf diese haben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der aktuellen Debatte um das Leistungsprinzip und die Notengebung im Sportunterricht angesichts sich wandelnder gesellschaftlicher Anforderungen.
2. Die Ambivalenz der Leistung: Untersuchung der widersprüchlichen Wirkung von Leistungsbewertung auf das Selbstwertgefühl und die Motivation der Schüler.
3. Leistungsbewertung im Sportunterricht: Erörterung der Argumente für die Notengebung und Vorstellung eines Konzepts zur differenzierten Leistungsbewertung.
3.1. Argumente für Noten im Schulsport: Analyse der Funktionen der Sportnote als Rückmeldung, Erfolgs- und Transparenzinstrument.
3.2. Versuch der Entwicklung eines Leitfadens zur differenzierten Leistungsermittlung und Notengebung im Schulsport: Vorschlag für ein Modell, das neben sportmotorischen Ergebnissen auch individuellen Fortschritt und soziales Verhalten einbezieht.
4. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Notwendigkeit einer mehrperspektivischen Sportpädagogik, die das Leistungsprinzip sinnvoll ergänzt.
5. Bibliographie: Auflistung der verwendeten Literatur und Online-Quellen.
Schlüsselwörter
Leistungsbewertung, Schulsport, Notengebung, Sportpädagogik, Leistungsprinzip, Sportmotorik, Motivation, Selbstwertgefühl, soziale Kompetenz, individueller Fortschritt, differenzierte Bewertung, Sportunterricht, Leistungsgesellschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt den Stellenwert und die Problematik des Leistungsbegriffs im schulischen Sportunterricht sowie die damit verbundene Frage nach der Berechtigung von Noten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören das Spannungsfeld zwischen Leistung und Motivation, die pädagogische Funktion der Notengebung und Kriterien für eine gerechte Leistungsbewertung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den ambivalenten Charakter von Leistung zu beleuchten und Wege aufzuzeigen, wie Leistungsbewertung jenseits rein sportmotorischer Daten differenziert erfolgen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine fachdidaktische Analyse, die auf der Auswertung sportpädagogischer Literatur und bestehender Modelle zur Notengebung basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert Argumente für die Notengebung und entwickelt einen Leitfaden, der körperlich-sportliche Leistung, individuellen Zuwachs und soziale Kompetenzen kombiniert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Leistungsbewertung, Schulsport, Notengebung, Sportpädagogik, Leistungsprinzip und soziale Kompetenzen.
Wie soll die Sportnote nach dem vorgestellten Modell zusammengesetzt sein?
Der Leitfaden schlägt eine Zusammensetzung aus sportmotorischen Leistungen, dem individuellen Leistungszuwachs sowie der Beurteilung sozialer Kompetenzen und weiterer fachlicher Leistungen vor.
Warum ist die Notengebung im Sport laut Autor ambivalent?
Leistung kann zwar motivierend wirken und das Selbstwertgefühl steigern, bei schwächeren Schülern oder unter Leistungsdruck jedoch auch zu Demotivation und einem negativen Selbstbild führen.
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- Florian König (Author), 2009, Problemfeld Leistung im Sportunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/137977